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Foto: Jan Ehlers

Das analoge Musikzeitalter hatte durchaus seine Vorteile, was nicht nur an dem immensen Anstieg der Analogsynthesizer-Preise (nach kurzzeitigem Preisverfall direkt nach Einführung von digitalen Tasteninstrumenten) abzulesen ist. Nein, früher, als es noch Kassetten gab und somit auch Kassettenradios in PKWs, war es noch möglich, als Verkehrsunfallopfer durch die beim Aufprall gehörte Musik stark zur Mystifizierung der eigenen Person prä mortem beizutragen.

Das Internet gibt da ausnahmsweise nicht so viel her. Ich war mir sicher, dort Informationen zu finden, welche populären Menschen bei welchem Lied in ihrem Auto umkamen. So das Wrack nicht brannte, entnahmen Sanitäter, Polizisten, Verwandte oder Paparazzi einfach dem Deck das Tape und hörten, was denn da gerade dran war. War es vielleicht Suizid? Hörte der Verblichene gerade Black Sabbath, Joy Division, The Cure – oder war er ein verträumter John-Lee-Hooker-Fan? Das ganze wahnsinnige Mordgemetzel von diesen skandinavischen Düster-Ultra-Bands, die Knochensplitter von Schädeln verblichener Feinde als Gitarrenplättchen oder Diaphragma benutzen, gab es zur echten Kassettenteil-Zeit ja erst marginal. Aufgrund fehlendem Wissen bleibt dem phantasievollen Zeitgenossen nur waghalsiges Mutmaßen.

Gut, hätte man bei Thorsten Fenslau, das war bereits tief im CD-Zeitalter, eine Jam & Spoon-CD im Player gefunden, so wüsste man nahezu, was lief. Andersrum hätte man bei Herrn Löffel auch auf eine Culture-Beat-CD im Fünf-Fach-Wechsler stoßen können. Fahren sich heute Prominente zu Tode, zieht der Forensiker den USB-Stick aus dem Port, und keiner wird je erfahren, welcher der 16.343 Songs denn nun als Letztes wahrgenommen wurde. Welches ich tragisch finde. Ist ja auch ein tragischer Artikel.

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