Buchhandel und Zeitenwandel

Das literarische Darmstadt

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Die Welt passt zwischen zwei Buchdeckel und so denken auch lokale Veranstalter global:

Mittwoch, 01. November

„Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett“, empfiehlt Nancy Hünger aus Erfurt in ihrem neuesten Gedichtband, aus dem sie an diesem Lyrikabend der Lesebühne im Literaturhaus ab 19.30 Uhr ihre Verse vorliest. Als „Die Mittagsseglerin“ stell sich Monika Endres-Stamm vor, die ebenfalls ihr bisheriges, vor allem naturlyrisches Schaffen präsentiert.

Wenn die Kommissare Wallner und Kreuthner heißen, wird selbstverfreilich in Bayern ermittelt, genauer: am Tegernsee. Über eine mysteriöse Leiche am gar nicht so idyllischen „Schwarzwasser“ klärt uns Andreas Föhr ab 20 Uhr in der Bücherinsel Dieburg auf.

 

Donnerstag, 02. November

Wenn sich Gerichtsmediziner in der Stadt treffen, kann das Mordopfer nicht weit sein. Wie es ein Schädel aber sogar ins Kongresszentrum schafft, müssen die Darmstädter Kommissare Gabriely und Horndeich herausfinden. Spannende Pannen und Fährten erläutert Michael Kibler in der Premierenlesung ab 19 Uhr im Halbneun-Theater.

„Einen Tag für Blinde, Lahme und Verrückte“ begeht die Literaturinitiative ab 19.30 Uhr im Künstlerhaus Ziegelhütte. Der erblindete Autor Dieter Kleffner erstellt seit einigen Jahren seine literarischen Texte mithilfe eines Computerprogramms. So diktiert sind mehrere Thriller, Krimis und eine Autobiografie entstanden, aus denen wir beispielhafte Auszüge hören.

 

Samstag, 04. November

Mit der Kinderbuch-Autorin Antje Herden und dem Novellisten Rainer Wieczorek empfehlen sich in der Büchergilde Buchhandlung am Markt zwei Darmstädter Schriftsteller ab 11 Uhr hinter dem Tresen zwischen Kaffee und Kuchen als Büchermenschen mit Tipps und Tricks nicht nur für das gelungene Wochenende.

Unter anderem Vivien Müggenburg aus Essen und Max Humpert treten ab 20 Uhr in den Wettstreit um die Dichter-Krone beim 45. Krone-Slam in der Goldenen Krone an, der auch Platz für spontane Newcomer auf der offenen Liste bietet.

 

Sonntag, 05. November

„Das Ende“ naht ab 17 Uhr in der Stadtkirche, wenn der ungarische Autor Attila Bartis das Leben von András Szabad Revue passieren lässt: Dem wird in den 1950er Jahren kaum ein Schicksalsschlag erspart: Der Vater wird verhaftet, die Geliebte kommt bei einem Unfall ums Leben – es bleibt die Kamera als Anker in dieser düsteren Welt ohne Halt. Bianca Schamp liest die die Übersetzung von Orsolya Kalász, die den Abend auch moderiert.

 

Montag, 06. November

„Sag NEIN!“ forderte kurz nach Kriegsende der 1947 verstorbene Wolfgang Borchert auf. In ihrer Reihe um „Deutsche Autoren und der Zweite Weltkrieg/die Nazidiktatur“ bringen Peter Benz, Karlheinz Müller und Horst Schäfer ab 19 Uhr im Literaturhaus dieses Protest-Manifest und andere Auszüge aus Borcherts Werk in Erinnerung.

 

Dienstag, 07. November

„Sie kam aus Mariopol“ und noch viel mehr weiß Natascha Wodin über ihre ukrainische Mutter zu berichten. So erfahren wir in ihrem viel gelobten Roman einen umfassenden Einblick über das Leben einer Frau, die einer enteigneten Adelsfamilie entstammt, als Zwangsarbeiterin nach Nazi-Deutschland verschleppt wird und nie mehr zur Ruhe kommt. Aus ihrer preisgekrönten Spurensuche liest die in Fürth geborene Autorin ab 19 Uhr im Literaturhaus.

 

Mittwoch, 08. November

Unter dem Motto „Lesen, Lauschen, Lachen – Luther!“ widmet die Johanneskirche ab 20 Uhr diesen Abend dem jubilierenden Reformator. Der Schauspieler Samuel Koch liest aus einschlägigen Texten, der Organist Bernhardt Brand-Hofmeister begleitet ihn an der Orgel.

 

Donnerstag, 09. November

„Gut gebrüllt!“ ist oft halb gewonnen. Seine Argumentation bezieht Mario Ludwig allerdings auf die Sprache der Tiere; sein einführendes Sachbuch stellt er ab 19 Uhr im Literarium der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft vor.

 

Samstag, 11. November

„In 80 Buchhandlungen um die Welt“ ist Torsten Woywood gereist und hat dabei zahlreiche Anekdoten gesammelt. Ein paar mögen dazukommen, wenn er ab 17 Uhr in der Buchhandlung am Markt einige Kostproben zum Besten gibt.

 

Dienstag, 14. November

„Den Koffer trag ich selber“ beschließt Eva Demski und blickt in ihren Memoiren auf bekannte und unbekannte Begleiter zurück; persönliche Einblicke gewährt uns die für ihre zeitgenössischen Porträts berühmte Schriftstellerin auch ab 19 Uhr im Literaturhaus.

 

Freitag, 17. November

„Der Brief des Zauberers“ wird 1936 von Thomas Mann im Züricher Exil verfasst. Über dramatische Ereignisse im Leben des berühmten Romanciers berichtet die Amsterdamer Autorin Britta Böhler in ihrem neuen Roman und ab 19 Uhr im Literaturhaus.

 

Sonntag, 19. November

Rose Ausländer wurde 1901 in der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Stadt Czernowitz geboren und konnte die Verfolgung und Vernichtung der rumänischen Juden im Zweiten Weltkrieg in einem Kellerversteck überleben. Ihr lyrisches Werk aus der Nachkriegs-Zeit entstand zwischen Wien und Düsseldorf und auf ausgedehnten Reisen unter anderem nach Italien und in die USA. Wie es zu ihrem erst späten Ruhm kam, erläutert Andrea Bauer ab 11 Uhr im Literarischen Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags.

 

Dienstag, 21. November

Ihre aktuellen Lieblingsbücher stellen Darmstadts Unabhängige Buchhandlungen ab 19 Uhr im Literaturhaus vor, die Angabe „11/10“ bezieht sich auf den in der Branche gängigen Naturalrabatt.

 

Mittwoch, 22. November

Über den „Männerstolz vor Königsthronen“ und der Frage, was der Schriftsteller Frank Wedekind und der Entertainer Jan Böhmermann gemeinsam haben, referiert Urania Milevski aus Mainz ab 19.30 Uhr in ihrem Vortrag im Literaturhaus.

 

Donnerstag, 23. November

Nicht nur für Erstis: In die unbescheidene „Philosophie! Die 101 wichtigsten Fragen“ führt Thomas Vašek ab 19 Uhr in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft alle interessierten Nachdenker ein.

„Im Mittelpunkt die Autoren“ ist das Credo des Verlegers Klaus Schöffling, der seine Arbeit mit Anekdoten rund um das Büchermachen vorstellt – ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung am Markt.

 

Montag, 27. November

Von The Who und The Kinks zu Goethe und Kant: Sein bewegtes und bewegendes Leben verbrachte Andel Müller zwischen jugendlicher Rebellion und Rock‘n‘Roll sowie Lehre und Literatur. Beides vereint er nun in seinem ersten Roman „Rockin‘ Rausch – in Bogen und Bausch“, in dessen History er uns ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche ebenso einführen wird wie in das dort beigefügte „Humanistische Manifest“.

 

Dienstag, 28. November

„Warte nicht auf bessre Zeiten“ motivierte Wolf Biermann im Titel seiner im letzten Jahr erschienenen Autobiografie. Wie dieser Rückblickende sich als deutsches Schicksal zwischen Krieg und Vertreibung, zwischen Aufbegehren und Ankommen, zwischen Ost und West versteht, erläutert Jürgen Franke ab 18 Uhr im Literaturhaus.

Der diesjährige Georg-Büchner-Preisträger Jan Wagner präsentiert sich als Übersetzer und kongenialer Übertrager der Verse seines irischen Kollegen Matthew Sweeney, dessen reflektierend melancholischen wie auch gewitzten Versen wir ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche lauschen können.

 

Mittwoch, 29. November

Wie Künstler mit „Form und Verlust“ umgehen, umschreibt Rainer Wieczorek in seiner neuen Künstlernovelle, in der ein verstorbener Maler eine umfassende Erbschaft ohne Erben hinterlässt und so als eigentlicher Protagonist das Werk bestimmt. Wie sein bunter Nachlass Musiker und andere Seelenverwandte beeinflusst, erfahren wir ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche.

 

Donnerstag, 30. November

Die Società Dante Alighieri lädt ins Literaturhaus ein, wo Mario Parisi uns ab 19.30 Uhr über „La Gestualità degli Italiani. Die Körpersprache der Italiener“ aufklärt – und uns die schönsten Beispiele aus seinem Buch vielleicht auch vorführt?

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