Foto: Nouki Ehlers, nouki.co

Eine Katze, ein Affe, ein Kind, eine Person auf einem Rad und der Leierkastenmann. Der in der Wandarbeit von Eberhart Schlotter dargestellte Moment ist sowohl grafisch als auch inhaltlich einfach und unaufgeregt.

Eine Straßenszene ohne großes Heckmeck, ein wenig altbacken, vielleicht nostalgisch, große Gefühlsregungen bleiben aus – Drehorgelenthusiasten ausgenommen. Es passiert nicht viel in diesem Bild, irgendwie wirkt es aus heutiger Perspektive sogar langweilig. Nun hat es sich in unseren Kulturkreisen so ergeben, dass wir Langeweile im Regelfall als etwas Negatives wahrnehmen, als Zeitverschwendung. Dabei ist es genau umgekehrt, Langeweile ist das Gegenteil von Zeitverschwendung, es ist die Betonung der Zeit.

Es sind jene ereignisarmen Momente, in denen wir Zeit verstärkt empfinden können, ihr näher kommen. Leider fühlen wir uns in ihrer Nähe allerdings tendenziell unwohl und versuchen schnellstmöglich die nächste Zerstreuung. Wir wissen nicht so recht, was wir mit ihr anfangen sollen. Vielleicht kommt dieses Unwohlsein daher, dass eine Berührung durch die Zeit auch immer an unserer eigenen Sterblichkeit kratzt. Dabei reicht das Bewusstsein über ihre Anwesenheit schon vollkommen aus, um genussvoll in die mysteriösen Tiefen des Seins abzutauchen, gedanklich zu den Anfängen des Universums zu reisen oder einen Blick in die unendlichen Weiten der Zukunft zu werfen. Sie kann uns im besten Sinn klein fühlen lassen. In einer Welt, in der Individualismus so groß geschrieben wird wie heute und unsere aufgeblähten Egos der Dreh- und Angelpunkt für alles geworden sind, leisten derartige Erinnerungen einen wichtigen Dienst. In diesem Sinne: ein Lob auf die Langeweile und öde Kunst!

 

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jeden sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.

 

Artikel drucken Artikel versenden