Foto: Nouki Ehlers, nouki.co

Einige Dreiecke in kräftigem Grün, lose miteinander verbunden und von der Fassade eines Hauses hängend. Dieses Kunstwerk ist weder physisch noch formal herausragend, nicht überdimensioniert oder knallig im Farbton, sondern im Gegenteil ruhig und konzentriert. Die schlichten Formen erinnern an gefaltetes Papier. Vielleicht war der Künstler, so wie viele andere seiner Kolleginnen und Kollegen, von japanischer Philosophie und Kultur fasziniert, oberflächlich betrachtet könnte dieses metallische Efeugewächs definitiv als Origami durchgehen.

Die Faszination westlicher Künstler:innen gegenüber den ästhetischen und spirituellen Lehren und Praktiken des fernen Ostens hat eine lange Geschichte und hält bis heute an. Vielleicht liegt das an der Gegensätzlichkeit grundlegender Narrative: Während im Westen das Genie und der damit verbundene Individualismus den Kern künstlerischer Tätigkeit bilden, gibt es in Japan Traditionen, die das Auslöschen des Egos durch Wiederholung der stets gleichen Bewegung oder Form zelebrieren. Wie das mannigfache Falten von Papier, die stark ritualisierte Zubereitung von Tee oder die Perfektionierung eines einfachen Faustschlages über den Verlauf eines ganzen Lebens. Es ist seltsam und auch unerklärlich, wie und warum dieses obsessive Verhalten Schönheit hervorbringt. Klar ist aber, dass die Beschränkung der eigenen Handlungsfreiheit besondere Energien freisetzen kann, die sich sogar übertragen und spüren lassen – sonst wäre dieser Efeu vermutlich schon vor langer Zeit verrostet oder verwelkt.

 

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jede:n sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.

 

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