Geister, Glücksritter, wahnsinnige Holzpuppen

Unsere Theater-Tipps im Februar

Foto: Theaterlabor INC. („Heldenhunger“)

 

 

Prosa und Weltfrieden im Staatstheater

Fortunate Fools: Nach all dem Drama in der Welt wird endlich alles gut. Tränen trocknen, die Klimakatastrophe ist passé, Küsse werden verteilt, Dein Crush crushed zurück, der Regenwald regeneriert sich, Sünden werden vergeben und Konzerne enteignet. Alles ist, wie es immer sein sollte, und die Glückseligkeit hat endlich ihre große Bühne … wenn nicht im Theater, wo dann? „Happy End (Keine Garantie)“ zeigt eine Gegenwart des fragilen Glücks, der irrationalen Sehnsucht … kleine Utopien und große Träume. Felix Krakau, freier Regisseur und Autor, schreibt und inszeniert nach „Showtime (ein enttäuschender Abend)“ zum zweiten Mal am und für das Staatstheater Darmstadt.

#prosaistweiblich: Shortstorys und Longdrinks gibt es an der Bar der Kammerspiele. Schauspielerin Karin Klein liest aus der neu erschienenen Anthologie „Prosaische Passionen“. Diese beinhaltet 101 Shortstorys der weiblichen Moderne, wieder- und neuentdeckte Erzählkunst von Künstlerinnen aus aller Frauen Länder. Wahre Klassikerinnen laden ein zum Versinken in die mal wilden, mal zarten, energetischen Kurzgeschichten und Biografien. Diese erste große Sammlung weiblicher Prosa um und nach 1900 zeigt neu eroberte kreative Freiräume in der Literatur, die bis dahin als Männerdomäne galt.

„Unerhört. Literarisch. Weiblich.“ am Mi, 01.02., um 20 Uhr, Bar der Kammerspiele

„Happy End (keine Garantie)“ Uraufführung am Fr, 24.02., um 19.30 Uhr in den Kammerspielen

Staatstheater Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1

staatstheater-darmstadt.de

 

Ritter, Retter, Sprücheklopfer

Corona, Klimawandel, Krieg – die Krisen scheinen sich aktuell nicht die Klinke in die Hand zu geben, sondern gemeinsam Platz zu nehmen und die Menschheit zur Schnappatmung zu zwingen. Kein Wunder, dass der „Heldenhunger“ der Bevölkerung wächst. Das gleichnamige, inklusive und generationenübergreifende Stück des Theaterlabors INC setzt sich mit ganz verschiedenen Exemplaren unserer Spezies auseinander und sucht nach der „Heldenformel“ und dem „Heldengen“. Was ist es, dass Siegfried, den Drachentöter, und Mickey Mouse vereint? Halten Helden wirklich das, was sie versprechen, und können sie uns mir nichts dir nichts von allem Leid befreien? Oder machen sich so manche heroischen Gestalten einfach nur lächerlich?

„Heldenhunger“ Fr, 03.02., 20 Uhr + Sa, 04.02.,15 Uhr + 20 Uhr + Sa, 25.02., 15 Uhr + 20 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + theaterlabor-inc.com

 

Contenance, Comtesse!

Es war einmal eine Zeit, in der der Wald schlecht befahrbar war und Räuberbanden ihr Unwesen im Dickicht der Bäume trieben. Dies ist kein Ort für junge Comtessen wie Franziska – und als ein Rad ihrer Kutsche bricht, suchen sie und ihre Mitreisenden Schutz in einem Wirtshaus. Die abgelegene Spelunke liegt mitten im Spessart und entpuppt sich als Treffpunkt einer Räuberbande. Als die Gruppe Wind vom hohen Besuch bekommt, möchte sie auch ein Stück vom aristokratischen Kuchen abhaben: Die Comtesse muss entführt werden. Kurzerhand tauscht diese ihre Klamotten mit einem Handwerker und kann entkommen. Als ihr Vater sich weigert, das Lösegeld zu zahlen, bangt sie um ihre Freunde und zieht ganz unladylike auf eigene Faust los.

„Das Wirtshaus im Spessart“ Premiere am Sa, 04.02., 20 Uhr + weitere Termine

Theater der Neuen Bühne, Frankfurter Landstr.195

neue-buehne.de

 

Im Auge des Wahnsinns

Während das Sandmännchen den Kindern Schlafsand für eine gute Nacht schenkt, hat die alte Märchenfigur „der Sandmann“ Nathanael vor allem eins hinterlassen: Traumata. Manifestiert hat sich die Gruselgestalt, die unartigen Menschenkindern die Augen aushackt, im Advokaten Coppelius, der mit Nathanaels Vater alchemistische Experimente durchführte. Im Erwachsenenalter begegnet Nathanael dem Wetterglashändler Coppola und glaubt, in diesem Coppelius zu sehen. Alle Versuche seiner Verlobten Clara, ihm zu verdeutlichen, dass dies nur in seiner Gedankenwelt existiert, scheitern. Mit einem Perspektiv entdeckt Nathanael die schöne Tochter seines Professors: Olimpia. Er verliebt sich unsterblich in sie und erkennt im Rausch seiner Gefühle nicht, dass sie ein Holzautomat ist. Dem Wahnsinn weicht die Wirklichkeit.

„Der Sandmann“ Premiere am Mi, 08.02., um 20 Uhr + weitere Termine

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + theaterlabor-inc.com

 

Der Metzger, der mich rief!

Franz, ein erzkonservativer Metzgermeister aus Eberstadt, mag es beschaulich. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der er den Brät in die Wurst stopft, steckt er Menschen in Schubladen. Als Franz ins Krankenhaus muss und seine überarbeitete Tochter Rita illegal den Asylbewerber Mojo beschäftigt, möchte er den neuen Kollegen schnellstmöglich loswerden. Mojo jedoch möchte mit Hilfe von Voodoo Franz‘ Freundschaft erzwingen. Durch unglückliche Umstände stirbt Franz und wandelt fortan als Geist, den nur Mojo sehen kann, auf der Erde. Ritas Bruder Anton nutzt die Gunst der Stunde und stiehlt Franz‘ Testament, um die Metzgerei in eine Lounge verwandeln zu können. Nun ist Geist Franz auf Mojos Hilfe angewiesen, um seine geliebte Metzgerei zu retten.

„Wer hat Angst vorm weißen Mann“

Premiere am Fr, 17.02., + Sa, 18.02., + weitere Termine, jeweils um 20 Uhr

Ernst-Ludwig-Saal, Schwanenstraße 42

frankenstein-buehne.de

 

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