Foto: Jan Ehlers

Naturkosmetik hat in den vergangenen Jahren einen ganz neuen Aufschwung bekommen. In Darmstädter Läden wie Hautsache oder Woodberg werden alle fündig, die nicht nur tierversuchsfreie und pflanzlich basierte Pflege mögen, sondern sich auch Gedanken darüber machen, welche Inhaltsstoffe sie da auf ihre Haut – bekanntermaßen das größte Organ des Menschen – schmieren. Noch nicht gelöst ist damit aber das Problem des Verpackungsabfalls, der in Form von Tiegeln und Tuben bei Naturkosmetik genauso anfällt wie bei Drogerieprodukten, und kaum zu vermeiden ist. An einer Stelle kann man jedoch gut ansetzen, und das ist die Gesichtsreinigung – dachten sich auch vier junge Darmstädter*innen und entwickelten deshalb ein nachhaltiges Abschminktuch, das ganz ohne Lotionen, Waschgels oder Öle auskommt.

Die Idee zu „Nakt“ kam Louisa Zoé Wenkemann und Sebastian Seibert gemeinsam in einem Seminar zur Firmengründung an der TU Darmstadt – und schnell zeigte sich ihr Potenzial zur Marktreife. Bald schon wurden im Gründerzentrum Hub31 Prototypen genäht, am perfekten Material getüftelt und ein Marketing- und Crowdfunding-Konzept entwickelt. Zum vierköpfigen Team, welches das Produkt nun tatsächlich auf den Markt bringt, gehören mittlerweile auch Anna Rosar, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, und Noah Baader, der Finanzkopf hinter Nakt.

Wenn man das Nakt-Abschminktuch das erste Mal sieht, liegt der Vergleich zum stinknormalen Waschlappen nahe. „Der Unterschied liegt im Material“, erklärt Gründerin Louisa: „Herkömmliche Waschlappen sind aus Baumwolle, die naturgemäß Wasser aufsaugt, quillt und damit nur langsam trocknet. Das bietet verschiedenen Bakterien die perfekte Wachstumsgrundlage.“ Ihr Tuch hingegen bestehe aus einem speziell entwickelten Stoff, der auf natürlich vorkommender Stärke aus Grünabfall und stärkehaltigen Pflanzen basiert – und besonders schnell trocknet. Das mache es wesentlich hygienischer als herkömmliche Baumwolltücher und sorge dafür, dass es mehrmals verwendet werden kann. Danach kommt es ganz einfach bei bis zu 60 Grad in die Waschmaschine. 100 Waschgänge soll das Tuch aus Pflanzenfasern problemlos überstehen.

Natürlich, hygienisch, ohne Plastik und ohne Schadstoffe

Obwohl das „nachhaltige Kosmetiktuch“ (daher übrigens auch der Name!) völlig unbehandelt ist und ohne Plastikmikrofasern, Chemikalien und Beschichtungen auskommt, reinigt es die Haut wesentlich gründlicher als ein Waschlappen – ob Make-up, Wimperntusche oder einfach nur alltäglichen Dreck, der sich auf der Haut absetzt. Dabei kommt auch empfindliche Haut gut mit dem weichen Tuch klar, bestätigen die Usability-Tests mit diversen Tester*innen. Kein Wunder, dass das Material längst patentiert und Oeko-Tex-zertifiziert ist. Produziert wird übrigens ausschließlich in Deutschland und Österreich unter fairen Bedingungen – und dank Zero-Waste-Schnittmuster fallen bei der Produktion auch keine Stoffreste an.

„Wichtig ist uns auch, dass unser Produkt einen steigenden Anteil an Abfallrohstoffen beinhaltet. Je mehr man von Vorhandenem nutzt, desto besser“, findet Mitgründer Sebastian. Aber mit dem Tuch an sich ist es nicht getan. Nakt setzt auf eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft von der Produktion über die Verpackung bis hin zur Entsorgung. Die Verpackung gleicht einem Briefumschlag aus haltbarem, wasserfestem Waschpapier, welches aus Cellulose und Naturlatex besteht. So muss das Tuch zum Versand nicht noch einmal extra verpackt werden. In eben jenem Kuvert kann es auch auf Reisen transportiert werden – und, wenn es seinen Dienst getan hat, zum Recycling an Nakt zurückgesendet werden. Denn auch, wenn sie theoretisch kompostierbar sind: Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, alle zurückgesendeten Tücher wieder aufzubereiten.

 

Foto: Jan Ehlers

Nakt überzeugt Gründungsexpert*innen und Verbraucher*innen

Die ganzheitliche Herangehensweise und das durchdachte Produkt überzeugte auch die Jury des „Hessen Ideen“-Stipendiums, durch welches Nakt zu Beginn unterstützt wurde. Beim dazugehörigen Wettbewerb für Hochschulgründer*innen 2019 konnte das Team zusätzlich den Publikumspreis gewinnen. Derzeit und noch bis Anfang 2021 läuft außerdem das „Exist“-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Ab nächstem Jahr soll sich das Projekt dann selbst tragen – und ist auf dem besten Weg dorthin: Anfang November 2020 wurde mit einer Crowdfunding-Kampagne schon nach wenigen Tagen das erste Funding-Ziel von 10.000 Euro erreicht, womit die Tücher final in Produktion gehen konnten, um pünktlich vor Weihnachten verschickt zu werden.

Die nächsten Meilensteine sind die aufwendige und kostenintensive Ökozertifizierung des gesamten Produkts sowie die Optimierung der Kreislaufwirtschaft und die Entwicklung neuer Materialien. Auch über weitere Produkte wird nachgedacht. Aber jetzt geht es erst mal los mit dem Abschminken.

 

 

Abschminken nur mit Wasser

Das „Nakt“-Abschminktuch kostet 18,95 € (als Dreier-Set: für 49,95 €).

Mehr erfahren und das Tuch bestellen könnt Ihr online auf: nakt.eu

 

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