Mit Jürgen im Kino töpfern

Das literarische Darmstadt im Mai

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Je wärmer es draußen wird, umso ungewöhnlicher werden die belesenen Orte:

Dienstag, 02. Mai

„Das Floß der Medusa“ entdeckt ein Kapitän 1816 vor der Westküste Afrikas. Auf ihm findet er die letzten Überlebenden eines Schiffsunglücks vor. Wie es den Ausgesetzten ergeht, können wir von Franzobel ab 19 Uhr in der Kunsthalle erfahren.

 

Mittwoch, 03. Mai

„Schaurig-schöne Darmstädter Kurzkrimis“ bringt das Literaturhaus ab 19.30 Uhr auf seine Lesebühne. Andreas Roß lässt Kriminalkommissar Dobermann die Fährte in die Unterwelt aufnehmen; Ralf Schwob wagt sich bei seinen regionalen Ermittlungen auch ins Ried vor. Beide Autoren waren zuvor Schüler der Textwerkstatt, deren Leiter Kurt Drawert den Abend moderiert.

 

Donnerstag, 04. Mai

Empathisches wie auch kriminalistisches Gespür bringt Ergotherapeut Jakob auf, als er „Das Mädchen vom Bethmannpark“ betreuen muss. Wie er dabei mit ihrer Amnesie umgeht, erfahren wir von Pete Smith, der auf Einladung der Literaturinitiative ab 19.30 Uhr im Künstlerhaus Ziegelhütte aus seinem Frankfurt-Krimi liest.

Im Schlösschen im Prinz-Emil-Garten erinnert Übersetzerin Suzanne Bohn ab 20 Uhr mit einem Rezitationsabend an „Das Salz auf unserer Haut“ – und vor allem an die im letzten Jahr verstorbene französische Autorin und Feministin Benoîte Groult.

 

Samstag, 06. Mai

Zum 43. Krone-Slam treten ab 20 Uhr unter anderem Bonny Lycen aus Leipzig, Leticia Wahl aus Marburg und Jean-Philippe Kindler aus Tübingen an das Mikrofon und in den Wettbewerb um die letzte Krone in der Goldenen Krone vor der Sommerpause.

 

Sonntag, 07. Mai

Der „Tag der Literatur in Hessen 2017“ bietet gleich drei Lesungen: Die Darmstädter Literatenvereinigung Poseidon ehrt im Theater im Pädagog ihr verstorbenes Mitglied Renate Axt mit der Lesung einer Auswahl ihrer Texte, die sowohl Kinderbücher und Gedichte als auch Erzählungen und Dramen umfassen.

„Im Kino“ hält sich Harald Martenstein am liebsten auf, in täglichen Kolumnen darf er während der Berlinale diese Leidenschaft ausleben. Im Programmkino Rex lädt der Journalist und Romancier zu einem Director’s Cut ab 20 Uhr. „No Country for Old Men“ ist allerdings kein Protestausruf des streitbaren Autoren, sondern sein erklärter Lieblingsfilm, der anschließend als Anschauungsmaterial dient.

„Jürgen“ sucht Frau! So lautet der Beschluss, den Heinz Strunk seinen verhinderten Liebhaber fassen lässt. Wie weit dieser Reisebus-Romantiker mit Freund Bernie und den Profikupplern von „Eurolove“ kommt, erfahren wir ab 20 Uhr im Herrngartencafé.

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Dienstag, 09. Mai

Not kennt kein Gebot, denn „Der Himmel gibt, der Himmel nimmt.“ Und so kommt es, dass eine marokkanische Mutter dafür sorgt, dass ihr Baby nicht mehr wächst, damit sie erfolgreicher betteln kann. Wie sich das hilflose Krümelchen dennoch befreit, beschreibt Mahi Binébine in seinem Roman, den er unterstützt vom Kulturjournalisten Ruthard Stäblein ab 19 Uhr im Literaturhaus vorstellt.

 

Mittwoch, 10. Mai

Beim 24. Poetry Slam Weiterstadt lässt Egon Alter ab 20 Uhr im Kommunalen Kino wieder alte Talente gegen Profis von Morgen antreten.

 

Donnerstag, 11. Mai

Am Tresen gedeihen steile Thesen und werden schnell widerlegt. Mit einem Wischer über die Bierpfützen hat der wirre Wirt Norbert noch jede Logik zerlegt – das wissen „Kloß und Spinne“ nur zu gut. In seinem „Schnipselfriedhof“ lässt Volker Strübing die beiden sympathischen Kneipendenker dennoch immer wieder einkehren. Und so können wir ab 20 Uhr auf der Piazza vor der Centralstation an ihren Gesprächen teilhaben.

 

Samstag, 13. Mai

Zu einer deutsch-italienischen Lesung lädt die Società Dante Alighieri ab 19.30 Uhr ins Theater im Pädagog ein. Michaela Murgia liest dann aus „Chirú“ vor, einem Roman, in dem der gleichnamige 18-jährige Musikstudent eine unbestimmte vielfältige Beziehung mit seiner Lehrerin führt. Moderiert wird die emotionale Reise des ungleichen Paares von Sardinien durch ganz Europa von Grazia Battista.

 

Dienstag, 16. Mai

Auf „Die weiße Straße“ begibt sich Edmund de Waal auf den Spuren seiner zweiten Leidenschaft: dem Töpfern. Diese führt ihn von Jingdezhen über Dresden nach Versailles und weiter zu einer Porzellan-Prosa und einem zweiten Roman, aus dem der niederländische Bestsellerautor ab 18 Uhr im Literaturhaus liest.

„Verfolgte Autoren“ suchen „Zuflucht in Deutschland“. Mit seinem Writers-in-Exile Programm hilft das PEN-Zentrum Deutschland Schriftstellern, nach ihrer Flucht ihre Arbeit fortzusetzen. Der in Darmstadt ansässige Ableger der internationalen „Poets, Essayists, Novelists“ stellt ab 19 Uhr im Literaturhaus mit Sanath Balasooriya aus Sri Lanka und Enoh Meyemesse aus Kamerun zwei Stipendiaten mit ihren Texten aus einem Sammelband vor.

 

Freitag, 19. Mai

Tobi Katze macht „rocknrollmitbuchstaben“, also im Poetry Slam geschulte Texte, die auf der Bühne im Stehen vorgetragen werden und sofort sitzen. Bekannt wurde der Ruhrpott-Poet durch den witzigen Umgang mit seiner Depression. Dass er die Balance zwischen Ernst und Heiterkeit auch in anderen Themen beherrscht, beweist er ab 19.30 Uhr in der Centralstation.

 

Sonntag, 21. Mai

„Wozu Lyrik heute“ immer noch gut ist, erklärt Jutta Schubert im Literarischen Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags und erinnert ab 11 Uhr an die 2006 verstorbene Lyrikerin Hilde Domin.

„Hölle, Tod und 1.000 Teufel“ setzt Roland Benz in Bewegung, um mit skorbutöser Dekoration im Hoffart-Theater ab 18 Uhr seine schaumumtosten Seeungeheuer und namenlosen Kreaturen Planken schwanken zu lassen.

 

Montag, 22. Mai

Katarina Frosterson gilt als bedeutendste schwedische Schriftstellerin der Gegenwart. Selbst Mitglied des Nobelpreis-Komitees wurde sie für ihre Werke mit zahlreichen skandinavischen Preisen bedacht. Ab 19.30 Uhr liest sie eine Auswahl ihrer Gedichte. Moderiert wird der Abend in der Stadtkirche von Pfarrerin Bianca Schamp, die auch die deutschen Übersetzungen liest.

 

Dienstag, 23. Mai

Was Ihr Euch nie zu fragen trautet, bekommt Ihr ab 20.30 Uhr im Schlosskeller beantwortet. Dort wird aus erster Hand über „Das Leben mit einer Lesbianerin“ berichtet. Mehr zum gleichnamigen Blog erfahrt Ihr hier.

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