Schwierige Fragen und leichte Kost

Das literarische Darmstadt im April

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Zwischen die großen Themen des Zeitgeists und der Weltgeschichte passen immer etwas Komik und Kriminelles:

 

Montag, 01. April

„Ich wollte nur Geschichten erzählen“ bekannte sich Rafik Schami für eine Textsammlung, in der der aus Syrien stammende Autor heitere wie auch melancholische Blicke auf die alte und neue Heimat wirft und von seinem Ankommen als gewürdigter Autor berichtet. Ab 19.30 Uhr führt der unter Pseudonym veröffentlichende Erzähler in der Centralstation in sein „Mosaik der Fremde“ ein.

 

Mittwoch, 03. April

Auf der Lesebühne der Textwerkstatt im Literaturhaus präsentiert der derzeitige Teilnehmer David Emling ab 19.30 Uhr seine im absurden Alltag verwurzelten Geschichten.

 

Donnerstag, 04. April

Als Horst Lange 1938 mit seinem ersten Roman einen großen Erfolg feiert, knüpft der in Darmstadt lebende Ernst Kreuder Kontakt zu dem Kollegen im Geiste. Aus dem daraus folgenden Briefwechsel, 2018 unter dem Titel „Schwierige Zeiten – schwierige Charaktere“ erschienen, lesen Peter Benz und Karlheinz Müller ab 19 Uhr im Literaturhaus und vergleichen auch die Werke der beiden Autoren.

Von der eigenen familiären Vergangenheit inspiriert beschäftigte sich Barbara Zeizinger mit der deutsch-tschechischen Geschichte im Sudetenland und erzählt in „Er nannte mich Klárinka.“ von der Studentin Maria auf der Suche nach Wahrheit zwischen vergangener Liebe und gegenwärtigen Geheimnissen. Ab 19.30 Uhr stellt die Darmstädter Autorin ihren neuen Roman im Künstlerkeller im Schloss vor. Mehr zu ihrem Wirken auf Seite 74 der aktuellen Ausgabe.

 

Samstag, 06. April

Neben den regionalen und lokalen Stars und Sternchen treten beim 59. Krone-Slam ab 20 Uhr unter anderem auch Christian Ritter aus Berlin und Nils Früchtenicht aus Kassel im Wettbewerb um die Gunst des Publikums in der Goldenen Krone.

 

Montag, 08. April

Sind „Alte weiße Männer“ noch etwas anderes als männlich, alt und weiß? Wie lebt es sich als lebendiges Klischee und als vermeintlich bedrohte Spezies? Hartnäckig nachzufragen weiß Sophie Passmann direkt beim Feindbild und liberale Journalisten, konservative Professoren, witzelnde Comedians und auch der eigene Papa geben redselige Antworten. Das provozierte Mansplaining lässt die Moderatorin und Autorin ab 20 Uhr in der Centralstation Revue passieren, denn bei allem feministischem Widerspruch lohnt „Ein Schlichtungsversuch“.

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Dienstag, 09. April

Wer vollkommen zurecht nicht nur „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben“ vertrauen möchte, kann sich ab 19 Uhr im Literaturhaus fachkompetent von Buchhändlerinnen und Sortimentern der Unabhängigen Buchhandlungen über die empfehlenswertesten Neuerscheinungen und gelungensten Lieblingsbücher beraten lassen.

Dass „Herbst in der Hose“ ist, müssen auch Konrad und Paul langsam aber sicher akzeptieren. Wie Kölns berühmtestes Schwulenpärchen mit verkleinerten Hoden- und vergrößerten Tränensäcken umgeht, und dass die Wechseljahre nicht nur melancholisch, sondern auch schmunzelnd erfahren werden, hat Ralf König in seinem neuen Comic beschrieben und bebildert, den er ab 20 Uhr in der Centralstation vorstellt.

 

Donnerstag, 11. April

„Weg“ heißt ungewohnt zweideutig der neue Roman von Doris Knecht. Wieder werden gewohnte Pfade verlassen, die vertraute Umgebung losgelassen. Diesmal, um eine geliebte Tochter wiederzufinden. Auf welchem Weg das gelingen könnte, erfahren wir von der Österreicherin ab 20 Uhr in der Centralstation.

Zu einem vom Walldorfer Liedermacher Harald Pons begleiteten Best-of seiner tiefsinnig komischen Lokalkrimis lädt Andreas Roß ab 20 Uhr in das Lokal Agora ein.

 

Dienstag, 16. April

In einem Langgedicht wird nicht ein witziger Gedanke oder ein melancholisches Gefühl in ein paar griffigen, auswendig-lernbaren Versen gepackt. Hier geht es um den großen Wurf, darum, dass das Erzählen eines Motivs in allen möglichen und nötigen Varianten und Kunstgriffen ausgebreitet wird. Dem Kritiker-Lob zufolge ist dies Kurt Drawert mit „Der Körper meiner Zeit“ gelungen, das ab 19 Uhr im Literaturhaus den Hauptteil des Abends einnimmt. Zudem gibt es Einblicke in die Romane „Spiegelland“ und „Ich hielt meinen Schatten für einen anderen“, die von den erlebten Umbrüchen der Wendezeit in den 1990ern erzählen.

Eine „Tödliche Fassade“ einer scheinbar heilen Eberstädter Familie behindert die Ermittlungen einer Sonderkommission in Darmstadt. Licht ins Dunkel der besseren Gesellschaft bringt Helmut Roth in seinem neuen „Kriminellen-Roman“, erste Ermittlungsergebnisse gibt es ab 19.30 Uhr im Hotel Restaurant Rosengarten zu hören.

 

Mittwoch, 17. April

Getrennt in den Farben – vereint im Humor: Anpfiff zur zweiten Flutlichtlesung der „Darmstädter Bücherliga“ im Stadion am Böllenfalltor ist um 19.30 Uhr. Unter dem Motto „Weil Samstag ist“ erzählt Frank Goosen dann seine besten Anekdoten rund um das Leder, das die Welt bedeutet. Mehr zu dieser Lesung im „Favoriten des Monats“ auf Seite 08 der aktuellen Ausgabe.

 

Donnerstag, 18. April

Auch Johann Wolfgang von Goethe war in jungen Jahren ein „Darmstädter Dichter“. Dies beweisen ab 19.30 Uhr im Künstlerkeller im Schloss die Schauspieler Susanne Ruppik und Aart Veder in einem Vortrag mit Rezitation verschiedener Gedichte. Zudem erläutern sie auf Einladung der Literaturinitiative die Rolle des künftigen Dichterfürsten im Kreis der Empfindsamen und Johann Heinrich Merck.

 

Samstag, 27. April

Freunde des lokal angesiedelten Verbrechens dürften in die Stadtkirche pilgern, denn für die „Krimilust“ hat Michael Kibler eine weitere Kurzgeschichte geschrieben, die ab 19 Uhr das Licht der Welt erblickt.

 

Sonntag, 28. April

Vor einhundert Jahren arbeitete Erich Mühsam im Zentralrat der Münchner Räterepublik mit. Wie politisches Denken und teils sarkastische Satire in Leben und Werk des anarchistischen Schriftstellers kaum zu trennen sind, erfahren wie ab 11 Uhr von Schauspieler Horst Schäfer im Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags.

 

Dienstag, 30. April

Im Frankfurter „Westend“ wird in der Nachkriegszeit scheinbar kein Stein mehr auf dem anderen gelassen. Kommerzielle Um- und Neubauten und familiäre Ab- und Umbrüche in den 1950er- und 1960er-Jahren beschrieb Martin Mosebach in seinem 1992 erschienenen Roman, aus dem er ab 19 Uhr im Literaturhaus liest.

 

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