Foto: Jan Ehlers

Darmstadt ist unter vielen Gesichtspunkten eine sehr lebenswerte Stadt. Aber wie steht es um die Sauberkeit? An sich ist Darmstadt schon ziemlich schnieke. Wer an manchen Stellen (zu bestimmten Zeiten) mal genauer hinschaut, der bemerkt jedoch, wie zugemüllt es hier und dort ist. Besonders nach langen Sommerabenden zeichnet sich in öffentlichen Parks und auf Spielplätzen häufig ein trauriges Bild ab. Und das, obwohl die Stadtreinigung schon fleißig im Einsatz ist.

Umso erfreulicher, wenn Bürger auch selbst die Initiative ergreifen und das mit jeder Menge Spaß verbinden. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Darmstädter Gruppe „A&B“. Die erste Aktion unter dem Titel „Drink & Clean“ veranstaltete das Kollektiv vergangenes Jahr im Herrngarten. Rund 120 motivierte Menschen wurden über soziale Medien gewonnen oder machten spontan mit – ein voller Erfolg. In Teams wurde eine beachtliche Menge an Müll gesammelt, danach die Leistung mit kühlen Drinks honoriert. „A wie Arbeiten und B wie Belohnen, so könnte man das interpretieren“, deutet Vorstandsmitglied Hein Heppenheimer den etwas kryptischen Vereinsnamen. Doch gehe es vorrangig um das Gemeinschaftliche, meint Mitgründer Mike Sürder: „Gutes tun kann süchtig machen, man muss nur damit anfangen!“, ist er sich sicher.

Zur diesjährigen Aktion „Work Hard, Play Hard“ wurden an einem sonnigen Sonntag im April zwei Kinderspielplätze ins Visier genommen. Mitglieder des Vereins, Mütter, Väter, Studierende und auch Kinder krempelten die Ärmel hoch, um miteinander anzupacken und sie von Müll zu befreien. Wer sich anschloss, wurde mit selbst gebackenen Leckereien und kühlen Getränken, die von einer lokalen Brauerei gesponsert wurden, belohnt.

Weitere Müll-beseitigen-und-gemeinsam-was-trinken-Interventionen sind bereits in Planung. Wer das „A&B“-Team unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen. Auf deren Homepage kann jeder auch Ideen für neue Aktionen vorschlagen: www.a-und-b.org.

 

P-Lifehacks: Was kann jeder von uns tun, um Müll im Alltag zu vermeiden?

Umweltschutz ist ein viel diskutiertes Thema, doch was kann jeder selbst dazu beitragen? Wir haben die Teilnehmer von „Work Hard, Play Hard“ nach ihren Empfehlungen befragt. Herausgekommen ist ein kleiner Reminder, der an unser Verhalten im Alltag appellieren soll:

1. Nimm Deinen eigenen Kaffeebecher mit! „Coffee to go“ ist neben dem Weg-Bier eine spektakuläre Erfindung, allerdings weniger umweltfreundlich. Laut Deutscher Umwelthilfe werden jährlich 40.000 Tonnen Müll allein durch „Kaffee zum Mitnehmen“ produziert. Daher empfiehlt es sich, seinen eigenen Becher mitzuschleppen. Bei manchen Kaffeehäusern gibt’s dafür sogar Rabatte.

2. Schnapp Dir ‘nen Stoffbeutel! Der gute alte Stoffbeutel. Robust, immer wieder verwendbar und somit ein Evergreen im wahrsten Sinne. Die ökologische Alternative zur Plastik- oder Papiertüte. Außerdem oft mit lustigen Motiven und Sprüchen erhältlich. Rucksack oder Tasche tun’s natürlich auch.

3. Vermeide Plastik, soweit es geht! Plastik ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken und doch gibt es Wege, unnötigen Plastikmüll zu vermeiden. Zum Beispiel, indem man beim Einkaufen genauer hinschaut. Nicht nur bei verpackten Lebensmitteln, auch bei Textilien, wenn man sich Baumwolle statt Kunstfaser überstreift. Denn Partikel aus Stoffen wie Polyester können durch das Abwasser in die Umwelt gelangen und landen als Mikroplastik sogar im menschlichen Körper. In manchen Supermärkten kann man verpackungsfrei einkaufen. Das heißt, jeder darf seine eigenen Aufbewahrungsbehälter mitbringen. Auch in Darmstadt gibt es inzwischen einen sogenannten „Unverpackt“-Laden. Und selbst in manch großem Supermarkt kann man eigene Aufbewahrungsboxen an die Käse- oder Wurst-Theke mitnehmen und sie befüllen lassen.

4. Gebraucht, ge-„stufft“, second hand: Mach alt zu neu! Muss es immer das Neueste sein? Viele Dinge kann man per Kleinanzeigen gebraucht kaufen oder sich mit Glück über Facebook-Gruppen wie „Free Your Stuff“ sogar schenken lassen. Dort verschenken Leute Dinge, die sie nicht mehr benötigen. Ein Geben-und-Nehmen-Prinzip. Wer kreativ und handwerklich begabt ist, kann auch alten Gegenständen neues Leben einhauchen. So kann die olle Lampe vom Sperrmüll schnell zum Design-Objekt werden.

5. Wirf Deine Kippen nicht überall hin! Jeder Raucher feuert manchmal seinen toten Kippenstummel in irgendeine Ecke. Blöd nur, dass die Dinger etwa 10 bis 15 Jahre brauchen, um sich zu zersetzen und die enthaltenen Giftstoffe in den Erdboden sinken. 4,5 Billionen Stummel landen nach Einschätzung der WHO jährlich in der Umwelt. Benutzt also Aschenbecher und entsorgt die Stummel im Sondermüll.

6. Hinterlasse keine Spuren! Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, doch wird es allzu oft missachtet. Wer im Sommer draußen sitzt und unsere Grünanlagen nutzt, sollte auch einen sorgsamen Umgang mit ihnen pflegen. Kurz gesagt: Hinterlasst Euren Platz so, wie Ihr ihn selbst gerne vorfinden würdet. Und wenn zur Grillfete auf Einweggeschirr verzichtet wird, hat man noch einen weiteren Beitrag geleistet.

7. Bitte keine Werbung! Genervt von täglicher Werbung? Haben wir in der virtuellen Welt Spam-Filter gegen unerwünschte Post, sorgt in der Realität ein Aufkleber am Briefkasten dafür, unnötigen Papier-Spam wie Reklame oder kostenlose Zeitungen zu vermeiden.

8. Leitungswasser statt PET-Flaschen! Nur etwa die Hälfte aller zurückgeholten Pfandflaschen eignet sich dazu, recycelt zu werden. Doch wozu überhaupt Flaschen schleppen, wenn es eine Alternative gibt? Das heimische Wasser aus dem Hahn! Zwar wird das Darmstädter Wasser als qualitativ gut eingeschätzt, dennoch hat es einen relativ hohen Härtegrad. Wen das stört, kann auf Wasserfilter zurückgreifen.

9. Vorratspackungen und nachfüllbare Produkte! Vorratspackungen haben den entscheidenden Vorteil, dass mehr drin ist – und das oft mit weniger Verpackung. Natürlich sollte dabei stets der eigene Bedarf berücksichtigt werden. Manche hausüblichen Produkte lassen sich außerdem nachfüllen – wie etwa Flüssigseife oder Feuerzeuge.

10. Bewusst auf Qualität und Nachhaltigkeit achten! Ganz egal, um welche Konsumgüter es geht: Qualität hat zwar oftmals ihren Preis, kann sich aber auszahlen. Billigprodukte haben meist eine kürzere Lebensdauer und verenden schneller zu Müll. Was nicht heißt, dass es immer teuer sein muss. Es empfiehlt sich beim Kauf von Waren auf Qualität und Langlebigkeit zu achten. Das entlastet nicht nur das Portemonnaie, sondern auch die Umwelt.

 

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