Die lokale Kulturszene und (Stadt-) Kulturpolitik ist ständig in Bewegung – da bekommt man viele interessante Neuigkeiten nur am Rande, viel zu spät oder gar nicht mit. Schluss damit: An dieser Stelle servieren wir alle Info-Häppchen, welche die P-Redaktion in den letzten Wochen aufgeschnappt hat.

Foto: Stefan Holtzem

Das geht ja gut los! Verspielter Indie-Pop mit deutschen Texten, multiinstrumentaler Folk, origineller Elektro-Pop und ein Ein-Mann-Loop-Projekt: Das Golden Leaves Festival macht mit seinen ersten vier Bands Lust auf den Spätsommer. Bestätigt sind Die Höchste Eisenbahn mit ihren melancholisch-verspielten Stücken und L’Aupaire, der mit seiner markanten Stimme und stimmigen, von klassischem Folk inspirierten Pop-Songs bereits einen kleinen Hype im Rücken hat. Elektronischer wird’s mit Leyya, die im Sommer 2018 mit ihrer Nummer „Wannabe“ einen echten Hit abgeliefert haben und dem Klangtüftler Petula alias Sebastian Cleemann. Karten für das Festival mit charmantem Utopie-Flair bekommt Ihr online sowie in Form von Hardtickets im Atelier Aufschnitt sowie auf 806qm. Ein Novum ist, dass um den Spielort kein Geheimnis gemacht wird: Am 31. August und 01. September wird wie im Vorjahr das Jagdschloss Kranichstein Kulisse des Golden Leaves Festivals. www.goldenleavesfestival.de

Nicht genug scheinen die Bedroomdisco-Macher von Musik unter freiem Himmel zu bekommen. Fast zeitgleich zu den ersten Bands für das Golden Leaves Festival kündigten die routinierten Veranstalter ein neues Format an: das Mühlchen Open Air. Die Liegewiese des Badesees in Arheilgen wird im Frühjahr Austragungsort für vier Konzerte jeweils sehr unterschiedlicher Künstler. Den Auftakt macht am 30. April die Indie-Newcomerin Mogli, gefolgt von Mighty Oaks, dem super erfolgreichen Folk-Trio mit internationaler Besetzung am 01. Mai. Den Abschluss machen das im Radio rauf und runter laufende Pop-Sternchen Mike Singer (02. Mai) sowie der Deutschrocker Wirtz (03. Mai). Karten gibt’s an allen Vorverkaufsstellen. www.facebook.com/MuehlchenOpenAir

Das eingangs erwähnte Jagdschloss Kranichstein wird in den kommenden zwei Jahren übrigens gründlich saniert. 4,5 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten, um die gesamte Substanz der barocken Anlage zu erhalten. Der Betrieb im und um das Jagdschloss soll dabei nicht eingeschränkt werden. Der im 16. Jahrhundert von Landgraf Georg I. errichtete Bau beherbergt heute neben dem Bioversum und Museum Jagdschloss auch ein Hotel mit angeschlossener Gastronomie. Die Fortschritte der Arbeiten sollen in einem Blog sowie später im Jahr mit einer Ausstellung öffentlich dokumentiert werden. www.jagdschloss-kranichstein.de

Fans von Okta Logue dürfen sich auf neue Musik freuen. Die Jungs mit dem frischem Psych-Rock-Sound verbrachten den vergangenen Herbst im Hamburger Clouds Hill Studio und unterzeichneten beim gleichnamigen, dazugehörigen Indie-Label einen Deal für die Veröffentlichung ihres vierten Albums. Details sind noch keine bekannt. Laut Aussage der Band habe sie jedoch an der neuen Platte „so intensiv wie an keiner zuvor“ gearbeitet. Zuletzt erschien 2016 die LP „Diamonds And Despair“, auf der sehr gelungen mit Synthesizern und programmierten Beats experimentiert wurde. Wir sind gespannt! www.oktalogue.com

Das ist mal ein Jubiläum! Der Bezirksverein Martinsviertel feiert sein 125-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der mit Abstand älteste Bürgerverein der Stadt am 15. Februar 1894 im Jakob Fey’schen Saale im Hinterhof des Anwesens Pankratiusstraße 29. Damaliger Vereinszweck war „die Hebung des Martinsviertels“, dem damals von Bauern- und Arbeitern geprägten Stadtteil. Heute veranstaltet der Bezirksverein unter anderem die Martinskerb sowie den Bürgerschoppen und Flohmarkt rund um die BVM-Grillhütte im Bürgerpark am ersten August-Wochenende. www.bvm-da.de

Seit zwei Jahren befindet sich der Autor und Politiker Selahattin Demirtaş in türkischer Untersuchungshaft. Dem 2014 bei den Präsidentschaftswahlen angetretenen Demirtaş wird von der Erdoğan-Regierung „Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“ vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von 142 Jahren. Nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Untersuchungshaft im November 2018 bereits für unrechtmäßig erklärt und dessen Ende gefordert hat, setzte nun auch das PEN-Zentrum Deutschland ein Zeichen der Solidarität. Die in Darmstadt ansässige, 1921 ursprünglich in England gegründete, internationale Schriftstellervereinigung ernannte Demirtaş zum Ehrenmitglied, um der Forderung nach dessen Entlassung Nachdruck zu verleihen. www.pen-deutschland.de

„Darmstädter Biografien 1933 – 1945“ – unter diesem Titel erzählten wir in Kooperation mit der Darmstädter Geschichtswerkstatt bereits mit einer Porträt-Serie im P die Geschichten von Darmstädtern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Nun präsentiert die Geschichtswerkstatt in einer umfassenden Ausstellung individuelle Schicksale von Menschen, die im Zeichen der NS-Ideologie in unserer Stadt verfolgt und ermordet wurden. Über zwanzig Ausstellungstafeln mit historischen Dokumenten und Abbildungen im Regierungspräsidium am Luisenplatz erinnern greifbar an Darmstädter, die zum Beispiel aufgrund ihrer Religion oder ihres politischen Widerstandes das Nazi-Regime nicht überlebten. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 18. Februar. www.darmstaedter-geschichtswerkstatt.de

Musikalische Vorfreude auf die warmen Monate des Jahres wecken die ersten bestätigten Sommerperlen: Die Konzertreihe in der Centralstation holt unter anderem Baba Zula & Gaye Su Akyol (eine funky Fusion aus anatolischem Folk, Club-Sounds und Psych-Rock), den Songwriter Charlie Cunningham sowie Meute, die Hamburger Spielmannzugs-Band, die Techno- und House-Nummern als Blaskapelle ziemlich tanzbar neu arrangiert, nach Darmstadt. www.centralstation-darmstadt.de

Auch wenn er mittlerweile in Berlin zu Hause ist, soll das sehr hörenswerte Solo-Debüt von Yassin hier nicht unerwähnt bleiben. Der aus Darmstadt stammende Rapper veröffentlichte bisher immer nur im Duo mit Audio88 – zuletzt erschien 2016 das super erfolgreiche Album „Halleluja“. Mit „Ypsilon“ präsentierte Yassin nun erstmals eine Platte als Solokünstler. Im Gegensatz zum bisherigen, oft zynisch-satirischen Werk ist „Ypsilon“ geprägt von persönlichen Songs entlang seiner Biografie – als Mensch und Musiker mit algerischen Wurzeln in Deutschland – und vereint verschiedene Spielarten des HipHop zu einem individuellen organischen Sound. www.facebook.com/ypsilondope

Im Sommer 2018 vermeldete das West Side Theatre die Neuigkeit: Mit dem Alten Güterbahnhof in Eberstadt wurde nach langer Suche endlich eine neue Spielstätte gefunden. Geplant war, im vergangenen Herbst auch den Betrieb aufzunehmen. Das hat leider nicht geklappt. Um den Abschluss der letzten, ausstehenden Bauarbeiten voranzutreiben, wurde jetzt eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. www.westsidetheatre.de

Solltet Ihr für Eure Kulturprojekte auch eine Finanzspritze brauchen, checkt die neue Crowdfunding-Plattform des Kulturfonds Rhein-Main: Kulturmut. Der Clou: Das Ganze ist kuratiert. Bis zum 28. Februar 2019 können „professionelle Kulturschaffende“ ihre Projekte einreichen. Überzeugt das Projekt die Jury, winken ein Preisgeld von 25 Prozent des Spendenziels sowie eine persönliche Beratung. www.startnext.com/pages/kulturmut

„Cut-up and Paste“ ist der Titel des nächsten Woog Riots-Albums. Die Platte erscheint am 01. März und sei „ein tanzbarer Appell, unsere irre Welt kritisch zu hinterfragen“, erklären Silvana Battisti und Marc Herbert. Den charmanten Sound ihres gesellschaftskritischen Lo-Fi-Pops ergänzte das Duo diesmal um Instrumente wie Stylophone, Otamatone und Omnichord. Einen ersten Vorgeschmack gibt’s bereits jetzt zu hören: die Single „Hello Bus Driver“. www.woogriots.de

Auch Vanessa Novak startet mit neuer Musik ins neue Jahr. Die in Detroit geborene Darmstädterin begeistert sich bereits seit ihrer Jugend für Folk-Blues und Country. 2008 erschien ihr erstes Album „Travelling Heart“. Jetzt präsentiert Novak mit der Single „Bright White Dress“ einen authentischen Americana-Song samt Musikvideo. www.vanessanovak.de

Erstklassig! Die Riot Rollers Darmstadt sind nach einer ungeschlagenen Saison 2018 in die 1. Roller Derby Bundesliga aufgestiegen. Glückwunsch! www.rsc-darmstadt.de

„Anti-Abschiebe-Industrie“ ist das Unwort des Jahres. Platziert wurde der Begriff im Mai 2018 vom CSU-Politiker Alexander Dobrindt. Bereits zum 15. Mal kürte die unabhängige Jury um die Sprachwissenschaftlerin der TU Darmstadt Prof. Dr. Nina Janich mit ihrer sprachkritischen Aktion ein Unwort. Anfang März werden auch wieder zehn Darmstädter Fotografen ihre persönlichen Interpretationen des Begriffs in einer Fotoausstellung präsentieren. Mehr dazu im nächsten P. www.unwortdesjahres.net

Vertuschungen, Intrigen, Mord. In der neuen Hörspielserie des Darmstädter Autors und Regisseurs Ivar Leon Menger deckt die junge Journalismus-Praktikantin Lena Gruenwald nach dem Tod ihres Bruders ein geheimes Forschungsprojekt auf: An der Uni Heidelberg haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, um Gedanken und Erinnerungen einer Person via Datenupload unsterblich zu machen. Die Mystery-Thriller-Serie „Ghostbox“ wurde vom Berlinale-Gewinner Menger mit zehn Folgen exklusiv für Audible geschrieben. www.ghostbox.de

 

 

 

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