Wir und Ich werfen Glanz und Schatten

Unsere Theater-Tipps im April

Foto: Theaterlabor Inc

 

Das Staatstheater als Reflexionsraum

Resonanz und Schönheit: Zwar offiziell schon vorbei, aber immer noch da: Auf dem „Jetzt!-Blog“ des Staatstheaters findet sich ein künstlerischer Austausch zur Pandemie mit der Darmstädter Stadtgesellschaft. Der Alltag fällt schwer genug, aber Kunst und Theater sind nicht zuletzt ein Reflexionsraum für gesellschaftliche Fragen, der uns in physischer Form durch die Pandemie genommen wurde. Das Projekt versucht mit Texten, Fotos, Audios und Videos ästhetische Interventionen im physischen und digitalen Stadtraum zu setzen. „Jetzt!“ will Resonanzräume schaffen, Seelen wärmen, inspirieren und als Antidepressivum unseren Alltag durch Schönheit und Kopffutter erhellen.

Sinnkrise zur Prime Time: Nachrichtensprecherin Christiane fragt sich, ob man verantwortlich handelt, wenn man immer die gleichen Meldungen konsumiert. Das fragt sich Christiane zur Prime Time – live vor der Kamera. Die Kündigung kommt und es gibt Ärger mit Tochter Moana, die ihre Karriere durch den peinlichen Auftritt der Mutter bedroht sieht. Sie ist Unternehmensberaterin samt Motto: „Don’t cry. Work.“ Verantwortung übernehmen – für sich und die Firma. Freund Boris ist Flugbegleiter und versucht stoisch, durch die Wortgefechte und Tretminen von Freundin und Mutter hindurch zu navigieren. So selbstfixiert alle drei wirken mögen, treibt sie die Frage nach dem richtigen Leben. Die Inszenierung ist als digitales Hörstück mit viel Zusatzmaterial abrufbar.

„Jetzt!-Blog“ unter staatstheater-darmstadt.de/veranstaltungen/jetzt.775

„Raus aus dem Swimmingpool, rein in mein Haifischbecken“ von Do, 01.04. bis So, 25.04., Zugang zu den Audiodateien und digitales Produktionstagebuch unter: staatstheater-darmstadt.de/veranstaltungen/raus-aus-dem-swimmingpool-rein-in-mein-haifischbecken.774

staatstheater-darmstadt.de

 

Von Ego, Ich und den anderen

Wir alle wurden die letzten Monate mehr oder weniger auf uns selbst zurückgeworfen. Was macht das mit unserem Ich? Drehen wir uns nach der Pandemie noch mehr um uns selbst oder schaffen wir es, einen neuen Gemeinsinn zu etablieren? Und welchen Beitrag kann und will die Kunst dabei leisten? Das inklusive Theaterlabor imaginiert eine gesellschaftliche Perspektive nach der Pandemie. Dabei sind Regie, Ausstattung, Choreographie, Musik und Komposition, Videokunst, Dramaturgie und Schauspiel. Alle beforschen intensiv die verschiedenen Kunstsparten und finden im Stück einen kollaborativen, ästhetischen Ausdruck für einen neuen Erfahrungsraum mit den weit entfernten Zuschauer:innen. Diese sind Voyeur:innen und Mitspieler:innen, mitten im utopischen Kollektiv voller Subjekte.

„Ich Ich Ich“ am Fr, 23.04., jeweils um 19 Uhr + 20 Uhr am Friedensplatz; begrenzte Zuschauerzahl, verbindliche Voranmeldung unter:

theaterlabor-inc.com

 

Warum nicht einfach Adolf?

Vornamen machen Welt: Man denke an Alpha-Kevin oder seinen bürgerlichen Gegenspieler Justus. Das Stück „Der Vorname“ wurde bereits zweimal erfolgreich verfilmt und ist nun in einer speziellen Zoom-Version des Darmstädter Freien Theater Ensemble (DAFT) zu sehen: Freunde und Familie sind zu Gast, sie kennen sich zum Teil seit Kindertagen. Die Stimmung kippt, als klar wird, dass der noch ungeborene Junge einen historisch durchaus vorbelasteten Namen erhalten soll: Adolf. Das Treffen läuft aus dem Ruder und aus kleinen Rissen werden große Gräben. „Der Vorname“ ist ein Kammerspiel um Sprache und deren Bedeutung. Unter der zunächst oberflächlichen Diskussion zeigen sich Konfliktlinien, die ohne die Provokation nicht zum Vorschein gekommen wären.

„Der Vorname“ am Fr, 16.04. + Sa, 17.04., jeweils um 20 Uhr über Zoom; Link über:

der-vorname.online

 

Glanz und Glück, Schein und Schatten

Die 1930er-Jahre und das nahende Ende der zerrissenen Weimarer Republik: Die junge Stenotypistin Doris flieht nach sexueller Übergriffigkeit und Machtspielchen ihres Vorgesetzten aus der rheinischen Provinz in die pulsierende Hauptstadt. Sie sucht die Liebe und den Luxus in den Kinos und Tanzpalästen Berlins. Dabei stößt sie auch auf deren Schattenseiten aus Arbeitslosigkeit, Kriminalität und dubiosen Männerbekanntschaften. Trotzdem schafft es Doris durch Humor und ihre besondere Sicht auf die Dinge, immer wieder auf die Füße zu fallen. Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ ist ein vielschichtiger, philosophischer und anrührender Großstadtroman aus weiblicher Perspektive. Wir sind gespannt auf die Bühneninszenierung!

„Das kunstseidene Mädchen“ am Fr, 23.04. + Sa, 24.04., jeweils um 20 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de

 

Antigone Against The System

Antigone will sich von ihrem Mann trennen. Ein mittlerweile alltäglicher Vorgang, möchte man meinen. Aber was, wenn sie alle davon abhalten möchten? Die Kinder und tief verwurzelte Glaubenssätze der Ahnen wollen Antigone stoppen, ihre Koffer zu packen. Es ist die alte Geschichte, in der sich gesellschaftliche Konventionen und Liebe widersprechen. In diesem Fall ist es die unbefriedigte Liebe einer Frau, die die Lippenbekenntnisse ihres Mannes nicht mehr erträgt, der sich jeden Morgen mit demselben Satz von ihr verabschiedet. Antigone will mehr vom Leben und sich aus den ehelichen Mauern befreien, die ihr schon so viele Jahre die Luft zum Atmen und Lieben rauben.

„Antigone – die Geschichte einer Scheidung“ am Sa, 17.04. (geplant) + Fr, 23.04. + So, 25.04., jeweils um 20 Uhr

Theater im Pädagog, Pädagogstraße 5

paedagogtheater.de

 

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