Fotos: Deutscher Unterwasser Club (DUC) Darmstadt e. V.

Sport, der in Darmstadt betrieben wird, und – Trommelwirbel – nicht Fußball ist? Vor lauter Lilienfieber ist’s ein bisschen in den Hintergrund geraten, aber: Jawohl, das gibt’s. Hier stellen wir sie vor, die Sportarten, die (noch) nicht von einem großen Publikum bejubelt werden. Zum Beispiel, weil sie bislang kaum jemand kennt. Oder weil sie eben einfach zu speziell sind, um die Massen zu begeistern. Oder vielleicht, weil man lieber unter sich bleibt? Wir gucken uns das für Euch aus der Nähe an. In dieser Ausgabe: Unterwasser-Rugby.

Rugby? Wollte ich schon immer mal ausprobieren, und dann auch noch unter Wasser? „Wenn schon, denn schon!“, denke ich. Also leihe ich mir noch schnell einen Schnorchel bei einer Freundin (alles andere habe ich zu Hause) und bin ready, mich im Unterwasser-Rugby zu versuchen.

Freitagabend, 18.45 Uhr: Voll bepackt stehe ich mit meiner riesigen Sporttasche – wie verabredet – vor dem frisch renovierten Nordbad. Damit ist nicht nur die Sportart, sondern auch die Umgebung neu für mich. Bald trudeln die Ersten ein, darunter auch Christoph Pohl, Teamkapitän und mein Kontakt aus dem Team. Wir warten noch auf ein paar Nachzügler:innen, aber die gibt es schließlich immer. Alle sind locker drauf. Drinnen heißt es dann erst mal: umziehen.

Am Hallenbeckenrand angekommen, bekomme ich direkt schon eine Farbe für das spätere Spiel zugeteilt. Warum das so wichtig ist? Damit mich später meine Gegenspieler:innen von ihren Teammates unterscheiden können – und andersherum. Ich bekomme eine blaue Kappe mit Ohrenschutz und blaue Armbänder, denn mein schwarzer Badeanzug passt farblich top ins blaue Team. Die gegnerische Mannschaft trägt die Farbe Weiß. Nachdem wir das Organisatorische flott geklärt haben, geht’s ans Aufwärmen.

Vom Aufwärmen und Schnorcheln

Heute gibt’s eine kurze Einheit an Land, bevor es ab ins Wasser geht. Die Begeisterung über die kurze Lauf-Action hält sich in Grenzen, davon lässt sich aber keine:r unterkriegen. Alle machen mit und die Stimmung ist klasse. Mir gefällt’s.

Danach wird das Aufwärmen im Wasser fortgesetzt. Während das Team Bahnen schwimmt und Tauchübungen macht, werde ich von Christoph in die Basics des Unterwasser-Rugbys eingeführt. Das heißt aber auch für mich: erst mal Tauchermaske an und Bahnen ziehen. So werde ich noch wärmer und komme ins Schwimmen rein (mache ich schließlich nicht jeden Tag).

Gut aufgewärmt, bekomme ich einen „Crash-Kurs“ im Schnorcheln. Für mich am Anfang sehr verwirrend: Ich kann gar nicht richtig durch die Nase atmen. Schneller als gedacht habe ich das dann aber schon nach ein paar Bahnen raus. Weiter geht es mit dem Tauchen. In Wellenform taste ich mich immer weiter von der Wasseroberfläche durchs Wasser bis hin zum Beckenboden nach unten. Faszinierend und neu für mich ist, wie man schnellstmöglich zum Boden kommt. Einfach Hintern und Flossen in die Luft, Kopf nach unten, schwups, komme ich unten an.

Als Letztes lerne ich die Stoßtechnik kennen, mit der unter Wasser Pässe gespielt werden. Gar nicht so einfach, gegen den Wasserwiderstand, aber ich bin auch echt kein Profi, was das Werfen angeht. Doch auch hier merke ich den superschnellen Lerneffekt – und bald geht’s schon echt gut.

Schwierig ist es für mich jedoch, den Druck auszugleichen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich kurze Zeit vorher erkältet war. Deshalb entscheide ich mich, als die anderen schon ans Spielen gehen, erst mal zuzuschauen und sowohl den Druckausgleich als auch das Schnorcheln weiter zu üben.

 

Fotos: Deutscher Unterwasser Club (DUC) Darmstadt e. V.

Volle Konzentration ist gefragt!

Um das Spiel zu beobachten, müssen sich auch die Zuschauenden unter Wasser befinden, denn von oben lässt sich nur ein winziger Teil des Ganzen beobachten. Meine Tauchermaske mit Schnorchel ist also auch hier wieder praktisch, wenn ich im Wasser rumdümpele und das Spiel verfolge.

Los geht eine Partie Unterwasser-Rugby, sobald das ballführende Team angreift. Sehr beeindruckend ist, wie die Spieler:innen untereinander agieren. Reden geht im Hallenbecken schließlich nicht, so wird sich nach einem Spielzug ausgetauscht: Was ist gut, was ist schlecht gelaufen.

Besonders wichtig ist das Vertrauen in sein Team, denn Unterwasser-Rugby ist ein Positionsspiel und die fehlende Kommunikation eine Herausforderung. Jede:r muss die eigene Position kennen, aber auch auf die Mitspieler:innen achtgeben und schauen, wer zum Beispiel kurz Luftholen ist. Spielstrategien und Technikübungen erleichtern es, die Abläufe des Spiels zu erlernen und sie kontrollierter durchzuführen.

Spannend, mitreißend und aufregend wird Unterwasser-Rugby aber vor allem durch den dreidimensionalen Raum und die Schnelligkeit der Ballsportart. Hier geht’s nicht nur vor, zurück und zur Seite, sondern auch noch aktiv nach oben und unten. So entwischt mir, als Zuschauerin, der Ball auch ganz schnell mal aus dem Blickfeld. Volle Konzentration ist gefragt!

Zu guter Letzt: Action in 3D!

Am Ende des Trainings bin ich dann so weit. Ich will es jetzt auch mal versuchen! Meine Voraussetzungen sind schon mal gut: Ich habe keine Angst vor Körperkontakt (ich komme selbst aus dem Kampfsport) – und ich kann schwimmen.

„Voraussetzungen“ sind aber eigentlich gar nicht nötig. Natürlich ist vieles noch mal ungewohnter im Wasser. Das empfinde ich schon die ganze Zeit so. Ganz klar: Unter Wasser kostet das schnelle Entscheiden und Handeln, gerade für Neulinge, mehr Überwindung als an Land. Aber auch, wenn einem vielleicht mal die Puste ausgeht, heißt es einfach: ab nach oben und Luft schnappen. Das ist kein Problem! Genauso sind Körperproportionen kein Thema: Ob groß oder klein, jung oder alt, dick oder dünn, alle sind willkommen – und im Wasser sind Unterschiede kaum spürbar.

Im Spiel getraue ich mich dann trotzdem erst mal nicht so richtig mitzumischen. Spielen in 3D ist schon eine Herausforderung: Wo sind meine Gegner:innen? Wo meine Mitspieler:innen? Wen sollte ich anspielen, dass es taktisch am klügsten ist? Wer hat gerade den Ball? Doch alle ermutigen mich und lassen mich von der ersten Minute an aktiv mitspielen und sogar den Angriff starten.

Also mitten rein ins Gemenge! Hier und da bekommt man dann mal einen versehentlichen Tritt ab, aber nichts allzu Schlimmes. Tipps bekomme ich von allen Seiten und werde vom ersten Moment an ins Team integriert. Das Wichtigste: Fehler werden akzeptiert. Der Teamgeist ist besonders, das gute Mannschaftsgefühl greifbar und Neulinge werden mit offenen Armen empfangen. Danke an die Unterwasser-Rugby-Mannschaft des DUC Darmstadt, das könnte nicht mein letztes Match underwater gewesen sein …

 

Unterwasser-Rugby: das Wichtigste auf einen Blick

Zwölf Spieler:innen stellen eine Mannschaft. Sechs befinden sich im Wasser, sechs auf der Auswechselbank. Ausgewechselt wird im fliegenden Wechsel. Gespielt wird jeweils 2 x 15 Minuten, ohne Nachspielzeit. Bei Unterbrechungen stoppt der Schiri die Uhr.

Das Spielfeld variiert zwischen 10 x 12 Meter bis zu 12 x 18 Meter und befindet sich in einem drei bis fünf Meter tiefen Hallenbadbecken. So ist es wohl eher ein „Spielraum“, denn Unterwasser Rugby ist „die einzige dreidimensionale Ballsportart der Welt“.

Ziel des Spiels ist für jede:n Spieler:in, den mit Salzwasser gefüllten Kunststoffball von oben im gegnerischen Korb zu platzieren. Ganz wichtig dabei: Es darf nur der ballführende Gegner angegriffen werden. Festhalten an Wand, Korb oder Ausrüstung des Gegners sowie Treten, Schlagen, Kratzen und Beißen sind verboten.

 

Lust mitzumachen?

Das Alter? „Das ist grenzenlos“, sagt Teamkapitän Christoph Pohl, „jede:r ist herzlich willkommen.“ Die zwei Unterwasser-Rugby-Mannschaften des DUC Darmstadt freuen sich immer über neue Mitspieler:innen. Also: Badesachen schnappen und ab geht’s! Ideal: eigene Tauchermaske, Schnorchel und Flossen im Gepäck haben. Ansonsten einfach noch mal kurz vorab unter duc.uwr@gmail.com Euer Kommen ankündigen.

Infos zu den aktuellen Trainingszeiten findet Ihr online unter: duc-darmstadt.de/uw-rugby.html

 

Artikel drucken Artikel versenden