Foto: Thomas Kurek

Eine Band wie ein pulsierender Melting Pot. Der 70s-Rock-Sound von The Bad Sugar Rush geht direkt ins Ohr und ins Bein – und klingt vielleicht gerade deswegen so spritzig, weil sich hier vier gestandene Darmstädter Musiker eher ungleicher Genres zusammengefunden haben. Peter Zettl kennen viele als Schlagzeuger der aufgelösten Raki’n’Roll-Truppe Besidos. Bassist Minyeong Fischer spielte bisher bei der leicht jazzigen Funkcombo What The Funk. Sporen im (Retro-)Rock verdient haben sich hingegen bereits Gitarrist Josko Joketovic (Glanville) und Sänger René Hofmann (Wight). Letzterer entlockt hier seiner Stimme eine gewaltige Ladung kräftigen Souls, während Sechs-Saiter und Rhythmus-Sektion super geschmeidig abgrooven. Neugierig? Auf die digitale Single „Liar“ folgt am 14. Mai deren Veröffentlichung als 7″ auf Vinyl mit „Push Me“ auf der B-Seite über das Label H42 Records. Mehr über die Band erfahrt Ihr übrigens im P-Podcast „Parole P“. In Folge 10 (April 2021) erzählt Josko Joketovic ausführlich von der Gründung der Band und dem Finden ihres Sounds. facebook.com/badsugarrush

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, weiß auch Gerd Janson. Der international gefeierte DJ mit Darmstadt-Roots gibt der sonnigen Jahreszeit daher zum nunmehr dritten Mal musikalische Starthilfe. Der dritte Teil der Compilation-Reihe „One Swallow Doesn’t Make A Summer“ erscheint wieder auf Jansons Label Running Back und führt unter den vier Titeln auch einen Beitrag von Lukas Lehmann. Der Darmstädter Produzent steuert mit „Juno Cuts A Caper“ einen spritzigen House-Track voller Kraut-Synth-Vibes bei. Erhältlich auf Vinyl seit Mitte April! runningbackrecords.bandcamp.com

 

Wer ein Ohr für die örtliche Alternative-Rock-Szene hat, wird Marcel Leo Walter kennen – als Gitarrist mit umfangreicher Bandgeschichte (aktuell: Rivers). Jetzt wagte sich der Musiker erstmals auf eigene Faust an die Öffentlichkeit, als Solokünstler mit dem Projekt Red Light Fever. „Die Idee gab es schon länger, die Pandemie hat ihren Teil dazu beigetragen, es doch endlich mal in die Tat umzusetzen.“ Zu hören gibt’s die digitale EP „Polaroid“. Drei stimmig komponierte Songs, die Akustikgitarre und Gesang in den Fokus setzen und nur sehr dezent um sanfte Chöre und Synth-Klänge ergänzt sind. Schöner Indie-Songwriter-Sound. instagram.com/redlightfever.official

Eine Serie zeitlos schlichter Küchen- und Wohnprodukte hat der Darmstädter Industriedesigner Frank Person entworfen – im Auftrag der Bielefelder Stiftung Bethel. Gestaltet wurden Schneidebretter, Tabletts, Etagere, Aufbewahrungsboxen und weiter praktische Dinge aus Holz (aus nachhaltiger Forstwirtschaft) und pulverbeschichtetem Metallblech. Gefertigt werden die Produkte der Linie „Manufaktur Bethel“ in der Werkstatt der gleichnamigen Stiftung von Menschen mit Behinderungen. manufaktur-bethel.de

Leider ohne Publikum, aber dennoch mit preisgekrönter Lyrik, fand dieses Jahr der Literarische März in der Centralstation statt. Der Wettbewerb für junge Dichtkunst kürte Katrin Pitz (geboren 1989) mit dem Leonce-und-Lena-Preis und 8.000 Euro Preisgeld. Anna Hetzer (geboren 1986) und Lara Rüter (geboren 1990) freuen sich über den mit jeweils 4.000 Euro dotierten Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Insgesamt gingen 476 Bewerbungen aus ganz Deutschland ein. Katrin Pitz sei eine besonders poetische Rhythmisierung von naturwissenschaftlich inspirierten Texten gelungen, so die Jury. Anna Hetzer zeige mit ironisch-spielerischen Frauenporträts und „mythischen Figurationen“ besonderes Talent, Lara Rüter mit Zeitgeist und dichtem „Verweisungsnetz zur weltliterarischen Tradition“. Gratulation! literarischer-maerz.de

Ein konzeptuell gedachtes Werk elektronischer Musik präsentieren Ritter Hilger Stütz. Das Darmstädter Trio, das aus den hochkarätigen Musikern Wolfgang Ritter, Gyso Hilger und Steffen Stütz besteht, kündigt mit „Driptychon 1“ den Grundstein einer Triologie an, der zwei weitere EPs folgen sollen. Als erster Vorbote erscheint am 07. Mai die digitale Single „Freispiel“ inklusive eines Remix‘ von Matthias Vogt (Frankfurter DJ und Jazz-Musiker). Für den 02. Juli angekündigt ist auch bereits die Veröffentlichung der vier Tracks fassenden Platte auf Vinyl über das Label Nektarium (Rooki, Gwen Dolyn). Wir durften bereits vorab reinhören: Hier wurde mit umfangreichem Repertoire komponiert. Der organische Funk-House-Sound fußt nicht nur auf Programmierarbeit, sondern auf verschiedenen akustischen Instrumenten und analogen Synthesizern. Als Gastmusiker zu hören ist übrigens Tilman „Töle“ Bruno. 2018 verstarb der Darmstädter Percussionist bei einem tragischen Unfall. Die Aufnahmen dürften zu den letzten gehören, die er eingespielt hat. nektarium.de und instagram.com/ritter_hilger_stuetz

 

Foto: Nouki Ehlers, nouki.co

Die Darmstädter Kultur verliert einen ihrer bildgewaltigsten Orte. Das Pali Kino am gleichnamigen Parkplatz in der Darmstädter Innenstadt muss leider dauerhaft schließen. „Wir bedauern diesen Schritt sehr, weil mit dem Pali ein Stück Darmstädter Kinogeschichte zu Ende geht. Bereits in den vergangenen Jahren war das Pali als Einzelhaus kaum wirtschaftlich zu betreiben. Die Corona-Krise hat nun ihr Übriges getan, sodass der Mietvertrag beendet wurde“, teilte Gregory Theile, geschäftsführender Gesellschafter der Kinopolis Management Multiplex GmbH, auf P-Nachfrage mit. Ob „Star Wars“, „Cheech & Chong“, „Blues Brothers“ oder Sneak Previews mittwochs um 23 Uhr: Unvergessen bleiben die Doppel- und Dreier-Filmnächte, die im charmant altmodischen Pali in den 80er- und 90er-Jahren zelebriert wurden. Damals waren oft alle 316 Plätze ausgebucht. Zuletzt – auch vor Corona – aber immer seltener. Das 1956 eröffnete Kino mit nur einem Saal war ein Unikum: architektonisch, programmatisch – und betriebswirtschaftlich. Die Rex-Kinos, das Helia, Festival und Kinopolis werden sobald möglich wieder öffnen, so Theile. kinos-darmstadt.de

Das Mainzer Filmfestival Filmz nimmt noch bis zum 18. Juli Einsendungen für die diesjährige Ausgabe seiner Festspiele im November entgegen. Ob lokaler Kurzfilm oder Spielfilm, die unterschiedlichen Kategorien laden Kreative und verschiedenste Formate zum Teilnehmen ein. Infos: filmz-mainz.de

Ihr engagiert Euch außerhalb des urbanen Raumes kulturell? Das Förderprojekt Landkulturperlen unterstützt hessenweit Projekte, die in ländlichen Gefilden – bei uns konkret: im Odenwaldkreis und Landkreis Darmstadt-Dieburg – das Kulturgeschehen vor Ort gestalten wollen. Gesucht werden Projekte, die noch nicht begonnen haben, aber 2021 realisiert werden sollen. Die zweite Förderrunde beginnt im August, Einsendefrist für Eure Anträge ist der 15. Juni. Es winken 1.000 bis 2.000 Euro finanzieller Support. landkulturperlen.de

„Wir gehen fest davon aus, dass coronakonforme Veranstaltungen mit solidem Hygienekonzept 2021 wieder möglich sein werden“, vermeldet der Schlachthof Wiesbaden und kündigt erste Pläne für ein Open-Air-Programm an. Im Sommer sollen auf dem Gelände der Kultur-Institution „Picknick-Konzerte“ stattfinden, unter anderem mit Giant Rooks (07.08.), Bukahra (15.08.), Bosse (21.08.), Provinz (26.08.) und bis zu 1.000 Gästen. Weitere Shows sind in Planung. Bereits früher starten soll der „Schlachthof Backyard“. „Sobald möglich“ will man hier eine kleine Kultur-Bühne mit abwechslungsreichem Programm, Platz für 250 Gäste und Kooperationsveranstaltungen wie den CSD Wiesbaden präsentieren. schlachthof-wiesbaden.de

Für das Pendant in Darmstadt neu bestätigt: Nura, Alice Merton sowie Mighty Oaks. Die Rapperin, die Pop-Musikerin und die Indie-Folk-Band finalisieren das Line-up des Endlich Open Airs auf dem Messplatz. Vom 30. Juli bis 08. August stehen dort unter freiem Himmel unter anderem Helge Schneider, Altin Gün, Mine, Muff Potter, Joris und Joy Denalane auf der Bühne. endlichopenair.de

Ein „popkulturelles Essay“ sei das Buch „Bob Dylan & Black America“, so Thomas Waldherr über sein neuestes Werk. Der Dylan-Experte und Autor spürt auf knapp 100 Seiten den Verflechtungen der Folk-Ikone mit der afroamerikanischen Community nach. Im Buchhandel für 10 Euro erhältlich.

 

Foto: Sascha Kopp

Den ganzen Winter über wurde gebaggert, gesägt, geschraubt und betoniert – jetzt sind die Arbeiten am 2.500 Quadratmeter großen neuen BMX- und Skatepark im Bürgerpark abgeschlossen. Knapp 50 Hindernisse, Mini Ramps und Quarter Pipes wurden hochgezogen, als Ersatz für die traditionsreiche, 1992 eingeweihte Anlage an der Stadtmauer, die dem Neubau einer Schule weichen musste. Die neue Heimstätte des Darmstädter BMX- und Skatevereins kann sich sehen lassen. Imposant erhebt sich die Anlage aus Holz und Beton mit einer großen Pool Bowl im Zentrum aus dem umliegenden Grün. Die Vereinsmitglieder waren an der Seite des ausführenden Architekturbüros nicht nur in die Planungen miteinbezogen, sie legten auch beim Bau unterstützend Hand an und werden sich künftig für den Betrieb verantwortlich zeigen. Vorerst ist das Fahren im brandneuen Park (pandemiebedingt) nur Vereinsmitgliedern vorbehalten. Sobald die Umstände es erlauben, steht die Anlage jedoch allen Waghalsigen offen. diestadtmauer.org

 

Foto: Armin Schwarm/Bezirksverein Martinsviertel (Peter Dinkel)

Am 10. April 2021 ist Peter Dinkel im Alter von 79 Jahren verstorben. Der gebürtige Wiesbadener war ein Darmstädter Original und wirkte hier als Humorist, Parodist, Stadtführer in historischen Kostümen, Stegreifkomödiant, Multimediakünstler, als Herausgeber der Zeitschrift „Heiner“ (von 1989 bis 2013) und (seit 2003) als Erfinder des „HeinerLiner“-Elektromobils, mit dem er jeden, der wollte, durch Darmstadt – und ab 2014 auch durch seinen neuen Wohnort Lindenfels – kutschierte. Peter Dinkel organisierte unter anderem das Darmstädter Altstadtfest und war maßgeblich daran beteiligt, dass das von Christfried Präger geschaffene „Heiner“-Denkmal heute vor der Krone steht. Von 1993 bis 2002 betrieb er mit seiner Ehefrau Gerdi die Gaststätte „Fenstergucker“ in der Pützerstraße. Die Wirtschaft des Hotels „Bockshaut“ und die „Gaststätte Gebhart“ im Martinsviertel richtete er mit historischen Darmstädter Exponaten und Fotografien zum „Gastroseum“ ein. Erst kürzlich, im April-P, haben wir Peter in diesem Zusammenhang liebevoll einen „ewigen Kindskopp“ genannt. Darüber soll er sich sehr gefreut haben, wie wir hörten – und auch glauben. Denn Peter hatte nicht nur ein übersprudelndes Temperament und Ideen am Fließband, er konnte immer auch herzlich über sich selbst lachen. Warst ’n Gude, „Peder“! Liebe Grüße an Deine Gerdi! … Peter Dinkels ziemlich skurrile, mit viel Darmstadt-Love getränkte Corona-Verse-Videos könnt Ihr Euch online anschauen unter: facebook.com/peterwilhelm.dinkelzumsteg

 

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