Wer Vinocentral hört, denkt vermutlich schnell an die beiden Inhaber Michael Bode-Böckenhauer (59) und Alexander Marschall (62), besser bekannt als: Michi und Alex. Alteingesessenen Heinern werden gleich weitere Institutionen einfallen wie die Centralstation, das Weststadtcafé, der Hillstreetclub oder das ehemalige Cafékesselhaus. Jemand, der es nicht weiß, mag’s kaum glauben, aber: Die Initiatoren all jener Darmstädter Locations waren ebenfalls Michi und Alex. „Man kennt uns in der Stadt“, sind sich die beiden einig. Und das stimmt.
Obwohl sowohl Michi als auch Alex ursprünglich nicht von hier stammen, haben sie die Gastronomie- und Kulturlandschaft der Stadt mitgeprägt wie kaum jemand anderes. Michi wurde in „einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz“ geboren und kam fürs Fachabi nach Heinertown. Alex ist in Salzburg geboren, in München aufgewachsen und fand zum Architekturstudieren an den Woog. Erste Projekte startete Alex mit dem „Café Kuhle“ am Architektur-Campus Lichtwiese, das es bis heute gibt, und dem Kreativfachgeschäft Format, dessen Vorläufer er mitbegründete. Irgendwann in den Achtzigern lernten sich Michi und Alex kennen und taten sich zusammen. „Städtische Räume als Treffpunkte nutzbar zu machen, war das, was mich bei allen Projekten antrieb“, erklärt Michi. Alex sieht seine Intention auch in der Möglichkeit, unabhängig arbeiten zu können. „Ich glaube, ich könnte nie irgendwo angestellt sein, ich brauche diesen Freiraum.“
Bunte Hunde
Mittlerweile sind die beiden „bunten Hunde“, wie sie sich selbst bezeichnen, mehr als nur Freunde. „Das, was uns verbindet, ist familiär, wie unter Brüdern“, sagt Alex. Michi fügt hinzu: „Wir ergänzen uns, anders hätte das alles auch nie funktioniert.“ Er selbst sei mehr der analoge Mann. „Ich stehe daher im Vinocentral hinter der Theke oder an der Kasse, Alex zieht die Strippen im Hintergrund und verbindet uns mit der digitalen Welt.“
Gerade erst wurden die Vinocentral-Inhaber (mal wieder) ausgezeichnet. Das Journal Frankfurt bedachte sie in seinem Gastronomieführer „Frankfurt & Rhein-Main geht aus! 2026“ mit dem ersten Platz in der Kategorie „Geheimtipps“. „Dabei gibt es uns schon seit über 30 Jahren“, meint Michi und lacht. Mittlerweile konzentrieren sich die beiden Selfmade-Männer nur noch auf ihr Baby am Hauptbahnhof, dessen Angebot 2016 um einen Online-Shop und vor Kurzem eine neue Kaffeeröstmaschine erweitert wurde. Das Vinocentral ist längst mehr als nur Café oder Weinbar, es ist Feinkostgeschäft, überregional bekannter Weinhandel und Treffpunkt für Pendler, Reisende und Alteingesessene. Die Kinder sowie die Ehefrauen der beiden sind ebenfalls involviert. „Wir sind praktisch ein Zweifamilienunternehmen.“ So soll es bleiben, denn mehr als „das Vino“ gibt es für die beiden kaum. „Das Ganze ist keine Arbeit für uns, sondern Leidenschaft – und das ist das Schönste, was es gibt.“







