Foto: Cora Trinkaus

Von der neu gestalteten Grafenstraße führt die eher unscheinbare Verbindungsstraße „Am Alten Landtag“ direkt zur Darmstädter Fußgängerzone, in die Wilhelminenstraße. Hier wohnt Daniel Baur seit gut einem Jahr in einer Zwei-Zimmer-Penthouse-Wohnung – mit Sonnenterrasse mitten in der City. „In einer Straße, deren Namen fast niemand, deren Lage aber fast jeder kennt“, so Daniel.

Der gebürtige Darmstädter lebte zwischenzeitlich im Heidelberger Raum, bis es ihn wieder zurück nach Darmstadt zog. Ganz neu ist die Wohnung nicht für ihn. Bereits acht Jahre zuvor durfte er sie sein Zuhause nennen. „Hätte ich mich damals nicht vergrößern wollen, wäre ich wohl nie weggezogen“, sagt er rückblickend.

Der Neuanfang

Vor ungefähr zwei Jahren wurde Daniels Leben auf den Kopf gestellt. Nach der Trennung von seiner Verlobten war er auf Wohnungssuche. Im Angebot waren „viel zu teure Wohnungen für viel zu wenig Wohnraum“. Dann kam Corona und der Job fiel weg. 15 Jahre lang arbeitete er im Marketing-Bereich. Zuletzt unterstützte er ein Start-up, das einen mobilen Baumarkt anbot, im Sponsoring. Als die Pandemie begann, lief das Unternehmen nicht mehr so gut und Daniel meldete sich arbeitslos.

Auf einmal kam alles zusammen. „Eine ziemlich beschissene Lage.“ Das Nichtstun war aber nichts für Daniel. Er fing an, Freunden und Bekannten zu helfen, ihre Wohnung zu renovieren und zu verschönern. „So konnte ich das Kreative aus der Marketing-Zeit in Räume stecken. Ich war auch schon immer handwerksaffin.“ Zum 40. Geburtstag bekam Daniel dann von seinen Freunden vier Kisten Qualitäts-Elektrowerkzeuge geschenkt – und mit der Zeit kamen immer mehr, die ihn fragten, ob er ihnen helfen könne, die Wohnung umzugestalten. Nach vielen positiven Zusprüchen von Freunden und weiteren Anfragen reifte in ihm der Gedanke, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Im Januar 2021 machte Daniel sich schließlich als Raumgestalter mit „[t]raum-konzept[e]“ selbstständig. Er lernte schnell, dass es als Selbstständiger auch immer mal wieder ruhigere Phasen gibt. Da kam es wie gerufen, dass ein Freund ihn fragte, ob er in der Comedy Hall als Servicekraft aushelfen wolle. Mittlerweile arbeitet er dort in Teilzeit und übernimmt auch mal die Abendleitung. „Es macht super viel Spaß, da alle Menschen, die dort hinkommen, gute Laune haben. Ich halte mich selbst für einen lustigen Menschen und arbeite jetzt am lustigsten Ort der Stadt. Besser hätte es gar nicht passen können“, erzählt er mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

Foto: Cora Trinkaus
Foto: Cora Trinkaus

Die neue alte Wohnung

Während Daniel übergangsweise in einem Ein-Zimmer-Appartement im Komponistenviertel wohnte, meldete sich überraschend sein alter Vermieter bei ihm und berichtete, dass seine alte Wohnung wieder frei sei und ob er Interesse hätte. „Ich war sehr dankbar für dieses Angebot und sagte sofort zu.“ Angekommen in der neuen alten Wohnung „musste erst mal wieder einiges auf Vordermann gebracht werden. Mit sehr viel DIY und Werkeleien gestaltete ich ein wundervolles neues Zuhause.“

Daniel arbeitet gerne mit Modulen einer schwedischen Möbelhauskette, die er dann aufpimpt. Ein Küchenschrank wird dann mal zum hängenden Sideboard, umrandet mit abgeflammten Holzplatten. Die ursprünglichen Möbel sind so auf den ersten Blick nicht mehr als solche zu erkennen und haben den Vorteil, dass sie jederzeit wieder zurückgebaut oder mit Modulen erweitert werden können, erklärt er.

Den Mittelpunkt der Wohnung bildet der Küchen-/Wohnbereich. Vor einer anthrazitfarbenen Wand stehen Sofa und Wohnzimmertisch. Daneben ein königsblauer Retro-Kühlschrank (natürlich mit aufgeklebter Lilie!), der den Übergang zur Küche einleitet. Es ist so ordentlich und klar eingerichtet, dass man sich fast in einem Einrichtungshaus wähnt. Jedes noch so kleine Detail scheint farblich abgestimmt zu sein.

Der schon große Fernseher hängt mit einer Metallkonstruktion seitlich an der Wand befestigt und kann zur Seite geklappt werden, um den noch größeren „Fernseher“ – den Beamer – für Kinoabende nutzen zu können. Über dem Fernseher an der Decke befindet sich ein kleines skurriles Detail: Eine kleine Espresso-Tasse klebt kopfüber an der Decke, samt Kaffeerand, Schoko-Kugel und Pflänzchen. Die „Dekotasse“ wandert immer von Wohnung zu Wohnung, erzählt Daniel. Die „Lindor“-Kugel erinnert an seinen verstorbenen Vater, der diese so gerne naschte.

Durch die lange Glasfront geht es raus auf die großzügige Terrasse. Zum Innenhof gerichtet, bekommt man hier nicht viel mit vom Trubel der Stadt. Abends sitzt Daniel gerne auf einem der Sessel und genießt die Abendsonne. Oft wird hier zum Abendessen gegrillt. Noch ganz fertig sei die Terrasse nicht, erzählt der 41-Jährige, es gäbe noch einige Ideen zur Umgestaltung.

Foto: Cora Trinkaus
Foto: Cora Trinkaus
Foto: Cora Trinkaus

Baseball-Love

Im Eingangsbereich fungieren abgeflammte Dachlatten als Raumtrenner zwischen Flur und Wohnbereich. Baseballkappen an der Wand und kaputte Holz-Baseballschläger der letzten Jahre lassen auf Daniels Leidenschaft schließen: Bereits als Kind traf er sich regelmäßig mit anderen Jungs zum Baseballspielen auf dem Bolzplatz. Bald sollte daraus der Verein Darmstadt Whippets entstehen. Gegründet von zehn Baseball-begeisterten Jungs im Alter zwischen elf und 15 Jahren. „Wir hatten immer nur zum Spaß gespielt, wollten dann aber auch mal gegen andere zocken und haben daraufhin den Verein gegründet.“ Im Mai 2022 feierten die Whippets ihr 30-jähriges Jubiläum. „Ich freue mich immer wieder, wenn ich heute kleine Kinder oder Erwachsene sehe, die mit Baseballmütze von unserem Verein herumlaufen“, erzählt Daniel strahlend.

Vielseitig beschäftigt

Jetzt ist er „erst einmal froh, wieder hier zu sein“ und schätzt „die großartige Lage: Du gehst raus aus der Tür und bist sofort am Luisenplatz – oder schnell die Wilhelminenstraße hoch auf den Theatervorplatz, einen der schönsten Plätze Darmstadts.“ Seit Oktober 2021 unterstützt Daniel dort einen seiner besten Freunde, der das Catering im Staatstheater übernommen hat: „Das ist kein Arbeiten im klassischen Sinne, man verbringt Zeit zusammen und bewirtet Gäste. Es ist toll, etwas Neues mit entstehen zu lassen – und dann auch noch mit einem seiner besten Freunde zusammenzuarbeiten. Es ist wirklich schön und macht Spaß.“

Daniel ist vielseitig beschäftigt: tagsüber mit Raumkonzepten, abends in der Comedy Hall oder im Staatstheater. Früher in seinem Job im Marketing oder auch Messebau sei er nicht glücklich gewesen, erzählt er. „Ich habe immer nur temporäre Dinge geschaffen, die nie von Dauer waren. Doch die letzten zwei Jahre ging es nur noch bergauf. Jetzt bin ich super glücklich im Leben und im Job“, sagt er sichtlich zufrieden.

 

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