Cyber-Mobbing, Lügen und Flausen

Unsere Theater-Tipps im Juli und August

Foto: Robert Schittko, Staatstheater Darmstadt („Mädchen wie die“)

 

Heckentheater und Hackordnung im Staatstheater

Vom Fallen und Schweben auf Wolke Sieben: Für die Liebe werden die Menschen zur Närrin, zum Narren, zur Schäferin. Sie wollen geliebt werden für das, was ihre Seele ausmacht, und nicht für das, was ihr Titel ist. Intrigen werden gesponnen, Identitäten angelegt wie feine Gewänder. Der Prinz-Georg-Garten verwandelt sich in einen Schauplatz großer Gefühle und vereint den eigenen Zauber des Ortes mit dem Gesang der Hoffenden bei ihrer Suche nach der wahren Liebe. Während die Rotkehlchen als Zaungäste auf der Hecke sitzen, wird im Heckentheater aus voller Kehle gezeigt, was in den romantisch (verklärten) Köpfen der Menschen vor sich geht. Der beliebte Platz im Herrngarten verwandelt sich in einen magischen Ort und vereint die natürlich entstandene Kunst der Natur mit der Kreativität der Kunstschaffenden.

Die da, die da, die da: In jeder Mädchenschule gibt es eine Hackordnung, genauso wie im Hühnerstall. Etwas anderes ist das ja kaum. Und wenn ein Nacktfoto von Scarlett auftaucht, dann ist sie eben ganz unten. Im Real Life und im Netz. Ein Mädchen tut so etwas nicht – und ihre Hauptrolle am Pranger scheint klar. Dass es auch tiefe seelische Wunden mit sich bringt, realisieren ihre vermeintlichen Freundinnen erst, als Scarlett verschwindet. Das Stück „Mädchen wie die“ zeigt, wie grausam Cyber-Mobbing sein kann, hinterfragt Machtverhältnisse und Rollenbilder. Es erzählt von Weiblichkeit in verschiedensten Generationen und bringt unerwartete Wendungen – vielleicht auch in der Hackordnung.

„La costanza vince l’inganno“ Wiederaufnahme am Sa, 02.07., um 19.30 Uhr + weitere Termine im Juli im Prinz-Georg-Garten

„Mädchen wie die“ am Fr, 08.07., um 20 Uhr auf der unteren Terrasse des Georg-Büchner-Platzes

Staatsheater Darmstadt

staatstheater-darmstadt.de

 

Tanzende Musen und groteske Monarchen

Zwei Stücke an einem Abend, die unabhängig voneinander im Rahmen des „MADE.Festivals“ ausgeführt werden. Humorvoll und minimalistisch zugleich bewegt sich Evelin Stadler durch den Raum. Ausdrucksstark zeigt sie, was drei Choreograf:innen für sie kreiert haben, und schafft poetische Einblicke in ihre eigene künstlerische Biografie. Weniger grazil bewegt sich König Ubu. Der bizarre Mann frönt der Völlerei, brüllt „Schreiße!“ – und wird kurz darauf zum Machthaber. Er wird auseinandergenommen, seine Seele seziert. Das Böse wird katalogisiert, denn nur so könnten Parallelen zu Normalsterblichen ausgeschlossen werden. Doch was, wenn diese auch etwas „ubu“ werden und Ubu doch irgendwie sexy finden?

„Gift“ am Sa, 02.07., um 18 Uhr

„Ubu c’est moi – ein Machtspiel zwischen Musik und Schauspiel“ am Sa, 02.07., um 21 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + made-festival.de

 

Lügen, Lügen, Lügen liegen auf dem Weg

Holm möchte ein letztes Mal das Leben feiern und versammelt Freunde und Familie in seinem Haus am See. Da er vielleicht nicht immer ein Heiliger war, käme ihm auch die Möglichkeit zur Versöhnung gelegen. Der Mittfünfziger ist unheilbar krank und wünscht sich einen würdevollen Abschied. Das Essen wird serviert und als Beilage gibt es … feinste Familiengeheimnisse – sowohl die frischen als auch Eingemachtes. Mit jedem Gang kommen mehr Lebenslügen auf den Tisch und Holm erkennt, dass Sterben doch nicht so easy ist wie gedacht. Die Tragikomödie ist brandaktuell, zeigt wahre, tiefe Gefühle und pointierten Humor. Trigger-Warnung: Das Stück thematisiert Suizid und Tod. Weitere Hinweise finden sich hierzu auf der Seite der Musischen Gruppe Auerbach.

„Ein großer Aufbruch“ am Fr, 08.07., um 20 Uhr

Musische Gruppe Auerbach, Riedlingerstraße 3

musische-gruppe-auerbach.de

 

Flausen im Gepäck

Im Juli darf unsere schöne Stadt die Absolvent:innen des österreichischen Ensembles der Clownschule Darmstadt-Wien begrüßen. Im August spielt das hiesige Ensemble. Aber egal, ob Wien oder Darmstadt: Hauptsache Hoffnung! Und genau diese möchten die Clowns in dieser schwierigen Zeit zu uns bringen. Mit im Gepäck sind jede Menge Geschichten, Kreativität, Flausen im Kopf und Optimismus im Herzen. Und damit all das nicht wegläuft, wird der Koffer auch mal an die Leine genommen. Zu sehen gibt’s die bunte Truppe in Kranichstein, im Garten des Theaters Moller Haus – und überall da, wo sie niemand vermutet.

„Des geht si‘ aus …“ von Fr, 15.07. bis Sa, 30.07.

„Geht si‘ des aus?“ von Do, 11.08. bis Fr, 19.08.

jeweils an verschiedenen Freiluftorten in Darmstadt

theatertransit.de und clownsschule-darmstadt.de und theatermollerhaus.de

 

Trautes Heim, Betrüger herein

Umgeben von besserwisserischen Frauen versucht Orgon nach bestem Wissen und Gewissen sein Leben zu leben. Als der weise Monsieur Tartuffe auftaucht, scheinen seine Gebete erhört. Der heilige Mann kann ihm die Welt erklären, unterscheidet mühelos zwischen Gut und Böse – und hat somit einen Platz in Orgons Haus mehr als verdient. Orgon überschüttet seinen Guru mit Geld und Geschenken und möchte ihn mit seiner Tochter vermählen, damit das starke Band zu ihm niemals reißt. Und wenn er schon seine Tochter verschachert, kann er auch gleich Haus und Hof mit drauflegen. Eingehüllt in die warme Decke des Fanatismus hat Orgon keine Sinne mehr für raffinierte Scharlatanerie, auch wenn ihm diese auf einem Silbertablett serviert wird.

„Tartuffe“ Premiere am Sa, 16.07., um 20 Uhr + weitere Termine im Juli und August

Neue Bühne Darmstadt, Frankfurter Landstraße 195-197

neue-buehne.de

 

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