Grafik: Lisa Zeißler

– Willy Brandt, vierter Bundeskanzler der BRD und SPD-Ikone, heißt gebürtig Herbert Frahm. Seinen prominenten „Kampfnamen“ hat er sich nur von einem Südhessen geliehen: von Philipp Wilhelm Liborius (kurz: „Willy“) Brandt, der in den 1930er-Jahren Vorsitzender der hiesigen Sozialistischen Arbeiterjugend war. Nach einer Straßenschlacht 1932 in Neu-Isenburg gegen die Nazis flieht jener nach Belgien, begegnet 1934 bei einem Kongress in Brüssel der norwegischen Sozialdemokratin Aase Lionæs und gibt ihr seine Papiere, die diese zur Tarnung an einen von den Nazis verfolgten Flüchtling in Skandinavien weiterreicht: an Herbert Frahm.

Wer ist Willy Brandt?

Der baut dort als „Willy Brandt“ eine gegen NS-Deutschland operierende Untergrundzelle auf, was für den echten Willy Brandt (mit neuem Pass, aber unverändertem Namen) zum Problem wird. Er wird 1940 von der Gestapo in Belgien verhaftet und ins Darmstädter Zuchthaus in der Rundeturmstraße gesteckt. Im Gestapo-Gefängnis wird er verhört, geschlagen und – nach einer Diphterie-Erkrankung – am 6. Juni 1941 ins KZ Dachau verbracht, wo er bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 29. April 1945 leidet. Erst nach dem Krieg erfahren die beiden Männer voneinander und werden Freunde.