Jay Woser_86
Foto: Jan Ehlers

Wenn es so etwas wie eine Darmstädter Supergroup gibt, dann wäre dieses Label sicherlich Jay Woser anzuheften: Sängerin Nadine Demetrio taucht überall auf, wo es einer souligen Stimme bedarf, Bassist Jan Nouki Ehlers ist unter anderem als P-Fotograf und Gitarrist von Decubitus und Sänger von Maladd in de tête stadtbekannt, Schlagzeuger Philipp Rittmansperger als Produzent und mit seinem Musikprojekt Phil Fill bundesweit unterwegs und Keyboarder Lukas Lehmann als omnipräsenter DJ aktiv. Ihre Musik beschreibt die Band als „Portishead auf Glückshormonen“, Ende August erscheint ihre erste Veröffentlichung „Ikarus“. Ein Grund für das P, sich mit Nadine und Lukas auf ein Bier in der lauschigen Datterich Klause zu treffen.

Angefangen hat alles vor knapp vier Jahren als Experiment: Inspiriert von den Black Keys hatte Nadine zu Hause einen Song gebastelt, den sie Nouki vorspielte, der ihn wiederum Philipp zeigte. „Wir haben dann ein bisschen gejammt. Richtig ernst wurde es erst, als Lukas dazukam“, erinnert sich Nadine lachend. Bei so viel gestandenen Musikern könnte man erwarten, dass die Zusammenarbeit sich bisweilen auch schwierig gestaltet. Aber Nadine wiegelt gleich ab: „Es gab nie große Diskussionen, wir waren uns nie uneinig.“

Die Homebase ist das Lui Hill Studio von Philipp und Lukas in der Goebelstraße. Dort entstanden die meisten Lieder, dort wurden sie eingespielt. „Es kommt vor, dass Nouki mich anruft und sagt, er hatte letzte Nacht eine Idee, die unbedingt festgehalten werden muss. Dann können wir das im Studio sofort umsetzen“, erläutert Lukas den Prozess. So ist das Studio Ort der Inspiration und bietet gleichzeitig die nötige Infrastruktur, um Liedskizzen festzuhalten und weiterzuentwickeln.

Natürlich ist es bei so umtriebigen Menschen nicht leicht, ein weiteres Projekt im vollen Terminkalender unterzubringen. Aber im Gespräch merkt man sofort, dass der Spaß am gemeinsamen Musikmachen und die Zusammenarbeit mit befreundeten Künstlern, die Lust auf etwas ganz Neues haben, alle motiviert. Gerade für Nadine, die als Frankfurterin zusätzlich die Anfahrt nach Darmstadt auf sich nehmen muss, besteht kein Zweifel: „Es funktioniert und ist eine interessante Mischung, das macht echt Spaß.“ Ein wichtiger Aspekt, so Lukas, sei auch, dass die Band über ihre Musik und die Vermarktung selbst bestimmen könne.

Ursprünglich lief das Projekt unter dem sperrigen Namen Japanese Wolves of South America, unter dem es vor zwei Jahren auch den ersten und umjubelten Auftritt bei der „5 Jahre P“-Party in der Weststadt hatte. Aus den Initialen der ursprünglichen Bezeichnung wurde dann das griffige, aber nicht weniger geheimnisvolle Jay Woser geboren. Auch die Fantasie-Genre-Eigendefinition als „St. Kilda/Postfuture Blend“ wirkt erstmal etwas kryptisch: „Wir wollen uns nicht in eine Schublade stecken lassen“, begründet Nadine die Selbstbeschreibung. „Wir kommen aus so unterschiedlichen Richtungen, werfen das alles in einen Topf, rühren um und das Ergebnis ist dann etwas ganz Eigenes.“ Eine Mischung aus Indie Pop, Trip Hop und Psychedelic Rock.

Auf einen festen Gitarristen wird verzichtet. Für Liveauftritte und die Aufnahmen greifen „Jay Woser“ auf Philip Meloí (Okta Logue) und Deniz Alatas (Durden) zurück. „Wir finden das einfach reizvoll, die Freiheit zu haben, zu sagen, das bei einem Song wie ,The Streets‘ Philip besser reinpasst, während bei ,Bird in a Hand‘ Deniz einfach genau der Richtige ist. Außerdem hat in vielen Bands der Gitarrist eine dominante Rolle, das wollten wir nicht“, erklärt Lukas.

Die Veröffentlichung von „Ikarus“ war ursprünglich schon für 2015 geplant. Aber wie so oft kommt es anders, als man denkt: Philipp zog nach Berlin, die Festplatte mit den Aufnahmen ging kaputt, die Geburt eines Kindes kam dazu, an einigen Songs wurde weiter gefeilt und auch das Mixen hat am Ende länger gedauert als geplant. Nadine sieht das aber eher positiv: „Wenn du an etwas so lange feilst, dann willst es auch richtig machen. Deshalb haben wir uns am Ende noch etwas mehr Zeit genommen.“

Jetzt erscheint die EP mit fünf Songs also endlich. Physisch erhältlich auf Vinyl, aber auch digital über einschlägige Portale. Beim Reinhören in „Ikarus“ zeigt sich, dass Jay Woser in der Tat einen sehr eigenständigen Stil entwickelt haben. Die Musik eignet sich für einen warmen Sommerabend, Soul trifft auf elektronische Musik, Funk wird mit durchaus rockigen Abschnitten garniert, das Ergebnis setzt sich sofort im Ohr fest.

Aber warum nur eine EP und nicht ein ganzes Album? „Wir hätten auch zehn, elf Lieder drauf packen können, aber uns waren fünf wirklich starke Songs plus zwei Remixe lieber“, begründet Lukas die Wahl. „Ich selber habe EPs wie beispielsweise die Eins, Zwo ,Sport‘-EP immer gemocht. Es ist ein selten genutztes, aber echt cooles Format.“ Die Entscheidung für Vinyl war ebenfalls bewusst. „Ich sehe keinen Sinn in einem CD-Release. Entweder du hörst die Musik auf deinen mobilen Geräten oder du entscheidest dich halt für Vinyl, weil es besser klingt, die Platte groß ist, ein schönes Artwork hat … und weil es ein bisschen knistert.“

Alles soll offen bleiben

Auf die Frage, was den Hörer erwartet, greifen Lukas und Nadine nicht auf die Musik zurück, sondern verweisen lieber auf den Text des Titelsongs „Ikarus“: „All I do is follow the sun in me. Maybe I could fall, maybe I ain’t right – but at least I have to try,” heißt es da und das Ende bleibt bewusst offen. Diese Offenheit ist für die beiden das zentrale Leitmotiv von Jay Woser. Neben den fünf Songs steuerte das befreundete Wiesbadener House-Duo Fischer & Kleber zwei Remixe bei, die den Titelsong in ein eher sphärisches beziehungsweise clubtaugliches Gewand gepackt haben.

Nach dem Release soll es dann im Frühjahr 2017 auf eine größere Tour gehen, definitiv durch Deutschland und wahrscheinlich auch einige Nachbarländer. Ansonsten bleiben Nadine und Lukas dem Jay-Woser-Motiv treu: Alles möglichst offen lassen.

 

Release-Party in der Wessi

Am 19.08. ist offizieller Release-Termin, sechs Tage später stellen Jay Woser ihr Debüt live in der „Wessi“ vor, anschließend legt Lukas Lehmann (Lui Hill Studio/Soulaboration) House- und Disco-Tracks auf.

Weststadtcafé | Do, 25.08. | 19 Uhr | 5 €

Win! Win! Das P verlost 3 Jay-Woser-Pakete, geschnürt mit jeweils einer Vinyl-Ausgabe der „Ikarus“-EP und zwei Gästelistenplätzen für die Release-Party: hier!

www.jaywoser.de

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