Foto: Nouki Ehlers, nouki.co

Knapp fünf Meter hoch ragen die geometrischen Einheiten dieser Skulptur in den Himmel. Die für Cortenstahl typische Rostschicht bedeckt das gesamte Objekt – und wären Material und Größe der Arbeit weniger monumental, könnten die ordentlich gefalteten Würfel durchaus an Origami erinnern.

Das liegt vielleicht auch daran, das Ordnung im Werk von Hagen Hilderhof tatsächlich eine große Rolle spielt. Es verwundert mit Blick auf Titel und Objekt nicht wirklich, dass Hilderhof Sohn eines Mathematiklehrers ist. Wer sonst käme denn auf die Idee, seine Werke aus einzelnen Parallelepipeden zu konstruieren? Auch wenn die exakten Wissenschaften und die oft nicht so exakte Kunst für die meisten Menschen zwei sehr unterschiedliche Paar Schuhe sind, so haben diese Disziplinen mehr gemeinsam, als man landläufig gerne anerkennt. Und diese Gemeinsamkeit drückt sich in einer im besten Sinne gemeinten Pedanterie aus, einer an Wahnsinn grenzenden Lust am Detail. Besessen zu sein von Präzision und Genauigkeit, kann im Alltag manchmal hinderlich sein, führt in breiterer Betrachtung aber zu den besseren und vor allen Dingen nachhaltigeren Ergebnissen, Erkenntnissen und Kunstwerken.

Tatsächlich wüssten wir ohne die Haarspalterei doch bis heute nicht, woraus ein Haar eigentlich besteht. Kleinkariert im richtigen Kontext bedeutet 4k statt 240p. Bedingungslose Hingabe und Neugier, produktive Unzufriedenheit mit dem Stand der Dinge und der Wille zur Veränderung: Das alles sind Qualitäten, die einen echten Pedanten auszeichnen. Und zum Glück gibt es ausreichend Menschen, die sich vom schlechten Ruf der Pedanterie nicht schrecken lassen. Sonst wüssten wir bis heute nicht, was ein Virus eigentlich ist und würden stattdessen verzweifelt in Richtung Hölle husten.

 

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jeden sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.

 

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