Foto: Thomas Ott

Ein massiger Körper aus Cortenstahl, rostfarben, nach vorne geneigt. Aus der Nähe sieht man die Schweißnähte, die kantigen Übergänge, die industrielle Herkunft des Materials. Die Oberfläche ist nicht glatt, nicht einladend, sie zeigt, was Stahl ist, wenn man ihn nicht verkleidet. Erst mit etwas Abstand tritt eine Figur hervor: ein Rumpf, eine Haltung, jemand der sich nach vorne bewegt oder auf einer Brücke balanciert.

Der Stoptrickfilm arbeitet mit einer ähnlichen Logik. Ein Gegenstand wird Bild für Bild verschoben, fotografiert, wieder verschoben. Auf der Leinwand entsteht dann Bewegung, aber eigentlich ist jedes einzelne Bild ein Moment des vollständigen Stillstands. Das Faszinierende: Schon ein einziges dieser Bilder reicht, um Leben zu suggerieren. Eine Teekanne, die sich aufrichtet. Ein Stuhl, der einen Schritt macht. Es braucht keine Augen, kein Gesicht, keine erkennbare Anatomie. Nur eine Haltung, die Absicht verrät. Nur eine Form, die so positioniert ist, dass man unwillkürlich fragt: Was hat sie gerade getan? Was wird sie als Nächstes tun? Genau das macht Franz Bernhards Skulptur. Sie zeigt keinen Menschen im naturalistischen Sinne, aber sie zeigt Körperlichkeit: Gewicht, Druck, Richtung.

Das Material verstärkt diesen Eindruck noch. Cortenstahl rostet kontrolliert und bildet eine Schutzschicht aus sich selbst heraus. Er wirkt nicht wie Metall, das etwas darstellt, sondern wie etwas, das tatsächlich beansprucht wurde, das Spuren trägt. Als hätte der Stahl diese Haltung nicht immer gehabt, sondern sie sich irgendwann angeeignet, unter Druck, über Zeit. Vielleicht ist das der Kern von Bernhards Arbeit, dass er Figuren nicht baut, sondern in Materialien findet. Herausgelöst aus einem Zusammenhang, der sich nicht mehr rekonstruieren lässt und trotzdem lesbar ist. Wie ein einzelnes Bild aus einem Film, den man nie gesehen hat.

Foto: Thomas Ott

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jede:n sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.