Foto: Nouki Ehlers, nouki.co

Expressive und bunte Linien breiten sich auf, hinter und in gläsernen Scheiben aus, die von einem stählernen U gehalten werden. Blaue und gelbe Töne dominieren, es könnte sich um einen sommerlichen Strand handeln. Der Künstler erweist sich hier aber als eher untypischer Reiseanbieter und an welches Meer die Reise gehen soll, erfährt man durch das Betrachten dieser Arbeit nicht. Dies spielt aber auch keine Rolle, denn das Meer kann ebenso gut ein gedanklicher Raum sein. Ein Raum, in dem das Kontrollierbare und das Unkontrollierbare aufeinandertreffen.

Es könnte jener mentale Ort sein, an welchem Künstler:innen, die zur Abstraktion neigen, viel Zeit verbringen. Wo Zeugnisse bewusst den mentalen Gezeiten überlassen werden, wo eine Zeichnung im Sand von einer Welle ausgewaschen wird und wo die Strömung ganz leicht die Vernunft wegspülen kann. Bewegen und bewegt werden halten sich hier die Waage und Erfahrungen zerfallen in ihre Einzelteile. Andere Zusammenhänge können so deutlich werden und der Gesamteindruck versinkt. Was als Schaumkrone obenauf bleibt, kann abgeschöpft und neu verwendet werden.

Künstler wie Cornelius Staudt sind in Wirklichkeit vielleicht mehr Seefahrer als Stubenhocker. Nicht, dass dieses Bild in irgendeiner Weise ausreichend wäre, um zu erklären, warum und wann Kunst entsteht. Es kann aber eine Idee davon geben, wie und wo manche Künstler:innen ihre Formen finden. Schon verrückt, wie ein ganzes Meer in die Gedanken passt, ohne dass man einen Wasserkopf bekommt.

 

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jede:n sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.

 

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