Foto: Dirk Zengel

Die Bäckerei Breithaupt schließt bis Sommer 2026 alle ihre Filialen (und nicht schon bis Ende 2025, wie fälschlicherweise im gedruckten Dezember-/Januar-P zu lesen war!). Als Bessunger Nachtbäcker, der Heißhungrige auf dem Heimweg von Disco, Konzert oder Party mit frisch Gebackenem glücklich machte, war die Backstube in der Karlstraße 66 ein Unikat. Doch beim Familienbetrieb Breithaupt wird spätestens im Sommer 2026 nach mehr als 400 Jahren aufgrund der Marktbedingungen Schluss sein. Mit der Bäckerei werden rund 40 Mitarbeitende gehen – und ein Stück Stadtgeschichte. Die Ursprünge des Darmstädter Kult-Bäckers reichen bis ins Jahr 1591 zurück, als im Schwarzwald das erste Breithaupt-Brot gebacken wurde. Damit gilt der Betrieb als mindestens zweitälteste Bäckerei Deutschlands. „Es gibt aber leider keine tragfähige Zukunftsgeschichte“, bedauert Chefin Bettina Breithaupt. Die Gründe für die anstehende Schließung der Hauptbäckerei in Bessungen sowie weiterer vier Filialen in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind vielfältig: gestiegene Energiekosten, Krankenkassenbeiträge und Mindestlöhne, das veränderte Kundenkaufverhalten, aber auch der sehr fordernde Beruf an sich mit frühem Aufstehen und ultra langen Stunden in der Backstube. „Die Arbeitsbelastung ist mittlerweile zu hoch“, erklärt die 59-Jährige. Eine Person von außen als Nachfolger zu installieren, kam zudem nicht in Frage: „Dafür ist das alles hier viel zu sehr mit unserer Familie verbunden“, erklärt Bettina, deren Eltern Ulla und Rolf (mit über 80 Jahren) noch bis vor kurzem im Betrieb halfen. Eine geordnete Liquidation sei daher die einzig richtige Entscheidung. „Würdig“ soll es zu Ende gehen, sagt Bettina Breithaupt – und kann die Melancholie in ihrer Stimme nicht verbergen. (ct)

Karlstraße 66, Bessungen (und vier weitere Filialen) | baeckerei-breithaupt.de