Lohnendes Fremdgehen

Das literarische Darmstadt im Juni

Grafik: Rocky Beach Studio
Grafik: Rocky Beach Studio

Nicht nur, wenn der Sommer verregnet anfangen sollte, bieten sich folgende Möglichkeiten für kleine Fluchten, die inspirieren und auf Reisen schicken:

 

Dienstag, 04. Juni

Ob „Die Kieferninseln“ für den Bartforscher Gilbert ein geeigneter Ort sind, um ein Selbstmord-Handbuch zu studieren, oder ob die abgeschiedene japanische Natur auch andere Formen der Selbstfindung bietet, erfahren wir im anspielungsreichen Roman von Marion Poschmann, aus dem die Berliner Autorin ab 19 Uhr im Literaturhaus liest.

Mittwoch, 05. Juni

Moderiert von Kurt Drawert präsentiert die Textwerkstatt ab 19 Uhr im Literaturhaus: „Der Bäcker gibt mir das Brot auch so“, wie Julia Mantel in ihrem dritten Gedichtband frohlockte. Vielleicht noch ein wenig experimenteller bedichtet die Französin Lorraine den Alltag.

„Was lohnt sich zu lesen?“ – diese Frage wird in der Büchergilde Buchhandlung am Markt beantwortet, wenn ab 19.30 Uhr der Schauspieler Harald Schneider aus empfohlenen Neuerscheinungen des Frühjahrs liest.

In das „Rotlicht“ wagte sich Nora Bossong schon als Teenagerin und blickte verstohlen auf Dildos in Schaufenstern und andere ausladende Auslagen. Für ihren Reportagenband verband sie den genaueren Blick auf das Gewerbe mit forschenden Anekdoten, die die Autorin im Rahmen des „Sex@theCity“-Festivals ab 20 Uhr in der Galerie Kurzweil präsentiert.

In der Bar der Kammerspiele des Staatstheaters läuft parallel, also auch ab 20 Uhr: „Bestätigung (Confirmation)“, eine Ein-Mann-Performance mit zwei Charakteren von Schauspieler Stefan Schuster. Ein Stück über radikale Rechte und vor allem über uns selbst. Denn: „Fehler entdeckt man immer leichter bei anderen als bei sich selbst.“

Donnerstag, 06. Juni

Auf Einladung der Literaturinitiative stellt Tim Pröse ab 19.30 Uhr im Künstlerkeller im Schloss „Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler“ vor – einen Band, in dem 18 Porträts überlebender Zeitzeugen versammelt sind, die der Journalist über mehrere Jahre begleiten konnte.

Donnerstag, 13. Juni

„Vom Expressionisten zum Literaturfunktionär“: So fasst der Titel des Abends im Künstlerkeller im Schloss den Werdegang von Kasimir Edschmid zusammen. Wer den sonntäglichen Gang über die Rosenhöhe schätzt, mag sich schon einmal gefragt haben, wie der Autor zu der Ehre eines Straßennamens kam. Ob verdient oder nicht: Seinem Lebensweg folgend, lädt uns Peter Benz ab 19.30 Uhr ein, um diesen vergessenen „Darmstädter Dichter“ näher kennenzulernen.

Jazz und Poesie leben vom Rhythmus am Puls der Zeit. In das New York der 1920 Jahr und in die Gedankenwelt der großen amerikanischen Dichterin Dorothy Parker entführt uns Lyrikerin und Rezitatorin Nora Gomringer. Kongenial begleitet wird sie ab 20 Uhr im Rahmen des „Sex@theCity“-Festivals im Gewölbekeller unter dem Jazzinstitut von Philipp Scholz.

Freitag, 14. Mai

Die Schnauze voll von „Hochdeutschland“ hat Victor, mit Finanzspekulationen reich gewordener Multimillionär. Wie gerade aus dem zweifelhaften Zweifler ein überzeugter und überzeugender Anti-Kapitalist wird, erklärt Alexander Schimmelbusch in seinem Roman, aus dem Victor Tahal ab 20 Uhr in der Bar der Kammerspiele im Staatstheater szenisch lesen wird.

Samstag, 15. Juni

Eine kleine Wanderpredigt führt ab 19 Uhr von der Pforte der Kirche St. Ludwig bis zur Bar der Kammerspiele. Auf diesem Weg hält Schauspieler Christian Klischat als „Franziskus – Gaukler Gottes“ den gleichnamigen Monolog von Dario Fo.

Montag, 17. Juni

Studienabbrecher, Erneuerer, verleumdeter Vordenker des sozialen Wohnungsbaus und Planer erster Trabantenstädte – und nebenbei auch war „Walter Gropius – Der Architekt seines Ruhms“. Die Biografie über den Bauhaus-Gründer stellt uns Bernd Polster auf Einladung des Kunst Archivs ab 19 Uhr im Literaturhaus vor.

Sonntag, 23. Juni

Selbst von der afrikanischen Märchenwelt inspiriert, spricht Nasrin Siege ab 11 Uhr im Wohnzimmer des Kranichsteiner Literaturverlags über Astrid Lindgren und erinnert an Leben und Werk der bekanntesten skandinavischen Kinderbuch-Autorin.

Dienstag, 25. Juni

Als „Blattmacher“ verpasste Helmut Ortner schon mehr als 100 Zeitungen und Magazinen ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, als Journalist schreibt er Wissenswertes für Blätter von links über schmuddelig bis konservativ. Ein erfolgreicher Freigeist also, der in seinem Buch „Exit – Warum wir weniger Religion brauchen“ auch allgemein gültige Empfehlungen veröffentlicht. Ab 19.30 Uhr stellt der preisgekrönte Publizist seine Thesen in der Buchhandlung Lesezeichen vor.

 

 

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