Freiräume für Gedankenreisen

Unsere Theater-Tipps im Juni

Foto: Christian Schuller

Reichtum und Erbe im Staatstheater

Neue Traumfabrik: In der Agentur für Arbeit wird neuerdings Reichtum geboren, werden Luftschlösser zur Realität. Nachdem das deutsche Erbrecht reformiert wurde, verlost der Staat unter seinen Bürger:innen jährlich bis zu 400 Milliarden Euro. Nun entscheidet also das Los darüber, wer üppig erbt und wer sich hoch verschuldet. Start-up-Gründerin Silke findet das gar nicht funny. Schließlich hat sie hart für ihren Erfolg gearbeitet! Nicht so wie dieser Maurice, der seit Jahren Bürgergeld empfängt. Da Not aber erfinderisch macht, orientieren sich die beiden an Bonnie und Clyde und versuchen, den stets diensttreuen, vorschriftsliebenden Amtsmitarbeiter Gabor dazu zu bewegen, Gerechtigkeit walten zu lassen. Moment mal – was ist das eigentlich, Gerechtigkeit? Steht hier irgendetwas irgendjemandem von Geburt wegen zu? Nora Abdel-Maksoud rüttelt mit ihrer Gesellschaftssatire sehr raffiniert an den Grundfesten des deutschen Sicherheitsbedürfnisses. Im Mittelpunkt steht die Frage: Ist die eigene finanzielle Absicherung wichtiger als die Solidarität mit den Mitmenschen?

Maskerade und Intrigen: Die venezianische High Society gerät in Aufruhr, als sie vernimmt, dass der steinreiche Herr Fuchs im Sterben liegen soll. Schon beginnt zwischen den gierigen Herren Krähe, Geier und Rabe ein Wettstreit um die Gunst des Dahinscheidenden. Sie überbieten sich mit immer tolleren Geschenken an Herrn Fuchs, um eine Chance auf sein Erbe zu erhaschen. Was sie nicht wissen: Herr Fuchs hat sich das Ganze nur ausgedacht, um sich zu amüsieren und teure Präsente der Herrschaften einzuheimsen. Sein Diener Mücke macht begeistert mit und freut sich am Spiel. So klingelt die Hauskasse und Fuchs und Mücke haben großen Spaß daran, die feine Gesellschaft immer weiter an der Nase herumzuführen. Was Herr Fuchs nicht ahnt: Auch der ausgefuchste Mücke ist keineswegs vor Habsucht gefeit … Regisseurin Judith Kunert arbeitet erneut mit der Hessischen Spielgemeinschaft zusammen. Sie entführt uns in die launige Welt der Gaukler, Gondolieri und Scharlatane. Zu erleben ist das Open-Air-Sommer-Stück auf der Terrasse des Staatstheaters.

„Jeeps“ Premiere am Sa, 1.6., um 19.30 Uhr in den Kammerspielen, weitere Termine am Sa, 15.6. + Fr, 21.6. + Do, 27.6. jeweils um 19.30 Uhr

„Herr Fuchs oder einfach: Volpone“ Premiere am Sa, 8.6., um 19.30 Uhr auf der Terrasse des Staatstheaters (Richtung Moller Haus), weitere Termine unter anderem am So, 9.6. + Fr, 14.6. + Sa, 15.6. jeweils um 19.30 Uhr

 

Wer gewinnt die wilde Molli?

An diesem Abend gibt das sechsköpfige Darmstädter Impro-Ensemble „Alles auf Anfang“ wieder alles beim großen Impro-Battle um die „wilde Molli“. Es wird ein freundschaftlicher Impro-Wettkampf gegen Teams von außerhalb stattfinden. Jede Szene wird live musikalisch untermalt. Improvisationstheater ist Theater im Moment – jede Szene, Handlung und Konversation ist einmalig. Erlaubt ist neben dem „klassischen“ Schauspiel alles, was den Spielenden so einfällt – Tanz, Gesang, Jodeln, … Wer gewinnt, entscheidet am Ende das Publikum. Ein Heidenspaß für alle ab 14 Jahren!

„Die wilde Molli – das saustarke Impro-Battle“ am Sa, 8.6., um 20 Uhr im Theater Moller Haus

 

Nie wieder ist jetzt!

Schmerzlich aktuell ist das Stück von Marie Schwesinger, Julia Just und Fabiola Eidloth. Wir erinnern uns gut an die Gerichtsprozesse um die Ermordung Walter Lübckes und den rassistischen Angriff auf Ahmed I. sowie gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A., die vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main verhandelt wurden. Ein Grausen ging durch die Bevölkerung, war die Ermordung Lübckes doch der erste rechtsextremistisch motivierte Mord an einem Politiker seit dem Ende der NS-Zeit. In dem Stück arbeitet sich ein chorisches Ich durch das Dokumaterial zu diesen Prozessen und hinterfragt die institutionelle Bereitschaft zur lückenlosen Aufklärung derartiger Verbrechen. Es erinnert uns daran, dass wir den öffentlichen Diskurs nicht den „Werwölfen“ in unseren Reihen überlassen dürfen und jetzt handeln müssen.

„Werwolfkommandos“ am Fr, 14.6., um 20 Uhr im Theater Moller Haus

 

Verabredung mit dem Grünen

Hast du Tinder, Bumble und Co. satt? Zu viele nervige Erfahrungen? Vielleicht brauchst Du einfach eine andere Art des Gegenübers oder … dessen, was um Dich herum ist. Komm, versuch’s noch einmal! Das „Made.Festival“ präsentiert mit „Dating a Forest“ die Möglichkeit, auf dem Georg-Büchner-Platz an einem Audio-Date mit dem Wald teilzunehmen. Ja, richtig, dem Wald, dem grünen Ökosystem, das für unseren Planeten so wichtig ist. Das Performanceduo Pinsker+Bernhardt (Janna Pinsker und Wicki Bernhardt) lädt dazu ein, den Wald als potenziellen Partner wahrzunehmen und sich vertieft mit ihm auseinanderzusetzen – wie bei einer guten Verabredung. Jede Person muss einen individuellen Zeitslot buchen. Ob aus dem Date mehr wird, darfst am Ende Du entscheiden.

„Date with a forest“ am Sa, 15.6., um 13 Uhr + So, 16.6., um 11 Uhr auf dem Georg-Büchner-Platz

 

Emanzipatorische Körperreise

Der Name „Mulan“ weckt Kindheitserinnerungen an den Disney-Klassiker mit dem mitreißenden Soundtrack. Tatsächlich steckt hinter der Geschichte Mulans aber viel mehr. Als ikonische weibliche Figur der chinesischen Literatur ermutigte sie chinesische Frauen im 20. Jahrhundert dazu, sich für ihre Rechte und Gleichberechtigung einzusetzen. Die Performancekünstlerin Yinfu Gao geht in ihrer tänzerischen Solo-Performance der Frage nach, wie sie sich als Frau emanzipieren kann. Dabei nimmt sie das Publikum in englischer Sprache mit in ihre Vergangenheit und analysiert Frauen- und Männerbilder sowie ihren eigenen Körper, basierend auf Recherchen zur Geschichte des Feminismus in China.

„Mulans“ am Sa, 15.6. um 19 Uhr im Theater Moller Haus

 

Ein Satz mit X

Schon Oscar Wilde wusste: „Wenn die Götter uns strafen wollen, erhören sie unsere Gebete.“ Dies darf Herr Käseweis, der Protagonist des Figurentheaters von Objekttheaterkünstler Andreu Andreu und Sounddesigner Peter Breitenbach, am eigenen Leib erfahren. Er wünscht sich so sehr, dass einfach mal nichts sei, kein Lärm, keine Termine, keine Anrufe, dass tatsächlich ein kleines Nichts kommt und anfängt, ihm all seine Habseligkeiten wegzufressen. Herr Käseweis muss fliehen! Wird er das Nichts wieder loswerden? Für alle ab 5 Jahren.

„NICHTS oder Herr Käseweis fliegt zum Mond“ am So, 16.6., um 15 Uhr im Theater Moller Haus