Fresh wie Sommerregen

Unsere Theater-Tipps im Juli und August

 

Foto: Felix Ahlert, Just for Fun Straßentheaterfestival Darmstadt

 

Open-Air-Stage Georg-Büchner-Platz

Italian-Culture-Job: Vielleicht wird die Welt nach Corona für kurze Zeit wie der kitschig-schöne Beginn eines Woody-Allen-Films: pittoreske Kulissen, heiter-melancholische Musik, warme und stimmungsvolle Bilder wie in „To Rome With Love“. Wer es italienisch mag und sich konzertant gern von einer Arie entführen lässt, sollte „Alles Oper(ette)“ des Staatstheaters besuchen. Denn da sind sie alle zu hören: Verdi, Puccini, Mozart und Leoncavallo. Und das alles als Sommer-Open-Air auf dem Georg-Büchner-Platz, das die großen Opern-Klassiker unters kulturhungrige Volk bringt. Die Zusammenstellung ist wie eine Supergroup, ein Best-of-Mixtape oder die Avengers: Die Besten rausgepickt und zu einer unschlagbaren Einheit verschmolzen.

Juckt’s wen, wer spielt? Die Frage danach, wie elitäre Einrichtungen zu rechtfertigen sind und wie Vielfalt in ihnen gedeihen kann, ist groß und wichtig. Denn muss Hochkultur wirklich Hochkultur sein, wenn sie für alle da sein will? Nach „Kranichstein represent“ wagt das Staatstheater nun ein großes Langzeit-Experiment: Die vielfältige Stadtgesellschaft soll eine Bühne erhalten – ein kritischer Programmbeirat, ein Labor der Vielfalt namens „Stadtkantine“ und die „Future WG“ inklusive. Highlights sind der dritte Teil der Trilogie, die mit „Kranichstein represent“ begann und mit „Darmstadt represent“ sowie dem Musikprojekt „Sound of Eberstadt Süd“ endet. Mal sehen, ob das Experiment gelingt und wirklich alle Gruppen – auch die der langweiligen Mitte – der Stadtgesellschaft theatralisch zu Wort kommen.

„Alles Oper(ette)“ am Fr, 02.07. + Sa, 03.07., jeweils um 20 Uhr

„Auftritt/Enter Darmstadt“ alle Termine und Orte auf der Webseite des Staatstheaters

staatstheater-darmstadt.de

Art meets Asphalt: Straßentheater to go

Der Straßentheaterbringdienst „Just for Fun Express“ stillt im August und September den Kulturdurst der Heiner. Umweltfreundlich mit Lastenrad ist er unterwegs von Bessungen bis Arheilgen und bespielt verschiedenste Gärten und Außentheater. In diesen wird ein Postrad zum Schauplatz für feinste Handstand-Akrobatik, „Hände werden der Ursprung neuer Welten“ und die deutsche Bürokratie bekommt ab, was sie verdient: herzhaftes Gelächter. Abgerundet wird das Ganze von dem Kuriositätenkabinett zweier Illusionisten mit womöglich übersinnlichen Kräften. Die Vorstellungen finden auf Spendenbasis statt. Weitere Infos zu den Künstler:innen sowie zum „Wann und Wo“ bekommt Ihr auf der „Just for Fun“-Webseite.

„Just for Fun Express“ von Mi, 11.08. bis So, 05.09. an verschiedensten Freiluftplätzen in Darmstadt

justforfun-darmstadt.de

Ab ins Freie

Während unsere Sofas in der Pandemie wenig Abwechslung boten, hat das Erleben dieser Zeit so viele Variationen wie das Virus selbst: Das Kooperationsprojekt „Out of the City“ nimmt mit der Gruppe Ubuntu, den „Darmstadt_Speakers“ und Theaterlabor INC. die individuellen Empfindungen der Corona-Zeit unter die Lupe. Sie sind Teil des Open-Air-Festivalprogramms „Ins Freie“, die viele Projekte in Hessen unter sich vereint. Im August in Darmstadt unterwegs ist dabei auch „Die Rollende Rampensau“: Ein ausgebauter, ehemaliger Offiziersbauwagen macht seinem Namen alle Ehre und bietet für vier Wochen kulturelle Open-Air-Veranstaltungen. Den Fahrplan für die Rampensau findet Ihr online unter kulturhunger21.de.

„Out of the City – post pandemic Culture“ am Fr, 09.07. + So, 11.07., jeweils ab 15.30 Uhr

„Die Rollende Rampensau“ von Fr, 06.08. bis So, 29.08. an den Wochenenden, jeweils an verschiedensten Freiluftorten in Darmstadt

 

Alte Schachteln, Tod und Lust

Das letzte Viertel des Urlaubs, das letzte Stück des Kuchens, das letzte Mal Sex für lange Zeit: Vergänglichkeit lässt uns melancholisch werden, bringt uns aber auch dazu, besonders zu genießen. Zwei womöglich ausgediente Schrapnelle wagen den Sprung in den letzten Lebensabschnitt, der genauso schön wie scheiße werden kann. Wer weiß das schon? Und wer weiß, wann Gevatter Tod seine Finger ausstreckt. Grotesk-clownesk, leise und heiter betreten diejenigen die Bühne, die selten eine haben: zwei alte Frauchen. Erinnerung ist Arbeit, die schmerzhaft und wunderschön zugleich ist. Eine Hommage an das Leben und den Genuss.

„Twee Oude Vrouwtjes – Zwei alte Frauchen“ am Fr, 30.07. + Sa, 31.07. + So, 01.08., jeweils um 20 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de und theatertransit.de

 

Ripper oder Rippchen

Geld oder Leben: eine Entscheidung, die meist im Zusammenhang mit einem Raub fällt. Aber was, wenn ein potenzieller Mörder bei Dir als Untermieter einzieht und so Deinen Lebensunterhalt sichert? Die Pension des Ehepaars Bunting steht kurz vor dem Bankrott, als ein eleganter Mann eine Bleibe sucht. Er wirkt wohlhabend und wie ein echter Gentleman. Einsame Spaziergänge im Nebel sind sicher nur eine Marotte, wie sie Junggesellen nun mal haben. Aber was, wenn er statt des Mondes das Morden genießt? Und was, wenn die Tochter mit dem potenziellen Killer und dem Polizisten gleichzeitig eine Affäre beginnt? Nun steht die Wirtin vor dem Dilemma: Soll sie statt Gerüchten lieber ein Abendessen kochen?

„Der Mieter oder das Geheimnis um Jack the Ripper“ am Fr, 02.07. + Sa, 03.07. + viele weitere Termine im Juli + August

Neue Bühne Darmstadt, Frankfurter Landstraße 195

neue-buehne.de

 

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