Neue Literaten werden hervorgebracht, alte Städte und ferne Welten lassen sich aber auch in anderen Lesungen entdecken.

Das literarische Darmstadt im März

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Während die einen in Gedanken an Stanislaw Lem nicht weniger als die Zukunft der Menschheit verhandeln, wollen andere Goethe vom Verdacht, ein prokrastinierender Liegenlasser gewesen zu sein, freisprechen. Ein Monat der ganz großen Fragen.

 

Mittwoch, 01. März

Die Lesebühne im Literaturhaus gehört einmal im Jahr den Preisträgern des Literaturwettbewerbs im Ried. Das sind für 2016 unter anderem Daniel Mylow aus Marburg und Pete Smith aus Frankfurt, die ab 19.30 Uhr aus ihren Texten lesen.
 

Donnerstag, 02. März

Ilse Aichinger galt als bedeutendste österreichische Schriftstellerin der Nachkriegszeit. Horst Schäfer und Karlheinz Müller stellen ab 19 Uhr im Literaturhaus die im letzten November verstorbene Wienerin vor.

Parallel lädt die Società Dante Alighieri zu einem Umberto-Eco-Lesemarathon ins Theater im Pädagog ein. Der Eintritt ist frei.

„Ich war noch niemals auf Saturn“, gesteht Teilchenphysiker und Science-Slammer Michael Büker und nimmt uns dennoch in seinem neuen Buch ab 19.30 Uhr im Künstlerhaus Ziegelhütte mit auf „eine Reise durchs Universum“.

Freitag, 03. März

Über „Möglichkeiten und Grenzen eines kybernetischen Literaturverständnisses“ referiert Ernst-Wilhelm Händler im Rahmen der Tagung „Kosmos Lem“ ab 20 Uhr im Deutschen Polen-Institut im Schloss. Seine Thesen ergänzt der Autor und Unternehmer mit eigenen Beispielen und denen des Stichwortgebers Stanisław Lem.
 

Samstag, 04. März

Unter anderem Aylin Celik, Theresa Reichl und Florian Stein wettstreiten mit weiteren Bühnendichtern beim 41. Krone-Slam ab 20 Uhr in der Goldenen Krone um die zahlreichsten Kronkorken.

 

Dienstag, 07. März

Bov Bjerg ist ein Star im Literaturbetrieb. Diesen Status hat er dem preisgekrönten Roman „Auerhaus“ um eine Wohngemeinschaft mit großen Idealen zu verdanken. Ab 20 Uhr wird in der Centralstation außerdem „Die Modernisierung meiner Mutter“ thematisiert.

 

Mittwoch, 08. März

„Beste Absichten“ hegen die Mitglieder der Band Die Seuche, während sich die DDR-Bürger die letzten Monate in ihrem sozialistischen Vaterland durchschlagen. Thomas Brussig präsentiert ab 19 Uhr im Literaturhaus seinen neuesten Roman.

Wer mit jeder Neuerscheinung sein Spätwerk komplettiert, kann und darf individuelle Erfahrungen als allgemeine Lehrsätze aufstellen und die Handlung in seinem Roman ganz weglassen. So Altmeister Martin Walser, der ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche „Statt etwas oder Der letzte Rank“ vorstellt.

 

Donnerstag, 09. März

Der in zwei Welten bewanderte Physiker und Künstler Prof. Dr. Mario Markus stellt uns ab 19 Uhr im Literarium der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft sein neues Buch „Das nackte Gehirn“ vor.

„Achtung Lesensgefahr“ warnt das zur unterhaltsamen öffentlichen Selbstlektüre neigende Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr, denn „In der ersten Reihe sieht man Meer“. Ihr Auftritt in der Centralstation verspricht ab 20 Uhr weniger Spannung als Unterhaltung.

 

Freitag, 10. März

Ihren „Ellbogen“ setzt die 17-jährige Hazal ein, um sich in Berlin durchzuschlagen. Als aus Gegenwehr ein Abrutschen in die Kriminalität wird, bleibt nur noch die Flucht vor Polizei und Eltern in das fremde Istanbul. Von der scheiternden Suche nach Heimat erzählt Fatma Aydemir in ihrem Debüt-Roman und ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche.

 

Dienstag, 14. März

„Das Irrenhaus“ und seine eigenwilligen Bewohner zwingen den Erben und neuen Eigentümer zu einem riskanten Identitätswechsel. Wo die geplante Flucht in die Langeweile endet, verrät uns Michael Krüger ab 19 Uhr im Literaturhaus.

 

Mittwoch, 15. März

Die Ballade „Der Fischer“ von Johann Wolfgang von Goethe bietet Matthias Meyer genügend Anschauungsmaterial, um uns ab 19.45 Uhr im Literaturhaus elementaren Unterricht in Gedichtinterpretation zu geben.

Beim Poetry Slam Weiterstadt lässt Egon Alter ab 20 Uhr im Kommunalen Kino wieder lokale und regionale Bühnendichter vor der Leinwand auftreten.

 

Freitag, 17. März

Um 18 Uhr wird in der Centralstation der 20. Literarische März eröffnet. Deutschlands renommiertester Lyrik-Wettbewerb verspricht spannende Einblicke in die deutsche Lyrik der Gegenwart – mit Lesungen, Diskussionen und anschließender Preisverleihung.

Mit „Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie.“ legt Karl Heinz Bohrer seine gebührend unbescheidene Autobiografie vor, gespickt mit Begegnungen mit berühmten Zeitgenossen und gegnerischen Kameraden, von denen er uns ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche berichtet.

Wer den Verlust seiner Matchbox- oder YPS-Hefte-Sammlung nie überwunden hat, dürfte sich ab 20 Uhr in der Centralstation beim Nostalgiekonsens von Anne Weiss und Stefan Bronner aus „Wir Kassettenkinder – Eine Liebeserklärung an die Achtziger“ wohlfühlen.

 

Samstag, 18. März

Die neun Kandidaten im Wettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise des Literarischen März lesen von 9 Uhr bis 16.45 Uhr in der Centralstation ihre Verse und Strophen vor. Die Vorträge werden von einer Jury diskutiert, die Preisträger im Anschluss, gegen 20 Uhr, verkündet.

 

Montag, 20. März

Als „Realitätsgewitter“ entpuppt sich das Leben einerseits mit, andererseits abseits Social-Media-Sucht und Abhängigkeit von elterlicher Bande, von denen sich Marla zu lösen versucht. Ob ihrer Heldin die Flucht aus der Kuschelzone gelingt, erfahren wir vielleicht ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche, wenn Julia Zange aus ihrem Coming-of-Age-Roadtrip liest.

„Gott ist nicht schüchtern“ dokumentiert das Schicksal von Amal und Hammoudi, die unter Lebensgefahr aus Syrien fliehen, dabei getrennt werden und in Berlin vor einem Neubeginn aus dem Nichts stehen. Olga Grjasnowa führt ab 20 Uhr in der Centralstation in ihren neuen, hochaktuellen Roman ein.

 

Dienstag, 21. März

„Rosalie“ und Konstantin sind zwei Außenseiter in der tiefsten bayerischen Provinz und finden so zueinander. Warum sie aber nicht nur als ausgegrenztes Liebespaar, sondern auch als Störenfriede gegen eine Dorfgemeinschaft mit einem dunklen Geheimnis bestehen müssen, erzählt uns Berni Mayer ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche.

 

Mittwoch, 22. März

Salisbury: „Hier treffen sich fünf Flüsse“ – und fünf Menschen prallen angesichts eines Unfalls aufeinander. Dass mit und nach dem plötzlichen Drama noch viel drastischere alltägliche Schicksalsschläge zu bewältigen sind, beschreibt Barney Norris in seinem Debüt-Roman, aus dem Bianca Schamp ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche liest.

 

Freitag, 24. März

Wie Georg Büchner das neue Erzählen zu Beginn der Literarischen Moderne beeinflusste, belegt Hartmut Vinçon ab 19.30 Uhr im Literaturhaus anhand des Fragments „Lenz“. Dessen Vorbildcharakter weist der Schauspieler Christian Wirmer mit Rezitationen aus „Ein böser Dämon“ von Frank Wedekind und „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann nach.

Von 1979, dem Jahr der islamischen Revolution im Iran, bis in die Gegenwart ist der erzählerische Bogen in „Nachts ist es leise in Teheran“ gespannt. Leben und Kämpfe, die bis ins deutsche und iranische Jetzt reichen, beschreibt Shida Bazyar in ihrem Debüt ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche.

 

Sonntag, 26. März

Figuren wie Kuddeldaddeldu sind bekannter als sein Urheber, denn seine humoristischen Skizzen und Knittelverse haben die Zeit überdauert. Die melancholische Seite von Christian Morgenstern ist dagegen weniger bekannt. Dem Werk des Dichters widmet sich ab 11 Uhr Petra Neumann-Prystaj im Literarischen Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags.

 

Montag, 27. März

Else Lasker-Schüler und Nelly Sachs ist das Bibliotheksgespräch im Literaturhaus ab 18 Uhr gewidmet. Bettina Gieseler liest ausgewählte Gedichte und lädt zur vergleichenden Diskussion über die Gedichte der beiden von den Nazis verfolgten jüdischen Lyrikerinnen ein.

Nedim Gürsel liest im Literaturhaus ab 19 Uhr aus seinem Roman „Der Sohn des Hauptmanns“, in dem er den Verschränkungen von Militär, Politik und Familie in der Türkei nachspürt.

Zwei Lesungen an jeweils vier Abenden bescheren uns die Darmstädter Krimi-Tage in der Bessunger Knabenschule. In Christian Oehlschlägers „Hirschluder“ wird ab 20 Uhr im niedersächsischen Klosterforst im Waldarbeiter-Milieu ermittelt, während in „Waidmanns Grab“ von Christof A. Niedermeier ein junger Koch der Frage nachgeht, warum der Jäger-Stammtisch immer kleiner wird.

 

Mittwoch, 29. März

Wieder um 20 Uhr am selben Ort: „Der Mittagstisch“ ist gedeckt und Ingrid Noll, die Grande Dame des deutschen Krimis, beweist einmal mehr, wie komisch das Genre sein kann, vor allem, wenn enttäuschte Frauen sich rächen. Nicht weniger hard boiled wird die „Blaue Nacht“ von Simone Buchholz beschrieben, die ihre Staatsanwältin Chastity Riley gegen Korruption und Mord bestehen lässt.

 

Donnerstag, 30. März

„Mörderische Fracht“ und eine drohende Katastrophe lenken die Aufmerksamkeit von Thomas Nyström auf sich. Ob der Neuropsychologe mit dem kriminalistischen Gespür die terroristische Untat noch abwenden kann, wird Lukas Erler ab 20 Uhr in der Knabenschule zumindest andeuten. Weniger sympathisch scheint zunächst die Strafverteidigerin Rachel „Eisenberg“ zu sein. Andreas Föhr überzeugt uns mit seinem neuen Krimi aber sicherlich davon, dass ihre Kanzlei zu Recht einen guten Ruf genießt.

Nebenan im Jagdhofkeller setzt ab 20 Uhr Peter Zingler seinen Weg „Vom Tunnel zur Himmelsleiter“ fort und berichtet im zweiten Teil seiner neu erschienenen Autobiografie über seinen Weg aus der Kriminalität.

 

Freitag, 31. März

Den „Istanbul Tango“ tanzt Modejournalistin Nil und lebt dabei gefährlich, denn nur über Mode zu schreiben, reicht ihr nicht mehr. Ob ihr eine befreundete Krimi-Buchhändlerin helfen kann, lässt uns Esmahan Aykol ab 20 Uhr in der Knabenschule wissen. „Lass mich leben, Istanbul“, wünscht sich auch Privatdetektiv Remzi Ünal, dessen einsame Ermittlungen uns anschließend Celil Oker vorstellt.

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