Abbildung: Amnesty International Darmstadt

Täglich schützen uns die Menschenrechte – auch wenn wir kaum über sie nachdenken. In Darmstadt gibt es Orte, die ihnen ein Gesicht geben, und einen Pfad, der sie verbindet. Zehn Stationen für zehn Artikel. Um die Menschenrechte, welche die UN 1948 verabschiedete, greifbarer zu machen.

Der Pfad der Menschenrechte in Darmstadt, der in den letzten drei Jahren hier entstanden ist, ist der erste seiner Art in Deutschland. Anlässlich des 75. Jubiläums der Menschenrechte hatte Dorothea Wolf von Amnesty International Darmstadt ihn ins Leben gerufen. Als niederschwelliges Angebot statt eines klassischen Infostands. Vorbild für den Pfad war ein ähnliches Konzept aus Nürnberg gewesen, welches der Opfer der NSU-Morde gedenkt. So sei bei Wolf die Idee entstanden, etwas Ähnliches in ihrem Heimatstädtchen auf die Beine zu stellen.

Jede Station beleuchtet einen Menschenrechtsartikel an einem symbolisch oder historisch passenden Ort in der Stadt. Zur Einweihung gibt es eine Aktion, die aktuelle Verstöße gegen den jeweiligen Artikel aufzeigt und akut davon betroffene Opfer vorstellt. Eine permanent angebrachte Plakette mit QR-Code zur Amnesty-Website schließt die Station ab. Die erste – zu Artikel 18, dem Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit – entstand im März 2023 an der Martinskirche. Auf einer Online-Karte sind alle bisherigen Darmstädter Stationen mit Videos und den jeweiligen Artikeln und Amnesty-Forderungen einsehbar. Eine feste Route gibt es nicht. Welche Stationen man besuchen möchte und in welcher Reihenfolge, entscheidet jede:r selbst.

„Wir könnten jeden Tag einen Stand machen und über Menschenrechtsverletzungen sprechen, aber das hier ist eine Art Dauerausstellung“, erklärt Wolf. „Wir haben es so gut und privilegiert hier – und das hilft, das Augenmerk auf menschenrechtliche Probleme zu richten.“ Einen passenden Ort für jeden Artikel zu finden sei nicht immer leicht – die Suche könne manchmal dauern. Das Ziel: etwa 20 (von 30) Artikel der Menschenrechte verewigen. „Einige sind dann doch zu abstrakt.“ Geplant seien drei Stationen pro Jahr. Die nächste, zu Artikel 21, dem Recht auf politische Teilhabe, demokratische Mitbestimmung und den Zugang zu öffentlichen Ämtern, soll im August eingeweiht werden. Die Suche nach einem passenden Ort dafür laufe bereits auf Hochtouren.

 

Abbildung: Amnesty International Darmstadt

 

Dorothea Wolf freut sich vor allem, wenn besondere Orten wie der „Lange Lui“ Teil des Pfades werden – auch wenn die Kommunikation mit den Ämtern, gerade wegen der Plakette, hier besonders viel Zeit und Nerven koste. „Aber da bleibe ich hartnäckig, weil es mein Herzensprojekt ist.“

Zukünftig könne sie sich für den Pfad Führungen oder Workshops, beispielsweise für Schulklassen, vorstellen, um auch junge Menschen zu erreichen. Das Projekt lasse viele neue Impulse zu. Bald könnten Pfade der Menschenrechte auch in anderen Städten entstehen – nach Darmstädter Vorbild. Laut Dorothea Wolf würden bereits andere Amnesty-Gruppen, unter anderem in Frankfurt und Tübingen, Interesse an dem Konzept zeigen.

amnesty-darmstadt.de/pfad-der-menschenrechte

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