Foto: Nouki

Rohre aus Metall tragen ein paar flache Wannen, in denen sich Wasser sammeln kann. Mehr ist es eigentlich nicht. Auf den ersten Blick wirkt die Konstruktion fast wie ein Klettergerüst. Oder wie die Plattformen eines alten Videospiels – man kann sich vorstellen, wie Mario und Donkey Kong von Ebene zu Ebene springen.

Der Gedanke „nicht schön, aber selten“ drängt sich auf, und doch funktioniert das Gebilde. Es hält stand, es hat Eigenlogik, es ist seltsam präsent. Obwohl die Wannen in der Höhe gestaffelt sind, wirkt es nicht, als gäbe es eine Hierarchie. Was diesen Brunnen besonders macht, ist sein Abstand zu Hermann Tomadas sonstigem Werk. Wer das „Mädchen mit dem Diabolo“ im Viko-Hof kennt oder andere seiner Plastiken in der Stadt, wird hier zunächst stutzen.

In diesem Fall hat jemand etwas riskiert, sich von vertrauten Formen gelöst und etwas ausprobiert, was nicht nach Plan aussieht, sondern nach Frage. Und vielleicht steht der Brunnen nicht zufällig dort, wo er steht: Vor einer Montessori-Schule hat er seinen Platz gefunden – und der passt gut zu ihm. Auch die Pädagogik Maria Montessoris baut auf dem Gedanken auf, dass echtes Lernen nur durch Ausprobieren entsteht, durch den Mut, etwas zu wagen, ohne den Ausgang zu kennen. Montessori vertraute darauf, dass Kinder ihre eigene Ordnung finden, wenn man ihnen den Raum dazu gibt. Ein Brunnen, der nach der Suche von Komposition und Ordnung aussieht, vor einer Schule, die das Fragen schätzt: Das ist kein schlechter Nachbar.

 

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jede:n sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.

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