Stadtkultur-Neuigkeiten

Foto: Guido Schiek

Zwischen Aufatmen und Kopfschütteln schwanken die Reaktionen auf den überraschenden Baustopp für das Welterbe-Besucherzentrum am Osthang der Mathildenhöhe. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz verkündete Oberbürgermeister und Kulturreferent Hanno Benz am 17. August das Moratorium für das 22,5-Millionen-Euro-Projekt. Als Hauptgrund für seine Entscheidung nannte Benz, dass es kein „belastbares Vermittlungskonzept“ für die Mathildenhöhe gibt, also nicht klar ist, wie genau das Gebäude genutzt werden soll. Zudem seien die jährlichen Betriebskosten von 350.000 Euro nicht im Haushalt abgebildet. Erstmals erklärte der OB öffentlich, dass der Neubau auch kein Muss oder keine Vorgabe der UNESCO sei. Dieses Argument gegen einen Neubau bringen Kritiker:innen schon seit mindestens Ende 2025 vor und fordern die Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie zum Besucherzentrum. Diese kündigte Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey nun auch an. Endlich, möchten nicht nur die Kritiker:innen anfügen. Nicht mehr rückgängig gemacht werden kann die Rodung von 13 massiven Bäumen und fünf Vogelkirschen vor sechs Monaten, die für die mittlerweile bereits ausgehobene Baugrube am Osthang öffentlichkeitswirksam gefällt wurden. Auch die Infrastruktur des OHA Osthang e. V., der das kleine Waldstück zehn Jahre lang ehrenamtlich und für jeden zugänglich mit Kultur bespielt hatte, ist deswegen verschwunden und in Teilen auf eine Brachfläche im Westen der Stadt umgezogen. Hier, neben dem städtischen Kunstdepot, sind die OHA-Osthang-Leute dabei, einen Neustart als „OHA West“ hinzubekommen – was diesen Sommer zaghaft begann. Am Osthang klafft derweil nur noch eine einsame Baugrube – wie eine große, offene Wunde. Deren Absicherung kostet die Stadt jetzt monatlich 3.000 Euro [die nach Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe wundersamer Weise auf von OB Benz angegebene 1.000 Euro schrumpften]. osthang.de/ohablog

Neustart für die Darmstädter Jugendkulturarbeit: Nach dem Aus des Jugendhauses Huette in der Kiesstraße Ende 2025 ist Netzwerker und Theaterpädagoge Kai Schuber-Seel mit seinen Projekten im vom Freie Szene Darmstadt e. V. betriebenen Theater Moller Haus eingezogen. Seit Sommer 2026 ist Schuber-Seel für die städtische Jugendkulturarbeit am neuen Ort zuständig. Ob Tanz, Musik, Literatur und andere Kultur: Aktuell entwickelt er gemeinsam mit Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren Themen und Formate, die sie sich selbst wünschen. Das von Schuber-Seel initierte Projekt „Sound Collective“, das schon zweimal im Rahmen des Schlossgrabenfests aufgetreten ist, läuft ebenfalls weiter und probt im Jugendzentrum Martinsviertel („JuMa“). kaischuberseel.de

News aus dem Hause remine: Schon bald möchte das Indie-Pop-Duo um die Darmstädter Musikerin und Journalistin Alex Welsch mit neuem Songmaterial unterwegs sein, Konzerte spielen – von Berlin bis Darmstadt (am 16.10. in der Knabenschule … save the date!). Bereits Mitte August veröffentlichte man das Video zur Single „Bad Weeds“. Die bildgewaltige gemalte Videokunst zum melancholischen Song steuerte Ida Lumpinzki bei. Schaut und hört mal rein auf der remine-Website, auf Bandcamp oder Youtube. remine.de

Foto: Emil Laack

Der Darmstädter Trap-Rapper Tazie hat Ende Juni sein „Agenda“-Tape herausgebracht – ein Projekt, das über reine Musik hinausgeht: Der dazugehörige, in Darmstädter Wäldern, Tankstellen und Wohnvierteln gedrehte Kurzfilm „Potenzielle Konsequenzen“ feierte bereits Anfang Mai seine Premiere im Programmkino Rex. Mitte August folgte die Deluxe-Version des Tapes, die gleichzeitig den Abschluss der sogenannten „Agenda-Ära“ markieren soll. Gefeiert wurde das alles mit einer fetten Release-Party in Darmstadt, inklusive Live-Performance und DJ-Sets. Wer mal reinhören und -sehen will: instagram.com/letsgotazie und agendasuite.eu

Foto: Florian Preis

Das Darmstädter Elektro-Duo Two Amps feierte Ende Juni auf dem hauseigenen Label Flowthinx Records ein neues Release: „Lautstärke“, der neueste Streich von Robert Ilic und Florian Preis, ist ein melodischer, deeper Progressive-Trance-Track, der „treibende Energie mit einer emotionalen Atmosphäre“ verbinde, so die Künstler. Reinhören könnt Ihr auf: hypeddit.com/twoamps/lautstrke

 

Antje Herden [die aktuell auch wieder für das P Stadtkulturmagazin schreibt, yippieh!] freut sich, dass Mitte August die russischen Ausgaben zwei ihrer „Weltretter“-Bücher erschienen sind: zum einen die Übersetzung des preisgekrönten Kinder- und Jugendbuchs „Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet“, zum anderen die zweite Ausgabe der Reihe mit dem Titel „Letzten Montag habe ich das Böse besiegt“. antjeherden.de

Nach und nach erscheinen Bücher der neuen Darmstadt-Reihe im Legionarion-Verlag, schön gestaltet mit Hardcover. Den Anfang machten die Neuauflagen der Buttmei-Krimis von Fritz Deppert. Anfang Juli erschien Andreas Roß‘ Kurzgeschichtenband „Neues vom Berserker“ (Untertitel: „Kriminelles aus Darmstadt – Kurzgeschichten und mehr“. Weitere sollen (wahrscheinlich nächstes Jahr) folgen. instagram.com/legionarion

Der Darmstädter Autor Danny Klose hat im Juni seinen ersten Roman im Selbstverlag veröffentlicht: „Im Maul des Krokodils“ ist eine „bisschen Coming-of-Age, bisschen Abenteuer“-Geschichte und spielt zwar nicht direkt in Darmstadt, aber gleich um die Ecke: in Stockstadt am Rhein. Bestellbar über Amazon.

Foto: Laura Reinhardt

Und noch mehr Literatur made in Darmstadt: Die Natur steht in den Fantasybüchern der Darmstädter Autorin Laura Reinhardt, die am Waldrand des Böllenfalltors wohnt, im Fokus. „Das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Natur prägt die Geschichten – und Darmstadt“, erklärt sie. Bereits im März 2026 wurde ihr Debütroman „Das Buch der Bestia Cuprum“ von einem Verlag veröffentlicht. Laura signierte ihr Erstlingswerk freudig auf der Leipziger Buchmesse, las daraus – und nur vier Tage später stellte der Verlag den Betrieb ein. Anfang Juni brachte sie den Roman samt Illustrationen deshalb in Eigenregie über Books in Demand neu heraus (als Taschenbuch und E-Book überall erhältlich, wo es Bücher gibt). Und in Kürze erscheint Band 2: „Das Buch der Bestia Sulphur“ (bereits als E-Book über Amazon vorbestellbar, als Taschenbuch und als E-Book dann ab 2. September erhältlich). instagram.com/wortundwoertlich

 

Wildlife-Fotograf:innen, Augen und Ohren auf! Anlässlich der Ausstellung „Wildlife Photographer of the Year“ (läuft wieder ab 3. Dezember) sucht das Hessische Landesmuseum Darmstadt die besten Naturfotografien und veranstaltet bereits zum zweiten Mal den Fotowettbewerb „Tiere vor der Kamera“. Ob spontaner Tiermomente-Schnappschuss oder professionelle Aufnahme: Pro Person kann bis 30. November ein Foto online eingereicht werden. Nach Einsendeschluss werden die Siegerbilder durch eine Kombination aus Juryentscheidung und anonymem Online-Voting ermittelt. Zu gewinnen gibt es Preise in verschiedenen Kategorien. Details und Teilnahmebedingungen unter: hlmd.de/de/fotowettbewerb

 

 

Foto: Theater und Orchster Heidelberg

Das iberoamerikanische Theaterfestival „¡Adelante!“ zieht zehn Jahre nach seiner Gründung nach Darmstadt! Mit Ende der Spielzeit 2025/26 übernimmt das Staatstheater Darmstadt das langjährige Erfolgsfestival des Theaters und Orchesters Heidelberg. Das erste Darmstädter „¡Adelante!“ möchte vom 8. bis 10. Oktober 2027 „die lebendige Theaterlandschaft Iberoamerikas mit außergewöhnlichen Gastspielen internationaler Künstler:innen, Performances, Gesprächspartner:innen und kontinentübergreifenden Koproduktionen“ präsentieren und wird – wie die dann parallel laufende Frankfurter Buchmesse – Chile zum Schwerpunkt haben. staatstheater-darmstadt.de

 

 

Das neu gegründete Netzwerk Herzenswege aus Darmstadt lädt Interessierte zu monatlichen Online-Treffen und Workshops (in der Knabenschule) ein. Das kooperative Netzwerk richtet sich vor allem an Selbstständige in helfenden, kreativen und bewusstseinsorientierten Berufen aus den Bereichen Coaching, Kinesiologie, Körperarbeit, Kunst, Kreativität, Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Begleitung oder anderen Nischenberufen, die mit ihrer Arbeit Menschen stärken und begleiten. Alle Termine findet Ihr online unter: netzwerk-herzenswege.com/events-2

 

 

Die in Darmstadt ansässige Schriftstellervereinigung PEN Deutschland hat die belarussische Lyrikerin Taciana Niadbaj in ihr Writers-in-Exile-Programm eingeladen. „Literatur ist eine Mine, auf der wir alle detonierten“, heißt es in einem von Taciana Niadbajs Gedichten. Zudem ist Kato Javakhishvili neue Stipendiatin. Die 1979 geborene Georgierin verlor in ihrer Heimat aufgrund staatlicher Interventionen ihre Existenzgrundlage. Das Writers-in-Exile-Programm ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autoren, das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 wurden mehr als achtzig Literat:innen unterstützt: Bis zu drei Jahre stellt der PEN Deutschland verfolgten Autor:innen eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Verlagen in ihrer Umgebung. pen-deutschland.de/writers-in-exile

 

 

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zieht zurück ins Große Haus Glückert: Nach erfolgreichen Restaurierungsarbeiten der Wissenschaftsstadt Darmstadt (inklusive einer modernen Haustechnik und energetischen Ertüchtigung) kann die Akademie wieder an ihren Stammsitz auf der Mathildenhöhe zurückkehren. Einen entsprechenden, auf unbestimmte Dauer vereinbarten Vertrag unterschrieben Oberbürgermeister Hanno Benz, Stadtkämmerer André Schellenberg sowie Akademie-Präsident Ingo Schulze und -Generalsekretärin Dr. Julia Cloot Mitte Juli. Die Akademie nutzt also weiterhin das Haus Olbrich und auch Räume im Großen Haus Glückert. Pünktlich zum fünften Jahrestag der UNESCO-Welterbestätte Mathildenhöhe Darmstadt dokumentiert eine neue Publikation des Landesamts für Denkmalpflege Hessen sowie der Wissenschaftsstadt Darmstadt die Restaurierung des Großen Hauses Glückert. Titel der bildgewaltigen Broschüre: „Ein Gesamtkunstwerk wieder entdeckt“. Sie steht online zum Download unter: darmstadt.de/kultur/denkmalschutz/denkmalarchiv/grosses-haus-glueckert

 

 

Foto: TU Darmstadt Dezernat V

Es hat ein bisschen was von der Mainhall, die neulich am Osthang abgebaut werden musste und aktuell vorm Kunstdepot in der Weststadt in Einzelteilen vor sich hindümpelt: das pavillonartige Delta-Forum auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt zwischen ETA-Fabrik und dem Parkhaus ist eine ähnlich tolle Veranstaltungsplattform – und nun auch offiziell innovativ. Denn das temporäre Gebäude aus Borkenkäferholz aus dem Kranichsteiner Wald und wiederverwendeten Bauteilen steht auf der Shortlist für die Auszeichnung „Vorbildliche Bauten im Land Hessen 2026“. Damit ist es eines von insgesamt 23 Bauten, die aus 106 eingereichten Vorhaben in die engere Auswahl kamen. Das Delta-Forum soll Menschen zusammenbringen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern – das war das Ziel der Studierendengruppe um Architektur-Professorin Johanna Meyer-Grohbrügge. Der Pavillon wird als Begegnungs- und Veranstaltungsort genutzt und steht allen Interessierten rund um die Uhr zur Verfügung. Als frei zugänglicher Raum bietet er Platz für Austausch, Diskussionen und Veranstaltungen rund um die Themen Energiewende und Nachhaltigkeit. Interessierte können sich per Anfrage an die TU wenden, um im Delta-Forum Veranstaltungen abzuhalten: delta-darmstadt.de/delta-forum

 

 

Das Hochschulrechenzentrum der TU Darmstadt hat einen neuen, freien WLAN-Zugang auf dem Campus: Mit WiFi Darmstadt steht ab sofort ein kostenloser Internetzugang für Besucher:innen zur Verfügung. WiFi Darmstadt ist das öffentliche und kostenfreie WLAN-Angebot der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es wird gemeinsam von Darmstadt Marketing, Entega und Heag mobilo betrieben und ist bereits an mehreren Standorten im Stadtgebiet verfügbar.

 

 

Holt Euch die Neuauflage der offiziellen Freizeitkarte Darmstadt/Dieburg, die von der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg herausgegeben wird! In der 14. Auflage werden die aktuellen Rad-, Mountainbike- und Wandertouren in der Wissenschaftsstadt Darmstadt, im Landkreis Darmstadt-Dieburg und den angrenzenden Regionen dargestellt. Die Freizeitkarte ist für 5 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich. Größere Stückzahlen können außerdem beim Vermessungsamt Darmstadt bestellt werden: vermessungsamt@darmstadt.de

 

 

 

Foto: Stefan Ahlers

Von Bach bis Band: Ende November starten die neuen Ausbildungskurse des Instituts für Kirchenmusik im Bistum Mainz – mit Darmstadt als „einem der Hauptstandorte“. Das Angebot reicht von der Ausbildung für Organist:innen über Chorleitung für Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre bis hin zur Bandleitung und dem Kantorendienst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Popularmusik: Der Ausbildungsgang in den stilistischen Bereichen Pop, Jazz, Gospel und Neues Geistliches Lied wird gemeinsam mit dem Bistum Limburg angeboten. An sechs Samstagen pro Jahr werden Grundlagen in Arrangement, Bandleitung, Stimmbildung und Veranstaltungstechnik vermittelt, ergänzt durch individuellen Instrumental- und Gesangsunterricht. Die monatliche Unterrichtsgebühr beträgt 70 Euro und umfasst auch den wöchentlichen Einzelunterricht. Anmeldeschluss: 30. September 2026, weitere Infos online unter: bistummainz.de/kirchenmusik

 

 

Do it like Thomas Lebherz und Marco Koch! Der Nachwuchs-Schwimmwettbewerb „Echoschwimmen“ erfreut sich auch fünf Jahrzehnte nach seiner Premiere großer Beliebtheit bei Darmstädter Kids. Künftig läuft er unter dem Titel „Schwimm mit … um den Großen Preis des Darmstädter Merck-Cup“. Anmelden können sich die Jahrgänge 2014 und jünger (also Bis-Zwölfjährige). Die Strecke beträgt 50 Meter (zwei Bahnen), der Schwimmstil ist beliebig, die Wertung erfolgt jahrgangsweise getrennt für Mädchen und Jungen (mit jeweils einer eigenen Wertung für Vereinslose und Mitglieder von Schwimmvereinen). Die Vorläufe sind am Sonntag, 20.9., 18.10. und 15.11., ab 12.30 Uhr im Bessunger Bezirksbad. Fürs Finale (am Sonntag, 6.12.) qualifizieren sich pro Vorlauf die ersten drei eines jeden Jahrgangs sowie die/der schnellste Vierte aller Vorläufe. Die Anmeldung ist jeweils ab drei Wochen vor dem Wettbewerb online freigeschaltet unter: my.raceresult.com/397468