Stadtkultur-Neuigkeiten
Die Situation am Osthang hat sich im Februar krass zugespitzt. Nahezu täglich landeten Pressemitteilungen von Stadt, der Initiative „Osthang bleibt“, dem OHA e. V. oder Fraktionen wie den Grünen oder Uffbasse im Postfach der P-Redaktion. Es ging um: rechtskräftiger Beschluss vs. abgekartete Machbarkeitsstudie, die leere Stadtkasse, die Sichtung eines Bergmolches oder die Frage, ob Info- oder Kulturzentrum. Der Climax der Zuspitzung dann um die Monatsmitte herum: Die Stadt teilte mit, dass nun eine Allgemeinverfügung in Kraft trete und ab Mittwoch, 18. Februar, um 6 Uhr morgens für zwei Tage ein Betretungs-, Aufenthalts- und Nutzungsverbot für das Gelände am Olbrichweg gelte. So sollte die Besetzung des Areals durch „Osthang bleibt“-Aktivisti beendet werden, die das kleine Waldstück seit Mitte Dezember Tag und Nacht blockierten, um zu verhindern, dass 13 Bäume „mit relevantem Umfang“ und fünf Vogelkirschen zur Vorbereitung der Baumaßnahmen für den Neubau eines dreistöckigen Informationszentrums gefällt werden. Und es herrschte Zeitdruck: Denn laut Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes sind Rodungsarbeiten aufgrund der Brut- und Setzzeit vom 1. März bis zum 30. September verboten. Am Donnerstag, 19. Februar, gegen 7.30 Uhr am Morgen räumte ein Großaufgebot der Landespolizei – inklusive eines SEK-Höheninterventionsteams – im dichten Schneeregen den tags zuvor bereits eingezäunten, ehemaligen Kulturort. Die verbliebenen sechs Aktivisti wurden aus dem Gelände transportiert (die Polizei nannte es „gerettet“). Kurz nach 13 Uhr wurde mit den Rodungsarbeiten begonnen. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren die vorab ausgewählten 13 Bäume gefällt und der Abbau der OHA-Main-Hall, der in die Weststadt vor das Kunstdepot umziehen soll, wurde vorbereitet. Tabula rasa. osthang.de/ohablog
Darmstadt hat eine neue Kulturamtsleiterin: Britt Baumann. Sie startet mit einem ambitionierten Vorhaben: Als „Netzwerkerin für Kultur“ möchte sie „im Dialog mit den Akteuren“ einen „Rahmenplan Kultur“ erstellen. Auf Grundlage des partizipativ angelegten Projekts sollen „Stärken und Schwächen“ des kulturellen Angebots in Darmstadt erkannt und analysiert werden. Bis zum Jahr 2028 seien dafür 200.000 Euro in den Haushalt eingestellt, erklärte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz (SPD) bei Baumanns Vorstellung. „Wir brauchen ein neues strategisches Gerüst“, so die neue Kulturamtsleiterin, die die „Schnittstellenarbeit“ zwischen verschiedenen Ämtern, Institutionen und Personen sowie „Netzwerke zu stärken“ als ihre Hauptaufgaben definierte. Benz betonte die wichtige Rolle der – auch weiterhin mit jährlich 44 Millionen Euro von der Stadt geförderten – Kultur. Sie sei „ein Standortfaktor“, der Darmstadt auch für Fachkräfte noch interessanter machen könne. Auch die Innenstadt solle davon profitieren, wenn sich das Kulturamt künftig „intensiv mit der Wirtschaftsförderung und Darmstadt Marketing sowie dem Leerstandsmanagement verzahnt, um Synergien zwischen Kunst, Handel und Stadtentwicklung optimal zu nutzen“. Die Behörde könnte dafür perspektivisch auch in die Innenstadt ziehen. Für Britt Baumann ist das Kulturamt nicht nur dazu da, Anträge anzunehmen und Fördergeld auszuzahlen. „Es geht mir auch um die Beratung der freien Szene.“ Dort ist die 50-Jährige kultiviert, seitdem sie in Bremen Kultur-, Kunst- und Geschichtswissenschaft studiert und im soziokulturellen Bereich gearbeitet hat. Seit 2009 war Baumann für die Stadt Offenbach am Main in verschiedenen Positionen tätig, etwa für strategisches Marketing und den Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft. Zuletzt war sie dort stellvertretende Kulturamtsleiterin und leitete in dieser Funktion die Abteilung Kulturmanagement und den interaktiven Ausstellungsort „SCAPE°“ des Deutschen Wetterdienstes. Das Offenbacher Riviera Festival für Pop- und Clubkultur prägte sie mit, sieht in diesem Bereich aber keinen Bedarf in Darmstadt: „Hier gibt es mit dem Schlossgrabenfest und dem Golden Leaves schon zwei tolle Festivals, die überregional ausstrahlen“, so Baumann. Fehlende Ateliers und Proberäume für Bands und freie Theatergruppen seien dagegen „ein wichtiges Thema mit hoher Priorität“. Womit sich der Kreis zum Rahmenplan Kultur schließt.
Release-Eruption im Hause Latex. Nachdem das Darmstädter Darkwave-/Post-Punk-Duo Mitte Februar „Ich Verbrenne Mich“ als Single und Video veröffentlicht hat, folgt am 6. März mit „Erase Me“ Singleauskopplung Nummer zwei, bevor am 27. März das dazugehörige Debütalbum „Silk“ rauskommt. Auf Vinyl (Besser Samstag Records, nur 300 Exemplare), auf CD (Bandvertrieb, limitiert auf 200 Stück) und als Audio-Cassette (George Korea Records) treffen melancholische Melodien auf treibende Basslinien und markante Gitarren, untermalt von weiblichem Gesang, der dunkle Dringlichkeit mit zerbrechlicher Sanftheit in Einklang bringt. Für alle, die auf den Sound von The Cure, Cocteau Twins oder X-Mal Deutschland stehen. latexband.bandcamp.com
Was entsteht, wenn eine Künstlerin, die zwischen Architektur und Musik oszilliert, den Flügel mit Tischtennisbällen und Videotapebändern bespielt? Mit „Ich weiß nicht“ präsentiert die Darmstädter Songwriterin Julakim am 16. März auf allen Streaming-Plattformen ein radikales Experiment: ein Lied, „das Genre-Grenzen sanft übergeht, Materialität hörbar macht und die Frage stellt, was ein Song heute sein kann“. Entstanden als spontane Komposition für das „Arte“-Kulturformat „Stadt Land Kunst“ (Ausstrahlung: im Frühling 2026), verbindet das Werk performative Neugier mit poetischer Dringlichkeit. julakim.de
Im Rahmen des World Design Capital Rhein-Main Frankfurt 2026 veranstaltet der Fotoclub Darmstadt den diesjährigen Jugendfotowettbewerb „#MyDesign4Democracy“. Ziel ist es, „junge Menschen dazu zu ermutigen, sich fotografisch mit den Themen Design, Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe auseinanderzusetzen und ihre eigene Perspektive sichtbar zu machen“. Mitmachen können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Hessen, Einzelpersonen, Projektgruppen und Schulklassen. Einsendeschluss für die mit Digital- oder Analogkamera, Smartphone oder KI generierten Foto-Arbeiten ist am 15. März. Die – auch mit Preisen – prämierten Arbeiten werden dann ab Mitte April im Justus-Liebig-Haus ausgestellt. Bewerbungsdetails unter: jugendfotowettbewerb.de
Die afghanische Autorin Maryam Kishawarz ist neue Elsbeth-Wolffheim-Stipendiatin der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der hier ansässigen Schriftsteller:innenvereinigung PEN Deutschland. Das Stipendium wurde im Jahr 2004 ins Leben gerufen, um im Exil lebenden Autor:innen die Möglichkeit zu geben, in Ruhe und ohne wirtschaftliche Not Texte zu erarbeiten. Die 22-jährige Schriftstellerin begann noch in ihrer Schulzeit in Kabul damit, literarische Texte zu schreiben. Als erste Schülerin des Landes erhielt sie eine ISBN durch das afghanische Kultusministerium für ihr Sachbuch „56 Golden Points for Living Happily“. In ihren Texten beschreibt Maryam Kishawarz die Lebensumstände afghanischer Frauen und Männer; daneben zeigt sie Wege zur Persönlichkeitsentwicklung auf. pen-deutschland.de
Gegen Rassismus, Gewalt und Ausgrenzung! Mit der Benennung einer kleinen Grünanlage nach ihm setzt der Magistrat der Stadt Darmstadt ein dauerhaftes Zeichen des Gedenkens an den 50-jährigen, fünffachen Familienvater Ali Bayram, der vor 32 Jahren in seiner eigenen Wohnung im Schiebelhuthweg von einem Nachbarn mit rechtsextremer Gesinnung erschossen wurde – vor den Augen seiner damals zwölfjährigen Tochter. Die Einweihung auf der Grünfläche am Eingang der Heimstättensiedlung Mitte Februar erfolgte durch Oberbürgermeister Hanno Benz, Stadtrat Paul Georg Wandrey und Stadtverordnetenvorsteher Yücel Akdeniz gemeinsam mit der Familie Bayram sowie der türkischen Generalkonsulin Nagihan İlknur Akdevelioğlu. darmstadt.de
Der Podcast „Heinermania“ bietet seit Februar ein neues Format: In den – immer zum Monatsanfang ausgestrahlten – „Heinermania-Kulturtipps“ präsentieren die beiden Hosts, die Darmstädter Wissenschaftsjournalistin Sabine Schiner und Kulturjournalist Stefan Benz, im Dialog ihre Empfehlungen für die Kulturszene Darmstadts und Südhessens. In der ersten Ausgabe geht es um starke Frauen: Chloe Zhao und ihren oscarnominierten Kinofilm „Hamnet“, Annegret Soltau und ihre Arbeiten im Kunstforum der TU Darmstadt, Anna Bergmann und ihre Inszenierungen „Sturmhöhe“ und „Prima Facie“ am Staatstheater Darmstadt. Weiterhin zur Monatsmitte kommen aktuelle Gespräche mit Gästen zu Themen aus Kultur und Natur, Gesellschaft und Sport heraus. Klickt Euch rein in den vom P Stadtkulturmagazin präsentierten Podcast unter: p-stadtkultur.de/rubriken/heinermania-podcast
Fit for digital future! Wie gezielte Förderung Innovation beschleunigen kann, zeigt das Programm „AI Startup Rising (AISR)“ am Hessischen Zentrum für Künstliche Intelligenz (hessian.AI). Das Zentrum umfasst 13 hessische Hochschulen und hat seinen Hauptsitz an der TU Darmstadt. Seit Ende 2021 unterstützt das Projekt mehr als 200 KI-Gründungsteams auf ihrem Weg von der Forschungsidee bis zum Markteintritt: Bis Ende 2025 konnten die beteiligten Start-ups mehr als 60 Millionen Euro an Fördermitteln und privaten Investments einwerben – das entspricht mehr als dem Zehnfachen der eingesetzten öffentlichen Mittel. Das Projekt wird bis März 2027 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) weiter gefördert. hessian.ai/de
Der Kultursommer Südhessen e. V. startet mit frischem Schwung in die nächste Runde: Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Landrat Frank Matiaske (Odenwaldkreis) zum neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt. Ihm zur Seite stehen Landrat Oliver Quilling (Kreis Offenbach) als erster und Landrat Thomas Will (Kreis Groß-Gerau) als zweiter Stellvertreter. Der 33. Kultursommer Südhessen wird vom 1. Juni bis 27. September 2026 wieder ein breites Spektrum an Kultur von Musik, Theater und Literatur über Bildende Kunst und Kleinkunst bis hin zu interdisziplinären und partizipativen Formaten bieten – in Städten und ländlichen Räumen gleichermaßen. Den feierlichen Abschluss bilden die „Tage der offenen Ateliers“ am 26. und 27. September 2026, bei denen Kunstschaffende in ganz Südhessen ihre Türen öffnen. kultursommer-suedhessen.de
Südhessens freie Filmszene muss einen herben Verlust verkraften. Jochen Pollitt wirkte 54 Jahre lang ehrenamtlich im Kommunalen Kino Weiterstadt, „wo er die ganze Diversität der Filmkunst lebendig hielt“, ein überregional gefeiertes Kurzfilmfestival und das Queer Filmfest etablierte, Cinelatino Weiterstadt, India Weiterstadt und das Sommerkino im Schlossgarten Braunshardt mit ins Leben rief, Filme drehte, politisch aktiv war und in unverwechselbarer Art und Weise das von ihm mitgegründete Open Air Filmfest Weiterstadt moderierte. In der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 2026 ist der 71 Jahre alte Kulturaktivist nach langer Krankheit verstorben. Ruhe in Frieden, Jochen!
Auch die Jazzszene Darmstadts und weit darüber hinaus trauert: Michael Bossong ist tot. Als „wichtigen und klugen Kopf in Wort und Schrift“, „der das Darmstädter Jazzleben entscheidend mitgeprägt hat“ und „musikalischer Impulsgeber war“, bezeichnen seine Weggefährten und Bandkollegen den langjährigen Vorsitzenden des Vereins zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e. V. Der hochvirtuose Sopransaxofonist starb am 30. Januar 2026 im Alter von 62 Jahren.
Einen recht engen Bezug zu Darmstadt hatte auch die am 1. Februar 2026 verstorbene Prof. Dr. Rita Süssmuth. Die ehemalige Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland war 18 Jahre lang Präsidentin des hier ansässigen Deutschen Polen-Instituts. Seit 11. Februar liegt in den Institutsräumen im Residenzschloss Darmstadt ein Kondolenzbuch aus.
Was nicht viele wissen: Badesalz- und „Flatsch!“-Legende Gerd Knebel war gut mit Akteuren der Darmstädter Kulturszene connectet. Mit Roland Hotz von der Comedy Hall verband ihn nicht nur der gern mal etwas derbere Humor, Hotz sprach auch Rollen in „Badesalz“-Sketchen – und das Team des Kikeriki Theaters baute die Bühnenbilder der letzten Tourneen des Hessisch-Commedy-Duos. Gerd Knebel trat zudem 16-mal in der Centralstation auf und er nahm 2018 zusammen mit dem aus der Heinerstadt stammenden Rapper Mädness als „Dirty Dabbes“ das Album „Putzintensiv“ auf (im hiesigen Lui Hill Studio). Am 24. Januar 2026 verstarb der an Krebs erkrankte Musiker, Komiker und Schauspieler im Alter von 72 Jahren, was auch bei vielen Darmstädter:innen tiefe Bestürzung auslöste.











