Serienkiller, Liebe, Tanz und Lakonie

Unsere Kino- und Film-Tipps im Oktober

Foto: Studiocanal („Fly“)

Morde vor expressionistischer Kulisse

Nach dem Krieg kehrt 1920 ein ehemaliger Kriminalinspektor (Murathan Muslu) nach Wien zurück. Mit einem Kommissar (Max von der Groeben) und einer Gerichtsmedizinerin (Liv Lisa Fries) soll er eine Mordserie aufklären. Der historische Thriller „Hinterland“ von Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky wurde fast komplett vor Bluescreen gefilmt. Zwar erinnert er an die Serien „Shadowplay“ und „Babylon Berlin“, punktet aber wegen seiner düster-expressionistischen Ästhetik im „Caligari“-Stil. In Locarno gab es dafür den Publikumspreis.

„Hinterland“

ab Do, 07.10.

Programmkino Rex

 

Cannes-Gewinner mit Cyborg-Serienkillerin

Zehn Jahre nach seinem Verschwinden führt eine Serie unaufgeklärter Verbrechen einen Jungen zurück zu seinem Vater. Eigentlich geht es letztlich dann aber um ein Mädchen zwischen Mensch und Maschine, das zur Serienkillerin wird. Schon mit ihrem ersten Film „Raw“ bewegte sich Julia Ducournau im Fahrwasser von David Cronenbergs Body-Horror. Das radikale Fantasy-Drama „Titane“ über Abgründe zwischen Familie und Identität mit Agathe Rousselle und Vincent Lindon wurde dieses Jahr in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

„Titane“

ab Do, 07.10.

Programmkino Rex

 

Ein Paar auf der letzten gemeinsamen Reise

Colin Firth brillierte 2009 in „A Single Man“ als schwuler Intellektueller, der den Tod des Partners nicht überwindet. Nun spielt er in „Supernova“ von Harry Macqueen einen Homosexuellen, der mit dem dementen Lebensgefährten (Stanley Tucci) eine Reise macht, um Freunde, Familie und Stationen aus der Vergangenheit zu besuchen – gemeinsame Zeit ist das Wichtigste, was ihnen bleibt. Bei solchen herzzerreißenden Filmen mit Top-Darstellern ist die Frage, ob heterosexuelle Schauspieler Schwule spielen dürfen, einfach nur obsolet.

„Supernova“

ab Do, 14.10.

Programmkino Rex (und am 20.10. um 20 Uhr beim Queer Filmfest Weiterstadt)

 

Breakdance im Knast

Eine 20-Jährige (Svenja Jung) und weitere Häftlinge (unter anderem HipHop-Freestyle-Weltmeister Ben Wichert) sollen in einem Resozialisierungsprogramm für das Tanzen begeistert und zu einer Gruppe verschmolzen werden. Regisseurin Katja von Garnier („Ostwind“) hat internationale Choreograf:innen und Tänzer:innen – inklusive der berühmten „Flying Steps” – zusammengebracht, um ein furioses Tanzdrama zu entfachen. Erstmals treten dabei auch wieder die „Bandits“ Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz und Katja Riemann gemeinsam auf.

„Fly“

ab Do, 14.10.

Kinopolis

 

Aktueller Que(e)rschnitt

29 Lang- sowie 28 Kurz- und mittellange Filme – darunter einige, die mangels Verleih nicht in deutsche Kinos kommen – laufen beim 25. Queer Filmfest Weiterstadt. So etwa die aktuellen Cannes-Streifen „Benedetta“ und „Große Freiheit“ oder François Ozons „Sommer 85“ und Kate Winslet in „Ammonite“. Außerdem weitere Perlen wie „Shiva Baby“ (über eine junge bisexuelle Jüdin) oder die Doku „Trans – I Got Life“. Kurzfilme gibt es diesmal sogar in vier Slots, und für das Exoten-Format des mittellangen Films sind zwei Abende reserviert.

Queer Filmfest Weiterstadt

Mi, 20.10., bis Mi, 03.11.

Kommunales Kino Weiterstadt (Bürgerzentrum) sowie

Lichtblick Kinotreff Mörfelden-Walldorf und Programmkino Rex

 

Lakonische Episoden mit vielen Stars

Wes Anderson ist spätestens seit „Grand Budapest Hotel“ als genialer Filmemacher mit unverwechselbar lakonischem Stil bekannt – gerne auch mit integrierten Puppentrick-Sequenzen. In seiner zehnten Regiearbeit geht es um Geschichten aus einer US-Zeitschrift, die in einer fiktiven französischen Stadt im 20. Jahrhundert erscheint. Die Liste der beteiligten Stars ist lang: unter anderem Benicio del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Frances McDormand, Jeffrey Wright, Mathieu Amalric, Bill Murray und Owen Wilson.

„The French Dispatch“

ab Do, 21.10.

Programmkino Rex

 

Nachzügler „Résistance“ – und weitere Tipps

„Résistance“, ein Drama über den berühmten Pantomimen Marcel Marceau und dessen wenig bekannten Kampf gegen die Nazis mit Jesse Eisenberg in der Titelrolle, hatten wir bereits als Tipp in dieser Rubrik. Coronabedingt wurde der Filmstart verschoben, nun läuft „Résistance“ aber endlich an: am 14. Oktober im Programmkino Rex und Helia!

Weitere Termine für Filmfans sind: die B3 Biennale des bewegten Bildes (15. bis 24. Oktober), das Koreanische Filmfestival (20. bis 31. Oktober; auch online), das Fantasy Filmfest (24. bis 31. Oktober) und das Internationale Türkische Filmfestival (25. bis 30. Oktober) – alle in Frankfurt.

 

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