„Der Henschel“ gehört zu Darmstadt wie das Schloss oder der Lange Lui. Seit 90 Jahren ist das Modehaus fester Teil des Stadtbilds, viele von uns haben dort schon als Kinder mit ihren Eltern Skiunterwäsche, Konfirmationsanzug und Sommerkleidchen gekauft. Schon im späten 19. Jahrhundert hatte die Rothschild-Familie ihr erstes „Manufacturwaren-Geschäft“ eröffnet. 1935, vor ihrer Flucht ins Exil, verkaufte die Familie das Unternehmen an die neu gegründete Henschel & Ropertz KG. Das Haus am Darmstädter Marktplatz überstand Krieg und Zerstörung, eröffnete schon 1948 das Erdgeschoss neu und wurde zu einem festen Anlaufpunkt für Generationen von Heiner:innen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Unternehmen weiter, eröffnete Filialen in Michelstadt und Heidelberg und entwickelte sich vom klassischen Kaufhaus mit Kurzwaren und Teppichen zu einem reinen Modehaus. Manche werden sich noch erinnern: 1974/75 bekam das Haupthaus in Darmstadt eine grüne Fassade verpasst, die die Meinungen spaltete – und 1992 kam mit der aufgestockten Gastronomie-Etage ein neues Kapitel hinzu. Heute erstreckt sich Henschel auf mehr als 9.000 Quadratmetern. Mit der Umfirmierung 2018 wurde der Auftritt moderner und das Haus bekam einen neuen Look – doch ohne den Bruch mit der eigenen Geschichte. Denn Henschel war immer mehr als nur ein Ort zum Einkaufen, sondern ein Stück Darmstadt, ein Treffpunkt, ein Spiegel wechselnder Mode- und Stadttrends. Dazu tragen auch der Ableger auf der anderen Seite des Weißen Turms – das 2012 eröffnete „Gegenüber“ – sowie (seit 2019) das beliebte Dachrestaurant „Obendrüber“ mit herrlichem Blick über die Stadt bis in den Taunus bei. Was das Haus ausmacht, ist nicht allein sein Sortiment, sondern die Beständigkeit im Wandel: Familiengeführt seit der Gründung, hat Henschel jede Zeit auf seine Weise mitgestaltet – denn wer 90 Jahre bleibt, der weiß: Stillstand ist keine Option. (lm)
Marktplatz 2, Innenstadt | henschel-darmstadt.de







