Foto: Mathias Hill

Vor fast 14 Jahren haben wir an dieser Stelle über das heißeste Elektro-Duo der Stadt geschrieben, bestehend aus Aki Fresh und P-Kolumnist sowie P-Lattenladenbesitzer („Musik als Hilfe“) Gerald Wrede. Mit Alben wie „Do You Have Bird Meat“, „Arschlochkatze“ oder „Live im Gastspielhaus Am Tag Der Deutschen Sprache“ verbreiten sie seit 1992 Glück, Freude und Unverständnis in und um Darmstadt. Doch damit soll nun Schluss sein: Bormuth wollen sich auflösen, bevor die Abwärtsspirale des Rock’n’Roll sie erfasst, ihre Songs immer belangloser werden, sie nur noch bei HR 4 gespielt werden und ihre Auftritte bocklos in Mehrzweckhallen in Böblingen absolvieren. Da sie sich und uns dieses Schicksal ersparen und auf dem Gipfel ihrer Schaffenskraft abtreten, haben wir sie zu einem zweiten Duo-Spezial-Hörspiel eingeladen. Während wir sie beim ersten Mal unter anderem mit Simon & Garfunkel, DAF und Morrissey & Siouxsie konfrontierten, sind es nun … aber lest selbst!

Suicide „Jesus“

 

Das erste legendäre Duo ist eines aus New York: Alan Vega und Martin Rev haben in den 70ern den Elektropunk erfunden und waren mit ihren verstörenden Live-Auftritten stilprägend.

Das P: Gehen wir gleich in medias pro reo …!

Gerald: Sind das die Screamers [visionäre Elektropunk-Band aus Los Angeles]?

Gleicher Kontinent …

Gerald: Also Amerikaner! Wall Of Voodoo? Cabaret Voltaire? Suicide!

Ja, Letztere sind’s. Euer „Jesus“ mit dem Hinweis, dass der Heiland immer eine Schere dabei gehabt habe, wurde ja 2010 auf dem P-Sampler „In Darmstadt ist es prima“ veröffentlicht. Und was mir aufgefallen ist: In drei der vier großen „Jesus“-Songs der Musikgeschichte, die alle auch „Jesus“ heißen (also dem hier, dem von Velvet Underground, dem von Acid Jesus und Eurem), haben drei der vier Sänger ihr „Jesus“ selbst eingesungen, nur Acid Jesus nicht. Was sagt uns das?

Gerald: Nein, unser’s ist auch gesampelt.

Oh, das wusst‘ ich nicht! Der Trend geht also zum Jesus-Sampeln und nicht mehr Selbersingen.

Gerald: Genau! Wir haben’s einfach gemacht, aber die [Jörn Elling Wuttke und Roman Flügel von Acid Jesus] fanden’s auch super, da gab’s kein Problem! Unsere Version ist auch bekannter als deren – also in Frankfurt vielleicht nicht, aber in Darmstadt!

Aki: Ich hab am Wochenende übrigens erstmals Clowncore gehört.

Gerald: Ist das ein Genre oder eine Band?

Aki: Das ist ein Duo. Unglaublich abgefahrener Scheiß, mit Masken – schon Wahnsinn … Es wird gemutmaßt, dass der Schlagzeuger Louis Cole ist, der macht auch sonst ganz abgefahrenen Kram. Also auf Dauer kann das sehr anstrengend sein. Ich sag nur: Saxofon-Alarm! Aber trotzdem ganz toll: Mal schnell, aggressiv, mal sphärisch!

Gerald: Hab ich auf Youtube gesehen – die treten in ihren Videos in so einem kleinen Käfig auf. Aber mir war das zu viel Showing Off am Schlagzeug, das gibt Abzüge!

Aki: Nee, der Schlagzeuger ist einfach ein Multitalent, das ist doch alles sehr musikalisch!

Gerald: Aber dieser 2-mal-2-Meter-Käfig, das ist doch keine artgemäße Haltung!

 

Bormuth „Kettcars“

Und wie es sich für ein Karriereende geziemt, blicken wir auch auf ausgewählte Werke unserer heimischen Helden zurück. Zuerst auf eine frühe Hasstirade gegen ein besonderes Verkehrsmittel, von einer Maxi aus dem Jahr 1996. Ja, damals wurden noch Maxi-Singles veröffentlicht …

Das war der erste Song, den ich von Euch gekannt habe. Verarbeitet Ihr darin vielleicht ein Trauma?

Gerald: Ich hatte nie ein Kettcar, ich hatte nur so einen komischen Traktor, mit dem bin ich als Dreijähriger volles Pfund gegen eine Wand gefahren …

Aki: Ich hatte ein dickes Ding, also aus Stahl.

Wow – ein Stahl-Kettcar!

Aki: Das war eher so wie ein Cart … ein Straßenfahrzeug – na ja, vielleicht war’s auch eher ein Gokart als ein Kettcar.

Welches Straßenverkehrsmittel würde denn heute einen solchen Verbotssong verdienen?

Gerald: Du willst doch schon wieder, dass ich in diesem Magazin Lastenfahrrad-Fahrer disse! Na gut: Lastenfahrräder darf man nur fahren, wenn man Werkzeuge transportiert. Und auf gar keinen Fall einen Hund, ein Hund kann ja laufen!

Aki: Außer, wenn du mit dem Pinscher von Darmstadt nach Spachbrücken willst und der muss neben dem E-Lastenrad laufen, dann hängt dem schon die Zung‘ raus. Meine Nachbarjungs hatten übrigens BMX-Räder, mit denen hab ich immer mal getauscht. Dann konnt‘ ich auch mal BMX fahren und die Kettcar, äh, Gokart.

 

Modern Talking „In 100 Years“

 

Wenn man über legendäre Duos spricht, darf man Thomas Anders und Dieter Bohlen nicht vergessen. Auch, weil Bormuth es sich beim „Melodien für Millionen“-Festival im vergangenen Dezember nicht nehmen ließen, als Lookalikes deren bekannteste Werke auf der Bühne der Bessunger Knabenschule darzubieten. Sie verkauften in den 80er-Jahren 60 Millionen Tonträger (also: Modern Talking jetzt wieder), bevor sie sich 1987 auflösten. Dieser hier war der letzte davon.

Gerald [wie aus der Pistole geschossen]: Modern Talking!

Das ist die letzte Single vor deren erster Auflösung. Das war ja für Puristen wie Euch die klassische Modern-Talking-Epoche, oder?

Gerald: Klar! Aus ihrem ersten „String of Hits“ mit fünf Nummer-Einsen haben wir bei unserem Auftritt nur eins weggelassen, und zwar „Atlantis Is Calling“, das war auch schwieriger zu spielen. „Geronimo’s Cadillac“ war zwar wohl nur Nummer Zwei, aber dafür war „Brother Louie“ auch ein Riesenhit in England. Anscheinend konnten die ganzen Engländer, die das besoffen auf Mallorca gehört hatten, gar nicht anders und mussten nach dem Urlaub daheim die Single kaufen.

Aki: Ich kann mich noch genau erinnern: Ich hab die in den mittleren Achtzigern immer in der HR-Hitparade gehört. Aber ab 1987 war’s dann auch für mich vorbei mit Modern Talking.

Gerald: Die „Hitparade International“ mit Werner Reinke? Ich hab die von 80 bis 85 gehört. Neulich hab ich übrigens mal Werner Reinke angerufen. Weil ich die erste Eloy-LP als Promo-LP in meinem Laden reinbekommen hab, da hatte ich eine Detailfrage und hab mit ihm gesprochen, der war sacke-freundlich … Und ich hab in „Musik als Hilfe“ einen Kunden, der hat ALLE Sendungen davon aufgenommen.

[Es folgt eine längere Unterhaltung über Werner Reinke und alle seine Radiosendungen.]

Aki: Um Modern Talking zu Ende zu bringen: Ich hab mal für drei Konzerte bei deren „Back For Good“-Tour Catering gemacht, und da war der Bohlen noch mit der Naddel zusammen, die auf der Tour auch gern mal da und dort einen Prosecco genommen hat. Und als die erste Staffel von „Deutschland Sucht Den Superstar“ fertig war, haben die ganzen Superstar-Leute gleich so ’ne Tour gemacht, da war ich mit Martin Geelhaar [heute: Haspel] mit dem Auto hinter der Halle, als Stage Hands, und dann ging die Tür auf und Dieter kam vorbei und setzte sich telefonierend auf unsere Laderampe.

Und weiter?

Aki: Nix weiter, der saß da und hat telefoniert.

Ich dachte, Ihr hättet ihn dann entführt oder so …

Aki: Tut mir leid, mit so was Spektakulärem kann ich nicht dienen.

Gerald: Und wie kamen wir auf die Idee mit dem Modern-Talking-Covern? Ich saß schee in der Rocky Bar von Wuppertal und da haben die Leute geere’r Schrittsche getanzt [„Groß-Gerauer Schritte“ oder vulgo: Diskofox], und da kamen wir beim Sambuca-Trinken auf Modern Talking und da MUSST ich den Aki einfach anrufen.

 

Nina & Mike „Was wird sein in sieben Jahren?“

Als Bormuth beim ersten Hörspiel 2011 einen schön psychedelisch angehauchten Song von Nancy Sinatra & Lee Hazlewood vorgespielt wurde, riet Gerald ins Blaue hinein: „Nina & Mike!“ Ferner behauptete er, dass Hazy Osterwald & Nancy Reagan nie in der Centralstation gewesen seien. Da das P nie vergisst, muss er sich nun das 70er-Schlagerduo bei dem Versuch anhören, den Zager-&-Evans-Song „In The Year 2525“ zu verhunzen. Das hat er jetzt davon!

Gerald [nennt wie aus der Pistole geschossen den Namen der Interpreten, den Titel des Songs und Titel und Interpreten des Original-Songs].

Aki [leicht angesäuert]: Ja, der Gerry macht das hier … Wie wär’s, wenn Du beim nächsten Mal nicht gleich alles reinrufst, sondern erst mal nur die Hand hebst?

Ähm … Welche Thematik liegt Euch näher? Die Apokalypse aus dem englischsprachigen Original oder die Reflexion über den Alterungsprozess eines Liebespaares in der deutschsprachigen Cover-Version?

Aki: Ich tendier ganz stark zu der amerikanischen Version, die hat mehr Drive.

Gerald: Also, ich steh‘ auf „deutsche Originalversionen“, zum Beispiel „Rückflugticket“ von Eruption [Kleiner Exkurs: Unter dem Titel „Rückflugticket auf den Mond“ coverten Nina & Mike einst „One Way Ticket“, den 79er-Hit der genannten Discotruppe – welcher seinerseits aber auch nur ein Cover von Neil Sedakas 59er-Single und All-Time-Mod-Favoriten war. Während Eruption noch todesverachtend eine einfache Fahrt zum Mond buchten, waren Nina & Mike vorsichtiger. Neil Sedaka waren derweil Weltraumreisen völlig fremd. Bei ihm hieß es schlicht: „One Way Ticket To The Blues“ …].

Aki: Oder der „Hund von Baskerville“ von Cindy & Bert [Kongeniale Interpretation von Black Sabbath‘ „Paranoid“, welche auch schon das eine oder andere Mal in dieser Rubrik Erwähnung fand.].

[Der Song ist derweil durchgelaufen und fängt wieder von vorne an.]

Aki: Oh, was kommt jetzt? Die schwedische Version?

Gerald: Oder die mexikanische! Gab’s einen Mexikaner in der deutschen Schlagerszene der Siebziger?

Aki: Mex Gildo, ganz klar … Und außerdem haben Nina und Mike früher bestimmt mal in der Centralstation gearbeitet.

Die warten dort auf das ewige Licht.

 

Bormuth „Mach de Rollo runner“

Noch ein südhessischer Evergreen – die Einladung, das Tageslicht auszusperren, von der 2010er Bormuth-CD „Dr. Alpha“.

Aki: Im Grunde hätte ich hier immer den gleichen Gitarrensound spielen müssen, wie U2, wegen Wiedererkennungswert. Zum Songtext: Ich hab vor etwa zehn Jahren in der Alicenstraße gewohnt und war dort so der Night Crawler und hab am Rechner gesessen, und gegenüber hat ein Jüngerer gewohnt, mit fünf Fenstern auf meiner Seite, und der hatte Tag und Nacht immer alle Rollos unten. Und nachts hat er dann immer die Rollos mal ein paar Zentimeter hochgemacht und eine geraucht: „Vorne runner, hinne runner …“ In den vier Jahren, in denen ich da gewohnt hab, jede Nacht – und nie waren die Rollos auch nur so weit oben, dass da mal Luft reingekommen wär‘!

Gerald: Beim Winzerfest in Groß-Umstadt war das der große Hit, im „Caktus-Zelt“, das ist die Rocky-Bar vom Winzerfest!

Tocotronic spielen ja, wenn sie Open Airs spielen, immer zwei Abende: Einmal „The Hamburg Years“ und einmal „The Berlin Years“. Vielleicht solltet Ihr das auch so machen.

[Es folgt eine längere Diskussion über all die verschiedenen Bormuth-Proberäume und -orte der letzten 30 Jahre.]

Gerald: Ich hab’s! Der erste Abend wäre dann der Außenstadt-, der nächste der Innenstadt-Abend.

Aki: Genau, ich sag nur: Traisa … und auch Haubauchweg.

Gerald: „The Haubach-Years“!

 

Paul Young & Zucchero „Senza Una Donna (Without A Woman)“

Auch dieses (Mainstream-)Duo hat eine „Hörspiel“-Vorgeschichte: Gerald disste beim ersten „Hörspiel“ Morrissey und dessen Gesangskünste und verglich sie – wenig schmeichelhaft – mit Herrn Young.

Aki [hoffnungsfroh]: Vielleicht errat‘ ich ja auch mal was …!

Gerald: Johnny Logan & Bobby Logan? Womack & Womack? Joe Cocker & Zucchero? Nee, Moment, das ist der „Living in the Love of the Common People“, na, der … der Johnny Logan von Northampton!

[Der Refrain kommt …]

Aki: „Senza Una Donna“!

Gerald: Das ist ein Verbrechen an der Menschheit! „Senza Una Donna“ – heißt wahrscheinlich „Wir zwei sind NICHTS wert“!

Aki: Aber das Ding war ’n Hit. Die einsame Lady hört so was abends rauchend im Auto auf Kiss FM.

Gerald: Das war eine schlimme Zeit, Ende der 80er, als Westernhagen auf einmal nur noch „Westernhagen“ hieß … – das war musikalisch, glaub ich, der Tiefpunkt!

Aki: Weiß ich nicht. Da war ich Punk und hab HipHop gehört …

Gerald [als das Gitarrensolo einsetzt]: Aaaarghhh …! Wer das Solo gespielt hat, der hat auch noch mal 100.000 Lire dafür gekriegt. Bestimmt irgendein Berühmter, zum Beispiel … Albert Lee!

Aki: Nee, vielleicht Bruce Lee.

Gerald [triumphierend]: Dann hätt‘ ich die Platte!

In Eurem letzten Hörspiel hatten wir einen Song von Morrissey & Siouxsie, da sagtest Du, Gerald, der klänge wie „Paul Young besoffen“.

Aki: Was macht der eigentlich heute? Redet jetzt leider nur noch dummes Zeug. Dabei waren The Smiths [die Band, mit der Morrissey von 1982 bis 87 Musikgeschichte geschrieben hat] eine ganz wichtige Band für mich, ich hab alle Platten. Gerald ist dagegen eher so „Team Housemartins“.

Gerald: Die waren wenigstens lustig. Die machten Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und de‘ anner hat nur drüber geschrieben, dass er im Doppeldeckerbus sterben will [„To Die By Your Side Is Such A Heavenly Way To Die“ lautet das entsprechende Zitat aus dem Smiths-Song „There Is A Light That Never Goes Out“].

[Es folgt – warum auch immer – eine längere Diskussion über Elton John. Fazit: Cooler Typ, Musik geht so …]

Aki: Und Du immer mit Deiner Paul-McCartney-Begeisterung …!

Gerald: Und du bist als der rockabilly-affine Typ dann der Lennon, oder? Das passt doch: Vielleicht sind wir ja die Lennon/McCartney von Darmstadt?

 

Bormuth „Immer wieder Peiffche”

Noch ein Evergreen, von der hiermit empfohlenen 2017er Best-of-CD „Abenteuer am Speichel-Fluss“.

Woher kommt eigentlich Eure Liebe zum Niederländischen, die zwar nicht oft, aber wenn, dann sehr ausdauernd und enthusiastisch ausgelebt wird?

Aki [denkt nach]: Das ist ’ne tolle Frage … Weil wir festgestellt haben, dass wir „soou schpreschje könne“ … Ich bin da auch immer gern im Urlaub, ich bin da gern: Königinnentag und schieß mich tot … „Jeans oder Hose“?

Gerald: „Hose oder Jeans“! Ich dagegen war nie in Holland, außer mit ’ner Hardy-Zech-Reise [Der Sänger von The Dass Sägebett und Steinmetz ist bekannt für zahlreiche legendenumwehte europaweite Bustouren mit Freund:innen].

[Es folgt eine längere Erzählung über besagte Reise, über Grachten und über Kopf-Einziehen-Müssen.]

Aki: Das Lied hat ja eigentlich nichts mit holländischem Akzent zu tun, sondern mit tschechischem! Warum? Weil: Ich kenn‘ jemanden, der … – Äh, ich weiß nicht, ob ich hier meine Drogengeschichten ausbreiten sollte, es hat was mit Wasserpfeifen zu tun, ist also eher tschechisch.

Kann man Bormuth eigentlich vollumfänglich genießen, wenn man nicht kifft?

[Die beiden überlegen sehr lange.]

Gerald: Ich kenn‘ tatsächlich Die-Hard-Fans von uns, die alles auswendig kennen, und die noch nie gekifft haben. Ich denke, die allermeisten unserer Konzertbesucher kommen eher trunken als stoned zu ihrem Lächeln. Also, es gibt ja auch Leute, die Reggae hören und nicht kiffen.

 

Al Bano & Romina Power „House Of The Rising Sun (live)“

1984 kam das bekannte Italo-Pop-Duo auf die Idee, diesen Klassiker bei einem ihrer Konzerte in Bulgarien (!) als letzten Song in einer herzzerreißenden Version einzusingen. Wobei: Vielleicht kam auch nur einer auf die Idee. Rominas Stimme ist jedenfalls nicht zu hören …

Aki: „House Of the Rising Sun“!

Und von wem? Auch ein Duo, natürlich …

Gerald: Das ist doch wieder ein Südländer!

Aki: Toto Cutugno!

Ein DUO …!

Aki: Dann ist das, äh … „Felicita“, Albino!

Gerald: Albino und Romano Power … Ich war gedanklich ja bei „Ricchi e Poveri“.

Aki [nachdenklich]: So, da haben die „House Of The Rising Sun“ gecovert. Aber es singt hier ja eigentlich nur er.

Gerald: Vielleicht war er einfach immer der bessere Sänger und sie war nur das Gesicht …! Ich sag nur [schreit markerschütternd] „Felicita“! Seht Ihr, das kann ich auch!

Oder sie ist bei dem Song aus Protest nicht auf die Bühne gegangen.

Gerald: Vielleicht sitzt sie ja hinten und spielt Schlagzeug, wer weiß. Das war die Tochter von Tyrone Power [Tyrone Edmund Power III war ein US-Schauspieler, der vor allem mit Zorro- und anderen Abenteuerfilmen in den 40er- und 50er-Jahren Erfolge feierte]. Ich dacht‘ ja immer, die heißen beide „Power“ mit Nachnamen: Al Bano Power & Romina Power.

[Es folgt eine längere Diskussion über die Schönheit der Musik und darüber, ob Playlist-Vorschläge der KI den musikalischen Horizont erweitern oder einschränken.]

Gerald: Mein Tipp ist ganz einfach: Plattenhändler sein! Ich hätte sonst nie ’ne Peking-Oper gehört.

[Es folgt eine ausgedehnte Nacherzählung und Imitation von Peking-Opern vonseiten des Plattenhändlers Gerald.]

Aki: Ich glaub‘, ich mag eher Peking-ENTE.

[Es folgt, warum auch immer, eine längere Diskussion über den Song „Wir“ von Freddy Quinn.]

Aki: Ich war mal Stage Hand bei Freddy Quinn, da haben mir die Putzfrauen gesagt, dass der so abfällig sei.

Gerald: Freddy Quinn hätte „House Of The Rising Sun“ garantiert nur auf Deutsch gesungen.

Aki: Und Freddy Frith? Der war auch ziemlich abgefahren …

 

Bormuth „Mir mache schee fort“

Das Stück, mit dem Bormuth ihre Konzerte traditionellerweise beenden, muss natürlich als letzter Song kommen.

Gerald: Das Stück haben wir sehr spät gemacht, das gibt’s erst zehn Jahre …

Aki: Und wenn ich sehe, wie man die Leute animieren kann, mit uns zu singen … Dann macht mir das viel Spaß!

Warum singt Ihr eigentlich „Mir“ statt „wir“, aber „fort“ statt „fott“?

Gerald: Ich hab im März-P auch Johanidder mit Doppel-D geschrieben. Aber das wurde wegredigiert [Anm. d. Chefred.: Stimmd gar ned!]. Ich weiß nicht, vielleicht hatten wir ja Angst, von der Firma verklagt zu werden.

Aki: Ach, wegen „Ford“ …! Wär doch gut gewesen: Hätten die uns verklagt, hätten wir ’ne Story im „Spiegel“ und in der „taz“ draus machen können …

Gerald [hört wieder dem Song zu]: Hach, die Rhythmus-Begleitung, die ist richtig schön [seufzt].

Das ist doch der Bolero, oder?

Gerald: Ja, der kam genau so aus der Maschin‘ raus.

Aki: Jetzt frag‘ ich Dich mal: Was meinst Du, wie viele Songs wir gemacht haben? Ich würd‘ sagen, es waren 250.

Gerald: Ich sag 500! Hmmm … na gut … 427!

Aki: Okay, ich sag: 380!

Habt Ihr eine abschließende Botschaft an die P-Leser:innen?

Aki: Kauft unsere Musik!

Gerald: Das ist doch jetzt zu spät.

Aki: Na ja, vielleicht spielen wir doch noch mal im Madison Square Garden – mit Simon & Garfunkel.

In jedem Hörspiel kommt Ihr auf Simon & Garfunkel zu sprechen …

Gerald: Das ist immer der Aki.

Aki: Sind das nicht die mit dem Film „Harold & Maude“ [Nein, das war Cat Stevens]?

Gerald: Oder mit der „Reifeprüfung“ [Ja: „Die Reifeprüfung“, Originaltitel „The Graduate“, ist ein US-Spielfilm aus dem Jahr ’67, zu dem Simon & Garfunkel unter anderem ihr unkaputtbares „Mrs. Robinson“ beisteuerten]? Den fand ich schon immer muffig. Besser war für mich immer Steve Martin: „Reichtum ist keine Schande“ [Anarchisches US-Comedy-Film-Meisterwerk von Carl Reiner, 1979]!

Es folgt eine längere Diskussion über „Reichtum ist keine Schande“, Gerald liefert eine komplette Inhaltsangabe [„Das hier ist Scheiße und das ist Schuhcreme“, „Sie sollten Ihren Hund Lügenmaul nennen“, „Der Opti-Griff“, „Bringen Sie uns frischen Wein und nicht dieses alte, muffige Zeug hier“, …], damit klingt der „Hörspiel“-Abend aus und uns bleibt nur zu sagen: Danke für über 30 Jahre Musik und Anarchie, Bormuth!

 

Doppel-Abschiedskonzert!

Bormuth hör’n uff! oder: „The End of Elektro Vati“

Bessunger Knabenschule (Keller) | Fr, 30.8. + Sa, 31.8. | 21 Uhr | 7 €

Hintergrund-Infos zu Bormuth und weiteren Bands des Labels „Declaration of Santo“ online unter: stahljustiz.de