Satire, Tiere und Waldaffären

Unsere Theater-Tipps im Oktober

 

Foto: Johannes Kaiser (Projekt Jugend und Theater Darmstadt e. V., „Grimm – das Musical“)

 

Zauber und Entzauberung im Staatstheater

Revolution durch Anti-Romantik: Das winterkalte Paris am Ende des 19. Jahrhunderts: Vier Künstler leben zwischen Unabhängigkeit, Armut und Ausgelassenheit. Sie alle suchen nach dem Inbegriff der Kunst. Rodolfo, einer der drei, begegnet Mimi und – natürlich – verliebt er sich in sie. Nach dem kurzen Aufschwung folgt die Vergeblichkeit, denn Mimi ist an Tuberkulose erkrankt. Wird sie in Rodolfos Händen selbst zum Objekt, das ob ihres Leids kreativ ausgepresst werden soll? Und jetzt ohne Kitsch: Regisseur Wolfgang Nägele zeigt die Widersprüche des Kunstbegriffs von Puccini und die ökonomischen Zwänge, die den revolutionären Künstler heute wie damals wieder radikaler herausfordern, statt ihn lieblich zu romantisieren.

Der Zauber des Augenblicks: Des Lebens Kostbarkeit werden sich Menschen besonders in Krisensituationen bewusst: in Momenten der Trauer, der Ängste, im Angesicht des Todes. Und gerade diese Phasen sind es, in denen unendliche Kräfte freigesetzt werden können. In seiner neuen Kreation „Memento“ zeigt der Choreograf Tim Plegge, dass das schwierige Auseinandersetzen mit der eigenen Sterblichkeit und das Zelebrieren der Gegenwart miteinander verwoben sind. Ewigkeit und Raumzeit, Anfang und Ende, Geschehenes und Existenz verfestigen sich auf der Bühne nicht etwa in konkreten Situationen, sondern vielmehr in Fragmenten des Lebens. Feiert den Augenblick zwischen „Memento mori“ und „memento vivere“!

„La Bohème“ Premiere am Fr, 01.10., um 19.30 Uhr + So, 03.10., um 19 Uhr + Fr, 08.10., um 19 Uhr + So, 17.10., um 18 Uhr im Großen Haus

„Memento“ Premiere am Sa, 16.10., um 19.30 Uhr im Großen Haus

staatstheater.de

 

Der Wolf und die bösen Gerüchte

Wenn die Gesellschaft uns sagen möchte, was richtig und falsch ist, dann gibt es viele unter uns, die diese Schubladen dankend annehmen. Und dann gibt es die Aufmüpfigen unter uns, die Leichtsinnigen. Oder sind das doch mutige und offene Seelen, die den Status quo infrage stellen? Eine dieser Seelen ist Dorothea, Spitzname: Rotkäppchen. „Der Wald ist tabu“, sagen die Leute. „Was ein Schmu“, sagt Rotkäppchen. So macht sie sich auf und verliebt sich doch prompt in den freigeistigen Wolf Grimm. Zurück im Dorf gibt es das, was es oft gibt: Gerüchte, Missgunst und einen langwierigen Integrationsprozess. Den weiteren Weg von Dorothea seht Ihr im unschubladisierbaren Musical vom Projekt Jugend und Theater Darmstadt e. V.

„Grimm – das Musical“ am Sa, 09.10., um 18.30 Uhr + So, 10.10., um 11 Uhr + viele weitere Termine

Kleine Bühne Bessungen, Bessunger Straße 88

musicals-darmstadt.de

 

Mobbing gegen Moby

Ein junger Mann, nennt ihn Ismael, heuert als Matrose auf einem Walfangschiff an. Wie so viele junge Menschen ist er auf der Suche nach … ja, was eigentlich? Der Freiheit, dem Abenteuer oder dem Ende der ihm innewohnenden Melancholie? Wer dagegen genau weiß, was er sucht: Ahab, der Kapitän des Schiffes. Einst hat der Wal Moby Dick sein Beinchen gesnackt und auch, wenn die Blutung schon gestillt ist, ist es sein Rachedurst noch lange nicht. Da hat er keine Wahl, der Fisch – er muss getötet werden! Auch Ismael hat mitten auf dem Meer keine andere Möglichkeit, als sich dem Befehl des Einbeinigen zu fügen. Eine unheilschwangere Reise nimmt ihren Lauf, bei der nicht einmal das Kap guter Hoffnung ist.

„Moby Dick“ am Fr, 01.10. + Sa, 02.10., jeweils um 20 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + theater-lakritz.com

 

Mit Kishon zur Blinddarm-Operation

Situationen so übersteigert, dass sie wahrer werden – das ist Satire von Ephraim Kishon! Er beschreibt das, was wir alle (nicht) kennen: Auf dem Operationstisch für die Blinddarmoperation tut die Anästhesie nicht, was sie soll. Haben Sie nicht zuletzt die eigene Handgranate auf dem Tisch ihres Lieblingscafés liegen lassen? Egal, der Staat besteuert bald ihre Grundbedürfnisse! Auch wenn diese Szenen schon 50 Jahre alt sind, haben sie kaum an Relevanz eingebüßt, denn Wahnsinn und Bürokratie gibt’s immer noch. Das TUD Schauspielstudio inszeniert Kishons „Der Blaumilchkanal“ sowie „25 satirische Einakter“, gepackt in einen unterhaltsam-gewitzten Abend.

„Kishon – dem bekannten Satiriker auf der Spur“ Premiere am Fr, 15.10. + Sa, 16.10. + Di, 19.10. + Di, 26.10., jeweils um 20 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + tud-schauspielstudio.de

 

Eine Oper für Kinder, die sich selbst erklärt

Eine Oper für Kinder, die Opern erklärt – was will man mehr? Die Vorstellung des Berliner Kabarett Lori ist für Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren sowie alle, die sie dabei haben wollen: Eltern, Großeltern, Freund:innen, Onkels und Tanten. Das Stück basiert auf dem Märchen „Teremok“ von Samuel Marschak und ist eine spannende und lehrreiche Einführung in die Welt der Oper. Welche Tiere wohnen im Tierhäuschen des Märchens und welche möchten rein, dürfen aber vielleicht nicht? Dabei ist die Oper nie trocken, sondern von besonders märchenhafter Atmosphäre, die durch originelle Kostümierung und eine farbenfrohe Bühnendekoration jede Langweile aus der Halle der Knabenschule fegt. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „1.700 Jahre Jüdisches Leben“.

„Das Tierhäuschen“ am So, 31.10., um 15 Uhr

Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42

knabenschule.de

 

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