hörspiel
Foto: Daniel Wildner

Die 12-Volt-Disko ist entgegen anders lautender Gerüchte kein DJ-Team, sondern eine mobile Eingreiftruppe für improvisierte elektronische Musik, die gerne mal in Bussen oder – noch Wunschdenken – im Aufzug des Maritim-Hotels auftritt. Seit über sechs Jahren findet sich spontan zusammen, wer gerade Lust hat, und dann wird losgelegt. Beim Hörspiel waren neben dem Diskoguru und Flohmarkt-Fanatiker Frieder Hotzenplotz, der auch für den beachtenswerten Auftakttrack des letzten P-Samplers verantwortlich zeichnet, ebenso noch Johnny Weltraum, Sebé und Vincent vertreten.

 

Dire Straits „Money For Nothing”

Der Song, an dem 1985 kein Weg vorbei führte, vor allem, weil das dazugehörige Album zeitweise jedem neu verkauften Sony-CD-Player kostenlos beigelegt wurde.

Johnny: Oh Gott!
Frieder: Das sind die Dire Straits, „Money For Nothing“ – im 12-Volt-Remix!
J: Nee, das ist der Nullremix, das ist eines der schlimmsten Lieder schlechthin.
F: Ist das eigentlich eine Dobro, die auf dem Plattencover abgebildet ist? [Ja, der Dire-Straits-Gitarrist Mark Knopfler ist bekannt dafür, die nach ihrem Hersteller auch „Dobro“ oder „Radkappengitarre“ genannte Resonatorgitarre zu spielen, Anm. d. Red.] Bei Dire Straits muss ich oft an den Techniklehrer am Gymnasium denken; wenn wir da Tonbeispiele brauchten, wurde immer diese Platte aufgelegt.
J: Oder im Schlagzeugunterricht.
F: Die Dire Straits sind einer der Gründe, weshalb ich Amateur bleibe. Denn als Profimusiker müsste man auch mal seine Befindlichkeiten hinten anstellen, sowas spielen und dann auch noch aussehen, als hätte man gerade einen Riesenspaß.
J: Man kann’s doch einfach wie Kiss machen – die sind Profis und haben trotzdem immer einen Riesenspaß!

 

Falco „Kann es Liebe sein?“

Ein Stück aus der Zeit, als es mit Johann Hölzels Erfolg gerade mal wieder etwas bergab ging, vom trotzdem tollen Album „Junge Roemer“.

Frieder [groovt mit]: Das ist was von „él Records“ oder Cherry Red [zwei englische, dem Indie-Schönklang zugeneigte Kultlabels].

Knapp vorbei.

J: Falc… nee … die Band davor. Wie hießen die?

Du meinst sicher Drahdiwaberl. Aber das hier ist Hansi Hölzel solo.

J: Das beste Lied von Falco ist aber „Junge Roemer“, das hat die gleiche Komik wie „Die weiße Stute“ von The Dass Sägebett. Der Text ist so haarscharf vorbei, es könnte um Knabenliebe oder italienischen Faschismus gehen.
Sebé: Aber der Sound ist schon arg cheesy…

 

Spider Murphy Gang „Wo bist Du?“

Unglaublich fett produzierter Partnervermittlungssong der Bajuwaren-Rock’n’Roller, die man hierzulande ab und zu an der Frühjahrsmess sehen kann, aus ihrem 82er-Album „Tutti Frutti“.

Frieder [sofort]: Spider Murphy Gang, „Wo, wo bist duuuhuu?“

Woher kennst du das denn?

F: Ei , von der Pladdeeee… Da sitzen sie auf dem Cover in Montur beim Musikmachen, richtig?

Nein.

F: Dann ist es ein rares Bootleg, was ich hab! [Er packt derweil merkwürdige Instrumente und einen Kassettenrecorder aus.]
J: Die singen komisch über Gefühle, das ist so … gefühllos!
F: Ich hab gelesen, dass deren Schlagzeuger jetzt im Wohnwagen wohnt.

 

Frank Duval „If I Could Fly Away”

An dem Spross einer alten Hugenotten- und Künstlerfamilie kam in den 1980ern keiner vorbei, vor allem, weil seine schaurigen, mit heiserer Stimme gesungenen Balladen in jeder zweiten Folge von „Derrick“ oder „Der Alte“ zu hören waren.

S: Das fängt ja schon schön esoterisch an, aber bis jetzt hat mich’s noch nicht erwischt.
J: Michael Cretu? Vangelis?
F: Sandra? Hanne Haller?
J: Universal Energy?

Ein kleiner Tipp: Das lief früher oft in Fernsehkrimis.

F: Ach so, ja – Frank Duval! Aber „Face to Face” ist es nicht [Er singt lauthals: „Face … Face To Face!”].
J: Ach, es ist gar nicht so schlimm.
S: Schon schlimm, aber nicht soooo schlimm.
J: Da kann man noch was draus machen; vielleicht sollten wir’s mal covern. Aber die beste Tatort-Musik ist ohnehin „Why Can’t The Bodies Fly“ von Warning [einer kultigen New-Wave-Elektropop-Kapelle in Darth-Vader-Verkleidung, Anm. d. Red.].

 

Alan Parsons Project „Eye In The Sky“

Bis heute als „Pink Floyd für Arme“ verspottet, obwohl das Projekt des Abbey-Road-Studio-Tontechnikers ein paar ganz nette Songs geschrieben hat.

J: Oh je … „Eye in the Sky“. Das ist schon die zweite reine Studio-Platte, nach Frank Duval. Aber das hab ich nicht gesagt! Ich will nicht mit den ganzen Scheißplatten in Verbindung gebracht werden!
Vincent: ELO ist das, oder?
J: Nee… eine von diesen Survivor-Bands, die alle gleich klingen!
F: Journey!
J: Asia? Manfred Mann?

Es ist das Alan Parsons Project…

J: Es ist aber nur beim Project geblieben, zum Glück…

 

Electric Light Orchestra „Mr. Blue Sky“

Big In The Seventies, Teil 1 – das überkandidelte Pop-Orchester von Jeff Lynne.

F: Jets? Okta Logue?

Die würden sich freuen, wenn sie’s wären, schätze ich.

F: Kinks?

Wir haben heut’ schon davon geredet.

F: Ich kenn’s! Supergrass ist es auch nicht…

Ein Tipp: Kennt Ihr noch das Senso-Spiel aus den Siebzigern? Das ist auf den Plattencovern dieser Band meist drauf.

F: Ah… ELO! Also, das Lied ist sehr gut… stark produziert, aber nicht so speziell, dass ich drauf abfahren würde.

 

Deep Purple „Highway Star (live in Japan)“

Big In The Seventies, Teil 2 – die Orgelrüttler und Saitenquäler um Ritchie Blackmore und Jon Lord.

J: Iron Butterfly? Beggar’s Opera?
S: Emerson Lake And Palmer?

Knapp vorbei.

S: Nur „Knapp vorbei“! Ich blüh langsam auf!
J: Das ist aber nicht Iron Maiden, oder? MC5 auch nicht. Hmm… Alice Cooper?

Jetzt haben wir sie bald alle durch. Ein kleiner Tipp: Es ist eine englische Band, sie war in den Siebzigern sehr groß, der Organist ist letztes Jahr gestorben.

J: Deep Purple! Das waren jetzt aber viele Tipps.
F: Wir haben letztes Jahr mal „Child In Time“ gecovert … aber natürlich improvisiert.
J: Ja, das mit diesen hohen Männergesängen, das war schon ein gutes Konzept.

 

Karel Gott „Wo meine Sonne scheint (Island In The Sun)”

Auf der zweiten deutschsprachigen Langspielplatte der Goldenen Stimme aus Prag findet sich neben einer gern gespielten Stones-Coverversion auch dieses Harry-Belafonte-Schmuckstück.

F: Klingt nach einer Burt-Bacharach-Produktion.
J: Neil Diamond.
Frieder [beim Einsetzen des Gesangs]: Karel Gott! Gott hat ein Gesicht!
J: Der Manfred Krug des fernen Ostens!

Habt Ihr auch das Lied schon erkannt? Es ist normalerweise ein Calypso.

F: Ah, klar: „Island in the Sun”.
J: Mein Lieblings-Sozialist.

 

Scotch „Disco Band“

Achtziger-Italo-Top-Hit von Vince und Fabio, aus dem berühmt-berüchtigten Hause Zyx Records.

F: Ah, ist das geil! Bruce & Bongo! „Delirious Mind”? [Nicht schlecht, Herr Hotzenplotz! Das war der zweite große Hit von Scotch, Anm. d. Red.] Nee? Dann ist es Scotch!
J: Ich hätt’ jetzt George Kranz gesagt [Der regte ungefähr zur gleichen Zeit, ab 1983, die Gemüter mit „Din Daa Daa (Trommeltanz)“ auf, Anm. d. Red.].
Frieder [sampelt gleich den typischen Italo-Disco-Huster vom Anfang des Songs auf einer seiner vielen mitgebrachten Lo-Fi-Gerätschaften und erinnert sich versonnen]: Ich weiß noch, wie das Cover aussieht: Da ist so ein Typ mit Ghettoblaster drauf, der am Strand langgeht.

 

Opus „Live Is Life“

Zum Abschluss dann noch der ewige Festzelt-Burner aus Österreich.

Alle [schon vor dem Einsetzen des Schlagzeug-Beats]: „Live Is Life!“

Oh, am Klatschen vor Beginn des Songs erkannt, sehr gut! Wisst Ihr denn nun, was das Konzept des Hörspiels war?

F: Alle Songs waren europäisch.
S: Nee, die waren alle älter als zehn Jahre.

Das auch. Aber das Entscheidende ist: Es sind ausschließlich Flohmarkt-Platten, angelehnt an Frieders Lieblings-Hobby.

J: Ja, stimmt, jetzt fällt mir’s auch auf. Es ist ja zum Beispiel nahezu unmöglich, einen Flohmarktstand zu finden, wo man diese Dire-Straits-Platte nicht findet!
F: Dann bleibt mir nur noch ein Appell an die Leser: Nehmt die Musik und benutzt sie zu Eurem eigenen Vorteil!

 

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