Blackbox Nonstock
Foto: Jan Ehlers

15 Jahre Ku(h)ltur im Fischbachtal: Musikgrößen, unentdeckte Talente und Besucher aus ganz Deutschland zieht es im Sommer in den Odenwald. Nonstock verbindet das Dorf Nonrod und das legendäre Festival Woodstock zu einem kleinen Festival mit Charakter. Das P traf die jungen Veranstalter Burkhard (B), Florian (Fl), Fabian (Fa), Marc (M) und Johannes (J) anlässlich des bevorstehenden 15. Jubiläums.

Aus einer Kuhwiese im Fischbachtal wird für zwei Tage im Jahr die „Kulturwiese“. Wie kam es zu der Idee, mitten im Odenwald ein Festival ins Leben zu rufen?

B: Schuld war die Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit in einer Gegend, die sehr unmusikalisch und unjugendlich ausgerichtet war. Als Jugendlicher muss man sich mit etwas beschäftigen und meine Interessen lagen im Bereich Musik. Meine damalige Band hatte keine Auftrittsmöglichkeiten, so dass wir mit befreundeten Musikern ein Festival aus der Senke gehoben haben. Das erste Festival fand auf meinem Elternhof statt und fing 1998 so erfolgreich an, dass wir beschlossen, das auf eine Wiese im Fischbachtal zu verlegen. Danach haben sich uns immer mehr Jugendliche angeschlossen.

Seit 2003 existiert der Kulturwiese Nonstock e.V. Welche Idee steckt hinter dem Verein?

B: Zuerst waren wir einfach Musiker und Verrückte. 2003 haben wir den Verein gegründet, weil wir Bands irgendwann mehr als einen Kasten Bier bezahlen mussten und Rechnungen bekommen haben, für die jemand aufkommen musste. Also haben wir das gebündelt. Mittlerweile gibt es in Deutschland eine richtige Festivalkultur und viele davon sind in einer Vereinsstruktur organisiert, gerade die kleineren. So kann man juristisch auftreten, ohne das hauptberuflich zu machen.

M: Der Verein ist mehr als das Festival, mehr als ein rechtlicher Rahmen. Mit ihm können wir auf dem Land, wo es nichts gibt, ein bisschen Ku[h]ltur schaffen. Neben dem Festival veranstalten wir noch mehr, auch hier in Darmstadt haben wir im 603 qm und in der Oetinger Villa Partys veranstaltet.

Nicht jeder ist begeistert von einem Festivalgelände in der Natur. Ihr habt Anwaltsschlachten mit einem Jagdpächter hinter Euch. Wie hat sich das ausgewirkt?

Fl: Aufgrund dieser Auseinandersetzung hatten wir 2010 nur eine „Wald- und Wiesensause“. Das war nur eine Tagesveranstaltung, die sehr klein gefahren und kurzfristig organisiert wurde, weil man uns im Jahr 2009 mit einer Unterlassungsklage gedroht hat.

B: Wir mussten uns zurückziehen und das auch als Verein durchstehen. Das haben wir geschafft und wurden von vielen Seiten unterstützt. Also haben wir uns gesagt: „Wenn wir 2011 zurückkommen, dann richtig.“

Hat sich seitdem eine Kursänderung abgezeichnet?

B: Ja, das Festival hat sich damals neu definiert. Ausgerichtet ist es wie früher: Wir wollen als Verein im Fischbachtal ein schönes Musikfestival mit einem breiten Angebot umsetzen. Allerdings mit gewissen Standards. Es gibt inzwischen einen Festivalmarkt, also gibt es Ansprüche, zum Beispiel saubere Toiletten, gute Campingplätze und Verkehrsanbindungen. In dieser Hinsicht versuchen wir mit den großen Festivals ein Stück weit mitzuhalten. Die Leute sollen sich wohlfühlen, auch auf kleinen Festivals.

Fa: Im musikalischen Bereich haben wir gerade in den letzten drei Jahren versucht, unsere Kerngenres zu finden, die wir gerne hören und auch bedienen möchten. HipHop, Singer/Songwriter, elektronische Klänge, Rock, Indie, Progressive, Punk gehören dazu – aber alles mit einem roten Faden.

Wie steht es um die Konkurrenz zu umliegenden kleinen Festivals?

Burkhard: Konkurrenz würde ich das nicht nennen. Natürlich greifen die auch mal eine Band ab, die wir gerne hätten. Letztendlich arbeiten wir aber zusammen. Wir treffen uns, kooperieren über Sponsoren, erstellen zusammen Flyer und machen bei anderen Festivals Promo-Aktionen.

Gab es jemals ernste finanzielle Probleme?

B: Die letzten 15 Jahre vielleicht. [lacht] Wir hatten schon heftigste finanzielle Probleme wegen drei Jahren Regenwetter. Und das kann schnell passieren, jedem Festival. Auch im Moment sind die Leute noch zurückhaltend bei den Ticketkäufen, so dass wir inzwischen feste Sponsoren haben, die uns finanziell unterstützen. Das gibt uns eine gewisse Sicherheit.

Ihr und Euer Helferteam arbeitet ehrenamtlich. Was motiviert Euch dazu, Nonstock trotz leerer Kassen, Ärger mit den Behörden oder schlechtem Wetter jedes Jahr weiterzuführen?

M: Es ist die Dankbarkeit in der Aufbauwoche: Zu sehen, wie da immer mehr hinzukommt, wie die Bühne hochfährt, wie die Besucher hereinströmen, feiern, am Lagerfeuer sitzen. Auf dem Campingplatz spielen die Leute mit „Bembel-With-Care“-Fässern Fußball … solche Momente sind wie Applaus. Das sind einfach die schönsten zwei Wochen im Jahr.

B: Für uns und die Dorfjugend ist es mittlerweile ein Antrieb zu sehen, was wir erreichen können. Ich meine, wir können uns Dendemann und Dog Eat Dog auf das Festival holen! Das spornt uns an.

Fl: Und es ist einfach unser Hobby. Wir sind ein großer Freundeskreis, der das organisiert, und haben einen jungen Vereinsvorstand. Es macht Spaß.

Für Besucher ist ein überschaubares Festival gemütlich und aufregend zugleich. Wie seht Ihr das als Veranstalter? Welche Vor- und Nachteile bietet ein kleines Festival?

Fa: Es bedeutet Überzeugungsarbeit, wenn man an Agenturen herantritt, gerade bei jemandem wie Dendemann. Für Agenturen sind die Besucherzahlen die Messlatte. Wir müssen vermitteln, was ein kleines Festival ausmacht – und das ist uns in den letzten Jahren ganz gut gelungen. Wir müssen uns auch im finanziellen Rahmen bewegen, den ein kleines Festival zur Verfügung hat. Das Line-up muss da reinpassen.

B: Ein riesengroßer Vorteil ist der familiäre Charakter und die entspannte Atmosphäre. Die Bands gehen oft einfach vor die Bühne, in unser Filmzelt oder Pommes-und-Bratwurst-Essen. Die Besucher mögen das und freuen sich über die Möglichkeit, die Bands kennenzulernen. Bei größeren Festivals gibt es da mehr Berührungsängste. Die Security hatte auch nie wirklich etwas zu tun.

Wie gestaltet sich die Arbeit mit den Bands?

B: Wenn die aufs Festival kommen, trinken wir erst einmal zusammen einen Schnaps, wenn die Band das nicht macht, schicken wir sie gleich wieder nach Hause. [lacht] Wir müssen wissen, dass die Bands bei uns funktionieren, dass sie Bock auf das Festival haben. Wenn das nicht harmonisch ist, ist das uncool. Das gab es aber noch nicht, die Bands wissen ja, worauf sie sich einlassen. Und es gibt auch Musiker, die schon mehrmals bei uns gespielt haben, weil wir uns gut verstehen.

Danke für das Interview!

www.nonstock.de

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