Foto: Jan Nouki Ehlers
Foto: Jan Ehlers

„Mir ist es wichtig, dass die Musik, die ich mache, einen Grund hat, dass sie so ist, wie sie ist.“ Nicht sofort ins Ohr gehende, aber weise Worte aus dem Mund eines Menschen, für den Musik weitaus mehr ist als ein Hobby. Sie ist sein Beruf, sein Lebensinhalt, seine Passion. Die Rede ist vom Pianisten und Komponisten Uli Partheil.

Bereits im Alter von fünf Jahren wurde das musikalische Interesse des 1968 in Darmstadt Geborenen geweckt: „Meine Mutter ging mit mir in einen Melodika-Kurs, so fing wohl alles an.“ Aus diesem Spaß und dem später folgenden Heimorgel-Unterricht entwickelte sich der Ehrgeiz, neben den Stunden auch in Eigeninitiative zu Üben und viele Dinge selbst zu entdecken. Jazz-Unterricht heute sei leider sehr einheitlich geworden: „Die Anforderungen an die eigene Kreativität sind beschränkt, was früher wirklich anders war.“

Mit 14 Jahren fand Partheil mit dem Klavier das Instrument, welchem er bis heute treu geblieben ist. An der Akademie für Tonkunst absolvierte er eine klassische Grundausbildung, doch der Traum vom Berufsmusiker war zu diesem Zeitpunkt noch weit, weit entfernt. Es folgte eine Ausbildung zum Chemielaboranten, die ihn (glücklicherweise) nie mit der Leidenschaft erfüllte wie die Musik. Uli Partheil wollte raus, er wollte auf die Bühne -und fand in der „Goldenen Krone“ die optimale Plattform. Dort traf er auch Jürgen Wuchner, mit dem er Ende der neunziger Jahre die „Jazz & Pop School“ an der Bessunger Knabenschule ins Leben rief. Nicht nur dort ist er seitdem im Auftrag der Nachwuchsförderung unterwegs: Auch an Darmstädter Gymnasien trifft man ihn des Öfteren bei Workshops mit Kindern und Jugendlichen an. „Sie sind unvoreingenommen und offen für alles, sogar für Jazz.”, schwärmt der Mentor.

Sein bisher vielleicht wichtigstes Projekt war die Vertonung der Texte des uruguayischen Schriftstellers Eduardo Galeano im Jahre 2004. In „Musikgeschichten“ treffen die sozialkritischen Erzählungen des Lateinamerikaners auf Partheils einfühlsame und perfekt umgesetzte Kompositionen. Trotz des Fokus’ aufs Jazzige bleibt Partheil noch Zeit für andere Genres: „Western Circus“ ist sein Country-Projekt, mit dem er beim diesjährigen Heinerfest auf der Bühne vor der Krone sogar den Regen vertrieb.

Offenheit, Engagement, Eigenständigkeit: Dafür wird Uli Partheil im November vom Darmstädter Förderkreis Kultur mit dem Darmstädter Musikpreis 2008 ausgezeichnet. „Ich nehme an, dass man den Anspruch erkennt, den ich an mich und die Inhalte meiner Musik habe. Das freut mich natürlich riesig“, kommentiert er und fügt hinzu: „Aber so ganz genau weiß ich es auch nicht.“ Wer sich von der musikalischen Qualität des sympathischen Heiners live Überzeugen möchte, dem sei Montag, der 17. November, empfohlen: An diesem Abend findet die Preisverleihung in der Centralstation statt und Uli Partheil wird mit seiner Band „Playtime“ auftreten.

 

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