Alle packen Koffer, alle buchen Flüge, alle besorgen Sonnencreme und alle verreisen. „Warum?“ fragen wir uns, hat Darmstadt doch wirklich den Rundumschlag an Sightseeing zu bieten und steht europäischen Großstädten – ach: den Weltmetropolen – in nichts nach! Wenn wir uns mal ganz in Ruhe vor dem Darmstädter Centre Pompidou, dem Luisencenter, niederlassen und uns einige einschlägige Gebäude und Orte in unserer Stadt vor Augen führen, dann erübrigt sich jegliches Reisefieber!

 

Darmstädter Duplikate

„Seufzerbrücke” Darmstadt – Seufzerbrücke, Venedig
In Venedig denkt man, die Seufzerbrücke sei nach den schmachtenden Lauten der Liebespaare benannt. In Darmstadt weiß man: Wer hier hinüber geführt wird, hat allen Grund zum Seufzen, denn in der Regel sind es – in Venedig wie in Darmstadt – die Gefangenen auf dem Weg zum Gerichtshof.

Foto: Jan Nouki Ehlers + flickr.com
Foto: Kim Epes + flickr.com

Waldfriedhof –Petersplatz, Rom
“Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?” Dies wusste schon Goethe zu fragen. Statt durch das stickige Rom zu pilgern, empfiehlt sich ein Besuch des kühlen Waldfriedhofs am Rande der Stadt: Das Feeling „Petersplatz“ lässt sich hier bestens nachempfinden, den päpstlichen Ostersegen kann man auch über Youtube dazu einspielen …

Foto: Nikolaus Heiss + Thomas Roemer (Tidirium) /wikipedia.de
Foto: Nikolaus Heiss + Thomas Roemer (Tidirium) /wikipedia.de

Russische Kapelle – Kreml, Moskau
Darmstadts „Kreml“, die Russische Kapelle, gilt mithin als wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt, und war – ebenso wie das russische Pendant neben dem Roten Platz – Residenz russischer Zaren. Warum Mathias Rust 1987 so weit weg fliegen musste, anstatt Darmstadt zu besuchen, ist bis heute ungeklärt!

Foto: Kim Epes + flickr.com
Foto: Kim Epes + flickr.com

Baumhaus Schleiermacherstraße – Holländischer Pavillon auf der Expo 2000
Die gestapelten Landschaften, ökologisch erbaut, mit denen Holland auf der Expo 2000 in Hannover angeben wollte, sind „geguttenbergt“: Darmstadt besitzt ein derartiges Baubeispiel bereits seit dem Jahr 1970, als Ot Hoffmann mit seinem Baumhaus die Architektenwelt positiv beeindruckte und dies bis heute tut.

Foto: Kim Epes+ Axel HH /wikipedia.de
Foto: Kim Epes + Axel HH /wikipedia.de

Mauer EAD-Neubau (auf dem Knell-Gelände) – Mauer zwischen Palästina und Israel
Ob es mit der neu entfachten Debatte der Mülltrennung zu tun haben könnte – man weiß es nicht. Aber jedenfalls mutet die Mauer des EAD-Neubaus auf dem Knell-Gelände (vom Carl-Schenck-Ring aus) düster an und ersetzt politisch interessierten Pilgern den Flug nach Israel, wo sich analog eine hässliche Mauer zwischen Palästina und Israel durch die Landschaft bohrt.

Foto: Kim Epes + flickr.com
Foto: Kim Epes + flickr.com

Merck-Pyramide – Pyramide des Louvre, Paris
Echt 80er, die Pyramide im Innenhof des Louvre. Die bläulich gefärbte Eingangshalle des Darmstädter Großkonzerns Merck steht dem gläsernen Pariser Einod in nichts nach, außer, dass hier die Besucherschlangen nicht so lang sind, da die Merck’sche Mona Lisa allenfalls im Pillenformat daherkommt.

Foto: Kim Epes + flickr.com
Foto: Kim Epes + flickr.com

Ausgebranntes Haus in der Grafenstraße – Ausgebranntes Haus in Libyen
Auch die Hartgesottenen können ihre Reiserücktrittsversicherung aktivieren, und sich statt dessen in unserem 140.000-EinwohnerStädtchen auf die Spuren des Kriegstourismus begeben. Seit Jahren unverändert in der Grafenstraße: ein Haus im Bürgerkriegs-Zustand als ultimative Kulisse für spektakuläre Abenteuerfotos oder den kommenden Film eines Oliver Stone.

Foto: Kim Epes + flickr.com
Foto: Kim Epes + flickr.com

Darmbach vorm Darmstadtium – Canal Grande, Venedig
Lange vor Venedig besaß Darmstadt bereits seinen Canal Grande: den Darmbach. Dieser sollte – koste es, was es wolle – wieder freigelegt werden, was nach einem Magistratsbeschluss von 2009 aus Haushaltsgründen allerdings ad acta gelegt wurde. Die bereits verwirklichte Teilstrecke vor dem Darmstadtium zeugt von venezianischer Größe in unserer (Darm)Stadt, allein schon wegen der nicht vorhandenen Mülltrennung.

Foto: Kim Epes + Matthias Kabel / wikipedia.de
Fotos: Kim Epes + Matthias Kabel / wikipedia.de

Kuppelkirche – Pantheon, Rom
Religionspolitisch unkorrekt sprechen viele Darmstädter vom „Glaubensreaktor“, ist es doch nur das Loch in der Decke, welches fehlt, um endgültig zu erkennen, dass in Darmstadts Wilhelminenstraße ein zweites Pantheon steht.

Foto: Kim Epes + Unbekannt /wikipedia.de
Fotos: Kim Epes + Unbekannt /wikipedia.de
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