DATypen Axel Mertink
Foto: Daniel Wildner

Das Telefon klingelt. „Mutti, das geht jetzt nicht, da sind Leut hier, die wolle a Interview mache mit mir! Aber wo Du gerade … Ich bin doch in Darmstadt gebore, oder?! Am Steubeplatz … Was?? Ne Ausgeburt?! Wie? Ach, ne Hausgeburt … .“ Sicher war er sich erst nicht, aber dank offizieller, innerfamiliärer Bestätigung ist klar: Ja, Axel Mertink ist ein waschechter Heiner. Ein Darmstädter Typ ist er sowieso. Seit 30 Jahren ist er DER Plattendealer und Konzertkartenversorger dieser unserer Stadt: als Inhaber von Uli‘s Music Land in der Helia-Kino-Passage.

Aber wie kam Axel eigentlich zu seinem „Zweitnamen“? „Na ja mein Vater war eher der lockere Typ. Er musste meinen Namen aussuchen, nahm ein Namensbuch, hatte jedoch nach dem ersten Buchstaben im Alphabet keine Lust mehr weiterzulesen. So blieb er bei Axel hängen. Hm, die Frage war ja eigentlich … Woher kommt das „Uli“ in Uli‘s Music Land?  Uli ist Axels Bruder, mit dem er in den Siebzigern den Laden aufgezogen hatte. Dieser verließ nach kurzer Schaffensphase das gemeinsame Geschäft. Axel Übernahm es, mit Unterstützung seines Vaters.

Uli’s Music Land ist der einzig verbliebene traditionelle Plattenladen in Darmstadt, und er soll es weitere fünf bis zehn Jahre bleiben. Wenn es nach Axel geht: „Bis zur Rente  will ich es schaffen.  Doch Axels Sorgen häufen sich. Erst blieb das Interesse am Vinyl aus, jetzt kauft kaum einer mehr CDs und DVDs. Große  Musik-Einkaufszentren  vor der Stadt locken die Besucher weg, erhöhte Park gebühren verstärken aus Axels Sicht diesen Trend. Weitere Mitarbeiter kann der 54-Jährige schon nicht mehr finanzieren. Lichtblick: Das Comeback der Schallplatte in jüngster Zeit hilft ein wenig, immer mehr Kunden bestellen wieder Vinyl. Und im Ticketverkauf ist und bleibt Axel mit seiner jahrelangen Erfahrung die Nummer Eins in Darmstadt. Seine Kompetenz und die Liebe zur Musik sind allgegenwärtig. Mehr als 4.000 eigenhändig bespielte Musikkassetten befinden sich in seinem „Archiv“- und irgendeine läuft immer, wenn man sein Reich in der Passage zwischen Helia- und RexKinos betritt. Aber warum eigentlich Kassetten-  und nicht Platten? Sie passen zur Nostalgie-gefärbten Bodenständigkeit, die den Überzeugten Vollbartträger ausmacht. Seltene Schallplatten verschenkt er lieber an gute Freunde, anstatt sie zu sammeln.

Das wissen die Stammkunden auch zu schätzen: Genau 1.315 Postkarten aus aller Herren Länder hat er bisher von ihnen geschickt bekommen. „Das ist wie Urlaub, so komme ich in der Welt rum, ohne selbst zu verreisen“, sagt Axel und zeigt dabei stolz auf seine Wand. Jede Karte wird aufgehoben, nie würde er eine wegschmeißen. Seine Kunden liegen ihm am Herzen, und so wünscht er sich, dass der eine oder andere ehemalige Stammkunde mal wieder vorbeischaut.

 

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