Leise rieselt die Revolution

Unsere Theater-Tipps im Dezember und Januar

Foto: Theaterlabor Inc.

Familienfehden und Liebeleien im Staatstheater

Verliebte Lebemänner: Der Spagat zwischen gesellschaftlichen Verpflichtungen und dem eigenen Vergnügen ist kein leichter. Um diesen dennoch zu meistern, stricken sich die Lebemänner Jack und Algernon Alibibiografien. Algernon möchte gerne mal aufs Land und erfindet seinen kranken Freund Bunbury, um den er sich scheinbar rührend kümmert. Jack hingeben erdichtet einen Bruder Namens Ernst, um in die Stadt zu kommen. Alles könnte so einfach sein, käme da nicht die Liebe ins Spiel. Jack alias Ernst verfällt Algernons Cousine Gwendoline und Algernon verliebt sich in Cecily vom Land. Die Schicksale beider Gentlemen kreuzen sich und eine wilde Verwechslungskomödie beginnt.

Thronschubser zwischen den Stühlen: Hamlet senior ist tot und Hamlet junior studiert in Wittenberg. Der Mörder von Hamlet senior ist sein eigener Bruder, Claudius. Der ist recht unverfroren und heiratet doch direkt Hamlets Witwe, um es sich selbst auf dem dänischen Thron bequem zu machen. Ein bisschen Macht, ein bisschen durch die Gegend regieren – dies, das, was man eben so macht, als König. Und Hamlet junior? Der wird vom Geist des verstorbenen Vaters heimgesucht und der flüstert ihm: Räche Dich, mein Sohn! Eine gute Gelegenheit, denn die Krönung des neuen Königs verlangt nach dem Prinzen. Was tun? Diese Frage hat zwar Lenin weit nach Shakespeare gestellt, aber um nicht weniger geht es: Was ist gut, was ist böse? Liegt beides nicht zum Verwechseln nah beieinander? Hamlet ist die Story von einem, der die alte Ordnung einreißen will und sie gleichzeitig bis aufs Blut (oh, ja!) verteidigt.

„Ernst ist das Leben (Bunbury)“ Premiere am Sa, 29.01., um 19.30 Uhr in den Kammerspielen

„Prince of Denmark“ am Do, 02.12. + Sa, 04.12 + Fr, 07.01. + Sa, 08.01., jeweils um 19.30 Uhr in den Kammerspielen

staatstheater-darmstadt.de

 

Der Wolf und die bösen Gerüchte

Wenn die Gesellschaft uns sagen möchte, was richtig und falsch ist, dann gibt es viele unter uns, die diese Schubladen dankend annehmen. Und dann gibt es die Aufmüpfigen unter uns, die Leichtsinnigen. Oder sind das doch mutige und offene Seelen, die den Status quo infrage stellen? Eine dieser Seelen ist Dorothea – Spitzname Rotkäppchen. „Der Wald ist tabu“, sagen die Leute. „Was ein Schmu“, sagt Rotkäppchen. So macht sie sich auf und verliebt sich doch prompt in den freigeistigen Wolf Grimm. Zurück im Dorf gibt es das, was es oft gibt: Gerüchte, Missgunst, Vorurteile und einen langwierigen Integrationsprozess. Den weiteren Weg von Dorothea seht Ihr im Musical von Theater Darmstadt e. V. und Projekt Jugend.

„Grimm – das Musical“ am Sa, 11.12. + So, 12.12. + Sa, 18.12., jeweils um 18.30 Uhr

Kleine Bühne Bessungen, Bessunger Str. 88

musicals-darmstadt.de

 

Oh Weihnachtsshow, oh Weihnachtsshow

In der Weihnachtszeit gibt es von allem mehr: mehr Geschenke, mehr Familie, mehr Idylle, mehr Stress, mehr Lichterketten und mehr Kalorien. So manch ein Grinch sperrt sich da schon mal im Zimmer ein, aber für alle, die das Fest lieben, findet im Mollerhaus ein bunter Abend rund um das Thema Weihnachten statt. Für rote Wangen sorgt leckerer Glühwein, für die Unterhaltung Theater Inc. mit vielen Gästen aus der Region. Musik, Theater und Comedy. Euch erwartet ein gemütlicher, abwechslungsreicher Abend zur Einstimmung auf die nahenden Festtage. Wer seine Lebkuchen lieber auf dem heimischen Sofa genießt und sich zu Hause einmummeln möchte, kann sich auch im Livestream dazuschalten – je nach Gusto.

„Die Theater Inc. Weihnachtsshow“ am Sa, 11.12., um 20 Uhr

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + theaterinc.de

 

Sinn oder Unsinn

Das neue, inklusive Stück des Theaterlabors Inc. mit Tanz, Musik und Sprache feiert Premiere. Immer soll etwas Sinnvolles getan werden und das, obwohl so viel Unsinn in der Welt geschieht. Das Theaterlabor verweigert sich diesem Paradigma und damit konsequent dessen Sinn. Dada als Ablehnung gegen Konventionelles betritt erneut die Bühne in pandemischen Zeiten. Unser Leben und Alltag halten immer mehr Absurditäten bereit und manchmal ist der einzige therapeutische Akt, der spontan entstehen kann, das Lachen als Befreiung aus Verzweiflung und Ratlosigkeit. Es stellt sich auch die Frage, ob Inklusion mittlerweile Realität ist oder ganz weit weg, in unserer vom Optimierungsdrang geprägten Gesellschaft?

„A/B/S/U/R/D“ Premiere am Fr, 06.01., um 20 Uhr + Fr, 14.01., um 20 Uhr und weitere Termine im Januar

Theater Moller Haus, Sandstraße 10

theatermollerhaus.de + theaterinc.de

 

Zeitreise und reißerische Zeitungen

Sekt oder Selters, Darmstadts älteste freie Theatergruppe ist zurück. Die 1984 gegründete Kultgruppe spielt von Beginn an in nahezu gleicher Besetzung. Gezeigt wird „Binsen 74“: Eine Clique junger Revoluzzer begehrt mit einer Sonderausgabe ihrer Schülerzeitung „Stadtratten“ gegen Eltern und Lehrer auf. Der Skandal bleibt nicht aus und die Truppe zerstreut sich in alle Winde. Wenn nicht dieses sonderbare Versprechen wäre, sich genau 47 Jahre später wieder zu treffen, wäre die Clique nur eine Erinnerung an vergangene Tage. Das Stück entführt auf eine Zeitreise mit Musik, Rollenwechseln und der Jugend in den wilden 70ern.

„Binsen 74“ am Fr, 03.12. + Sa, 04.12. + Fr. 10.12. + Sa, 11.12., jeweils um 20 Uhr, verschiedene Spielstätten

Hoff-Art Theater, Lauteschlägerstraße 28 a

Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42

knabenschule.de + hoffart-theater.de

 

Artikel drucken Artikel versenden