Er ist das Gesicht der Centralstation-Bar – bezeichnet sich selbst als „österreichischer Kaffeehauskellner“ und hat vermutlich die meisten Cocktails gemixt, die dieses Haus je gesehen hat. Der berüchtigte Kastellan der Centralstation wird nach 27 Jahren als Barchef seine Gäste künftig mit Kaffee und Wein statt mit Drinks und Cocktails versorgen. Denn im Darmstädter Kulturbetrieb hat der Gastronomiepächter gewechselt – und Pascal geht nun neue Wege.
„Den Shaker werde ich vermissen – nur zu Hause nicht. Negroni geht ja leicht.“ Was seine Lieblingsdrinks angeht, ist Pascal privat eher oldschool unterwegs: Am liebsten genehmigt er sich nach getaner Arbeit, ganz klassisch, einen Gin Tonic. „Aber auch mal einen Spritz“ – wie er ihn seit 2009 definiert: mit Campari, „so wie ihn die echten Fans trinken“.
Um 18 Uhr hat Pascal heute im Vinocentral Feierabend. Eine fast absurde Uhrzeit für jemanden, für den über 27 Jahre genau dann erst die Schicht begann. Pascal spricht von mehr Privatleben – nur mit dem Umstand, plötzlich fast jeden Tag um halb acht aufzustehen, tut er sich noch schwer. Dafür kann er den Feierabend jetzt mit seinen Liebsten verbringen. Vermissen wird er jedoch das gemeinsame Mittagessen mit seiner Tochter.
Auch das „tolle Programm der Centralstation“ kann er nun ohne Tatendrang genießen. Heute geht er nach – früher vor – der Barschicht gerne ins Kino, am liebsten ins Programmkino Rex. An freien Tagen zieht es ihn auch mal ins Theater oder in die Oper. „Ohne Musik geht’s im Alltag nur wenig“, sagt er. In jeder freien Minute läuft bei Pascal das Kulturradio hr2. Und manchmal steigt er einfach aufs Mountainbike – raus in den Stadtwald, ein bisschen Strecke machen, den Kopf frei bekommen.
Für viele eine feste Konstante
Aufgewachsen in Eberstadt und Umgebung zog es Pascal früh in die Gastronomie. Vor rund 40 (!) Jahren arbeitete der heute 59-Jährige im Service des „Blauen Ofen“. Nach einem Intermezzo im Schwarz-Weiß-Café folgten acht Jahre im „alten“ Café Mathildenhöhe, dann Weststadtcafé, bevor im Frühjahr 1998 sein längstes Kapitel begann: die Centralstation. Dort wurde Pascal sofort einer von fünf Barchefs – zunächst im Saal, später im Zwischengeschoss an der Cocktailbar, die wie ein Raumschiff an der Decke der Konzerthalle zu hängen schient. Ein Ort, an dem er bis zuletzt Drinks mixte, Gespräche führte und für viele Gäste zur festen Konstante wurde.
Auch politisch engagierte sich der Barchef mit dem charmanten Lächeln: Von 2006 bis 2011 war er SPD-Stadtverordneter und ist bis heute bekennender Sozialdemokrat. An seinem letzten Arbeitstag wurde er zudem Mitglied im Förderverein Kulturfreunde Centralstation – und ist damit, wie er selbst sagt, „auf ewig mit dem Haus verbunden“.
Von der Centralstation ins Vinocentral
Nach dem Pächterwechsel Anfang April 2026 übernimmt nun ein neues Team die Gastronomie der Centralstation. Für Pascal war nach einem Gespräch schnell klar: „Hier sehe ich mich in Zukunft nicht.“ Da er jedoch seit der Gründung vor 33 Jahren immer mit dem Vinocentral verbunden war, lag es nahe, gewissermaßen dorthin zurückzukehren. Sein Arbeitsalltag hat sich verändert – nicht nur wegen der Zeiten: „Hier gibt’s tagsüber mehr Café, abends mehr Wein.“
Während er in der Cocktailbar oft allein gearbeitet hat, erlebt er Gastronomie nun wieder stärker als das, was sie für ihn eigentlich ist: „Teamarbeit“. Gleichzeitig ist er näher an den Gästen als zuvor. In die Welt des Weins arbeitet er sich noch ein, sammelt Wissen, findet Worte. „Ich will den Gästen auch etwas über die Weine erzählen können.“
Und so steht er jetzt an einem anderen Tresen, zu anderen Uhrzeiten, mit anderen Flaschen vor sich – und ist doch derselbe geblieben. Einer, der zuhört, einschenkt und den Moment ein kleines bisschen schöner macht.







