Foto: Nouki

Drei große, schlichte Scheiben ruhen in einer von niedrigen Wänden gefassten Fläche, als hätte man ihnen einen stillen Vorhof geschaffen. Stein und Wasser teilen sich diesen Ort, ohne sich zu berühren, der eigentliche Brunnen liegt abgesetzt, als gehöre er zu einem anderen System. Diese Trennung wirkt nicht zufällig.

Der Künstler Herbert Behrens, der zur sogenannten „Verlorenen Generation“ gehörte, wuchs in einer Zeit auf, in der die Erfahrung des Ersten Weltkriegs jede Illusion von ungebrochener Harmonie zerstörte. Vielleicht erklärt das die Klarheit und Strenge, mit der hier gestaltet wurde. Der Kreis, formvollendet und ohne Anfang oder Ende, kann als Inbegriff von Ordnung gelten, und doch birgt er ein Geheimnis, das sich nicht ganz auflösen lässt. Die Zahl Pi, mit ihren unendlich vielen Nachkommastellen, ist dafür Sinnbild und Rätsel zugleich: eine mathematische Präzision, die nie abgeschlossen ist. Der mittlere Kreis erinnert an eine geschlossene Blende, als verschließe er einen Blick ins Innere. Die beiden äußeren Kreise tragen konzentrische Vertiefungen, die sich endlos wiederholen – wie Wellen oder Ringe im Wasser. Zwischen ihnen entsteht eine stille Spannung, Wiederholung, Fokus, Verschwiegenheit.

Es ist eine Komposition, die den Kreis nicht romantisiert, sondern ihn nüchtern nebeneinander stellt mit dem Alltäglichen, Funktionalen. Kunst und Technik, Form und Versorgung, bleiben klar getrennt. Und doch wirkt das Ganze nicht wie ein Gegensatz, sondern wie ein Arrangement, das beide anerkennt. Vielleicht ist das der eigentliche Zauber dieses Ortes: Er inszeniert keine Einheit, sondern Koexistenz. Drei Kreise, ein Brunnen, ein Hof – und zwischen ihnen ein stilles Einverständnis, das keine Worte braucht.

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jede:n sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.