Foto: Jan Nouki Ehlers
Foto: Jan Ehlers

Carlo Oppermann ist Filmemacher. In der Darmstädter Musikszene hat er bereits etliche Videos realisiert und setzt nun zum Sprung an, die Filmwelt aufzumischen. Mit seinen Produktionen hat er sich inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Lokale Bands und Festivals wie Fortyseven Million Dollars, Okta Logue, Nukular, Bakkushan, das Traffic Jam oder das Steinbrücker Teich Festival gehören ebenso zu Carlos Kundenstamm ebenso, wie die national erfolgreichen Bionic Ghost Kids oder Leon Taylor (bekannt aus „Unser Star für Oslo“). Aktuell werden seine Künste auch von internationalen Bands in Anspruch genommen: Terror und Evergreen Terrace aus den USA sowie Comeback Kid aus Kanada und Parkway Drive aus Australien. Carlo ist freier Filmemacher, Regisseur, Cutter und Kameramann. Er erstellt Postproduktionen, Skripte, Konzepte und Animationen. Ein Multitalent – und erst 16 Jahre alt. Gründe genug für uns, dem jungen Herrn Oppermann mal auf den „Milchzahn“ zu fühlen…


P: Bitte in einem Satz: Wer ist Carlo Oppermann?

Carlo [überlegt]: Es ist verdammt schwierig, sich selbst zu beschreiben… Aber Du hast doch noch mehr Fragen, oder? [überlegt nochmal] Ich bringe in zehn Jahren die besten Filme ins Kino und gewinne Oscars… wie viele gibt’s davon nochmal? [lacht]. Nein keine Ahnung, lass uns zu den nächsten Fragen kommen.

Wie und wann bist Du auf die Filmerei gekommen?

So wie wahrscheinlich alle dazu kommen. Mit 13 hatten ein Kumpel und ich die Idee, einen Amateurfilm zu drehen. Da wir weder Kamera noch Computer besaßen, leihte ich mir den Kram von Freunden aus und los ging es. Dann hat es sich eben so entwickelt. Ich hatte das große Glück, dass mich immer jemand unterstützt hat bei der Filmerei. Sonst hätte ich kaum die Möglichkeit dazu gehabt und schon gar nicht das Geld für eine Kamera und das ganze Equipment.

Du produzierst Low-Budget-Werke, die dennoch in einem hohen Maß professionell sind. Woher nimmst Du mit Deinen jungen Jahren diese Erfahrung?

Wir haben gar kein Budget [lacht]. Das Thema interessiert mich eben und wenn ich so was mache, dann sehr intensiv. Sicher übertreibe ich dabei manchmal ein bisschen, aber ich kann mich in Neues richtig reinsteigern. So habe ich mir viel selbst beigebracht. Zusätzlich hatte ich immer Leute um mich herum, denen ich auf die Finger schauen konnte. Aktuell habe ich mit Nicolai Hildebrandt, Steve Enste, Christian Grewe und Tobias Schrenk ein Filmemacher-Kollektiv gegründet – Filmage [www.filmage.de]. Wir kennen uns schon länger und haben einige Produktionen zusammen gemacht. Mittlerweile arbeiten wir oft zusammen und helfen uns gegenseitig. Das sind alles Leute, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Ein super Netzwerk.

Aus Eurer Feder entstammt das neue Okta Logue Video „Bright Lights“, was als One-Shot [ungeschnitten, Anm. d. Red.] gedreht wurde. Würdest Du uns zustimmen, dass diese Produktion, in Sachen Professionalität, noch mal ein Schritt nach vorne war?

Definitiv. Aber eher von der künstlerischen Seite betrachtet als vom Bekanntheitsgrad. Eine Justin Bieber Coverversion, zum Beispiel, hat auf YouTube immer noch mehr Klicks. Jedoch sind die ja auch nicht für hoch qualitative Inhalte bekannt, leider. Macht aber auch nichts, letztendlich mache ich meine Videos nicht für irgendwelche Klicks, mir muss es gefallen. Mit diesem Video haben Steve, Nick und ich uns jetzt bei Filmfestivals beworben. Das war unser erstes gemeinsames Musikvideo, bei dem wir von Anfang an wussten, das wird richtig gut. Und mit der professionellen Zusammenarbeit im Team konnten wir dieses One-Shot-Konzept auch sehr gut realisieren.

Beziehst Du Dich sehr auf die Texte eines Songs oder lässt Du Dich anderweitig inspirieren?

Ich bin eigentlich kein Fan von bildlicher Umsetzung eines Textes, ihn also Wort für Wort zu visualisieren. Außer bei politischen Hardcoretexten, da könnte man über eine direkte Umsetzung nachdenken. Prinzipiell finde ich es eher spannend, die Stimmung eines Songs zu übertragen oder etwas komplett Neues daraus zu kreieren, ihn neu zu interpretieren.

Kollidieren Deine künstlerischen Interessen teilweise mit den Ideen der Künstler? Stichwort: eigener Anspruch.

Das ist unterschiedlich. Klar haben die Bands ihre eigenen Ideen, meistens aber habe ich freie Hand, was die Umsetzung betrifft. Diese Herangehensweise hat sich bisher immer bewährt. Zum Thema Anspruch: Ich liefere nur Filme ab, wenn sie in meinen Augen perfekt sind.

Und wie denkst Du heute über Deine früheren Arbeiten?

Wenn ich mir jetzt Sachen anschaue, die ich vor einem Jahr gemacht habe und diese dann immer noch perfekt fände, hätte ich mich nicht weiterentwickelt. Dennoch finde ich meine alten Werke zum Teil immer noch ganz gut. Ich muss mich mit meiner Arbeit identifizieren können, dann habe ich auch später irgendwann mal kein Problem damit.

Wie stellst Du Dir Deine berufliche Zukunft vor?

Ich würde gerne reine Kurz- oder Spielfilme und Storytelling-Musikvideos machen und nicht mehr so viele Livevideos. Und ich wäre gerne mehr der Künstler als der Dienstleister. Klar, das eine schließt das andere nicht aus, jedoch will ich meinen eigenen Kram machen, ohne irgendwo angestellt zu sein. Die Filmerei soll für mich nicht ins Kommerzielle abrutschen, so habe ich auch noch nie ein Video oder eine Produktion für ein Unternehmen gemacht. Den kommerziellen Grundgedanken an sich finde ich nicht so gut. Mein Ziel ist es erstmal, in Potsdam an der Hochschule für Film und Fernsehen genommen zu werden. Mit dem Abschluss im Studiengang Regie hätte ich die besten Chancen, meine Träume zu verwirklichen. Aber bis dahin habe ich noch einiges vor…

Führe den Satz bitte weiter. „Darmstadts kulturelle Szene…“

…ist extrem vielseitig und enorm talentiert.

Eben! Vielen Dank für Deinen Beitrag daran und für das Gespräch.

http://carlooppermann.de/

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