Foto: Jan Nouki Ehlers
Foto: Jan Ehlers

Am Pfingstwochenende (vom 28. bis 31. Mai) findet in der Darmstädter Innenstadt das 11. Schlossgrabenfest statt. Anders als die Jahre zuvor – und abgesehen vom Gründungsjahr – legen die Organisatoren dieses Mal wieder einen größeren Schwerpunkt auf die Nachwuchsförderung, und so gibt es neben der „Local Talents“-Bühne an jedem Abend für eine Nachwuchsband die Möglichkeit, auf der Hauptbühne zu spielen. Die Auswahl der Bands erfolgt dabei in Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen, die sich die Musiknachwuchs-Förderung auf die Fahne geschrieben haben. Für den Sonntagabend ist dies das Onlineportal regioactive.de, über das auch ein Teil des Bookings für die „Local Talents“-Bühne erfolgte. Grund genug für das P, Dirk Brünner, einen der regioactive.de-Macher, in die Black Box zu packen und mit unseren Fragen zu löchern.


P: Was ist regioactive.de eigentlich?

Dirk: Ui, gute Frage. Ich sage immer gerne: Wir liegen zwischen Web 2.0 und klassischen Print-Medien. Also vielleicht zwischen Myspace und der Intro. Wir haben eine Musikercommunity mit inzwischen etwa 10.000 Bands und Musikern, aber auch einen sehr starken redaktionellen Teil. Also Konzertberichte, Interviews und einen Veranstaltungskalender.

In Eurem Namen steckt das „regio“ mit drinnen. Auf welche Region bezieht Ihr Euch denn?

Wir kommen eigentlich aus dem Rhein-Neckar-Raum, also Mannheim, Heidelberg … die Ecke. Aus der Region und dem Namen sind wir irgendwann rausgewachsen. Seit einigen Jahren sind wir im gesamten deutschsprachigen Bereich aktiv und sehen das „regio“ eher als Teil des Konzeptes. Also, dass man auf unserem Portal Inhalte aus einer Region finden kann, ohne aber auf die Region beschränkt zu sein.

Wie schätzt man als Rhein-Neckar’er denn eigentlich das Rhein-Main-Gebiet ein?

Das ist schwierig zu sagen. Natürlich hat sich, weil wir die Seite betreiben, der Blick dafür geändert. Dadurch, dass sich bei uns in den letzten Jahren viel getan hat, hat sich erst einmal vor allem der Blick auf die eigene Region geschärft.

Bekommt Ihr eigentlich mit, was in den einzelnen Regionen so passiert? Zum Beispiel in Darmstadt?

Wir bekommen mit, wer in den einzelnen Regionen aktiv ist. In Darmstadt sind das zum Beispiel die Beatshots, die bei uns jetzt ja auch im Onlinevertrieb sind, oder Krakeel.

Spielt die Region denn überhaupt eine Rolle – oder ist nicht eigentlich die Stadt oder die Onlinecommunity viel wichtiger?

Irgendwie beides. Für die ersten Liveerfahrungen ist natürlich die Region enorm wichtig. Das Internet bietet dann die Möglichkeiten, sich interregional auszutauschen. Was mir als Betreiber einer solchen Plattform auffällt, ist, dass sich durch solche Institutionen wie hier in Darmstadt die Oetinger Villa oder den in der Centralstation statttfindenden Neukommer-Wettbewerb einiges in Gang kommt. Dir bringen keine 100.000 Fan-Adds was, wenn Du in einer Halle keine zehn Leute ziehst.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den Schlossgrabenfest-Organisatoren?

Wir haben schon lange bei denen angeklopft. Vor ein paar Monaten ist dann Benny Metz [Schlossgrabenfest-Musikchef, Anm. d. Red.] endlich auf uns zugekommen.

Und was musste man jetzt als Band machen, um auf dem Schlossgrabenfest zu spielen?

Zuerst einmal musste man sich bewerben. Entweder für den Hauptbühnen-Slot oder für die „Local Talents“-Bühne. Das haben auch etwa 1.000 Bands gemacht, was natürlich viel zu viele sind. Dann gibt es bei uns ein internes Ranking der Bands. Da geht ein, wie aktiv die Bands sind, aber auch die Qualität ihrer Musik wird von unserer Redaktion bewertet und so weiter. So werden dann jeweils 10 bis 15 Bands rausgefiltert. Die Auswahl der Bands, die letztendlich spielen dürfen, erfolgt dann zusammen mit dem Veranstalter.

Das heißt: Es gab kein Voting Eurer Community darüber, wer denn jetzt spielt?

Nee, gab es nicht. Das hat der Veranstalter nicht gewollt.

Stimmt es, dass die Bands nur 50 Euro Gage bekommen? Das ist ja meist nichtmal die halbe Proberaummiete.

Es ist schon so, dass für die Nachwuchs-Slots keine große Gage gezahlt wird, aber die Unkosten werden erstattet. Ich finde es wichtig, dass keine Band drauflegt. Es ist ja auch bekannt, dass manche Bands zahlen, um als Vorband irgendwo zu spielen. Und wenn Du dann überlegst, dass Du als Nachwuchsband am Sonntagabend auf der Hauptbühne vor vier- bis sechstausend Leuten spielst…

Was denkst Du, warum sich Bands für die „Local Talents“-Bühne bewerben?

Zunächst einmal denke ich, dass Bands generell spielen wollen. Sonst wären sie keine Bands. Bei der „Local Talents“-Bühne will man natürlich schon vor seinen Freunden spielen – und es erfüllt natürlich einen Promo-Aspekt, wenn man sagen kann: Wir haben auf dem Schlossgrabenfest gespielt.

Danke für das interessante Gespräch.

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