SFrankenstein, der eigene Körper und anderer Schmäh

Exotisches aus Deiner Umgebung findet sich genauso zwischen den in diesem Monat präsentierten Buchdeckeln wieder wie Vertrautes aus dem benachbartem Ausland:

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

 

Mittwoch, 02. Mai

Anläßlich ihres 20-jährigen Bestehens beschäftigt sich die Lesebühne im Literaturhaus mit den „Schnittstellen der Literatur“. Kurt Drawert diskutiert im Gespräch mit dem Musikkritiker und -journalisten Bernd Leukert ab 19.30 Uhr die Akusmatik, anschließend sorgen langjährige Begleiter für Beispiele aus dem Jazz.

Donnerstag, 03. Mai

Ein Lokal-Krimi muss nicht nur mit vielen Wiedererkennungseffekten auftrumpfen, er kann auch mit großen Themen Spannung erzeugen. So wie das „Duo mit Beretta“, in dem moderner Menschenhandel Darmstadt den Atem anhalten lässt. Genug Luft zum Vorlesen hat Ella Theiss, denn die preisgekrönte Autorin liest ab 19.30 Uhr im Künstlerkeller im Schloss aus ihrem ersten Darmstadt-Thriller. Leider wurde diese Lesung kurzfristig abgesagt, da die Autorin erkrankt ist.

Freitag, 04. Mai

„Die extrem kurze Zeit der Seligkeit“ muss für Paul-Hermann Gruner reichen, um skurrile Kurzgeschichten mitten aus dem Leben zu verfassen. Kurzweilige Beispiele werden wir ab 19.30 Uhr im Theater im Pädagog hören.

Samstag, 05. Mai

Wenn das Team des Slambasis e. V. ab 20 Uhr zum letzten Krone-Slam vor der Sommerpause vorrangig lokale Wettdichter in der Goldenen Krone gegeneinander antreten lässt, dann aus gutem Grund: Für den Hessen-Slam, die Landesmeisterschaften im Juni, gilt es die geeignete Kandidatin oder den geeigneten Kandidaten zu küren. Außerhalb des Wettbewerbs tritt Nektarios Vlachopoulos, nationaler Champion von 2011, ans Mikrofon.

Montag, 07. Mai

Da läuft uns doch das Obers im Mund zusammen: In der Bücherinsel Dieburg verzählt uns die Monika Czernin von der „Anna Sacher und ihr Hotel“ und liest ab 20 Uhr aus ihrem Buch über die berühmtesten Hotelierin eines Europas zwischen Orient-Express und Radetzkymarsch.

Dienstag, 08. Mai

Spannung, Humor und Mundart verbindet Andreas Breidert in seinen lokalen Mundartkrimis. Ob „Mord am Hessenplatz“, „Tatort Sportheim?“ oder „Theater in blau“ (sein aktueller Krimi): In Erzhausens dunkle Geheimnisse führt uns der „Spirwes“-Preisträger 2017 ab 19 Uhr im Jagdhofkeller ein.

Der Titel „Meine algerische Familie“ mag fast schon paternalistisch und vereinnahmend anmuten. Die Presse ist sich aber einig, dass Alice Schwarzer zwischen den aufgeregten Debatten über Einwanderung, Sexismus und islamistische Bedrohung ein einfühlsames wie auch politisches Porträt gelungen ist. Ab 19.30 Uhr stellt die Journalistin uns die Familie ihrer Kollegin Djamila in der Centralstation vor.

Dienstag, 15. Mai

„Traurige Tropen“ begründeten seinen Ruhm, für die der Anthropologe und Schriftsteller Claude Lévi-Strauss seinen Gegenstand erst finden und erfinden musste: die Ankunft der einen Kultur in einer anderen. Dass ihn dies zeitlebens für südamerikanische Ureinwohner einnahm, begründet Emanuelle Loyer in ihrer Biografie über Lévi-Strauss, die sie ab 18 Uhr im Literaturhaus vorstellt.

Mittwoch, 16. Mai

„Ins Netz gegangen!“ sind den Veranstaltern des Kinder- und Jugendliteraturfestivals „Huch, ein Buch!“ für ihren Förderwettbewerb zahlreiche Texte von jungen Nachwuchsautoren und -schriftstellerinnen. Die besten werden ab 18.30 Uhr von Mitgliedern des Schauspielensembles in der Bar der Kammerspiele des Staatstheaters vorgetragen.

„Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ führt den orthoxen Juden Motti vor allem aus den Armen seiner Mama in die moderne, säkulare Großstadt. Was er dort erlebt, erfahren wir auszugsweise ab 20 Uhr vom Tacheles schreibenden Thomas Meyer in der Bücherinsel Dieburg.

Donnerstag, 17. Mai

Über die Toten nur Schlechtes: Seiner Eltern und seines Bruders gedenkend holt Franz-Josef Murnau zum großen Schlag aus und führt in „Auslöschung. Ein Zerfall“ ein vernichtenden Urteil über seine Familie. Der letzte Roman von Thomas Bernhard eignet sich als innerer Monolog auch für die Bar der Kammerspiele des Staatstheaters, in der Mathias Znidarec ab 20 Uhr aus der Anklageschrift liest.

Samstag, 19. Mai

Verdammte Axt: Ab 19 Uhr spinnt Roland Benz sein Garn und liest im Hoffart-Theater aus seinen schaurig-schönen Gruselmärchen.

Ein lyrisches Ich lässt sich auch aufspalten, denn „Der Körper meiner Zeit“ von Kurt Drawert ist ein so preisgekröntes wie langes Langgedicht, dass in der Inszenierung von Richard Wagner ab 20 Uhr in der Bar der Kammerspiele den Schauspielern Béla Milan Uhrlau und Stefan Schuster genug Verse für Steuererklärungen und Einkäufe bleiben.

Donnerstag, 24. Mai

Reisende, Briefeschreiberin, Roman-Autorin und Herausgeberin: Für Mary Shelley war das Leben einer emanzipierten Frau nur mit Literatur denk- und führbar. Das „Leben und Leidenschaften der Schöpferin des Frankenstein“ bot für Barbara Sichtermann genug Stoff für eine Romanbiografie, aus der die Autorin ab 19 Uhr im Literaturhaus liest.

„Polnische Spuren in Deutschland“ finden sich nicht nur in Bundesliga-Vereinen und in der katholischen Kirche. Zur Vielfalt zwischen Marc Foster und Polenmarkt versammelten Dieter Bingen, Peter Oliver Loew und Andrzej Kaluza siebzehn Beiträge in einem Sammelband, den uns die Herausgeber ab 19 Uhr im Deutschen Polen-Institut vorstellen.

Samstag, 26. Mai

Ohne ihren „Frankenstein“ wäre die gleichnamige Burg vor den Toren unserer Stadt nur noch eine Ruine. Zum Gruseln gehen wir aber dieses Mal in den Keller, denn ab 20 Uhr präsentiert uns Christian Klischat den zweihundert Jahre alten modernen Prometheus von Mary Shelley in einer Theaterlesung im Theater im Pädagog.

Sonntag, 27. Mai

Zu Lebzeiten fehlten seine Verse weder in Poesiealben noch auf Demo-Transparenten; den heute kaum noch bekannten Dichter und Übersetzer Erich Fried ruft uns im Literarischen Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags ab 11 Uhr Schauspieler Horst Schäfer in Erinnerung.

Es gibt keine Geheimnisse mehr! Vor allem jugendliche Langfinger müssen damit rechnen, dass ein kreativer Mensch die versendeten SMS auswertet, nach dem er wieder an sein Handy gelangt ist. „Die Cops ham mein Handy“ ist jedenfalls eine hilflose Beschwerde, wenn Lucas Adolphi ab 19 Uhr in der Centralstation aus seinem selbst verlegten Triumph liest.

Dienstag, 29. Mai

„Alles auf Anfang“ muss Manuel Möglich immer setzen, wenn er für eine neue Reportage „auf den Spuren gelebter Träume“ recherchiert. Einen spannenden Auszug, um uns das Staunen über unsere Mitmenschen zu lehren, bietet der Fernsehjournalist und Autor ab 20 Uhr in der Centralstation.

Mittwoch, 30. Mai

Stanislaw Lem schrieb in der „Kyberiade. Fabeln zum kybernetischen Zeitalter“. Dass sich Dummheit und andere Charakterschwächen nicht mit Maschinen besiegen lassen, muss stellvertretend Trurl lernen, dessen Abenteuer uns Christoph Bornmüller in der Bar der Kammerspiele im Staatstheater näher bringt.

 

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