Nonnen, Mütter, Schafe und ein Wunderheiler

Unsere Kino-Tipps im Dezember und Januar

Foto: Alamode Filmverleih („Annette“)

 

Religion kontra Sexualität

In einem Kloster im 17. Jahrhundert steigt eine junge Nonne (Virginie Efira) zur Äbtissin auf, führt fortan ein Doppelleben und erfährt von einer Novizin (Daphné Patakia) die Geheimnisse körperlicher Lust. Doch eine ehemalige Vorsteherin (Charlotte Rampling) kommt dem verbotenen Treiben auf die Spur. Paul Verhoeven („Elle“) provoziert gern mit seinen Filmen. In „Benedetta“ ist der weibliche Körper wie schon in „Basic Instinct“ ein Macht verleihendes Objekt der Begierde. Zusätzlich prallen Religion und Sexualität aufeinander.

„Benedetta“

ab Do, 02.12.

Programmkino Rex

 

Neues von der freundlichen Spinne

Spider-Man wurde demaskiert und kann sein Teenager-Leben nicht mehr vom Superhelden-Dasein trennen. Er bittet Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) darum, seine Fähigkeiten dafür einzusetzen, alles rückgängig zu machen. Aber dabei gerät das Raum-Zeit-Gefüge in Schieflage, und sogar Otto Octavius (Alfred Molina) aus den „Spider Man“-Filmen mit Tobey Maguire taucht wieder auf. Wieder dabei sind auch Zendaya, Jon Favreau und Marisa Tomei. Regisseur Jon Watts inszenierte bereits die Vorgänger mit Tom Holland in der Titelrolle.

„Spider-Man: No Way Home“

ab Mi, 15.12.

Kinopolis (deutsch) + Helia (Originalfassung)

 

Rätselhaftes Mädchen trifft die „Sparks“

Verschiedener geht’s kaum: Henry (Adam Driver) ist ein Stand-up-Comedian, Ann (Marion Cotillard) eine Opernsängerin. Sie verlieben sich und bekommen ein Kind. Das Mädchen ist sehr rätselhaft und stellt die Eltern vor große Herausforderungen. „Annette“ von Leos Carax („Holy Motors“) hat dieses Jahr in Cannes den Preis für die beste Regie gewonnen. Es ist ein visuell überbordendes Beziehungsdrama – und ein Musical. Die Musik stammt von keinen Geringeren als dem US-Art-Pop-Duo „Sparks“ („When Do I Get to Sing ‚My Way‘?“).

„Annette“

ab Do, 16.12.

Programmkino Rex (deutsche Fassung und Original mit Untertiteln)

 

Die blaue oder die rote Pille?

Leben wir in einer Simulation? 1995 beantwortete der kultige Sci-Fi-Actionthriller „Matrix“ diese Frage sehr eindeutig – und lieferte gleich noch eine Rebellion dagegen mit. Letztlich wurde eine sehr erfolgreiche Trilogie daraus. Filmemacherin Lana Wachowski legt nun den vierten Teil „Matrix Resurrections“ vor, in dem Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss als Neo und Trinity wieder zusammenkommen. Weil der Film größtenteils in Babelsberg gedreht wurde, ist auch Max Riemelt dabei – und Johnny Klimek sowie Tom Tykwer komponierten die Musik.

„Matrix Resurrections“

ab Do, 23.12.

Kinopolis (deutsch) + Helia (Originalfassung)

 

Agentinnen retten die Welt

Eine gefährliche Waffe in falschen Händen bedroht die Welt. Die Geheimdiensteinheit „355“ wird auf die Mission angesetzt. So etwas kennt man ja zur Genüge. Aber hier sind es zur Abwechslung mal Frauen: Jessica Chastain, Penélope Cruz, Diane Kruger, Lupita Nyong’o und Fan Bingbing spielen fünf toughe Agentinnen, die ihr Konkurrenzdenken überwinden und ihre besonderen Fähigkeiten vereinen. Sebastian Stan und Edgar Ramírez komplettieren den Actionthriller von Simon Kinberg. Warum wurde eigentlich keine Regisseurin verpflichtet?

„The 355“

ab Do, 06.01.

Kinopolis

 

Ein Lämmlein steht im Walde

Der Alltag auf einer entlegenen isländischen Farm bietet dem kinderlosen Ehepaar Ingvar (Hilmir Snær Guðnason) und Maria (Noomi Rapace) nichts Aufregendes: Die Ernte steht an, Dinge werden repariert, es wird sich um Schafe gekümmert. Doch irgendwann geschieht etwas Befremdliches, das das Leben der beiden für immer verändert. Valdimar Jóhannssons Regiedebüt ist ein leiser Horrorfilm mit einer höchst bizarren Geschichte. Dahinter steckt der international bekannte Autor Sjón, der auch schon Songtexte für Björk verfasst hat.

„Lamb“

ab Do, 06.01.

Programmkino Rex (voraussichtlich)

 

Am Rande des Nervenzusammenbruchs

Janis (Penélope Cruz) und Ana (Milena Smit) sind ungewollt schwangere Singles und lernen sich zufällig in der Klinik kennen. Janis versucht die verängstigte Teenagerin Ana aufzumuntern. Doch ein Zufall grätscht auf dramatische Weise dazwischen. Der neueste Wurf von Pedro Almodóvar (Drehbuch und Regie) zeigt zwei Frauen zwischen Leidenschaften, Geheimnissen und Obsessionen, die mehr miteinander verbindet, als sie anfangs vermuten. Bei den Filmfestspielen in Venedig wurde Cruz dafür als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

„Parallele Mütter“

ab Do, 06.01. –> Der geplante Starttermin im Januar wurde kurzfristig auf den 10. März 2022 verschoben

Programmkino Rex

 

Ätzende Gesellschaftskritik

Siegheilkirchen ist ein Ort im erzkatholischen Alpenhinterland, wo in den 1960er-Jahren ein „Rotzbub“ mit Zeichentalent die ewiggestrigen, feisten Obrigkeiten demaskiert. Es ist die Biografie des 2016 gestorbenen österreichischen Karikaturisten, Grafikers und Cartoonisten Manfred Deix – und zwar als Animationsfilm, basierend auf dessen unnachahmlichem Stil. Marcus H. Rosenmüller, der mit schrägen Heimatfilmen wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ bekannt wurde, hat ihn zusammen mit Santiago López Jover inszeniert.

„Willkommen in Siegheilkirchen“

ab Do, 13.01. –> Der Kinostart wurde auf unbestimmte Zeit verschoben

Programmkino Rex

 

Die Rückkehr des Analogen

(A)soziale Medien, Streaming-Dienste, Fitness-Apps, E-Books und Videokonferenzen am Laptop bestimmen die schöne neue Welt des Digitalen. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung, die mit der Sehnsucht nach echten Dingen und haptischen Erlebnissen zu tun hat. Der Held des Dokumentarfilms „An Impossible Project“ von Jens Meurer ist ein Mann, der sein gesamtes Vermögen riskierte, um die letzte Polaroid-Fabrik der Welt zu retten. Ein spannender und auch witziger Blick auf einen liebenswerten Underdog und ein weltweites Phänomen.

„An Impossible Project“

ab Do, 20.01.

Programmkino Rex (voraussichtlich)

 

Neuer Comic-Antiheld

Dr. Morbius hat eine gefährliche Blutkrankheit. In seiner Verzweiflung wagt er etwas, das ihm und anderen Leidenden helfen kann. Was zunächst zu funktionieren scheint, entwickelt aber bald ein Eigenleben und führt Morbius in einen dunklen Abgrund. Der mysteriöse Antiheld ist eine der ambivalentesten Figuren von Marvel und wird von Oscar-Preisträger Jared Leto nun erstmalig zum Leben erweckt – nicht im offiziellen Cinematic Universe der Comic-Schmiede, sondern von den Produzenten, die auch die „Venom“-Filme gemacht haben.

„Morbius“

–> Der Kinostart wurde von Do, 27.01.22 auf den Do, 31.03.22 verschoben!

Kinopolis

 

Nachzügler „The King’s Man – The Beginning“

„The King’s Man – The Beginning“, das Prequel zu den beiden schrillen Geheimagentenfilmen von Matthew Vaughn (2014/2017), hatten wir bereits als Tipp in dieser Rubrik. Coronabedingt wurde der Filmstart verschoben, nun läuft „The King’s Man – The Beginning“ aber an: am 06. Januar im Kinopolis.

 

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