Schnittstellen, Konflikte und Umgehungen

Die Branche ächzt unter der Last des Leserschwunds. Wünschen wir den Lesungen in diesem Monat daher viele Hörer:

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Mittwoch, 04. April

Mit den „Schnittstellen der Literatur“ befasst sich die Textwerkstatt in einer neuen Reihe. Zum Auftakt diskutiert ab 19.30 Uhr Leiter Kurt Drawert im Literaturhaus mit dem Schweizer Psychoanalytiker Peter Widmer über „Psychoanalyse und poetischer Text“. Wie der Titel seines letzten Buches verrät, erfahren wir von Letzerem Spannendes über „Die traumatische Verfassung des Subjekts“.

Donnerstag, 05. April

Die Eine war eine „schöne große Cousine“, die Andere die „Großmutter der Doktrinäre“: Nur über zwei Kolleginnen hat sich Heinrich Heine zeitlebens geäußert. Wie sein Urteil zu George Sand und Madame de Staël ausfiel, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten des ungleichen Trios referiert ab 19 Uhr Annette Seeman aus Weimar im Literaturhaus.

„Abgefahren“ ist die Reise von Viorel, der seine tote Mutter im Auto nach Rumänien bringt, um ihr eine angemessene letzte Ruhe zu verschaffen. Dass es nicht bei dieser einen Leiche bleibt und warum, erzählt uns Dirk Pope ab 19.30 Uhr im Künstlerkeller im Schloss.

Samstag, 07. April

Zum 50. Krone-Slam gratulieren unter anderem Sandra da Vina aus Essen, Anna Shakoor aus Marburg und der Dortmund-Berliner Rainer Holl. Ab 20 Uhr sind in der Goldenen Krone aber wie immer auch neugierige Starter auf der offenen Liste willkommen.

Dienstag, 10. April

Eine „Ortsumgehung“ zu bauen, braucht bei Andreas Maier bis jetzt fünf Romane; ein Ende ist noch nicht abzusehen. Das dürfte am Zeitgeschehen interessierten Heinern bekannt vorkommen, genauso wie „Die Universität“ zu Zeiten der Kohl-Ära. In fast vergessene Zeiten und in den neuesten Teil seines Zyklus‘ lässt uns der hessische Autor ab 19 Uhr im Literaturhaus abtauchen.

Mittwoch, 11. April

Zum 27. Poetry Slam in Weiterstadt bittet Egon Alter ab 20 Uhr unter anderem Leonie Batke aus Mainz und Johannes Pfeiffer aus Darmstadt ans Mikrofon und um eine filmreife Leistung vor dem Publikum im Kommunalen Kino.

Donnerstag, 12. April

„Noch manche Nacht wird fallen …“ ahnte der christliche Dichter Jochen Klepper im Kriegsjahr 1942. An das Schicksal des national-konservativen Schriftstellers, der als Jude von den Nazis verfolgt wurde, erinnern im Literaturhaus ab 19 Uhr Karlheinz Müller und Horst Schäfer.

Freitag, 13. April

Die Abkürzung LMBN steht für Sebastian 23, Sulaiman Masomi, Jan Philipp Zymny und Andi Strauß und damit für eine Multimedia-Lesebühne mit DJ und Live-Zeichner und vor allem den seltsamsten und merkwürdigsten Texten der Poetry-Slam-Szene. Wofür die vier Buchstaben also wirklich stehen, erfahren wir vielleicht ab 20 Uhr in der Centralstation.

Dienstag, 17. April

„Skandinavisches Viertel“ ist nun schon der zweite Berliner Kiez, der von Torsten Schulz porträtiert wird. Dass das Entführen an diesen Ort und jene Zeit natürlich ein Mittel ist, um uns einen Menschen mit all seinen konfliktreichen Erinnerungen vorzustellen, beweist uns der Autor ab 19 Uhr im Literaturhaus mit seiner Lesung aus seinem neuen Roman über einen Makler, der sich gegen die Gentrifizierung wehrt.

Donnerstag, 19. April

Es bietet sich nicht mehr oft die Möglichkeit, das Stadion am Böllenfalltor in seiner jetzigen Form zu bewundern, zumal unter Flutlicht. Ein Gastspiel auf der Südtribüne gibt Ben Redelings pünktlich ab 19.30 Uhr und weiß dann anekdotenreich einiges über „55 Jahre Bundesliga“ zu berichten – wahrscheinlich auch die ein oder andere Stilblüte zu den Lilien.

Ganz ohne Fantum kommt auch Andel Müller mit seinem „Rockin‘ Rausch – In Bogen und Bausch!“ nicht aus. Sein autobiografischer Roman oder sein romanhafter Lebensrückblick ist aber gespickt mit Anekdoten aus der Welt der jubilierenden ’68er zwischen Rock und Rebellion. Auszüge gibt der Darmstädter Kultur-Aktivist ab 20.30 Uhr im Künstlerkeller im Schloss zum Besten.

„Verzogen“ ist samt Lebenspartner die Serien-Romanheldin Andrea Schmidt. Ganz modern zunächst auf Probe, dafür aber aufs Land. Ob das gelingt, berichtet uns Susanne Fröhlich ab 20 Uhr in der Römerhalle in Dieburg.



Samstag, 21. April

Die Parole „Lesben raus!“ erscheint im Queeren Zentrum in der Oetinger Villa unangebracht. Werben möchte Stephanie Kuhnen damit allerdings „Für mehr lesbische Sichtbarkeit“. Ab 19 Uhr liest die Herausgeberin und Mitautorin aus dem 28 Beiträge starken Plädoyer.

Sonntag, 22. April

Ein Clash der populären Genre-Literatur bietet sich im Theater im Pädagog ab 18 Uhr dem geneigten Publikum: „Gestrandete der Nacht“ sind die Vampire zwischen Darmstadt und Odenwald im lokalen Gothic Roman von Claudia Kabel. „Sternenfutter“ züchten sich außerirdische Menschenfresser in der dystopischen Science Fiction von Frank Schuster. Oliver Reinhardt schließlich widmet sich in seinem Polit-Thriller „Schwarzer Bock“ dem Elend von entführten Flüchtlingsfamilien.

Montag, 23. April

„Es ist nur eine Phase, Hase!“ lässt sich leicht sagen, aber in Zeiten, in denen die Grenze zwischen Rentner-Spielplatz und Trimm-Dich-Pfad immer mehr verwischt, kommen Kolumnen über das Älterwerden gut an. So auch sicherlich, wenn ab 20 Uhr Maxim Leo und Jochen Gutsch ein Best-of ihrer Texte in der Centralstation lesen.

Dienstag, 24. April

„Stillhalten“ musste die Großmutter von Nina Jäckle. Tamara Danischewski stand 1933 dem Maler Otto Dix Modell. Der Roman um Familiengeheimnisse und vertane Chancen ist „Buch des Monats“ und wird ab 19 Uhr im Literaturhaus vorgestellt.

Donnerstag, 26. April

„Schwarze Jahreszeiten“ bleiben Michał Głowiński aus seiner Kindheit im Warschauer Ghetto in Erinnerung. Aus den Reflektionen des polnischen Literaturwissenschaftlers über Fragen des Überlebens in einem grauenhaften Alltag lesen ab 19 Uhr im Deutschen Polen-Institut Peter Oliver Loew und Anna Artwińska.

Sonntag, 29. April

Ein bedeutender Preis des in Darmstadt ansässigen deutschen PEN-Zentrums trägt seinen Namen, doch das Werk von Hermann Kesten gerät eher in Vergessenheit. Unser Wissen frischt ab 11 Uhr der Schauspieler Aart Veder im literarischen Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags auf.

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