Foto: Nouki

Er steuert ein mit Autobatterie betriebenes mobiles Soundsystem, die „12 Volt Disko“, ist als DJ unterwegs, liebt das Schrauben an Fahrrädern und die Critical Mass. Er sammelt alles von Platten über Comics bis zu Elektronik und denkt nach eigenem Bekunden darüber nach, eine Selbsthilfegruppe für Messis zu gründen. Sven Rohwer ist vielseitig und fällt auch optisch auf. Mit Käppi und markanter Brille sieht er, trotz leicht ergrautem Bart, eher aus wie 46 statt 56. Und er hat viel zu erzählen.

„Ich bin eher die Eule als die Lerche. Und ich arbeite lieber sorgfältig und bedacht als schnell und unter Zeitdruck.“ Frühaufstehen und Müssenmüssen: Beides Dinge, die ihn an „normaler Arbeit“ oft gestört haben. Sven studierte Politikwissenschaften, absolvierte eine Lehre als Schreiner, jobbte beim Fahrradhersteller Riese & Müller, als Bühnenhandwerker im Staatstheater Darmstadt und als Aufseher im Hessischen Landesmuseum. „Ich habe lange gebraucht, um mich beruflich festzulegen. Mir fiel es schwer, mir vorzustellen, dass ich die gleiche Arbeit bis an mein Lebensende mache.“ Bei seiner jetzigen Stelle ist das anders: Sven arbeitet seit zehn Jahren beim Werkhof Darmstadt e. V. als Anleiter in verschiedenen Fahrradprojekten, aktuell in der Werkstatt-Süd. „Im Werkhof gefällt mir der soziale Auftrag und die Diskussionskultur. Ich mag es, dass man mitreden kann.“ Ein anderer Ort in Darmstadt, an dem er gerne mitwirkte, war das ehemalige 603qm. Hier hat er sehr viel produktive Zeit verbracht. „Am Anfang dachte ich, da gehen nur Schnösel hin. Aber dann habe ich dort 70 Prozent meiner Freunde kennengelernt.“

Sven engagierte sich hier unter anderem im Liveteam des 603qm, dass für Konzerte zuständig war. Seine eigene Reihe „Labor“ mit musikalischen Experimenten stieß auf viel positive Resonanz. „Das Besondere daran war, dass es für alle Beteiligten eine Überraschung war, was rauskommt“, erinnert sich der 56-Jährige.

Ursprünglich kommt Sven aus Offenburg (nahe Straßburg), lebte lange im Odenwald, die meiste Zeit davon in Michelstadt. „Um rauszukommen, bin ich nach Darmstadt oder Heidelberg getrampt. In Heidelberg gab es zwei großartige Plattenläden, das Elpi und das Klaatu. Die haben mich geprägt.“ Damals sammelte er Platten, war aber nicht musikalisch aktiv. Heute ist er beides: Sammler und Musiker. Mit seiner „12 Volt Disko“ tritt er auf Events auf oder spielt mit Freunden im Herrngarten (und spontan auf Flohmärkten) elektronische Musik.

In der Vergangenheit organisierte er außerdem Ausstellungen mit lokalen Künstler:innen („Kunst? Nein danke, ich hab zu tun.“), war als Darsteller – legendär: als Jochen-Partsch-Parodie „Mad Jochen“ – in Filmen des viel zu früh verstorbenen Darmstädter Regisseurs Axel Röthemeyer zu sehen, und ist mit dem selbstkomponierten Ohrwurm „hot spot – hot hit“ auf dem P-Sampler Vol. 2 vertreten. Musik liebt Sven noch immer. Man trifft ihn regelmäßig auf Konzerten in der Oetinger Villa, im Schlosskeller, im Sumpf oder der Knabenschule. Aktuell wohnt er im Woogsviertel „in einer Wohnung mit viel zu vielen Sachen“. Aber Darmstadt hat es ihm angetan: „Die Szene hier ist sehr vielseitig und aktiv, das mag ich.“

 

12vdisko.bandcamp.com