Die lokale Kulturszene und (Stadt-) Kulturpolitik ist ständig in Bewegung – da bekommt man viele interessante Neuigkeiten nur am Rande, viel zu spät oder gar nicht mit. Schluss damit: An dieser Stelle servieren wir alle Info-Häppchen, welche die P-Redaktion in den letzten Wochen aufgeschnappt hat.

Foto: Besidos

Adios, Besidos! Kaum zu glauben, aber wahr. Nach 15 Jahren fährt unser liebster Racki’n’Roll-Dampfer bald in seinen letzten Hafen ein. Von West nach Ost, von Norden nach Süden: Mit ihrem Exkurs quer durch alle europäischen Musikgefilde zwischen Balkan und Bosporus hat sich die Truppe um Musik-Bürgermeister Hüseyin Köroğlu zu einer Institution hochgespielt – und wurde dafür auch 2016 mit dem Darmstädter Musikpreis ausgezeichnet. Zum Abschied haut die Band, die ihr Schaffen immer auch als Liebeserklärung an die musikalisch-kulturelle Vielfalt unseres Kontinents verstanden hat, noch mal eine Platte raus. Und was für eine! 18 Titel versammelt das Quartett auf „Helsinki“, darunter größtenteils Eigenkompositionen an der Seite einiger Klassiker ihres Genres. Veröffentlicht wird das Ganze als wertiges Doppel-Vinyl und „eröffnet dem Hörer musikalische Einblicke in die Abenteuer“, die die Band erleben durfte. Zu hören gibt’s auch starke Features von Baba Zula, Imam Baildi oder Rap-Meister Kurtis Blow. Abgreifen könnt Ihr das Balkan-Gypsie-Pop-Manifest beim Abschiedskonzert in der Bessunger Knabenschule am 23. November. Karten für das große Finale gibt’s ab 01. Oktober am Veranstaltungsort, im Comic Cosmos, bei „Traumraum – der Laden“, Musik als Hilfe und in der Buchhandlung Lesezeichen für nen Zehner. www.besidos.de

Ganz frisch an den Start hingegen geht Darmstädter Pop- und Jazz-Sängerin Nathalie Schäfer (Tobsucht, Beat Club 21, Nekta, Jasper, La Java Blue Quartett) mit ihrem Projekt Rooki. „Hooray For Today“ erscheint als Debüt am 01. November. Aufgenommen wurde das Album von der Musikerin selbst in kompletter Eigenregie im Homerecording-Studio samt vieler, kleiner Instrumenten wie Ukulele, Melodika und Kazoo. „Letztendlich ist es aber ausgeartet und viele nette Mit-Musiker haben mir ihr Können geschenkt“, erzählt Nathalie davon, dass am Ende auch die Darmstädter Musiker Steffen Stütz, Christian Spohn, Wolfgang Ritter und Max Sonnabend zum Einspielen ins Wohnzimmer-Studio kamen. Für den Feinschliff sorgte schließlich Gyso Hilger (Nektarium Mastering). Das Ergebnis: Quirliger, super vielschichtig klingender Songwriter-Pop mit Indie-Charme! www.rooki-music.com

Mit ihrem Melodic Metal werden All Will Know auf Konzert- und Festivalbühnen in ganz Europa – und gar bis nach Kuba! – gebucht. Jetzt haben die sonst für rasanten Sound bekannten Darmstädter etwas ganz Neues gewagt: eine Unplugged-Platte. Seit drei Jahren organisieren die fünf Musiker die Konzertreihe „Metal Up Your Life“ in der Oetinger Villa – immer mit Akustik-Bühne. Hierfür die eigenen Songs in entschleunigten Varianten neu zu arrangieren, kam so gut an, dass im Kohlekeller-Studio jetzt „Same But Different“ aufgenommen wurde. Das Album präsentiert ausgewählte Stücke aus der Diskografie der Band in reduziertem Gewand. Erhältlich als CD im schmucken Digipack für circa 15 Euro. www.allwillknow.de

Riesige, geschwungene Stoßzähne, massive Knochen und eine Ehrfurcht erregende Größe: Seit 150 Jahren wacht „Peale’s Mastodon“ mit seiner monumentalen Statur über die paläontologische Sammlung des Hessischen Landesmuseums – und wird jetzt erstmals seit seiner Installation abgebaut und auf Exkursion geschickt. Die imposanten Überreste des „Mammut americanum“ wurden 1801 im US-Staat New York ausgegraben und waren das erste museal montierte Skelett eines fossilen Säugetiers in Nordamerika. Damals eine absolute Sensation, die sogar maßgeblich in die politische Sphäre der damals noch jungen Nation wirkte. Als Schlüsselwerk einer Ausstellung über Alexander von Humboldt soll das elefantenähnliche Skelett nun ab Januar 2020 im Smithsonian American Art Museum in Washington DC zu sehen sein. Um die Leihgabe reisefertig zu machen, starten Mitte Oktober die Abbauarbeiten. Aufregend! www.hlmd.de

In die Hände gespuckt wird auch an der Kunsthalle Darmstadt: Ende des Sommers starteten hier die ersten Arbeiten zur umfassenden Neugestaltung des Vorplatzes am Museum. Dieser wird sich, so die Pläne, mit Rundbänken, neuen Bäumen sowie der Demontage des Zauns „zur umgebenden Stadtlandschaft“ öffnen. Der Ausstellungsbetrieb wird durch die Arbeiten nicht eingeschränkt. www.kunsthalle-darmstadt.de

Der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main greift mit seiner Förderung unzähligen Kulturprojekten tatkräftig unter die Arme. In Darmstadt wurden dieses Jahr unter anderem das Sprungturmfestival, das „Bauwhat?“-Festival und die 100-Jahres-Feier der Darmstädter Sezession unterstützt. Nach sechs Jahren hat jetzt Dr. Helmut Müller sein Amt als Geschäftsführer niedergelegt. Die ehemalige hessische Kultusministerin Karin Wolff tritt seine Nachfolge an. www.kulturfonds-frm.de

„Skurrile Fluchten – Humor in der Fotografie“: Die Darmstädter Tage der Fotografie werfen ihre Schatten voraus und kündigen das Thema ihrer elften Auflage an. Im Fokus sollen Ende April 2020 Arbeiten stehen, „deren distanzierte oder verschobene Betrachtungsweisen uns neue Perspektiven und Einsichten“ vermitteln und dabei „eigenen Humor entwickeln“. Klingt spannend! Mit dieser Bekanntgabe ist auch der Startschuss für den „Merck-Preis“ des Festivals gefallen. Ab sofort können Bewerbungen für die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung eingereicht werden. Die Frist ist der 15. November. Kürzlich erst ist das international renommierte Festival administrativ und organisatorisch unter das Dach des Kunstforums der TU Darmstadt geschlüpft. www.dtdf.de und www.tu-darmstadt.de/kunstforum

 

 

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