Mollerhaus
Foto: Theater Moller Haus

Wenn jede Eintrittskarte von der Stadt mit 4,50 Euro bezuschusst wird, sollte ein Theater doch überleben können, denkt man. Doch schnell folgt die Ernüchterung angesichts der 120 Euro Subvention pro Zuschauerplatz, die das Darmstädter Staatstheater bei jeder Vorstellung benötigt.

Dass auch mit beschränkten finanziellen Mitteln kreatives Theater möglich ist, dafür sorgt in Darmstadt unter anderem der Verein „Freie Szene Darmstadt“. Seit 1998 bietet er mit dem Mollerhaus in der Innenstadt 28 Theatergruppen eine Spielstätte. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde den Theatermachern das Gebäude von der Stadt mietfrei überlassen. Nachdem letztes Jahr mit dem Staatstheater um die Wette renoviert wurde, soll heuer das Zehnjährige gefeiert werden – und zwar in „lustvoller Zusammenarbeit“ aller Gruppen, wie der Festausschuss versichert. Am Samstag, dem 03. Mai, gibt es auf einem 500 Meter langen roten Teppich, der von der Sandstraße an der Kuppelkirche vorbei bis zum Fuß der Wilhelminenstraße reicht, allerhand Schauspiel für alle, entsprechend der Zusammensetzung des Vereins: ein Drittel Kinder-, ein Drittel Jugend- und ein Drittel Erwachsenentheater.

„In der Stadt – für die Stadt“ , das Motto der Feierlichkeiten und des Vereins, der sich noch nicht angemessen wahrgenommen fühlt angesichts stolzer 185 Veranstaltungen im vergangenen Jahr. Zwar wird mit einer Auslastung von 73 Prozent pro Vorstellung ein guter Zuschauerschnitt erreicht, andererseits kommen seit Jahren hauptsächlich „Stammkunden“ (was ja kein schlechtes Zeichen ist). Daran könnte die Jubiläumsfeier etwas ändern, denn sie macht einigen vielleicht wieder deutlich, dass jede Theatervorstellung zumindest eines ist: einmalig!

Damit einmalige Theater-Ereignisse auch in Zukunft nicht zu selten werden, ist neben viel privatem Engagement auch finanzielle Unterstützung nötig. Neben den Zuschüssen für das Staatstheater, über deren Höhe auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden entschieden wird, lässt sich die Stadt Darmstadt ihre Theaterkultur rund 350.000 Euro im Jahr kosten. Was natürlich wie immer viel zu wenig ist für alle. Und zu Ungerechtigkeitsgefühlen unter den Empfangsberechtigten führt.

Um die Verteilung der aus unterschiedlichen Quellen stammenden Fördergelder zu bündeln, gibt die Stadt ein Stück Entscheidungsgewalt an ihre Bürger zurück – und lässt ab dem nächsten Haushaltsjahr eine sechsköpfige Jury aus „fachkundigen Bürgern“ und institutionellen Vertretern über die Verwendung der Gelder entscheiden. Dabei soll die bisherige „Projektförderung“ einzelner Inszenierungen einer konzeptionellen Förderung von Einrichtungen weichen, die dann auf drei Jahre angelegt ist und bei den Theatergruppen für mehr Planungssicherheit sorgen soll. Größer wird der zu verteilende Kuchen dadurch allerdings nicht.

 

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www.theatermollerhaus.de