Freundschaft, Fortschritt und Verrat

Unsere Theater-Tipps im Oktober

Nils Heck („Saturday Night Fever“ im Staatstheater Darmstadt)

Freudensprünge im Staatstheater

Dance like everyone is watching you: Trotz seines Jobs in einem Brooklyner Farbenladen erscheint dem jungen Italo-Amerikaner Tony Manero das Leben grau und langweilig. Sein einziger Lichtblick sind die Samstagabende, an denen er sich auf der Tanzfläche ausleben kann. Er träumt von einem besseren, aufregenden Leben und hofft auf den ersten Platz bei einem Tanzwettbewerb. Die perfekte Partnerin dafür hat der 19-Jährige bereits auserkoren, leider weiß sie noch nichts von ihrem Glück. Tony wächst nicht nur auf der Tanzfläche, sondern auch emotional über sich hinaus. Dargestellt wird der Charakter von Alexander Klaws, bekannt aus „Deutschland sucht den Superstar“ und zahlreichen Engagements in verschiedensten Musicals.

Solidarität als Mittel gegen Ignoranz: Beim Spiel der Eindeutigkeit mitspielen, wenn du weißt, dass du es nie gewinnst? Wenn du aufgrund deiner Herkunft ständig infrage gestellt wirst? Dass es niemals eine gute Idee ist, Menschen einzukategorisieren, zeigt Shida Bazyars Roman über die besondere Freundschaft drei junger Frauen. In einer Gesellschaft, die Andersartigkeit ablehnt, ist bedingungslose Solidarität so essenziell wie die Luft zum Atmen. Hani, Kasih und Saya halten zusammen, egal was kommt. Sollen sich doch die anderen in ihren scheiß Schubladen die Finger einklemmen! Als eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt, ändert sich vieles.

„Saturday Night Fever“ So, 02.10., 18 Uhr + Fr, 21.10. + Fr, 28.10., jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus

„Drei Kameradinnen“ Uraufführung am Sa, 01.10. + Sa, 08.10. + Fr, 14.10. + Sa, 29.10. jeweils um 19.30 Uhr in den Kammerspielen

Staatstheater Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1

staatstheater-darmstadt.de

 

Fortschritt, Gleichschritt, Einschnitt

Als Lana und René 2042 ein zweites Kind planen, stehen sie vor der Frage, welche genetisch modifizierten Upgrades die Krankenkasse zahlt. Ricky und Stefan ergründen, ob die künstliche Intelligenz Alecto ihre Beziehungsprobleme behoben oder hervorgebracht hat und Tatjana kann währenddessen der Einsamkeit des Single-Daseins mithilfe einer KI entkommen … scheinbar. Das Stück „(R)Evolution“ der neu gegründeten Theatergruppe Social Actors hinterfragt den technischen Fortschritt. Die Gruppe selbst leitet Projekte, deren Ziel die Überwindung sozialer und gesellschaftlicher Hürden und ein „Theater für Jedermann“ ist. Sie besteht aus Laien, die ihre Begabungen nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne einbringen können.

„(R)Evolution – Eine Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert“ am Do, 06.10. + Fr, 07.10. + Sa, 08.10., jeweils um 19.30 Uhr

Hoff-Art Theater, Lauteschlägerstraße 28a

hoffart-theater.de + socialarts.eu

 

Viktorianische Etikette und verdorbene Ehemänner

In Sachen Heirat zählt für Gwendolen nur, dass ihr Zukünftiger den Namen „Ernst“ trägt. Dieser Name flößt unbedingtes Vertrauen ein und ruft besondere Schwingungen hervor. Cecily folgt diesem Trend und wartet sehnsüchtig auf ihren ganz eigenen „Ernst“. Wenn dieser dann noch ein richtig verdorbener Mensch wäre und sie aus der Einöde ihres Landlebens rettet, wäre ihr Leben perfekt. Jack und Algernon stellen sich als Verlobte zur Verfügung und flunkern ein bisschen beim Namen. Was soll’s, es gibt ja Taufen! Oscar Wildes Komödie besticht mit satirischem Wortwitz, viktorianischer Etikette und der zeitweise vollkommenen Ignoranz eben dieser.

„Bunbury“ Premiere am Fr, 07.10., 20 Uhr + So, 09.10., 18 Uhr + Fr, 14.10., 20 Uhr + weitere Termine im Oktober

Wilhelm-Köhler-Saal, Hochschulstraße 1 (ab 23.10.: im Theater Moller Maus, Sandstraße 10)

tud-schauspielstudio.de + theatermollerhaus.de

 

Nun sag‘, wie hast du’s mit dem Verrat?

Kaum ein anderer Name ist so sehr mit einer Eigenschaft verknüpft wie Judas: Er steht für einen Verräter, einen Schuldigen, einen Sündenbock. Wie wäre Jesu Leben wohl ohne ihn verlaufen? Hätte er sich retten können oder war Judas‘ Verhalten ein essenzieller Beitrag für die weiteren Geschehnisse? In seinem Ein-Personen-Stück betrachtet Ben Becker die Figur des Judas von mehr Seiten als üblicherweise. Es reflektiert Urteile und Feindbilder in der Glaubensgeschichte und welche Folgen diese auch noch in der Gegenwart haben. Bemerkenswert ist, dass Becker sich von keiner Seite mit dem Vorwurf der Blasphemie konfrontiert sieht. Kulisse bietet die zentral gelegene Darmstädter Stadtkirche, ältestes Kirchengebäude der Kernstadt.

„Ich, Judas“ am So, 23.10., um 19 Uhr

Evangelische Stadtkirche Darmstadt, An der Stadtkirche 1

stadtkirche-darmstadt.de

 

Einmal Vollpension ohne Überfall, bitte!

Es war einmal eine Zeit, in der der Wald schlecht befahrbar war und Räuberbanden ihr Unwesen im Dickicht der Bäume trieben. Dies ist kein Ort für junge Comtessen wie Franziska – und als ein Rad ihrer Kutsche bricht, suchen sie und ihre Mitreisenden Schutz in einem Wirtshaus. Die abgelegene Spelunke liegt mitten im Spessart und entpuppt sich als Treffpunkt einer Räuberbande. Als die Gruppe Wind vom hohen Besuch bekommt, möchte sie auch ein Stück vom aristokratischen Kuchen abhaben: Die Comtesse muss entführt werden. Kurzerhand tauscht diese ihre Klamotten mit einem Handwerker, der auch im Wirtshaus gastiert, und kann entkommen. Als ihr Vater sich weigert, das Lösegeld zu zahlen, bangt sie um ihre Freunde und geht ganz unladylike auf eigene Faust los.

„Das Wirtshaus im Spessart“ Premiere am Sa, 29.10., um 20 Uhr

Theater der Neuen Bühne, Frankfurter Landstraße 195-197

neue-buehne.de

 

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