Fotofallen, Bildgewebe, Urbani-Täät

Unsere Kunst-Highlights für den Februar.

Foto: Sonja Weber

Blitzlicht im Walddunkel

Das Thema des Frühjahres 2018 in der Kunsthalle ist das Sehen – und wie es sich in aktuellen Tendenzen der Fotografie äußert. Die erste Schau zeigt Bildserien des Schweizer Fotokünstlers Alex Hanimann. Vordergründig stellt er Fotofallen im Wald auf, die verborgene Welten sichtbar machen: Wildtiere tappen im Dunkeln hinein und lösen Klicks aus – ein Foto entsteht, spontan und zufällig. Im Hintergrund stehen Forscherdrang und Enthüllungswunsch: Die wissenschaftliche Sichtweise des Menschen auf die Tierwelt wird hinterfragt.

bis 08.04.2018

Kunsthalle Darmstadt, Steubenplatz 1

www.kunsthalle-darmstadt.de

 

Foto: Alex Hanimann

Bewegte Bildgewebe

Sonja Weber malt Landschaften mit Kette und Schuss. Statt Farbe nutzt sie Fäden, deren Dreidimensionalität kaum sichtbare Reliefs entstehen lassen. Vom Menschen unberührte Natur ist ihr Motiv, Antarktis-Bizarrheit oder Wellengang. Ihre bewegten Bildgewebe stehen in dialogischem Kontrast zu Dieter Kränzleins Skulpturen aus sprödem Muschelkalk und Kunststoff. Er dekliniert konkrete geometrische Formen in reduzierter Eleganz durch, ritzt Wandreliefs aus Rastern und Schnittfurchen. Manche erinnern an kristalline Eisblöcke.

04.02. bis 24.03.2018

Galerie Netuschil, Schleiermacherstraße 8

www.galerie-netuschil.net

 

Foto: Centralstation Darmstadt

Linien von Hand

Französische Text-Bild-Designer machen gemeinsame Sache mit 24 Darmstädter Kollegen: In der Centralstation gibt es zum 10. Mal eine Schau internationaler Illustration. Präsentiert wird Handgezeichnetes für Medien, Spielzeug, Kleidung. In Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse war vergangenes Jahr eine Sonderedition zum Thema Frankreich entstanden, die – neben neuen Arbeiten der Ausstellenden – ebenfalls zu sehen ist. Zudem bieten die Bild-Erfinder Workshops und eine Kinder-Malecke, eine Tombola und Verkaufsstände.

17. + 18.02.2018

Centralstation Darmstadt (Saal im 3. OG), Im Carree

www.illustratoren-darmstadt.de und www.facebook.com/illustratorendarmstadt

 

Foto: Internationales Waldkunst Zentrum

Vernähte Vielschichtigkeit

Rau, zitronig, grell, fleck-farbig, samtig: Regina Franks künstlerischer Kosmos ist mit allen Sinnen erfahrbar, er vereint Landschaft mit Design, Schrift mit Gaumenfreude, Funde von Waldspaziergängen mit Meerrauschen. Den kreativen Forscherdrang der in Portugal lebenden Künstlerin zeigt eine Ausstellung mit dem Titel „The HeArt ist present – Past Present Future“ im IWZ. In Foto-Dokumentationen ihrer Performances, Collagen und Vernähungen aus handgeschöpftem Papier lässt sich die Vielseitigkeit ihrer Arbeit erahnen.

18.02. bis 20.04.2018

Internationales Waldkunst Zentrum (IWZ), Ludwigshöhstraße 137

www.waldkunst.com

 

Foto: HLMD

Krimi und Kunst

Ein Schatz – der mittelalterliche Schmuck eines Fürsten – bei Bauarbeiten entdeckt: So klingt ein Krimi, der 1880 in Mainz beginnt und im HLMD sein Happy End findet. Denn der Schatz, kaum gefunden, wurde unterschlagen und in den Handel gegeben. Erst kauft ihn ein Baron aus Darmstadt, dann erwerben ihn „patriotische und vermögende Männer“, er landet in der Sowjetunion und schließlich im Berliner Kunstgewerbemuseum. Jetzt ist das Geschmeide, samt seiner abenteuerlichen Geschichte, vollständig in einer Ausstellung im HLMD zu sehen.

bis 11.03.2018

Hessisches Landesmuseum Darmstadt (HLMD), Friedensplatz 1

www.hlmd.de

 

Foto: Kunstforum TU Darmstadt

Übersehene Urbanität

Man sieht und sieht doch nicht. Besonders Gewohntes wird übersehen. Selbiges aus der Versenkung zu holen, es sichtbar zu machen, ist Anna Lehmann-Brauns‘ Aufgabe. Die Berlinerin ist die 11. Darmstädter Stadtfotografin 2017, die mit der Kamera die Heinerstadt nach Motiven durchstöberte. Sie guckt von außen, subjektiv. Dabei legt sie Formen frei, isoliert urbane Gegenstände, macht sie in ihren Fotografien zu Skulpturen mit eigen-artiger Ästhetik. Ihren Blick auf Darmstadt präsentiert das Kunstforum in einer Ausstellung.

04.02. bis 15.04.2018

Kunstforum der TU Darmstadt (Hochschulstraße 1, Altes Hauptgebäude S1/03, 2. OG)

www.tu-darmstadt.de/kunstforum

 

Wiederentdecktes von Wert

Fritz Schaefler ist ein unbekannt gebliebener expressionistischer Künstler. Lag es an traumatischen Kriegserfahrungen, die ihn nach 1919 zu politisch-publizistischem Engagement trieben? Eine Ausstellung im Kirchner Haus in Aschaffenburg holt den fränkischen Künstler mit 60 Arbeiten aus den Jahren 1918 bis 1925 aus der Vergessenheit. Die Aquarelle, Holzschnitte und Radierungen formulieren Not und Angst als Folgen des Ersten Weltkrieges, aber auch Aufbruch und Hoffnung. Besonders in den Porträts zeigt sich eine authentische Expressivität.

03.02. bis 22.04.2018

Kirchner Haus Aschaffenburg, Ludwigstraße 19

www.kirchnerhaus-aschaffenburg.de

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