Darmstadt erkunden, ohne dabei zu wissen, wo man eigentlich hinläuft? Mit den „Schweifbooklets“ wird der Zufall zum Reiseführer.
Im Alltag sind die Augen häufig aufs Smartphone gerichtet, während die Umgebung meist kaum Beachtung findet. Die Schweifbooklets des Kölner Unternehmens „die Schweiferei“ wollen genau das ändern. Die Gründerinnen Lisa Herbst und Kathrin Gölz haben kleine Heftchen kreiert, mit denen man zufällige Stadterkundungen in der Heimatstadt (oder einem noch unbekannten Ort) erleben kann. In neun deutschen Städten kann man die Booklets schon kaufen, seit Ende 2025 auch in Darmstadt im Grünen Salon.
Mit Anweisungen wie „Folgt einer Person mit hellem Haar unauffällig über die nächste Kreuzung“ oder auch „Macht euch auf die Suche nach einer Freifläche oder einem Platz“ führt einen der Zufall durch die Stadt. Je nach ausgewähltem Schweif gibt es zwischendurch Fragen, um einander besser kennenzulernen. Ob „Familien-Schweif“, „Paar-Schweif“ oder „Freund*innen-Schweif“: Für jede und jeden ist hier etwas dabei.
Mit dem Thema beschäftigt sich Kathrin schon länger. Während ihrer Masterarbeit (in Kultur, Ästhetik, Medien an der Hochschule Düsseldorf) lernte sie eine Methode der Situationisten kennen, um aus Alltagsroutinen auszubrechen: Dérive, was übersetzt Umherschweifen bedeutet. „Als während Corona fast alle Kulturangebote eingestellt wurden, bin ich noch mal auf das Thema zurückgekommen. Ich dachte mir: So ein Spaziergang-Format ist doch total schön, damit die Menschen die Stadt entdecken und aktiv sein können, ohne dabei in geschlossenen Räumen sein zu müssen”, erzählt die 35-jährige Kreative, die im Kreis Bergstraße aufgewachsen ist.
In Köln stellte die Soziologin und Kulturwissenschaftlerin 2024 dann mit ihrer damaligen Mitbewohnerin Lisa, die als Sozialarbeiterin, Theatervermittlerin und Bildungsreferentin arbeitet, das Unternehmen die Schweiferei auf die Beine. Für sie die Besonderheit des gemeinsam entwickelten Print-Produkts: „Dass man einfach nicht weiß, wo das Heftchen einen hinführt und das man es auch wirklich in jeder Stadt benutzen kann. Man bekommt eine andere Perspektive auf seine Umgebung.” Privat gehen die beiden auch gerne mal schweifen – und sammeln dabei Inspirationen für ihre Büchlein.








