Misanthropen und Narzissten

Unsere Theater-Tipps im Dezember und Januar

Foto: Neue Bühne

Luxus und Narziss im Hoffart

Mit zarten 20 Jahren schrieb Bertolt Brecht sein Drama „Baal“ über einen rücksichtslosen Künstler-Aspiranten, der durch Provokation reüssieren will. Er scheitert letztendlich an der Grenzenlosigkeit seiner eigenen Ausschweifungen, ohne vorher die Konventionen des Establishments wirklich aufbrechen zu können. Das Ensemble der Theaterquarantäne mit Regisseur „hannoviktor“ zeigt seine eigene Version nach Motiven des Klassikers aus dem Revolutionsjahr 1918.

Das Theater Zweiter Akt lässt in „Botox Deluxe“ zwei Frauen am Rande der Menopause im Wartezimmer eines Schönheitschirurgen über Klischee und Realität des Alterns räsonieren. Die Satire von Andreas Wening lädt zu Selbsterkenntnis oder rechtzeitiger Umorientierung ein, je nach physischer oder psychischer Verfassung der Zuschauerin. Korrekturen sollten stets im Kopf beginnen, nicht am Körper.

„Baal“ Premiere am Mi, 13.12., um 20.30 Uhr

„Botox Deluxe“ Premiere am Sa, 13.01., um 20 Uhr

Hoffart-Theater, Lauteschlägerstraße 28

www.hoffart-theater.de

 

Genre-Klassiker im Staatstheater

Das Staatstheater präsentiert seine erste Dezember-Premiere am Nikolaustag für die allerkleinsten Zuschauer. „Raus aus dem Haus“ von Ingeborg von Zadow trägt das Etikett „Altersempfehlung: ab 2 Jahren“. Wie diese ungewohnt exakt anmutende Zuordnung evaluiert wurde, soll hier zweitrangig bleiben. Sicherlich werden auch Vierjährige von dem charmant-abenteuerlichen Stück über zwei, die erstmals ausziehen, um das Leben kennenzulernen, nicht unterfordert sein, und auch anderthalbjährige Zuschauer wird niemand nach ihrem Ausweis fragen. Wie für die abenteuerlustigen Protagonisten gibt es für alle kleinen Zuschauer bei ihrem vermutlich ersten Theaterbesuch viel zu sehen, das neu und aufregend ist.

„Die Fledermaus“ von Johann Strauss ist ein Höhepunkt der Goldenen Operetten-Ära. 1873 in Wien entstanden, spiegelt sie den Glanz und das Selbstbewusstsein der k. u. k. Doppelmonarchie, damals das zweitgrößte Land Europas. Die bunte Verwechslungskomödie mit romantischem Hintergrund gilt als eine der musikalisch anspruchsvollsten und erfolgreichsten ihres Genres. Zweieinhalb Stunden Klassik-Kostüm-Musical, sozusagen.

Der Komödiendichter Molière hatte am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. aufgrund des großen Erfolgs seiner Stücke einen Sonderstatus. Inmitten der von Heuchelei und Intrigen geprägten Gesellschaft konnte er sich seine Individualität und in Humor verpackte Systemkritik leisten, die jeden anderen vor den Scharfrichter gebracht hätte. „Der Menschenfeind“ ist das berühmteste Beispiel für die frühe Exzentrik des dramatischen Genies. Titelheld Alceste ringt mit seinem Konkurrenten Oronte um die begehrte Célimène, und mit seinem Freund Philinte um die Möglichkeit eines richtigen Lebens im Falschen.

„Raus aus dem Haus“ Premiere am Mi, 06.12., um 10 Uhr im Foyer des Großen Hauses (ausverkauft)

„Die Fledermaus“ Premiere am Sa, 09.12., um 19.30 Uhr im Großen Haus

„Der Menschenfeind“ Premiere am Do, 25.01., um 19.30 Uhr im Kleinen Haus, anschließend Premierenfeier in der Bar der Kammerspiele

www.staatstheater-darmstadt.de

 

Theater und Entertainment im Moller Haus

Im Moller Haus stehen keine aktuellen Premieren an, aber es gibt natürlich trotzdem ein volles Programm in den Wintermonaten. „Heiliger Bimbam!“ ist eine Weihnachtsgeschichte für Kinder und Jugendliche des Theaters Lakritz, das ein wenig an die Geschichte von Robinson und Freitag erinnert. Sanne jobbt im Engelskostüm in einem Kaufhaus. An Heiligabend wird sie versehentlich an ihrem Arbeitsplatz eingeschlossen und muss dort das Fest mit Claus, ebenfalls nach Ladenschluss vergessen, verbringen. Der Theater-Jugendclub Die QuerspielerInnen stellt in seinem Stück „Unendliche Weiten“ Angst und Schwerelosigkeit Gott und Wissenschaft gegenüber. Rhein-Main-Magic präsentiert seine regelmäßig stattfindende Zaubershow mit wechselnden Illusionisten – und Rainer Bauer holt im „Mollerkoller“ Nummer 72 und 73 Varietékünstler und Kabarettisten auf die Bühne in der Sandstraße.

Das komplette Programm findet Ihr unter

www.theatermollerhaus.de

 

Saisonales auf der Neuen Bühne

Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“ gruselt und rührt Zuschauer und Leser weltweit seit über 170 Jahren. Das sozialkritische Märchen spielt am Vorabend des Weihnachtsfests und lässt den hartherzigen Kapitalisten Ebenezer Scrooge durch Visionen aus Vergangenheit und Zukunft den Geist der Liebe erkennen. „Die Fastnachtsbeichte“ von Carl Zuckmayer spielt in Mainz am letzten Fasching vor dem Ersten Weltkrieg. In einer Gesellschaft, die sich bereits zu verändern beginnt, verbinden Liebe und Verbrechen alle Schichten. Eine Kriminalgeschichte um Leidenschaft und Gerechtigkeit. Zu beiden Stücken wird, wie immer, eine thematisch passende kulinarische Bewirtung angeboten.

„Die Weihnachtsgeschichte“ Vorstellungen an den Dezember-Wochenenden um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr

„Die Fastnachtsbeichte“ Vorstellungen an den Januar-Wochenenden um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr

Neue Bühne, Frankfurter Landstraße 195

www.neue-buehne.de

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