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Foto: Daniel Wildner

Wortblind sind schon lange keine Unbekannten mehr. Nicht nur, weil die Darmstädter bereits seit fünf Jahren existieren, sondern weil sie mit ihrem Mix aus intelligentem deutschen Rap und Rockmusik überzeugen können. Weil sie ihr eigenes „Tag und Nacht Studio“ besitzen, welches sie in Zusammenarbeit mit den befreundeten Musikern der Sound-Section aufgebaut haben. Weil sie ihre eigene Plattenfirma „Dyslexie Records“ gegründet haben, auf dem ihr Debüt-Album „Wenn der Staub sich legt“ veröffentlicht wurde. Und weil sie bereits zwei Deutschlandtouren hinter sich brachten. Genug Stoff, um sich die fünf Jungs mal vorzunehmen und sie mit ihren stilistischen Vätern zu konfrontieren. Wortblind bestehen aus Sänger und Rapper Stephan, Drummer Patrick, den beiden Gitarristen Daniel und Max sowie André am Bass.


Mädness feat. 47 Million Dollars „Wendepunkt“

Großartiges Zusammenspiel der beiden Darmstädter Projekte auf der streng limitierten, daher bereits ausverkauften Split-Single des Darmstädter Labels Decoy Industry.

Stephan: Haha, geil. [singt mit] „… Mädness du bist’n Gude, mein Freund“.
Max: Das haben die doch auch zusammen auf der Release-Show gespielt.
S: Beim Mädness-Album-Release im 603qm ja, saustark. Und die haben auch ’ne Split-EP rausgebracht.
André: Von wem ist das?
S: 47 Million Dollars und Mädness.
M: Ich hab das Mädness-Album rauf und runter gehört, aber das kannte ich nicht.
S: Ist auch eine der besten Hooks, die er hat.

 

Beastie Boys „An Open Letter To NYC“

Thema ist der Terroranschlag von 9/11 und die Zuneigung zu ihrer Hometown. Als Gitarrensample enthalten: „Sonic Reducer“ von den Dead Boys.

A: Ich kenn’s nicht.
S: Alle gucken mich an und wollen, dass ich sage, dass ich’s kenne, aber ich kenn’s auch nicht.
Daniel: Komm schon, das ist Dein Job.
S: Das ist geil gemacht. Klingt, als würden die im Flur stehen. Erinnert mich krass an die Outlaws. Von Tupac die Jungs.
M: Sind das die Beastie Boys?

Ja.

S: Die haben krasse Sachen gerissen und ich kann nachvollziehen, wie wichtig die sind. Aber ich muss sagen, die Beastie Boys habe ich nie abgefeiert. Ich bin warscheinlich zu jung?!

 

Deichkind „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) (Scooter Remix)“

H.P. Baxxter mit einem eher fragwürdigen Dance-Remix des Deichkind-Hits.

A: Du jagst uns ja jetzt gefühlt durch alle Genres.
S: Warte, warte, warte.
Alle [nach Einsetzen des Gesangs: großes Gelächter] Scooter!
M: Das war aber keine Singleauskopplung von Scooter, oder?
S: Deichkind!
A: Ist jetzt aber peinlich für uns, dass wir’s nicht gleich erkannt haben. Wir covern den Song doch.
S: Ich kam gerade nicht drauf. Der Clou ist ja, dass ich damals wahrscheinlich mehr Songs von Scooter abgefeiert habe als heute von Deichkind.
M: Das neue Album von Deichkind ist stark.
D: Du hast uns das doch im Proberaum vorgespielt. Wie hieß der eine Song? Der Hackfleischmann?
M: „Ein Herz aus Hack“, ein großartiger Track.
Alle: Das Stück gerade ist aber schrecklich.

 

Baggefudda „Oldschool“

Zum Thema HipHop: „… Als wir damit angefangen haben, lief’s noch nicht in den Charts, das war so um die Zeit rum, da war der Michael noch schwarz …“.

M: Baggefudda, ganz klar!
S: Wusste gar nicht, dass Du so drin bist in der Darmstädter Rap-Szene!?
M: Die Stimme ist halt einmalig. Und hör Dir mal die Gitarre an, eiskalt. Starkes Stück.
S: Krass, ich muss unbedingt rausfinden, von wem die Samples sind. Saugeil gemacht.

 

Gunter Gabriel „Haus am See“

Der vom Leben gegerbte Gunter covert Peter Fox. Funktioniert sauber dank tollem Arrangement und seiner tiefen und brüchigen Stimme.

S: Wenn wir akustisch spielen, klingt das fast genauso. Ist das Thomas D mit Rückenwind?
M: Das ist Peter Fox.
D: Oh Gott, ich will’s nicht sagen. Ist das Gunter Gabriel? Krass, das ist super cool.
S: Gunter Gabriel ist so einer, mit dem willst du mal ’nen Kasten Bier leer saufen. Also er darf nichts trinken, weil er wahrscheinlich trocken ist mittlerweile.
D: Den konntest du mal mieten. Der hat so seine ganzen Schulden beglichen.
S: Was kann der denn für Geschichten erzählen!? Unfassbar. Das ist einer, dem kannst du an den Lippen hängen. Daniel, wenn Du alt bist, klingst Du genauso.
D: Ich würd’s mir wünschen.

 

Manges „Paradies 2009“

Wunderschöner, nur mit Gitarrenspiel arrangierter Track vom Darmstädter Ausnahme-HipHop-Künstler.

S [Gleich nach dem ersten Ton]: Manges. Grandios! Das war auf dem Abschiedsalbum „Logistik“. War ja ursprünglich mit Beats hinterlegt und hat’s dann noch mal mit Gitarre aufgenommen. Wisst Ihr, was das Schöne an dem Song ist? Obwohl der so einen Glaubensbezug hat, so mit „Paradies“ und „Gott, dank ich dir“, ist es total nachvollziehbar, auch ohne, dass du diesen Glauben haben musst. Ich weiß genau, was er meint. Die emotionale Situation kommt super rüber. Die Gitarre ist auch wunderschön. Wir brauchen ein Feature mit’m Manges!

 

Anthrax „Bring the noise“

Public Enemy’s Klassiker. 1991 auf Wunsch von Anthrax neu aufgenommen. Einer der ersten frühen Rap/Metal-Kollaborationen.

M: Das ist Gwar! Bring the Noise? Wer ist das?
S: Run DMC? Typischer 90er Jahre Refrain. Könnte auch Dog Eat Dog sein.
M: Beastie Boys?
S: Der Witz ist gerade, dass wir mit den stilistischen Vorfahren unserer Musik konfrontiert werden, aber die Sachen nicht kennen.

 

Sir Mix-a-Lot „Iron Man“

Machte bereits 1988 gemeinsame Sache mit den Hardrockern Metal Church.

M: Black Sabbath, ist aber nicht das Original.
D: Cooler Rapgesang.
S [im Takt mitgerappt]: Die haben zu der Zeit doch alle gleich gerappt.

Das ist Sir Mix-a-Lot.

S: Bei unserer Album-Produktion haben die mich immer Sir Punch-a-lot genannt, weil ich immer die Punch-In-Sachen gemacht habe, wenn wir irgendeinen Take ausbessern mussten.
M: Kommt nicht in einem Dendemann-Song was über Sir Mix-a-Lot vor?
S: Sir Kiffalot, das ist Blumentopf. „Hier kommt der Willi Blunt aka der Helmut Soul aka der Alfred HipHop, der Edgar Allen Flow … Hier kommt der Alfred Mikrocheck aka der Harald Stift aka Sir Kiffalot …“

 

Fazit: Die äußerst sympathischen Jungs von Wortblind sind nicht nur trinkfest, sondern auch wortgewandt, musikbewandert und vor allem musikbegeistert. Das Ende vom Lied: Viel Spaß, ein Haufen leerer Bierflaschen, Musikfachsimpelei und sechs von acht Stücken erkannt.

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