
Was hilft gegen diese krasse Hitze? Welche Präventionsmaßnahmen machen Sinn? Was wird von der Stadt gefördert?
Es ist verdammt heiß geworden in Darmstadt diesen Sommer – wir alle schwitzten ganz schön, als wir die sonst mühelos zurückgelegten Wege gingen oder fuhren. Und das ist bei Weitem kein Placebo-Effekt: Es gab bis Mitte August fünf Tropennächte, in denen die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad Celsius abkühlten (sowie fünf weitere Nächte mit 19 Grad). Dazu die maximale Tagestemperatur von 40,3 Grad am 27. Juli 2026, die ein Hitzerekord für die Wetterstation Darmstadt ist. Klimaanlagen sind nicht mehr nur seltsame Luxustechnik, sondern einfach erforderlich, um an den heißen Sommertagen klare Gedanken fassen zu können. Für viele Menschen ist die Hitze zudem nicht nur eine Belastung, sondern auch eine Gefahr.
Die insgesamt hohen sommerlichen Temperaturen in Deutschland und Europa sind dabei eine Sache – der Klimawandel lässt grüßen. Wie sich das Mikroklima Darmstadts verhält, ist allerdings eine ganz andere Sache, die durch viele kleine Stellschrauben beeinflusst werden kann. Könnte. Denn: An heißen Tagen zeigen die Thermometer im städtischen Raum in Darmstadt aktuell um circa 7 Grad höhere Temperaturen an als im Umland.
Wärmeinsel Stadt
Im städtischen Raum entwickeln sich sogenannte Hitzeinseln. Hier spielen verschiedene Aspekte zusammen. Oberflächen wie Beton, Stein oder Asphalt speichern viel Wärme und heizen (sich und ihre Umgebung) stark auf, wenn sie von der Sonne bestrahlt werden. Das Problem ist, dass sie dann nicht so schnell wieder abkühlen und bis in die späte Nacht hinein noch Wärme abgeben. Sind die Oberflächen dann auch noch dunkel, reflektieren sie nicht, sondern nehmen sogar noch mehr Wärme auf. Das alles führt am Ende zu hohen Lufttemperaturen in Darmstadt wie auch in anderen Städten. Die Luftverschmutzung, die durch ein hohes Verkehrsaufkommen entsteht, das zusätzlich noch die Luft erwärmt, verstärkt diesen Effekt. Übrigens: Auch die Abluft von Klimaanlagen führt draußen zu noch größerer Hitze.
Kalte Luft dagegen entsteht dort, wo wenig Bebauung und viel Natur ist, zum Beispiel auf großen bepflanzten Grünflächen und dort, wo Bäume wachsen. Wichtig ist, dass diese Luft dann auch in die heißen Gebiete der Stadt gelangen kann, um hier zu kühlen. Dass durch die vielen Gebäude ein Luftaustausch und sogenannte Frischluftschneisen beeinträchtigt werden, führt ebenso dazu, dass die Hitze in der Stadt entsteht und auch dort bleibt und sich die dortige Luft weiter aufheizt.
Was dagegen helfen kann, wissen Forschende und Interessierte: Grün- und Wasserareale sowie die Entsiegelung von Flächen. Überhaupt alles, was Grün ist, hilft uns gegen die Hitze: Begrünte Fassaden und Dächer und im besonders hohen Maße Bäume. Wer schon einmal an einem heißen Tag von der Grube Prinz von Hessen zurück nach Darmstadt geradelt ist, weiß: ungefähr an der Stadtgrenze trifft einen eine Wand aus Wärme, die die waldige Kühle verscheucht. Und dieser Effekt ist nachgewiesen! Bäume bieten nicht nur ein schattiges Plätzchen, um sich darunter aufzuhalten, sie kühlen ihre Umgebung herunter, indem sie Wasser abgeben, das über ihre Blätter verdunstet. Bäume haben außerdem viele tolle Nebeneffekte: Sie filtern Schadstoffe aus der Luft und spenden Insekten und Tieren ein Zuhause, das diese sonst in der Stadt nur schwer finden.
Eine wichtige Stellschraube ist außerdem: Wasser. Wenn es nicht über gepflasterte Flächen direkt in die Kanalisation gelangt und irgendwo versickert oder gehalten wird, hat es ebenfalls eine positive Wirkung und kann durch Verdampfen die Luft drumherum abkühlen. Auch bei Starkregen hat das große Vorteile und trägt dazu bei, Überschwemmungen zu verhindern
Darmstadts Stadtklima: hot!
Durch Darmstadts Lage in der Oberrheinischen Tiefebene befindet sich unser Heimatstädtchen generell in einer der wärmsten Regionen Deutschlands. Hinzu kommt, dass es einen hohen Wärmeinseleffekt aufweist und davon das Mikroklima stark beeinflusst wird. Darmstadt wärmt sich also stark auf und viele Orte und Flächen in der Stadt tragen dazu bei. Die höchste Aufheizung erfahren die Innenstadt und auch die Gewerbegebiete im Norden und in der Weststadt – ganz nebenbei bemerkt, genau dort, wo nun der Osthang e. V. sein neues Zuhause bekommt. Bewohner:innen des Martinsviertels, des Johannesviertels und auch Bessungens sind zwar im Vergleich etwas weniger, aber auch stark betroffen. So richtig kühl wird’s nur am Wasser und im Park – oder eben außerhalb der Stadt.
Frischluftschneisen, die vor allem nachts für Abkühlung mit Luft aus der Umgebung sorgen könnten, gibt es in Darmstadt kaum. Eine wenig ausgeprägte versorgt Darmstadt mit etwas kühler Luft aus dem Osten gen Westen und strömt über die Lichtwiese, den Botanischen Garten und den Woog hinein. Eberstadt bekommt nachts ebenfalls frische Luft aus dem Osten. In anderen Teilen Darmstadts regt sich kein Lüftchen. Im Vergleich zu anderen Städten ist das wenig und es ist enorm wichtig fürs Darmstädter Stadtklima, die bestehenden Schneisen zu erhalten. Außerdem wäre es wichtig, Orte zu schaffen, an denen die Luft abkühlen kann, um dann die Umgebung zu versorgen.
Heiße Orte:
Rund ums Darmstadtium
Mathildenplatz
Luisenplatz
Fußgängerzone in der Innenstadt
Gewerbegebiete im Westen und Norden
Kühle Orte:
Herrngarten
Prinz-Emil-Garten
Woog
Oberfeld
Ludwigshöhe
Bürgerpark

Es regt sich ein Lüftchen des Aufbruchs
Doch es gibt eine gute Nachricht: Das alles bedeutet nicht, dass wir jetzt die Füße still halten und schwitzen müssen – es gibt Handlungsspielraum. Und ein gutes Beispiel: 2025 haben Beschäftigte und Studierende der TU Darmstadt eine Fläche vor der Mensa in der Stadtmitte „abgepflastert“. „Abpflastern“ bedeutet, dass eine bereits versiegelte Fläche aufgebrochen und somit entsiegelt und nachhaltiger umgestaltet wird. Das zuvor mit Pflastersteinen versehene Areal vor der Mensa hat nun schicke Hochbeete verpasst bekommen, in denen heimische Pflanzen gedeihen. Das Abpflastern ist sogar eine Art bundesweiter Wettbewerb, an dem Darmstadt teilnimmt und jede:r und jede Organisation oder Institution mitmachen kann. Ihr könnt also zum Beispiel auf Eurem Grundstück Steine entfernen und Grün ansiedeln, Eure Hausverwaltung anhauen, das zu tun oder in Eurem Verein diese Idee streuen. Darmstadt als Stadt gestaltet aber auch Flächen um – leider sind gerade keine konkreten Aktionen geplant, aber es gibt einen Infoverteiler für Mitmach-Interessierte (siehe Infobox). Es gilt: Jeder Quadratmeter weniger Stein ist ein Gewinn fürs Stadtklima!
Grün sitzt es sich besser
Und jede Pflanze auch. Daher bietet zum Beispiel das „Mobile Grüne Zimmer“ – eine Bank mit divers bepflanzten Wänden und einem von Kiwipflanzen berankten Dach – eine frische Abwechslung. Es tourt seit 2018 im Sommer durch Darmstadt und bietet einen Rückzugsort gegen die Hitze. So manche Person hat es sicher schon am Luisenplatz gesichtet. Zudem gibt es eine kleine grüne Freude am Friedensplatz mit den beiden mit Rankpflanzen versehenen Sitzgelegenheiten. Die Konstrukte sind mit einem Wasserreservoir versehen und sollen ein schattiges Blätterdach bieten. Da die Pflanzen erst vor zwei Jahren eingesetzt worden sind, besteht die Hoffnung, dass dieses noch üppiger wächst. Beide grünen Projekte werden von der Stadt umgesetzt.
Auch auf der Theaterwiese zwischen Staatsarchiv und Welcome Hotel findet sich diesen Sommer eine coole Sitzgelegenheit in Form eines Hitzeschutzpavillons. Die Konstruktion aus einer Sitzbank aus Terrassendielen und einem Turm, der aus Wasserrohren und feinen, darüber gelegten Netzen besteht, versprüht regelmäßig Wassernebel, der die Umgebung abkühlt. Der Frische-Pavillon wurde von Studierenden und Lehrenden der Hochschule Darmstadt (h_da) entwickelt.
Luftige Nachrichten gibt es außerdem aus dem Quartierspark der Lincoln-Siedlung, wo der riesige Platz – als Zentrum des neuen Stadtteils – bereits seit 2021 durch Bäume und große Grünflächen für lokale Abkühlung sorgt. Damit das noch besser funktioniert, soll er entsiegelt werden – hier war ursprünglich die Durchführung von Veranstaltungen geplant und soll so nicht mehr umgesetzt werden. Kein Wunder, dass das Projekt sogar in die engere Auswahl für die Auszeichnung „Vorbildliche Bauten im Land Hessen 2026“ nominiert wurde.
Lasst uns noch mehr tun!
Dass unsere Stadtbäume extrem wichtig für die Abkühlung in Darmstadt und anderen Städten sind, haben viele begriffen. Es gibt diverse Aktionen, in denen Menschen sich organisieren, um Stadtbäume zu bewässern, da sie sonst in Trockenperioden zu vertrocknen drohen. In Berlin, Köln und Leipzig beispielsweise gibt es Patenschaften oder Apps, die informieren, welcher Baum wie viel Wasser benötigt.
Ein Projekt von Darmstädter Studierenden und dem Bund für Umwelt und Natuschutz (BUND) mit dem Titel „Parlament der Stadtbäume“ bietet Informationen, Tipps und Leitfäden rund um die Bewässerung von Stadtbäumen. Auch kleinere Pflanzen bekommen ihre Bühne – durch Blühpatenschaften, die die Stadt Darmstadt an Bürger:innen vergibt. Dabei sucht Ihr Euch eine der vorgeschlagenen Flächen aus und könnt diese dann grün, bunt und biodivers gestalten und pflegen. Und falls Ihr einen eigenen Garten, Hof, Balkon oder eine Terrasse habt oder mietet, könnt Ihr Euch sogar beraten lassen, wie Ihr die Fläche nachhaltig begrünen könnt. Die BUND-Stadtnatur-Guides stehen mit grünen Ratschlägen zur Seite und geben gerne Tipps.
INFOBOX 1:
Potenzielle Klimarisiken in Städten:
Hitzeinseln
Starkregen
Meeresspiegelanstieg/Sturmfluten (gilt für Darmstadt nicht)
Überschwemmungen
Dürren & Wasserknappheit
INFOBOX 2:
Hitzeaktionsplan der Stadt Darmstadt
Die Stadt gibt Euch Tipps, wie Ihr gut durch die Hitze kommt und Infos darüber, wo es kühle Orte oder Trinkwasser gibt. Außerdem werden Live-Wärmekarten gezeigt, um zu checken, wo in Darmstadt es gerade wie warm ist:
darmstadt.de/leben/soziales/gesundheit/hitzeschutz
INFOBOX 3:
Projekte & Aktionen
„Darmstadt pflastert ab!“: darmstadt.de/leben/umwelt/mitmachen-aktiv-dabei/darmstadt-pflastert-ab
Tipps zur Stadtbaumbewässerung: stadtwurzeln.de
Blühpatenschaften: digitales-rathaus.darmstadt.de/lebensbereiche/umwelt-und-verkehr/dienstleistungen/bluehflaechenpatenschaft
BUND-Stadtnatur-Guides: bund-darmstadt.de/stadtnaturguides
Städtische Förderung Fassadenbegrünung: darmstadt.de/standort/stadtplanung/foerdergebiete/kapellplatz-woogsviertel-ostbahnhof/foerderung-begruenung
Städtisches Förderprogramm Zisternen: digitales-rathaus.darmstadt.de/kategorien/kontaktpersonen/foerderprogramm-zisternen-und-grauwasserrecyclinganlagen





