Kriminelles und Rebellisches

Das literarische Darmstadt im März

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Trotz ausgefallenen Winters könnte es uns dank Krimiflut und Klimawandel-Protest doch noch das Blut in den Adern gefrieren:

Dienstag, 03. März

Die erste Lyrische Matinée in der Stadtkirche vereint ab 19.30 Uhr als musikalische Lesung zur Ausstellung „Indiskret“ drei Künste: Während Schauspielerin Julia Lochmann den Texten von nach 1933 verfolgten Frauen ihre Stimme leiht, die die Schriftkünstlerin Tanja Leonhardt auf Seidenbahnen präsentiert, findet Kasia Lewandowska auf der Harfe die angemessenen Töne.

 

Mittwoch, 04. März

Bedroht von deutschen Bombern und umsorgt von ihrem Mann verbringt Virginia Woolf ihre letzten Tage zurückgezogen. Seinen neuen Roman „Ach, Virginia!“, in dem er das Lebensende der Schriftstellerin einfühlsam protokolliert, stellt Michael Kumpfmüller ab 19.30 Uhr in der Stadtkirche vor.

„Wir schenken uns nichts“ bekennen die Protagonistinnen im Debütroman von Martine Lombard, denn auch in einer emanzipierten Arbeitswelt seien Frauen vor allem Konkurrentinnen. Die Straßburgerin ist Teilnehmerin der Textwerkstatt von Kurt Drawert, der ab 19.30 Uhr die Lesebühne im Literaturhaus moderiert, auf der auch Elke Barker ihre neue Prosa vorstellt.

„Nix passiert“ stellt der von der Großstadt in die Provinz zurückgezogene Alex vieldeutig fest und beginnt nach der x-ten Enttäuschung, sich in der alten Heimat eine neue zu erfinden. Ob und wie das gelingt, erfahren wir im neuen Roman von Kathrin Weßling – und auszugsweise ab 19.30 Uhr in der Centralstation.

 

Donnerstag, 05. März

Das ungleiche „Duo mit Beretta“ legt sich mit Zuhältern, Menschenhändlern und Behörden an: Aus ihrem ersten Lokal-Krimi, der sich nicht vor aktuellen politischen Themen scheut, liest Ella Theiss auf Einladung der Literaturinitiative ab 19.30 Uhr im Künstlerkeller im Schloss.

„Il Gattopardo“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, zu deutsch besser als „Der Leopard“ bekannt, steht im Mittelpunkt des diesjährigen deutsch-italienischen Lesemarathons, zu dem die Vereinigung deutsch-italienischer Kultur-Gesellschaften ab 19.30 Uhr ins Literaturhaus einlädt. Anlass ist auch die im vergangenen Herbst erschienene neue Übersetzung des Romans von Burkhart Koerber.

 

Freitag, 06. März

Aufgerieben in der Genfer „Schutzzone“ sucht eine UN-Mitarbeiterin nach dem richtigen Leben zwischen politischen Konflikten und persönlicher Verantwortung. Ob das gelingen kann, erfahren wir von Nora Bossong in ihrem Roman und ab 19 Uhr im Literaturhaus.

Frische Bühnenliteratur aus nah und fern – unter anderem von Theresa Hahl aus Bochum und Andi Substanz aus Münster – präsentiert ab 20.30 Uhr wieder Tilman Döring beim Poetry Slam Bergstraße im Sapperlott-Theater in Lorsch.

 

Samstag, 07. März

„Wer reitet so spät … ?“ – Diese Frage ist noch leicht zu ergänzen und zu beantworten. Aber wie geht es weiter? Und was hat der Fundus deutscher Balladen noch an Drama, Satire und tieferer Bedeutung zu bieten? Eine literarische Collage mit den bekannten und neu zu entdeckenden Erzählversen bietet der Schauspieler Walter Renneisen ab 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt.

Unter anderem Livi Mruczynski aus Düsseldorf, Pauline Puhze aus Frankfurt und Jay Nightwind aus Essen buhlen beim 67. Krone-Slam ab 20 Uhr um die Gunst des Publikums in der Goldenen Krone, auf deren Bühne das wortgewandte Moderationsduo Jule Weber und Finn Holitzka auch gerne noch spontane Teilnehmer begrüßt.

 

Sonntag, 08. März

„Sex oder Sehnsucht?“ fragen am Weltfrauentag die Gestalter des Abends im Theater im Pädagog und entscheiden sich bei einer erotischen Lesenacht für beides. Ab 18 Uhr liest Ingrid Walter eigene Geschichte, aber auch Gedichte von Hilde Domin und Mascha Kaleko, kongenial ergänzt von Klaus Lavies, der erotische Gedichte von Bertolt Brecht einfügt.

 

Freitag, 13. März

„Besser leben ohne Plastik“ – das ist der ganz praktische Vorschlag von Nadine Schubert, den sie gemeinsam mit Anneliese Bunk erläutert. Erste Tipps und Tricks aus diesem Buch für den plastikfreien Alltag gibt es ab 20 Uhr im Theater im Pädagog zu hören.

 

Montag, 16. März

Mit „Lady Liberty. Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor“ legt Eva Weissweiler ihre zweite, überarbeitete Biografie über Eleanor Marx vor. Möglich und nötig wurde diese Arbeit, da in den letzten Jahren durch Archivöffnungen viele Originalquellen zugänglich wurden. Wie diese in ihr Porträt der eigenständigen Autorin und Gewerkschafterin einflossen, erklärt die Biografin ab 19 Uhr in einer von der Schauspielerin Sonja Kargel unterstützten Lesung im Literaturhaus.

Zum wortwörtlichen Auftakt der 7. Darmstädter Krimitage in der Bessunger Knabenschule lässt es sich Michael Kibler ab 20 Uhr nicht nehmen, mit mehreren Talenten aufzutrumpfen. So liest der Lokalmatador nicht nur aus seinen Krimis rund um das Ermittlerteam Margit Hesgart und Steffen Horndeich, sondern spielt auch erstmals mit seiner Band „The Gym“.

 

Dienstag, 17. März

Dass die Idylle im Norden mörderisch trügen kann, beweist auch Eva Almstädt und verbreitet ab 20 Uhr in der Bessunger Knabenschule mit ihrem in Lübeck angesiedelten Krimi „Ostseeangst“, was bei abgetrennten Gliedmaßen schnell der Fall ist. In der gleichen Gegend werden auch die Opfer im „Lauerholz“ von Jobst Schlennstedt aufgefunden, der anschließend seinen neuesten Fall um Kommissar Andersen vorstellt.

 

Mittwoch, 18. März

„Der stumme Bruder“ ist vielleicht Zeuge eines aufgeklärten Verbrechens, doch nach dem Tod eines Unternehmers wird in einem Mecklenburger Dorf vor allem geschwiegen. Ab 20 Uhr liest Claudia Rikl in der Bessunger Knabenschule aus ihrem zweiten Roman. Ebenfalls Teil dieses erneut spannungsgeladenen Abends ist Petra Hammesfahr, die uns in ihrem neuen Krimi um „Das Mädchen Jannie“ bangen lässt.

 

Donnerstag, 19. März

Der Friedrich-Glauser-Preis ist der renommierte Preis für deutschsprachige Kriminalliteratur. Zwei ausgezeichnete Autoren stellen ab 20 Uhr in der Bessunger Knabenschule ihre Werke vor: „Oskar“ ermittelt in Max Bronskis‘ Roman in eigener Sache, denn nachdem er sich aus einem Sarg befreit hat, muss er auch noch seine Identität klären. Im neuen Krimi von Max Annas wird eine „Morduntersuchungskommision“ in der DDR nach einem rassistischen Mord in ihren Ermittlungen behindert.

 

Freitag, 20. März

Die „Gedichte des Häftlings in Kondengui“ halfen Enoh Meyomesse, seine Zeit im Gefängnis zu verarbeiten. Ab 19.30 Uhr liest der kamerunische Schriftsteller im Schlösschen im Prinz-Emil-Garten aus diesem Lyrikband und anderen Büchern.

Als Antiquar und auch Privatdetektiv einfach mal einen Geldkoffer überbringen, reicht nicht aus, denn: „Ein bisschen Mord muss sein“. Wo der Münsteraner Ermittler Georg Wilsberg da schon wieder hineingeraten ist, erfahren wir von Autor Jürgen Kehrer ab 20 Uhr in der Bessunger Knabenschule.

Die Königsdisziplin des Poetry Slams bekommt in der Centralsstation ab 20 Uhr bei einem Dichterschlacht Team Special eine eigene Bühne: Moderiert von Finn Holitzka treten in mehreren Runden mit den Duos Team Scheller – das sind Dominique Macri und Dalibor – sowie Wortwin & Slamson (Ortwin Bader-Iskraut und Jonas Samson) je zwei Performance-Granaten miteinander gegeneinander an.

 

Sonntag, 22. März

An das vielseitige Werk des Brandenburger Schriftstellers Theodor Fontane zwischen Balladen, Novellen und Reisereportagen erinnert Petra Neumann-Prystaj ab 11 Uhr im Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags.

 

Dienstag, 24. März

„Der brennende See“ muss gerettet werden, ist sich die Fridays-for-Future-Aktivistin Julia sicher. Genauso sicher ist sie sich darüber, ihren Vater gefunden zu haben. Das sorgt bei der Tochter des vor Kurzem verstorbenem Schriftstellers für Verwirrung und bietet John von Düffel die Möglichkeit zur Aufklärung – so auch ab 19 Uhr im Literaturhaus, wenn der Dramaturg und Autor aus seinem aktuellen Roman liest.

„Wann wenn nicht wir?“ fragen die internationalen Aktivisten von Extinction Rebellion rund um Sina Kamala Kaufman, Annemarie Botzki und Michael Timmermann. Diese Frage beantworten sie in dem neuen Sammelband und erklären damit ihre Kritik und ihren Protest gegen den Klimawandel. Einige Beiträge und ihr lokales Handeln stellen Darmstädter Rebellen ab 20 Uhr im Bessunger Buchladen vor.

Wie lebt es sich als Fan einer Band, die nicht mehr live zu erleben ist? Über missverstandene Song-Texte, berühmte Straßen und Schwarzarbeit berichtet Frank Goosen in „Acht Tage die Woche. Die Beatles und ich.“, seiner Liebeserklärung an die Fab Four, die der Autor ab 20 Uhr in der Centralstation anspielt.

 

Samstag, 28. März

Beim 11. Poetry Slam Dieburg im Schloss Fechenbach lässt Moderator Martin Weyrauch ab 20 Uhr unter anderem Nicki Schuck aus Ingelheim und Lenny Felling aus Mainz um die Gunst von Publikum und Jury wettstreiten.

Kleine Fluchten aus dem Alltag bieten die Kolumnen des Alltagsbeobachters Max Goldt, der sich in der Centralstation ab 20 Uhr mit einem Best-of seiner Texte über durchschnittlich Skurriles wie Cordbettwäsche auslässt.

Win! Win! Das P verlost online 2 x 2 Tickets für die Lesung von Max Goldt.

 

Sonntag, 29. März

In der Reihe „Polenlese. Literarische Abende im Schloss“ erinnert das Deutsches Polen-Institut im Karl-Dedecius-Saal von 17 bis 18.30 Uhr an die polnische Dichterin Halina Poświatowska. Als eine der ersten Autorinnen Polens hat sie in ihrer Lyrik schon zu Beginn der 1960er-Jahre die Themen Sinnlichkeit, Weiblichkeit und Eigenwilligkeit thematisiert.

 

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