Albrecht Pfohl alias Obo umgibt eine Fülle verschiedener (Berufs-)Bezeichnungen: Musiker, Komponist, Architekt, Kulturschaffender, Wasserturmeigentümer. 1985 bewahrte er den verlassenen Darmstädter Wasserturm an der Dornheimer Brücke vor dem Abriss und verwandelte den Zweckbau zum Kulturraum für Musik, Kunst und Partys. Die Grundidee von damals ist bis heute gleichgeblieben: „Verschiedene Künstler auf die verschiedenen Ebenen des Turms vermitteln.“ Im Wasserturm arbeitete Albrecht, er stellte hier aus, gab Konzerte. Er lebte jedoch nie darin, obwohl sich der Turm perfekt zum Wohnen eignen würde.
Als Musiker schrieb Obo nach eigener Aussage in den vergangenen 50 Jahren über 400 Kompositionen. Inspiration für seine heutige – wie er sie selbst nennt – „mediterrane Gitarrenromantik“ findet er Mitte bis Ende der 1960er-Jahre auf dem Burg-Waldeck-Festival. Trotz seines jungen Alters erinnert er sich damals noch gut an die ersten Festivals der Nachkriegszeit im Hunsrück. Mit der Wandervogelbewegung reist Albrecht in dieser Zeit auch per Anhalter durch Halbeuropa. Das sei aber „kein Konsumtourismus – wie damals zum Beispiel in Malle“ gewesen, betont er. Die Zeit mit gleichgesinnten Hippies und wenig Geld prägten ihn auch musikalisch stark, er entdeckt seine Leidenschaft für die Gitarre, begeistert sich hauptsächlich für lateinamerikanische Melodien sowie für die Akkorde anderer Vagabunden.
1970 zieht es den 20-jährigen Albrecht von Wetzlar nach Darmstadt, um Architektur zu studieren. In den 70ern habe man noch „freier studiert“, schwärmt er. Während seiner Studienzeit reist er etwa ein halbes Jahr durch Indien, Afghanistan und Pakistan – meist in alten Klapperkisten, die später wieder verscherbelt wurden. Als sich der Architektenberuf in den 70ern immer mehr verändert, wendet sich Albrecht von ihm ab, schnappt sich seine Gitarre und gründet mit Kumpel Georg Dill alias Jorge kurzerhand: El Duo Flamenco. 1979 erscheint die das erste gleichnamige Debütalbum, bis 1993 sollen insgesamt zehn Alben folgen. „Früher konnte man noch gut von der Musik leben“, schwärmt Obo. „Wir waren aber auch gut organisiert“, erinnert er sich, „wir spielten die richtige Musik zur richtigen Zeit, gründeten das Label Towermusic und fuhren auf Tourneen durch Deutschland und die Türkei.“
Der Wasserturm: ein neues Kapitel
Mit dem Kauf des Wasserturms beginnt 1985 ein neues Kapitel für Albrecht. Zum Kauf kam es durch seine Kontakte zur Deutschen Bundesbahn (DB), die sich direkt gegenüber befand. Da sich sonst niemand für den ungenutzten Wasserturm interessierte, schlug ihm ein DB-Beamter den Kauf vor. Albrecht willigte ein. In Darmstadt wurde zu dieser Zeit „viel abgerissen und plattgemacht“, für den Architekten heute noch ein echtes Ärgernis. Von der Bautechnik des Wasserturms, der von Friedrich Mettegang im Jugendstil erbaut wurde, ließ er sich leicht begeistern. An die gleich mehreren Eröffnungsfeiern habe er nur zu gute Erinnerungen. Der Turm wurde von nach Party ächzenden Darmstädtern Studenten überrannt – es war brechend voll. „Darmstadt war tot, es gab einfach keine Möglichkeit zu tanzen, nicht mal an Silvester“, urteilt Albrecht, Nachtclubs habe es zu dieser Zeit keine gegeben und Kneipen seien schon am späten Abend geschlossen gewesen. Zu einem Partyturm sollte der Hochbau aber nicht werden. Schließlich bezeichnet sich Obo als „Künstler – und nicht Gastronom“. Im Keller richtete er sich sein eigenes kleines Tonstudio ein. Hier produzierte er alle seine Kompositionen. Das Atelier ganz oben im Turm – direkt unter dem stählernen Wassertank – nutzte bis vor einigen Jahren noch seine ehemalige Lebenspartnerin, die Künstlerin Annette Bischoff.
Fast beiläufig verkündete Obo vergangenes Jahr, dass er seinen „Kulturturm“ verkaufen möchte. In kürzester Zeit meldeten sich „immens viele Interessenten“. Für so einen Turm muss man aber „flüssig sein“, sagt er lächelnd – denn der Unterhalt kostet Geld. Seine Kinder kennen die Problematik und Verantwortung, beide haben kein Interesse den Turm zu übernehmen. Wichtiger als ein schneller Verkauf sei ihm ohnehin, hinterher „ein gutes Gefühl“ zu verspüren. Wenn der Turm mal verkauft sein sollte, möchte Obo weiter kreativ bleiben. Ein neues Projekt habe er bereits im Blick …







