Foto: Mathias Hill

Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass Darmstadt gemessen an seiner Einwohnerzahl überdurchschnittlich viele wichtige DJs, Produzenten, Netzwerker, Persönlichkeiten, Veranstalterkollektive, Labels und Clubs aus den verschiedensten Bereichen elektronisch generierter Musik hervorgebracht hat: Gerd Janson, Ricardo Villalobos, DJ Kemal, Cafekesselhaus, Das Blumen, Galerie Kurzweil, Weststadt, Ponyhof, Level 6 und und und. Eigentlich sollte deshalb am Ortsschild stehen: „Techno- und House-Stadt Darmstadt“. Das ist einfach treffender als „Wissenschaftsstadt“ oder „die Stadt im Wald“! Nun taucht ein neues, fünffingriges Deep-House-Label am Firmanent auf. Was es damit auf sich hat, klärte sich in unserem Gespräch mit den Betreibern Rüdiger Pohl und Oliver Frank.

Woher stammt der Labelname? Vermutlich steckt da mehr Lokalkolorit drin als Kung Fu, oder?

Rüdiger: Ja, klar! Der Name bezieht sich auf den Fünffingerturm, nicht auf den „Five Finger Death Punch“ [fiktive Kung-Fu-Technik aus dem Film „Kill Bill“] – obwohl das natürlich auch cool gewesen wäre …

Seit wann existiert das Label und warum wurde es gegründet?

Oliver: Wir organisieren seit etwa acht Jahren Veranstaltungen unter dem Namen „:kopfsache“. Nach und nach kam bei uns der Wunsch auf, etwas darüber Hinausgehendes, etwas Bleibendes zu schaffen. Im Juni letzten Jahres haben wir dann schließlich unsere erste 12“-Single veröffentlicht: „Mathilde“ von Chris Geschwindner. Es ist auch ganz schön, dass wir mit der Galerie Kurzweil kooperieren, wo dann unsere Releasepartys stattfinden.

Wie viele Releases gibt es?

R: Bisher zwei, ein dritter ist in Arbeit. Bislang sind es, ganz wie es der Labelname andeutet, ausschließlich Artists aus Darmstadt.

In welchen Auflagen und in welchem Format sind die Tonträger erschienen?

O: 12“-Vinyl-Singles, 500er-Auflage, Full-Cover, 180-Gramm-Vinyl – also insgesamt eine sehr wertige Aufmachung. Reich wird man damit nicht [lacht]. Ich muss aber betonen, dass der Prozess sehr viel Spaß macht, gerade auch das Gestalten des Artworks. Nachdem auf dem Cover der ersten 12“ eine Hand zu sehen war, die an den Fünffingerturm erinnert, wollen wir jetzt gemeinsam mit unserem „Haus-Grafiker“ Dominik Kramm eine Reihe mit Bildern von Statuen und besonders markanten Punkten in Darmstadt durchziehen, die mit der aktuellen 12“ von Sercan, „The Yellow Boy on Drums“, beginnt.

Welche Platte der Musikgeschichte hättet Ihr am liebsten veröffentlicht?

Beide: Villalobos „Waiworinao“ [Der Track ist 2003 auf der B-Seite der EP „Alcachofa Tools“ auf dem Playhouse-Label erschienen.]

O: Ricardo Villalobos ist einfach ein sehr starker Influencer, der hat in Darmstadt schon vor mehr als 20 Jahren ganz wichtige Veranstaltungen gemacht.

Was ist der Label-Bestseller?

O: Die erste Platte ist gut angenommen worden, auch international, die verkauft sich auch in London und Tokyo – unser Vertrieb Oval Distribution macht da einen guten Job!

Erzählt bitte kurz was zu den Künstlern auf Eurem Label …

R: Chris Geschwindner – er ist ein junger, aufstrebender Produzent, der studiert hier Raumfahrttechnik. Ihm ist wichtig, dass er ganz viel Analogtechnik für seine Tracks nutzt, das hört man auch.

O: Und Sercan … der ist ein alter Hase. Er hat nach einer längeren Veröffentlichungspause, in der er sein Sound-Engineer-Studium abgeschlossen hat, bei uns wieder was herausgebracht.

Und wer sind Eure Lieblingskünstler allgemein?

Beide, nach einigen Momenten des Abstimmens: Zip [Thomas Franzmann aka Zip aka Dimbiman, Mitbegründer des Frankfurter Perlon-Labels]; RPR, das ist ein rumänisches Minimal-Label, und Einzelkind [ebenfalls ein Frankfurter Techno-House-Act].

R: Ansonsten aber auch sehr viel US-HipHop aus den Neunzigern …

Was ist die Zukunftsperspektive für das Label?

O: Das Ziel ist es erst einmal, mehr Releases als im letzten Jahr rauszubringen. Abgesehen davon sehen wir uns mehr so als die Organizer, die ihre Crew zusammenhalten …

R: Wir haben trotz unterschiedlicher Wohnorte einen zusammenhängenden Freundeskreis – und Darmstadt ist die Klammer!

 

www.soundcloud.com/fivefinger_rec

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Unusual Love Notes presents Ion Ludwig live!

Line-up: Ion Ludwig live (Electro-Acoustics Frequency Juggler) + Marc Philipp + Nils Weimann + Sercan & Dennis Knob aka Dubmodel

Veranstalter dieser neuen Reihe: Five Finger Records + Utique + 87 Records

Galerie Kurzweil | Fr, 12.05. | 23 Uhr | 10 €

 

Win! Win!

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