Foto: Robert Winter

Was kommt nach dem Meisterwerk? 2019 lieferte Döll in Augen vieler die beste deutsche Rap-Platte des Jahres ab. Auf „Nie Oder Jetzt.“ konfrontierte er seine Hörer mit drastischer Ehrlichkeit. Ein Album als Psychogram eines genialen Geschichtenerzählers voll ergreifender Dichtkunst. Doch womöglich irgendwann im Schatten des eigenen Opus zu stehen, lässt der „Junge aus ’ner Arbeiterfamilie, der nur Rap kann“ nicht ansatzweise zu – und legt jetzt nach. Mit der neuen EP „Kultur“ geht’s wieder dahin, wo es weh tut. Schonungsloser Seelenstriptease auf sechs Tracks. Sucht, Tragödien, Triumphe. Unterstützung hat Döll für die Untermalung der ungeschönten Einblicke in seine Biografie von alten Weggefährten bekommen: Gibmafuffi & Enaka, Dexter, Torky Tork haben produziert und Audio88 ist im Feature zu hören. Veröffentlicht wird „Kultur“ am 18. Dezember als Doppel-LP (Deluxe-Version mit Instrumentals), LP, CD und digital auf Dölls eigenem Label (wie auch schon das Album zuvor) – im super elegant-minimalistischen Artwork von Dominik Keller und Joel Carneiro. Ganz groß! doellkommerziell.com und instagram.com/doelloffiziell

Abgefahrene Bilder zeigen Triorität in ihrem Video zum Song „Georgio“. Gedreht wurde in Kooperation mit dem Frankfurter Verein Jazz Montez und unter Regie von Bruno Papic auf dem Dach des Städel Museums am Mainufer. Unbedingt anschauen! Im November hatte die Band ihr Debüt-Album „ALG0“ veröffentlicht – ein moderner Jazzentwurf, den das Trio selbst als „Metal Fusion Dancefloor Jazz“ beschreibt. trioritaet.bandcamp.com und facebook.com/trioritaet

Wir schummeln kurz und schielen nach Berlin: Nadia D’Alòs und Benedikt Frey vereinen auf ihrem neuen Album wieder mal höchst faszinierende Klänge. Das als Init auftretende Elektro-Duo erhielt seinen Szene-Ritterschlag schon bereits kurz nach der Gründung. John Talabot holte die beiden Musiker, die lange Zeit in Darmstadt gelebt und hier ihre ersten Stücke aufgenommen haben, 2015 auf sein Label Hivern Discs. Eben dort erscheint auch „Gravity“. Ihr stets organisch klingender Sound, der sich bisher irgendwo zwischen Acid, Techno und Kraut kartografieren ließ, wirkt entlang der elf neuen Stücke verspielter. Während analoge Synthesizer, Drum-Machines und Effektgeräte weiterhin das Fundament der pulsierenden Klangräume bilden, lassen Melodien, Post-Punk-Anleihen, Versatzstücke aus New Wave und der verstärkte Einsatz von Text und Gesang (teils verfremdet durch Vocoder) das Album noch atmosphärischer wirken. Erhältlich als Kassette sowie digital. hiverndiscs.com und facebook.com/initinitmusic

Mit dem Song „Future Raiders“ wagte sich Meloi, die neue Band um Gitarrist Philip Meloi (Okta Logue), im Spätsommer mit granatenstarkem Sound aus der Deckung, jetzt gibt’s Nachschub. Titel von Single Nummer zwei: „Monaco“. Die vierminütige Hard-Rock-Nummer macht mit der super prägnanten Stimme von Samuel Zamorano (spielt auch bei der Jazz-Funk-Combo Vibe Versa) und aufheulenden Gitarren-Riffs mächtig Bock auf die angekündigte EP. An dieser wird weiterhin fleißig im Studio gearbeitet. Hört mal rein, gibt’s überall im Stream! facebook.com/meloiofficial und instagram.com/meloi_band

Yeah, was ein Ohrwurm! Lui Hill stellt die Zeichen auf Funk. Der neue Song „Creatures“ rückt vom atmosphärischen Neo-Soul ab, um sich mit Disco-Beats in Euren Gehörgängen festzusetzen. Geschrieben wurde das Stück im Frühjahr, als Lui Hill alias Philipp Rittmannsperger aus dem Tourneetrubel gerissen und mit ungewohnter Stille konfrontiert wurde. Einen hörbaren Eindruck haben dabei offenbar Daft Punk und Justice hinterlassen. Cool! Der Vorbote zur neuen EP, angekündigt für das Frühjahr 2021, kommt mit witzigem Videoclip, der ein kunterbuntes Charakter-Ensemble vereint – inklusive Auftritt von P-Fotograf Nouki und kleiner „Thriller“-Referenz zum Abschluss. facebook.com/luihillmusic

Mehrfach-News von Gwen Dolyn. Auf die Debüt-EP „Things To Tell A Crying Girl“ aus dem Frühjahr folgte unlängst das Stück „Uncool“. Der Pop mit Grunge-Sound kommt jetzt noch ’ne Spur kantiger. Klingt richtig gut! Im dazugehörigen Video inszeniert sich die Musikerin facettenreich in rauer Optik. Gedreht wurde mit Jan Mangelsdorf und Samuel Maasho an der Kamera sowie Dorna O. von der „Theaterquarantäne“ als Make-up-Künstlerin. Für den Fall, dass irgendwann wieder Konzerte gespielt werden können, ist Gwen ab sofort auch bestens aufgestellt: mit der Backing-Band „The Toyboys“. Mehr erfahrt Ihr über Gwen Dolyn im erhellenden „Blackbox“-Interview. gwen-dolyn.com

Seit 32 Jahren mäandern The Dass Sägebett sich durch avantgardistische Klang-Eskapaden aus NDW, Noise und Kraut. Ihr absolut eklektisches Œuvre stellen Hardy Zech, Gerald Wrede, Oliver Kischel und Daniel Albig für die aktuellste Veröffentlichung nun gänzlich neu gedacht vor: „The Dass Sägebett in Dub“. Zehn Titel, vom Frühwerk Ende der 80er bis zu aktuellen Nummern hat man hierfür Gregor von Sivers neu arrangieren lassen – als moderne Dub-Versionen. „Schön umgekrempelt, reduziert und freigeistig bearbeitet“ soll das Ergebnis klingen. Wahnsinn! Die kultige Dadaismus-Institution lässt auch im Jahr 2020 niemandem am Thron sägen. Erscheint am 10. Dezember beim hauseigenen Label Declaration of Santo als Vinyl-LP und wird im Plattenladen „Musik als Hilfe“ erhältlich sein.

Mit personellen Überschneidungen zu den gerade Genannten und ebenfalls bei Declaration of Santo ist bereits zu Dezemberbeginn die neue CD von Stahljustiz veröffentlicht worden: „Vier Klassiker des Stummfilms hörbar gemacht“. Start für das Projekt mit selbsterklärendem Titel war im Sommer 2019, nachdem die Musikgruppe bereits Opern und Musicals über die RAF oder etwa eine Sahara-Reise inszeniert hatte. Auf der CD findet Ihr neu vertonte und interpretierte Hörspiel-Versionen expressionistischer Stummfilme. Jeweils knapp 20 Minuten Spielzeit mit Musik, Text und gestraffter Handlung. Gibt’s auch bei „Musik als Hilfe“ zu kaufen.

Ob die Mathildenhöhe Weltkulturerbe wird, entscheidet sich nicht mehr dieses Jahr. Eigentlich wollte das Welterbekomitee der UNESCO bereits im Sommer sein Urteil zur 2015 eingereichten Darmstädter Bewerbung abgeben. Das Verfahren verschiebt sich aufgrund der Pandemie um ein Jahr – mit deutlichen Folgen für alle, die auf einen Zuschlag für die historische Künstlerkolonie hoffen. Die Bewerbungen aus der diesjährigen, verschobenen Runde werden dann nämlich zusätzlich mit den Einreichungen aus 2021 in Konkurrenz stehen. Für die weiterhin laufenden Sanierungsarbeiten – deren Umfang durch die UNESCO-Kriterien erhöht ist – sind bisher Kosten von 44 Millionen Euro verplant, mehr als 34 Millionen kommen aus der Kasse der Stadt.

Alle Werden Fallen, das Elektro-Duo aus Anabel Möbius (Schauspielerin am Staatstheater Darmstadt) und Nicolai Gonther, postulieren: „Komfort ist keine Freiheit“. Die digitale EP mit dem mahnend wirkenden Titel und fünf Tracks wurde digital veröffentlicht und ist so ziemlich überall als Stream zu finden. Zu hören gibt‘s Musik, die „Poesie, Punk, Politik und Rave unauflöslich miteinander verbindet“, so die Eigenbeschreibung der Band mit technoidem Sound. Das Musikvideo zu „Ein Tag“ zeigt die zwei an einem unbeschwert sommerlichen Schwimmbadtag – jedoch in post-apokalyptisch wirkender Kulisse. instagram.com/alle.werden.fallen und facebook.com/alle.werden.fallen

Der Anspruch, mit dem Phonk D und Grafiker Joel Carneiro (verantwortlich für Cover von Marteria, Mädness, Döll) ans Werk gingen, war von Beginn an hoch. Vor ziemlich genau einem Jahr brachten die beiden Label-Partner im kreativen Schulterschluss ihr neues Projekt an den Start. Die Prämisse: Dedicate führt Leidenschaft für Musik und urbane Ästhetik zusammen. Für Release Nummer drei wurde diese Idee nun absolut konsequent gedacht. Der Sampler „Nuthin‘ But A She Thang“ umspannt den Globus. 14 instrumentelle Beats von 14 internationalen Künstlerinnen aus acht verschiedenen Ländern wurden zusammengeführt. Darunter: Courtney Hawkins (USA), Sadiva (Australien), Sowall (Südkorea), Usagi (Japan), Ainie (Deutschland). Ein Querschnitt durch das Who’s Who der internationalen Szene von Beat-Produzentinnen. Der bewusste Fokus auf Frauen soll dazu beitragen, Strukturen, die Sichtbarkeit und Talent dieser oft marginalisieren, aufzubrechen, so die Macher. „Das ist kein rein musikalisches Projekt, es ist ein Statement, eine Attitüde.“ Veredelt wird das opulent aufgemachte Vinyl im großzügigen Gatefold durch ein Artwork von Hera. Die Urban-Art-Künstlerin konnte dank einer Kooperation mit dem Graffiti- und Streetwear-Shop Stylefile für die Zusammenarbeit gewonnen werden. Super schick und richtig stark! dedicate-label.com

Jahrzehnte lang spielte Markus Arndt in Rock- und Punkbands, tummelte sich mit Vorliebe auf Konzerten eben dieser Szene – teils gerne mit Kamera im Anschlag – und wagte sich plötzlich in musikalisch gänzlich neue Gefilde. Aus dem Antrieb, eine Platte im Alleingang zu schreiben und einzuspielen, schlüpfte der Schlagzeuger in seine neue Rolle als Hasenfuss und fuchste sich das Handwerk elektronischer Musik rein. Das Ergebnis des autodidaktischen Komponierens kann sich hören lassen. Tatsächlich musste sich Arndt nach Fertigstellung seiner digital erschaffenen Songs und produzierten Beats jedoch eingestehen, dass diesen etwas Lebendigkeit fehlt. So steuerte der Brite Patrick O. J. Moore – zusammen spielten die beiden Musiker vor Jahren in einer Psychedelic-Rock-Band – Text und warmen Gesang bei. Zusätzlich sind Backing-Vocals und Gitarren weiterer Musiker dezent zu hören. Die so nicht ganz geradlinige Entstehungsgeschichte spiegelt sich im Titel des Albums wider: „Not What I Had In Mind“. Zwölf Songs, stimmige Pop-Musik, die stellenweise an die jüngsten Werke von The Notwist erinnert. Gibt’s als digitale Veröffentlichung. Schön! hasenfuss.rocks

Im Querformat wurde der Kalender „Darmstadt Ansichten“ für das kommende Jahr gestaltet. Geschmückt sind die Monatsblätter mit Motiven aus dem Dunstkreis der Darmstädter Illustratoren (Martina Hillemann, Hans-Jörg Brehm et al.) unter dem Titel „Nebensaison 2021“. Herausgeber ist der Darmstädter Kommunikationsdesigner Christoph Grundmann. Zu finden ist der Kalender im Darmstädter Buchhandel: Die Variante in DIN A3 kostet 30 Euro, DIN A4 20 Euro. studiocg.de

Das Antidiskriminierungsnetzwerk Südhessen hat in Heppenheim ein neues, eigenes Büro bezogen. Die Koordinierungsstelle kooperiert mit verschiedenen Partnern in der gesamten Region (Jugendring Darmstadt, Flüchtlingshilfe Heppenheim, Bildungsstätte Anne Frank …) und vermittelt als übergreifende Anlaufstelle Beratungsangebote, um gesellschaftliche Vielfalt und Anti-Diskriminierungsarbeit zu stärken. adinet-suedhessen.de

Die Aktion „Wir für Kultur“ des Vereins Heag Kulturfreunde greift Darmstädter Künstlern und Musikern gegenwärtig wieder unter die Arme. Initiiert wurde das Projekt von Iris Bachmann und Hildegard Förster-Heldmann (Abgeordnete im Hessischen Landtag für die Grünen), die fortwährend Spendenmittel einwerben. Diese werden in Abstimmung mit einer Jury portioniert an lokale Kulturschaffende verteilt. Ihr braucht für Euer künstlerisch-kreatives Projekt finanzielle Unterstützung? Stellt gerne einen Antrag! Das Ganze läuft recht unbürokratisch. wir-fuer-kultur.de

20 Jahre Werkbundakademie Darmstadt! Im Jubiläumsjahr stiftet der Verband, der sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben hat und mit Schwerpunkt Dialog und Diskurs zu Stadtentwicklung lanciert, einen neuen interdisziplinären Kunstpreis. „Regional Gestalt RheinMain“ ist mit 3.000 Euro dotiert. Zum Wettbewerb eingeladen sind Kreative (auch Studierende) jeder Disziplin. Gewünscht ist, „sich künstlerisch mit der Region Frankfurt Rhein Main auseinanderzusetzen“. Bei der Wahl von Format, Medium und Ausgestaltungen werden keine Vorgaben gemacht, vielmehr soll die offene Ausschreibung „neue Zugänge, Deutungen und Darstellungen der Region hervorbringen“. Einsendeschluss für Euren Beitrag samt Konzept ist der 13. Dezember. Weitere Details findet Ihr online: wba-darmstadt.de

Die Kinder- und Jugendfarm Darmstadt braucht Hilfe. Der tierische Spielplatz mit sozialpädagogischer Betreuung sowie Ponys, Schafen, Ziegen, Frettchen und Kleintieren konnte die letzten Monate nur eingeschränkt öffnen – und verzeichnet daher Einbußen. Den gemeinnützigen Verein könnt Ihr auf der Spendenplattform der Sparkasse Darmstadt unterstützen.

Spritzige, journalistische Online-Formate, die sich mit frischem Blick unkonventionellen oder komplex erscheinenden Themen widmen, sind en vogue. Dass explizit soziologische Fragestellungen dabei eine Leerstelle bilden, will das Projekt Sozioskop ändern. Mit kurzweiligen und dennoch tiefgründigen Reportagen, Dokumentationen und Erklärvideos werden Zusammenhänge unseres gesellschaftlichen Lebens präzise und unterhaltsam präsentiert. Die erste Folge zum Thema „Minimalismus“ findet Ihr online. Wer Lust hat, im Team mit jungen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Medien-Studierenden zu recherchieren, zu filmen und mitzumachen, ist eingeladen, sich zu melden. instagram.com/sozioskop_net

Im Sommer 2020 entwickelte ein Kurs des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt Arbeiten zu experimentellem Design und Fotografie unter Leitung des Fotografen Peter Oliver Wolff. Weil man sich zuerst über Wochen nur online treffen konnte, rückte das Private in den Fokus. Mit einfachen Mitteln gingen die Studierenden in die reflektierende Auseinandersetzung mit sich selbst. Die entstandenen Portraits, Stillleben und Performance-Werke wurden unter dem Titel „Ecstatic Solitude“ vereint und online publiziert. Eine Print-Veröffentlichung im Verlag Windpark Books folgt demnächst. Spannende, junge Darmstädter Kunst! ecstaticsolitude.com und instagram.com/ecstaticsolitude

 

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