Ein Mädchen aus Messing, mitten im Spiel. Die Figur neigt sich leicht nach vorn, die Arme ausgestreckt, das Diabolo nur angedeutet durch metallische Linien. Ihre Haltung ist konzentriert, fast gespannt, und doch scheint sie eine gewisse Leichtigkeit zu haben, als könne sie im nächsten Moment weiterlaufen.
Das vom Künstler verwendete Messingblech fasst sie in klare Konturen: keine Bewegung zu viel, keine unnötige Geste. Das Gesicht ist sorgfältig modelliert, die Zöpfe klar gezogen. Alles andere bleibt vereinfacht, beinahe skizzenhaft. In dieser Reduktion liegt etwas Kindliches, eine Nähe zu den Figuren der Augsburger Puppenkiste, die in den 1950er-Jahren schon zum festen Bestandteil der deutschen Nachkriegskultur geworden war. Auch dort entsteht Ausdruck nicht durch Realismus, sondern durch Andeutung.
Eine Handbewegung, ein Nicken, ein leichtes Neigen des Kopfes, gerade genug, um eine ganze Geschichte zu erzählen. Diese Art der Darstellung, halb lebendig, halb Abbild, erinnert auch an Pinocchio, die wohl berühmteste Puppe der Literaturgeschichte. Eine Figur, die den Wunsch nach Leben in sich trägt, aber zugleich in ihrer Künstlichkeit gefangen bleibt. Vielleicht ist es dieses Spannungsverhältnis, das Tomadas Skulptur so interessant macht. Sie zeigt nicht einfach ein Mädchen beim Spiel, sondern ein Bild vom Spielen selbst, das Ringen zwischen Kontrolle und Bewegung, zwischen dem Festgehaltenen und dem Lebendigen. Das Diabolo spielende Mädchen bleibt in diesem Zwischenraum. Es bewegt sich nicht – und doch ruft es Bewegung hervor. Vielleicht ist das seine eigentliche Kunst: aus Metall eine Geste zu formen, die offenbleibt und ein Spiel im Kopf der Betrachtenden weiterleben lässt.
Kunst im öffentlichen Raum
Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jede:n sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.







