Die Reifen brennen

Unsere Theater-Tipps im Juli und August

Foto: Bex in Motion

Feucht und tödlich im Staatstheater

Lieben unter Lebensgefahr: Prinzessin Turandot ist in Puccinis gleichnamiger Oper alles andere als leicht zufrieden zu stellen. Auch die kühle, skrupellose Herrscherin möchte endlich einen Mann haben und sich lieben. Natürlich setzt sie selbst dafür die Regeln und macht ein tödliches Spielchen daraus: Nur wer ihre drei Rätsel lösen kann, bekommt sie zur Frau. Wer allerdings daneben liegt, verliert den Kopf. Wer macht bei so etwas mit? Komischerweise gibt es trotzdem einen Haufen Bewerber, von denen es nur ein einziger schafft: Calaf knackt die Rätsel und bricht den Eispanzer von Prinzessin Turandot. Allein hat er das allerdings nicht geschafft, denn für ihn ist jemand gestorben, der das Rätsel gelöst hat …

Blau, aber zeugungsfähig: Fröhlich und weinselig geht es zu, an diesem Spätnachmittag in Rheinhessen im Jahr 1921. Herr Gunderloch will sein Weingut zur einen Hälfte versteigern und zur anderen Hälfte seiner Tochter, dem Klärchen, als Mitgift vermachen. Der Bräutigam soll – was sonst? – ein schneidiger Couleurstudent sein. Maßgabe: auf jeden Fall zeugungsfähig. Natürlich kommt es nach der versoffenen Nacht ganz anders und es finden sich nicht eins, sondern gleich vier Brautpaare. Carl Zuckmayers „Der fröhliche Weinberg“ ist ein witziges, derbes und freizügiges Lustspiel. Dabei lässt er kein gutes Haar an Kirche, deutschnationaler Presse und dem dargestellten Winzermilieu. Besonderheit: Dargeboten auf der Foyerterrasse des Staatstheaters mit ordentlich Wein.

„Turandot“ Premiere am Sa, 31.08., um 19.30 Uhr im Großen Haus

„Der fröhliche Weinberg“ am Do, 22.08., um 19 Uhr auf der Foyerterrasse + weitere Termine

www.staatstheater-darmstadt.de

Fackeln gegen Fremdheit

Ein Experiment am Ende des 18. Jahrhunderts – ohne Technikfolgenabschätzung. Dem Schweizer Arzt Victor Frankenstein gelingt es, aus alten Leichenteilen ein lebendiges Wesen zu erschaffen. Frankenstein ahnt nicht im Geringsten, welche Geister er damit gerufen hat und nie wieder einfangen kann. Das immens starke und deformiert aussehende Geschöpf ist am Tag nach seiner Geburt verschwunden. Da es seine Kraft nicht einschätzen kann, unterläuft ihm ein Missgeschick, bei dem ein Kind zu Tode kommt. Die berühmte Hetzjagd mit Fackeln, Knüppeln und Mistgabeln beginnt. Die tiefe Sehnsucht des Weltfremden: Jemand, der ist wie er. Soll Victor Frankenstein nun noch ein zweites Mal zaubern?

„Frankenstein“ am Sa, 13.07., um 21 Uhr + viele weitere Termine

Gewächshaus der Orangerie (Neue Bühne zu Gast)

www.neue-buehne.de

 

Fünfmal um fünf für umsonst

Kindertheater unter freiem Himmel! „Die Stromer“ zeigen zu ihrem 25. Jubiläum fünf verschiedene Stücke zu fünf Terminen an fünf Orten. Hier kommt das Theater zu den Kindern, denn die Spielstätten sind normalerweise Orte, an denen sich Kinder tummeln. Der Eintritt ist jeweils frei. Super Theaterprojekt!

„Überraschung für Victorius“ am Fr, 16.08., um 17 Uhr unter dem Sonnensegel am Brentanosee

„Der Fee, die Fee und das Monster“ am Fr, 23.08., um 17 Uhr auf dem Adenauerplatz in Eberstadt-Süd

„Lizzy auf Schatzsuche“ am So, 25.08., um 17 Uhr auf dem Karolinenplatz

„Die rote Prinzessin“ am Fr, 30.08., um 17 Uhr auf dem Spielplatz vor der Kita Friedrich-Fröbel-Haus

„Der Waschlappendieb“ am So, 01.09., um 17 Uhr auf dem Aktivspielplatz im Herrngarten

www.theater-diestromer.de

 

Heinerfest burning

Wer die Zuschauer auf der Straße kriegt, der kriegt sie überall. Straßentheater ist ein unterschätztes Genre und in der Lage, den öffentlichen Raum in einen Kunstraum zu verwandeln. Das „Forum Straßentheater“ ist mittlerweile fester Bestandteil des Heinerfestes und zeigt gleich drei Acts: „This Maag“ (Schweiz) machen Humoriges mit Schwyzer-Attitüde. Alles ist ein Requisit und jeder Zuschauer auch Mitspieler. „Bex in Motion“ (Kanada) macht Hula Hoop, Comedy und Akrobatik. Aber einfach Hula Hoop wäre langweilig: Hier brennen die Reifen! „Arthur“ ist Artist auf dem Hochrad und jongliert dabei. Seine Frisur ist im Übrigen einen zusätzlichen Applaus wert.

„12. Forum Straßentheater“ am Fr, 05.07., um 19 Uhr + Sa, 06.07., um 18.30 Uhr + So, 07.07., um 18.30 Uhr + Mo, 08.07., um 19.30 Uhr vor dem Darmstadtium

www.forumstrassentheater.de

 

100 Sekunden Transit

Transitstrecken sind berüchtigt, denn was auf ihrem Weg liegt, ist unbekannt. Sicher ist aber: Sie verbinden. Umso magischer, dass die Gründung des Theater Transit im Jahr 1989 war. Die Theatermacher werfen ihr Netz auf die vergangenen 30 Jahre Theater aus und fischen fleißig heraus: Schätze, Raritäten, Skurriles und frühere Potenziale, die auch jetzt noch oder erst heute richtig funkeln und strahlen. Das Theater Transit versteht sich als eines, das erzählt, aneckt und Verwirrung stiftet. Man darf wirklich gespannt sein, was es an diesen beiden Jubiläumsabenden zu sehen gibt. Die Veranstalteter verraten: Schwung, Biss, Shortacts, Blitzlichter und Schmähungen. Und keiner der Akte ist dabei länger als 100 Sekunden.

„Jubiläum Theater Transit“ am Fr, 16.08. + Sa, 17.08., jeweils um 20 Uhr

Theater Moller Haus

www.theatertransit.de

 

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