Chaos, Trubel … höllisch gut

Unsere Theater-Tipps im Oktober

Foto: Stephan Ernst

Die Welt in Unordnung im Staatstheater

Im Staatstheater Darmstadt werden im Oktober zwei Premieren gefeiert. Eine wahre Herausforderung ist die Übertragung von Roberto Bolaños Mammutwerk „2666“ auf die Bühne. Anhand einer realen Frauenmordserie in Nordmexiko in Ciudad Juarez beschäftigt sich Bolaño – wie es das dem Roman vorangestellte Zitat von Charles Baudelaire verheißt – mit einer „Oase des Grauens in einer Wüste der Langeweile“. Das dunkle Herz der Globalisierung wird in fünf lose miteinander verbundenen Teilen umkreist – Geschichten von Rassismus, Misogynie, Ausbeutung und Mord als Antwort auf jahrhundertlange Demütigungen schwirren durch diesen fabulierenden, brillanten Text. Die junge Regisseurin Claudia Bossard hat sich vorgenommen, diesen eigentlich unspielbaren Text aufzuschließen und ihn sinnlich erfahrbar zu machen.

Die zweite Premiere: die Mozart’sche „Zauberflöte“ als große Oper in zwei Aufzügen. Die auf den ersten Blick so einfache, märchenhafte Geschichte, in deren Mittelpunkt der Vogelmensch Papageno steht, kann ebenso als freimaurerisches Ideendrama, Parabel auf das Erwachsenwerden oder als theatraler Initiationsritus gelesen und präsentiert werden. „So ist die ,Zauberflöte‘ Welt-Theater im besten Sinne: eine Gelegenheit für Jung und Alt zur Welterfahrung mit den Mitteln des Theaters“, verspricht die Ankündigung.

„2666“ Premiere am So, 07.10., um 20 Uhr in den Kammerspielen

„Die Zauberflöte“ Premiere am Fr, 26.10., um 19 Uhr im Großen Haus

www.staatstheater-darmstadt.de

 

Trubel im Moller Haus

Volles, vielfältiges Programm im Headquarter der freien Theaterszene Darmstadts, dem Theater Moller Haus. Los geht’s mit einer Premiere: Das Theater Curioso zeigt das neuzeitliche Berghütten-Beziehungs-Drama „Lonelyhearts“. Es folgen das gesellschaftskritische „Hiob – Theaterstück mit Film“ von Theater Inc. und das ernste Musical-Drama „Once we had a dream“ mit einigen „prägnanten Szenen“ (deshalb erst ab 14 Jahren, inszeniert von der Preda Youth Group). Das vom Theater Transit aufgeführte „Illegal ein Leben lang“ erzählt eine wahre Geschichte, „die einen Bogen schlägt aus dem Damals, zu all jenen, die heute sagen müssen: ,Ich gehe, so weit die Füße tragen, weil ich leben will.‘ “ Dazu noch eine Improshow von „KurzFormChaos“ und das literarische Erzähltheater des wandlungsfähigen, agilen Christian Wirmer zu „Morgen und Abend“, einem Drama von Jon Fosse. Weitere Aufführungen – darunter auch viel Kindertheater: siehe Moller-Haus-Website.

„Lonelyhearts“ Premiere am Do, 04.10., um 20 Uhr

Hiob – Theaterstück mit Film am Fr, 05.10. + Sa, 06.10., um 20 Uhr

Once we had a dream am So, 07.10., um 19 Uhr

Illegal ein Leben lang am Sa, 13.10. + So, 14.10., um 20 Uhr

Improshow – unendliche Geschichten“ am Do, 18.10., um 20 Uhr

„Morgen und Abend“ am Fr, 19.10. + Sa, 20.10., um 20 Uhr

www.theatermollerhaus.de

 

Neue Hauptproduktion des Schauspielstudios

In „Und ewig rauschen die Gelder“ geht es um eine Lüge, die auf einem Sozialbetrug fußt, und am Ende aus bürokratischen Gegnern gemeinsame Kämpfer für die vermeintlich gute Sache macht. Die britische Farce von Michael Cooney gewinnt ihren Witz aus den absurden Verwechslungen, dem schwarzen Humor und einer Hauptrolle, die um keine Ausrede verlegen ist. Da muss auch schon mal der bewusstlose Onkel als falsche Leiche herhalten.

„Und ewig rauschen die Gelder“ Premiere am Fr, 19.10., um 18 Uhr

im Wilhelm-Köhler-Saal der TU Darmstadt (im Alten Hauptgebäude, Hochschulstraße 1)

www.tud-schauspielstudio.de

 

Höllisch Gutes auf der Neuen Bühne

Die Neue Bühne zeigt im Oktober Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ in einer Inszenierung von Renate Renken und mit Musik von Heike Pallas. Beelzebub Irrwitzer ist ein talentierter und erfolgreicher Zauberer. Dennoch ist es ihm – wie auch seiner Tante Tyrannia Vamperl – dieses Jahr nicht gelungen, sein Soll an bösen Taten zu erfüllen. Nun sitzen beide in der Klemme, die Frist läuft um Mitternacht ab. Sie entwerfen einen höllischen Plan, um noch möglichst viele Katastrophen zu verursachen. Passend zum Thema versprechen die Macher des Arheilger Theaters: „Dazu wird Ihnen höllisch gutes Essen serviert.“

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ Premiere am Sa, 27.10., um 20 Uhr

www.neue-buehne.de

 

Ganz schön Schrilles im TIP

Für Oktober präsentiert das Theater im Pädagog (TIP) ein schillernd-herbstliches Programm. Zwei Premieren werden gefeiert: Ende des Monats kommt „Venus im Pelz“ als intensives Spiel um heimlichste Leidenschaften, Erotik und Macht auf die Bühne des TIP. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Broadway-Theaterstück des US-amerikanischen Autors David Ives, der es vom österreichischen Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch adaptierte. Bereits zu Monatsbeginn entert der „Räuber Hotzenplotz“ die Bühne. In der garantiert ungewöhnlichen und schön schrillen Inszenierung von Klaus Lavies (und mit Lavies und Richard Heath in den Rollen) muss er auch noch die Fee Amaryllis spielen oder die Wahrsagerin oder … oder. Freuen darf sich das Publikum auch auf eine Wiederaufnahme des „Kontrabass“ nach Patrick Süskind mit Felix Münk (am 06. + 21.10.).

„Venus im Pelz“ Premiere am Fr, 26.10., um 20 Uhr

Räuber Hotzenplotz Premiere am So, 07.10., um 16 Uhr (ab 6 Jahre)

www.paedagogtheater.de

 

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