Foto: V. Rendel & K. Blinde
Foto: V. Rendel & K. Blinde

Das surfende Alien blickt mir mit seinen ovalen, schwarzen Augen entgegen. „Mit 13 Jahren war ich mit meinen Eltern in Rimini. Auf dem Konzert von Rory Gallagher [irischer Gitarrist und Singer-Songwriter, Anm. d. Red.] lief es mir den Rücken rauf und runter!“ Nur schwer kann ich den Blick von dem ungewohnten Poster lösen, das an Hans Weills Wohnzimmertür hängt. „Seit diesem Tag war für Dich also klar, dass Du Bluesmusiker werden willst?“, hake ich nach. „Richtig. Da wurde es aktiviert“, antwortet Hans.

Hans „The Boogie Man“ Weill sitzt entspannt in seinem Wohnzimmersessel, raucht eine Zigarette, und plaudert mit mir über sein Leben. Der gebürtige Münchner, der seine Jugend in Frankfurt verbrachte, zog vor über 30 Jahren nach Darmstadt, um eine Ausbildung zum Erzieher zu absolvieren. Den Abschluss in der Tasche entschied er sich dann 1978, hier zu bleiben, und neben der Arbeit als Erzieher seine große Leidenschaft auszuleben: die Musik. Mit dem Idol Gallagher vor Augen, dessen ehrliche Spielfreude Hans stark beeindruckt hat, entwickelte er sich zum „Boogie Man“. Die Geburt des Namens geht auf einen der vielen Auftritte Hans Weills mit seiner ersten Band, den Darmstadt Rock’n’Rollers, zurück. Peter Gleichauf, der damals zusammen mit Tili Wenger die Goldenen Krone betrieb, verband mit Hans’ Energie-geladener Vorstellung den Begriff des Boogie Man. „Wenn ich auf der Bühne stehe, dann hab ich das Gefühl, da ist ein dicker, schwitzender Farbiger in mir drinne. Ich entfalte meinen eigenen Stil in Verbindung mit diesem Boogie Man“, so Hans, der mit Kurt Weill, dem Komponisten der „Dreigroschenoper“, verwandt ist. Zurzeit ist der Frontsänger der The Very Special Guests Rhythm & Blues Band ein gern gesehener Gast der Jamsessions im „Spritzehaus“ in Frankfurt, die dort jeden Dienstag stattfinden. Außerdem wird er beim Burg Herzberg Festival im Juli 2013 erneut als Gastsänger der Freak City Band auftreten.

Und dann muss ich doch noch fragen: „Sag mal, Hans, woran glaubst Du? Ich sehe hier eine Buddha-Statue, Bilder von Jesus, einen Hausaltar, Abbildungen von Aliens. Wie passt das alles zusammen?“ Er erklärt mir daraufhin, dass Gott, Buddha, die Außerirdischen, alle ein Teil einer großen Schöpfungskraft sind. Aber nicht nur das: Er, der ausgebildete Geistheiler und Trainer für Entspannungstechniken und Meditation, stehe selbst in Kontakt mit der Schöpfungskraft und arbeite als „Kanal für die von ihr zur Verfügung gestellten heilenden Energien“. Freunden und Verwandten hilft er so, ihre Schmerzen zu lindern, und unterstützt sie mit positiven Gedanken. Fernheilung nennt er das. Wie aber funktioniert so etwas, frage ich ihn verblüfft. Hans Weill lächelt, und antwortet: „Das Zauberwort heißt spirituelle Liebe“.

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