Foto: Jan Ehlers

Mit den Melodic-Metal-Recken von All Will Know haben wir heute mal wieder eine Band der härteren Gangart in die Blackbox geladen. Bis unters Dach im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses in Bessungen müssen wir klettern, um Jan Jansohn (Gitarre), Steffen Henneberger (Gitarre) und Lukas Gröhl (Drums) bei einer Unplugged-Probe anzutreffen. Was es mit der Akustik-Session auf sich hat, wie sich der Sound der Band in den letzten acht Jahren entwickelt hat und was die Freimaurer damit zu tun haben, erfahrt Ihr auf den folgenden Seiten.

Das P: Schön, dass Ihr drei Eure doch sehr kuschelige Probe im Dachbodenabteil für unser Gespräch unterbrochen habt. Auf den Bandfotos seid Ihr aber definitiv mehr Bandmitglieder. Wer fehlt denn noch?

Steffen: Max am Bass und Frank, unser Sänger und Shouter.

Fehlt da nicht noch ein Keyboarder? Ich meine, ich hätte auf den Bandfotos mindestens eine weitere Person erspäht!

Jan: Ja klar, Du meinst Felix, unseren Mann an den Tasten. Der ist zwar Mitglied der Band, spielt aber keine Auftritte mit. Eigentlich sind wir ein großes Kollektiv, zum Beispiel auch Sami [Işin von Dirty Flamingo/He.artwork] am Gesang, oder ehemalige Gitarristen, die einspringen können, wenn mal Not am Mann ist. Felix ist Gründungsmitglied und auch ehemaliger Bandkollege von mir bei Agathodaimon, aber irgendwann hat ihm das Auf-der-Bühne-Stehen einfach keinen Spaß mehr gemacht.

Aber im Studio ist er nach wie vor involviert?

J: Genau, beim Songwriting, den Keyboard-Parts, beim Sound-Design. Live kommen die Keys dann eben vom Band. Manchmal lässt er sich aber doch bei Auftritten blicken und steht dann am Lichtpult.

Den Jan kenne ich ja schon länger aus der Darmstädter Szene, unter anderem auch mit seinen Jazz-Projekten. Wie ist das mit Euch, Steffen und Lukas?

S: Ich hatte schon einige Projekte in Darmstadt und mache auch alleine Singer-Songwriter-Musik.

Lukas: Nee, ich hatte vorher keine Darmstädter Bands. [Allgemeines Gelächter]

Mit ein Grund für unsere heutige Zusammenkunft ist Eure neue, dritte Platte „Infinitas“, die im Dezember 2017 rauskam.

J: Hast Du vorher mal reingehört? Dann weißt Du ja, wie die Songs, die Du eben gehört hast, in Metal klingen. [Gelächter]

Ich finde, das Akustische holt die durchaus vorhandene poppige Seite Eurer Songs ein bisschen mehr heraus, gerade im Vergleich zum älteren Material. Da hat sich musikalisch schon etwas getan. Wie würdet Ihr das beschreiben?

J: Das ist die erste Platte in dieser Besetzung, vorher gab es ja ein paar Wechsel. Das erste Album war etwas mehr in Richtung Metalcore, mit zwei Frontsängern, ganz klassisch mit Clean und Shouts. Zum zweiten Album kamen schon Frank am Gesang und Steffen an der Gitarre in die Band. Kurz darauf dann noch Lukas, sodass die aktuelle Besetzung komplett am Songwriting der neuen Platte beteiligt war.

Und vom Metalcore kamt Ihr dann zum … Metal?

J: Gut, reiner Metalcore war das sicher nicht. Bei All Will Know ging es musikalisch schon immer um Kontraste. Auf der ersten Platte ist zum Beispiel auch eine Pianoballade drauf – aber eben auch typische Metalcore-Breakdowns.

L: Ich finde bei „Infinitas“ sind die Kontraste noch mal ein bisschen stärker.

S: Wenn man das so in Schubladen packen wollte, ist bei der zweiten Scheibe noch ein bisschen mehr Melodic Death vertreten, auf der dritten trat dann das Melodic noch mehr in den Vordergrund.

Ihr habt ja beim Kohle [Kristian Kohlmannslehner, Kohlekeller-Studios in Seeheim-Jugenheim] aufgenommen – was ich ganz witzig finde, da auch 8kids, die letzte Band, die ich für das P interviewt habe, mit ihm recordet haben. Wie war’s?

J: Ja, gut! War, glaube ich, jetzt auch die siebte Platte, die ich dort aufgenommen habe! [Gelächter] Es ist halt sehr entspannt, der Kohle triezt einen immer schön und holt das Letzte aus den Musikern heraus. Kai Stahlenberg möchten wir noch erwähnen, der hat ebenfalls einige Gitarren mitgetrackt und unseren jamaikanischen Bonus-Track gemixt.

Ich habe gesehen, dass Ihr durchaus auch viel unterwegs seid, die eine oder andere Tour wird da ja schon gespielt …

J: Gerade letztes Jahr sind wir recht viel rumgekommen. Wir waren beispielsweise in Tschechien auf Tour. Oder auch in Polen, da durften wir auf Einladung des Amts für Internationales der Stadt Darmstadt nach Płock. Dort wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Für ein ganzes Wochenende waren wir im Darmstadt-Haus einquartiert im Stadtzentrum und sind dann sogar winkend eine Parade mitgelaufen …

L: Unabsichtlich …

S: Wir wollten ja eigentlich nur zusehen, plötzlich sind wir mit dem Bürgermeister mitgelaufen.

Und wann sieht man Euch in Darmstadt?

J: So ein Zufall, dass Du fragst! [alle lachen] Wir veranstalten jedes Jahr das „Metal Up Your Life“-Festival, das steht jetzt im Mai wieder an und wir werden auch wieder selbst spielen. Das findet in der Oetinger Villa statt, auf der großen Bühne im Saal und auch im wunderschönen Kaminsaal. Da machen wir eine Akustikbühne, auf die wir unsere Freunde einladen. Unter anderem Pentarium, die bei der Gelegenheit auch ihre Release-Show feiern werden.

Apropos Kaminsaal in der Oetinger Villa: Ihr seid doch eine weitere Darmstädter Band, die dort ein Video aufgenommen hat, oder?

L: Richtig, das Video zu „This Circle Never Ends“.

Ich finde, jede Darmstädter Band sollte da zumindest ein Foto- oder Video-Shooting gemacht haben! Ein weiteres Video habe ich in der Vorbereitung gesehen, das habt ihr im Mollerhaus aufgenommen?

J: „Behind Your Mask“ heißt der Song. Den konnten wir mit unglaublich freundlicher Unterstützung der Darmstädter Freimaurerloge im frisch renovierten Gebäude aufnehmen.

L: „Zum flammendes Schwert“ heißt die Loge, finden wir irgendwie ganz passend.

S: An dieser Stelle übrigens noch mal einen besonderen Dank an alle, die das Crowdfunding für unsere Videos unterstützt haben!

Hier schließt sich dann auch der Kreis zu Eurer Kuschelprobe auf dem Dachboden, richtig?

J [grinst]: Korrekt. Da hat ein 60-jähriger Fan und vor allem langjähriger Freund der Band sich beim Crowdfunding für das letzte Video ein Wohnzimmerkonzert von uns gesichert. Das steht bald an. Schade, dass die anderen beiden Bandkollegen krank sind. Deshalb mussten wir ein bisschen umdisponieren und werden das nun zu dritt machen.

Für mich hat das sehr gut geklungen, das könnte auch außerhalb des Dachbodens funktionieren! Vielen Dank für das Gespräch und auf bald in der Villa!

 

Metal Up Your Life-Festival 5

mit Parasite Inc., All Will Know, Pentarium, Mindreaper, Sindustry + Special Acoustic Shows feat. Precipitation und Aljoscha Crema & Band

Oetinger Villa | Sa, 12.05. | 19.30 Uhr | 14 €

www.allwillknow.de

 

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