Die Sache mit der Suche nach dem Selbst

Unsere Theater-Tipps im Februar

Foto: Manfred Rademacher (Theaterlabor INC. „Der Struwwelpeter – Eine inklusive Struwwelpeteriade“)

Im Konflikt mit Gesellschaft und Realität

Römische Dichtung reloaded: Lidgus und Telethusa bekommen eine Tochter. Weil ihnen das nicht passt, ziehen sie Iphis als Sohn groß. Iphis wiederum fühlt sich nicht ganz wohl in seiner zugewiesenen Rolle. Und als er sich in Ianthe verliebt, ist die Verwirrung perfekt, denn seine Gefühle stehen scheinbar in Konflikt zu den gesellschaftlichen Erwartungen. Regisseur Florian Mahlberg nimmt das Publikum bei diesem queeren Coming-of-Age mit auf eine Reise der Selbstfindung und präsentiert eine Metamorphose nach Ovid mit (vielleicht) anderem Ausgang.

„Iphis“ am Do, 19.2. um 20 Uhr + Sa, 28.2. um 18 Uhr in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt

Flucht vor der Wirklichkeit: Eine Familie, die jahrelang auf großem Fuß und über ihre finanziellen Ressourcen hinaus lebt. Selbst eine Zwangsversteigerung des Anwesens steht bevor. Die in die russische Provinz zurückkehrende Ranjewskaja trifft bei ihrer Ankunft auf diese Umstände – und verschließt, wie der Rest der Familie, die Augen vor der Realität. In der Inszenierung von Tschechows letztem Werk wird das Publikum Zeuge eines kollektiven Festhaltens an einer Illusion, an einem wunderschön blühenden Garten.

„Der Kirschgarten“ am Fr, 6.2. + Sa, 14.2. + Sa, 21.2. sowie weitere Termine im März und Mai jeweils um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt

 

Starke Frau mit Geheimnis?

Das Projekt „Pauls Kultur(t)raum“ feiert Premiere und bringt künftig kulturelle Events in Eberstadt auf die Bühne. Das „12-Stufen-Theater“ aus Aschaffenburg präsentiert in seinem Stück die Protagonistin Nina Wittgenstein: Beeindruckend bringt sie Beruf, Familie, Beziehung und Politik unter einen Hut. Klar bekommt sie dafür auch einen Preis (Träumen ist im Theater ja erlaubt)! Seltsam nur, dass ihre Konkurrent:innen passenderweise Unfälle erleiden. Eine gute Portion schwarzer Humor würzt diese rasante, pointierte Komödie.

„Die erfolgreiche Frau“ am Sa, 21.2., 19.30 Uhr im Gemeindehaus der Kirchengemeinde St. Josef (Gabelsbergerstraße 19, Eberstadt) mit anschließender Premierenfeier

 

Die Grenze zwischen Mensch und Monster

Der Wissenschaftler Frankenstein erschafft ein künstliches Wesen. Das Wesen sucht nach Liebe und Menschlichkeit, wird jedoch als Monster gesehen und in seiner Verzweiflung, auch durch den Rückzug seines Schöpfers, aggressiv. Wie viel Verantwortung haben wir für etwas, das wir selbst erschaffen haben? Diese Frage wirft das Stück in Anlehnung an den Roman von Mary Shelley auf und zeigt, wie hochaktuell es weiterhin ist, wenn der Mensch Dinge erschafft, die er nicht kontrollieren kann.

„Mary Shelley’s Frankenstein“ Premiere am Fr, 13.2. um 19.30 Uhr + weitere Vorstellungen im Februar von der Frankenstein-Bühne e. V. im Ernst-Ludwig-Saal in Darmstadt Eberstadt

 

Konventionen, Flucht, Befreiung

Die arrangierte Hochzeit zwischen Prinz Leonce und Prinzessin Lena steht an. Beide sind nicht so begeistert, ziehen es vor, sich den steifen Erwartungen der Familien an ihre Leben zu entziehen und Müßiggang zu üben. Sie fliehen unabhängig voneinander und begegnen sich – so ein Zufall! – fern des adligen Hofs. Dort stellen sie, ohne die Herkunft ihres Gegenübers zu kennen, fest, dass sie Gemeinsamkeiten haben und sich sogar mögen. Das Publikum begleitet die Protagonist:innen bei ihrer Rebellion gegen ein vorbestimmtes Leben und eine ebensolche Welt.

„Leonce und Lena“ am Mi, 11.2. + Do, 12.2. jeweils um 20 Uhr im Theater Moller Haus

 

Ungekämmt ins 21. Jahrhundert

Ein Wiedersehen mit Struwwelpeter im 21. Jahrhundert – vielleicht der Alptraum vieler Kinder und mittlerweile Erwachsenen, dass der hoch erhobene moralische Zeigefinger Heinrich Hoffmanns sie weiterhin verfolgt. Das inklusive Ensemble des Theaterlabor INC. überführt die Figuren des Werks jedoch mit buntem, lustigem Trara ins Hier und Jetzt – also keine Angst vor der Moralpredigt! Der Struwwelpeter greift die Themen Anderssein, den Bruch von Regeln sowie Erziehung auf und präsentiert sie hier als Bühnenspektakel.

„Struwwelpeter“ am Fr, 13.2. um 20 Uhr + So, 22.2. um 15 Uhr im Theater Moller Haus