Da wird ordentlich Druck gemacht! | Foto: Offizin Darmstadt

Die lokale Kulturszene und (Stadt-) Kulturpolitik ist ständig in Bewegung – da bekommt man viele interessante Neuigkeiten nur am Rande, viel zu spät oder gar nicht mit. Schluss damit: An dieser Stelle servieren wir alle Info-Häppchen, welche die P-Redaktion in den letzten Wochen aufgeschnappt hat.

Lichtdruck ist ein 1870 entwickeltes Edeldruckverfahren, das bis heute als die „Königin der Reproduktionstechnik“ gilt. Selbst modernste Technologien reichen nicht an die gestochen scharfen Erzeugnisse des historischen Verfahrens heran. Ein großer Schritt zur Erhaltung dieses fast schon ausgestorbenen Kulturguts – weltweit beherrschen nur noch rund 50 Menschen dieses Handwerk – ist nun den Darmstädtern Holger Lübbe und Wolfgang Blauert (Offizin Lichtdruck & Fotografie) gelungen. Mit Unterstützung von Peru bis Japan konnten die beiden Fotografie-Enthusiasten mehr als 20.000 Euro über ihre Crowdfunding-Kampagne einwerben, um die Lichtdruckmaschine „Faber & Schleicher 2169“ wieder in Betrieb zu nehmen. Die faszinierende Mechanik mit Baujahr 1890 bringt ganze sechs Tonnen auf die Waage, war bisher im Haus der Industriekultur ausgestellt und wartet nach dem aufwändigen Transport und Einbau in der Bessunger Offizin-Werkstatt auf Aufträge. www.offizindarmstadt.de

Dass der Friedensplatz komplett umgekrempelt und saniert wird, ist nichts Neues. Dass die Kosten für die bevorstehenden Arbeiten mehr als zwei Millionen Euro höher als geplant ausfallen, hingegen schon. Nachdem die Bäume bereits gefällt wurden und bald auch alle Beton-Elemente entfernt werden, sind wir auf das Ergebnis des 5-Millionen-Euro-Bauprojekts gespannt. www.darmstadt.de

Neu gestaltet werden soll auch der Karolinenplatz. Für 850.000 Euro soll die „Aufenthaltsqualität“ auf der Fläche zwischen Landesmuseum, Herrngarten und TU Darmstadt gesteigert werden. Wasserbecken, Betonmauern und Pflanzenbeete sollen zurückgebaut werden, Leuchten, Poller und Sitzbänke den öffentlichen Raum attraktiver machen. Los geht’s 2018. www.darmstadt.de

Dort steigt auch dieses Jahr wieder das Schlossgrabenfest. Headliner für das Umsonst-und-draußen-Festival vom 25.05. bis 28.05. ist Max Giesinger. Dass der seit seinem Casting-Show-Erfolg von 2012 im Radio rauf und runter läuft, mussten wir aber auch erst recherchieren. www.schlossgrabenfest.de

Geiler liest sich da schon das bisherige Line-up des Maifeld Derby. Das Open Air in Mannheim präsentiert vom 16.06. bis 18.06. Spitzen-Acts wie Moderat, Slowdive, Metronomy, Sohn, Kate Tempest, Thurston Moore, Dear Reader und Friends Of Gas. www.maifeld-derby.de

Der Künstlerkeller könnte noch dieses Jahr endlich wieder seine Türen öffnen. Wirklich! Das vermeldete der Keller-Klub-Vorstand kürzlich mit „begründeter Hoffnung“. So habe man sich endlich mit der TU Darmstadt, Eigentümerin und Bauherrin der Sanierungsarbeiten, über die Ausgestaltung der neuen Räume einig werden können und sei „ziemlich begeistert“, weil nicht nur an „alles gedacht“ worden sei, sondern auch Decken, Wände und Einrichtung wieder sehr geschmackvoll gestaltet werden. Um den Eigenanteil von 40.000 Euro für die Sanierungsarbeiten stemmen zu können, freuen sich die Betreiber des historischen Kultur-Kleinods weiterhin über Spenden – und neue Vereinsmitglieder. Infos: www.keller-klub.de

Keeping it busy! Phonk D haut mit seinem Label Footjob jetzt fast schon monatlich Veröffentlichungen raus. Der neueste Streich ist die „Rhythm 4 Tha Dancefloor“-EP. Für die Platte steuerte Chicago’s finest DJ Lil ‚Tal (war in den 90ern auf Dance Mania!) drei disco-lastige Tracks bei, ein vierter ist ein Remix des Label-Chefs. Gibt’s auf Vinyl und digital. www.footjob-music.com

Neue Musik gibt’s auch von den Messer Brüdern. Das Trio um Sängerin und Schauspielerin Julia Rothfuchs hat neben Auftragsarbeiten für verschiedene Theater (Staatstheater Darmstadt, Theater Landungsbrücken in Frankfurt) Zeit gefunden, Stücke für eine neue CD aufzunehmen. Die heißt „Fahr zur Hölle“, kommt mit Elektro-Garage-Rock, ist geil, beim Kölner Label Reptile Records erschienen und hier erhältlich: www.reptile-music.net

Darmstadts Funk-Soul-Rock-Supergroup Dirty Flamingo hat kürzlich mehrere Tage in den Iron Bar Studios verbracht, um unter den Fittichen von Lolo Blümler Songs für ne Platte aufzunehmen. www.facebook.com/DirtyFlamingoSoul

Darf nie vergessen werden: 3.000 Juden sowie 600 Sinti und Roma wurden in den Jahren 1942 und 1943 von Darmstadt aus in Konzentrationslager deportiert. Daran erinnert seit 2004 am ehemaligen Güterbahnhof – dort, wo Menschen in Viehtransporter verladen wurden und in den Tod reisten – das Denkzeichen Güterbahnhof. Seit seiner Installation an der Ecke Kirschenalle/Bismarckstraße war der mit Scherben gefüllte Glaskubus von Ritula Fränkel und Nicholas Morris mehrfach Vandalismus ausgesetzt. Lange trotzte das mahnende Kunstwerk diesen Zerstörungen, das Künstlerpaar integrierte diesen – traurigen – Umgang schließlich sogar in das Konzept ihres Werkes. Doch selbst zweifaches Sicherheitsglas konnte irgendwann langfristige Schäden nicht verhindern. Nach Abschluss der Straßenbauarbeiten rund um die Kreuzung ist das nun zum dritten Mal erneuerte „Denkzeichen“ an seinen historischen Standort zurückgekehrt. www.denkzeichen-gueterbahnhof.de

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