Illustration: Gilberto Acosta

 

Darmstadt hat keine Kneipenmeile? Aber so was von! Man muss sie sich nur einbilden: Wie ein betrunkener Lindwurm schlängelt sich die inoffiziell längste Theke mitten durch die Innenstadt … die Nieder-Ramstädter, dann die Hügelstraße runter, Schlenker auf den Stadtkirchplatz, um die Stadtkirche rum, kurzer Stopp am Marktplatz, dann rein ins Schloss, zurück an die Holzstraße und am Ende die Landgraf-Georg rauf. Da isse ja! Auf dieser Perlenkette der gepflegten Trinkkultur reihen sich das Café Hess, Grohe, Zoo Bar, Chez, Ratskeller, Künstlerkeller, Krone-Kneipe, Krone-Döner „Harmonie“ und An Sibin aneinander. Wir haben den betrunkenen Lindwurm für Euch angetestet. Sehr zur Nachahmung empfohlen!

 

Café Hess Nieder-Ramstädter Straße 13

Atmosphäre? Wohnzimmerpotenzial. Wenn man auf sehr viele Menschen in seinem Wohnzimmer steht.

Spezialität des Hauses? Die Käsespätzle sind – so wie die gesamte Speisekarte mit ihrem top Preis-Leistungs-Verhältnis – nicht zu verachten. Die wirkliche Spezialität des Hauses ist aber Ben mit seinem Elefantengedächtnis: Bezahlt wird zum Schluss, und der Mann hinter der Bar weiß hundertprozentig besser, ob du nun fünf oder sechs Bier hattest, als du selbst.

Wer geht da hin? Studierende und solche, die gerne noch Studierende wären. Und Theaterleute.

Was trinkt man da? Signature Drink? Ein Wort: Bongartz.

Was hört man da? Alles, aber nicht den eigentlichen Gesprächspartner – das laute Stimmenwirrwarr macht es meist unmöglich, zu sagen, ob überhaupt Hintergrundmusik läuft. (lm)

 

Grohe (Ausschank) Nieder-Ramstädter Straße 3

Atmosphäre? Darmstadts Gute Stube, behutsam renoviert, immer noch gemütlich, mit kreativ-coolen Lampen und Kronkorken-Deko. Stylischste Toiletten der Stadt!

Spezialität des Hauses? Selbst gebraute Biersorten; Ochsenwurst, Kotelett, Bierkäs‘, Handkäs‘, Kochkäs‘.

Wer geht da hin? Eschde Heiner, kommunikative Zugezogene, „gern‘ mehr junge Leit!“

Was trinkt man da? Signature Drink? Grohe Helles, frisch gezapft. Neuerdings: Craft-Beer-Spezialitäten, die „What’s love?“, „Smoky Heiner“ und „Churchill“ heißen.

Was hört man da? Dammstäddä Dialeggd. (ct)

 

Zoo Bar An der Stadtkirche 17-19

Atmosphäre? Einzelne Glühlampen beleuchten die Tische, hinter den großen Fenstern der puristisch und hell eingerichteten Bar stecken Pärchen und Freunde die Köpfe zusammen.

Spezialität des Hauses? Kleine Häppchen: Tapas und Käseteller (mittags: köstliche internationale Gerichte).

Wer geht da hin? Menschen, die sich unterhalten wollen. Zum Beispiel Tinder-Dater.

Was trinkt man da? Signature Drink? Weißwein oder Aperol Spritz.

Was hört man da? Bossa Nova, Ambient, Smooth Jazz. (cif)

 

Chez Kirchstraße 8

Atmosphäre? Kleine, dunkle, verdammt coole Räucherkammer mit leckeren Getränken und schönen Menschen.

Spezialität des Hauses? Der „Faradaí Spirit“ aus den elektrisierenden Blüten der Parakresse – das dritte Baby von Mitinhaber Sven (neben der urbanen Trinkhalle und dem Kreativduo „Volkmann.Grolik“).

Wer geht da hin? Wer sehen und gesehen werden will (aber das aus Coolness-Gründen niemals zugeben würde).

Was trinkt man da? Signature Drink? Einen „Liquid Cocain“ – Koffein und Alkohol verbünden sich, um auf legalem Wege die ganze Nacht durchzuhalten.

Was hört man da? Das hängt stark von Uhrzeit und Laune der Barkeeper ab. Von Elektro bis 90er-Trash ist alles möglich – meist geht es aber ziemlich geschmackvoll zu. (lm)

 

Ratskeller Marktplatz 8

Atmosphäre? Bratenduft und heiteres Getümmel zur Begrüßung. Zwischen kupfernen Sudkesseln finden auf drei Etagen im modern-rustikal eingerichteten Brauhaus Alt und Jung ihr Plätzchen – gehoben in der Regenten-Stube oben, urig im rauchgeschwängerten Braukeller im Keller, bodenständig in der Braustube dazwischen.

Spezialität des Hauses? Selbst gebrautes „Ratsbräu“ (bis 29. März: zur Schoppestund‘ von 17.30 bis 18.30 Uhr zum halben Preis); Rumpsteak, Brathähnchen, Kochkäs‘ mit Mussigg.

Wer geht da hin? Touris, Heiner und Studendeköpp‘ – besonders, wenn die Eltern zu Besuch sind.

Was trinkt man da? Signature Drink? Ratsbräu!

Was hört man da? Ein buntes Sprach-Gebrabbel aus aller Herren Länder. (cif)

 

Künstlerkeller (im Schloss) Marktplatz 15

Atmosphäre? Schon die düstere Treppe in den Künstlerkeller mutet geheimnisvoll an. Ein buntes Wandgemälde weist den Weg ins Gewölbe, wo seit Jahrzehnten Darmstädter Dichter und Denker konspirieren. Auf einer kleinen Bühne finden regelmäßig Lesungen und Konzerte statt.

Spezialität des Hauses? Gambas, Paella, Tortilla, Artischockensalat; wechselnde Kunstausstellungen.

Wer geht da hin? Künstler, Theaterleute, Akademiker, Pärchen und Freunde.

Was trinkt man da? Signature Drink? Pils vom Fass, Rotwein und Brandy.

Was hört man da? Blues, Singer-Songwriter, Hard Rock, Pop. (cif)

 

Krone-Kneipe Schustergasse 18

Atmosphäre? Älteste Kneipe der Stadt, im Erdgeschoss dieser einzigartigen Kombination aus Konzert- und Partyhaus, (Karaoke-)Bar, Raucherraum, Hof und Disco. Komplett mit dunklem Holz verkleidet und eingerichtet wird in den alternativ-gemütlichen Räumen der Krone-Kneipe seit 1975 nicht nur gefeiert, sondern auch gemütlich bei einem Bierchen gequatscht.

Spezialität des Hauses? Wiener Kronenbräu vom Fass (nur hier!); Kicker mit Tischfußballturnieren, Live-Musik.

Wer geht da hin? (ewige) Studenten.

Was trinkt man da? Signature Drink? Mexikaner oder Melonenschnaps zusammen mit einem Bier oder Äppler.

Was hört man da? Funk, Soul, Rock, Streetmusic, Alternative, Jazz, Reggae, Trashpop und Metal. (rina)

 

Krone-Döner „Harmonie“ („Kröner“) Holzstraße 1

Atmosphäre? In die dunkle Nacht hinein strahlt türkis auf weiß leuchtend die neue Karte des Krone-Döners „Harmonie“. Unter der Brücke am Cityring wärmen sich im Winter Personen in Pinguinkreisen aneinander, im Sommer laufen sie über die anliegenden Schienen – immer mit Sauf-Food in den Händen.

Spezialität des Hauses? Klassischer Döner, Falafel, Pommes; ganz neu: Köfte, Hamburger, Cheeseburger, Pizza.

Wer geht da hin? Hungrige Partypeople aus der „Krone“.

Was trinkt man da? Signature Drink? Braustüb’l, Pfungstädter, Warsteiner, Oettinger, Beck’s und Schöfferhofer als Absacker, neuerdings auch Cocktails!

Was hört man da? Schmatzgeräusche und harmonische Ausgelassenheit. (rina)

 

An Sibin Landgraf-Georg-Straße 25

Atmosphäre? Willkommen in einer schillernden Irish-Pub-Traumwelt, irgendwo zwischen Alice im Wunderland, Jugendstil und Gotik. Die gemütlich-wimmelige Kulisse aus dunklem Nussbaum, Kirchenfenstern, alten Türelementen, Lampen in farbenfroher Tiffany-Optik, Flohmarkt-Devotionalien, Büchern und Retro-Werbeschildern ist schön schräg.

Spezialität des Hauses? Irische und südhessische Biere vom Fass; Pub-Food; Pub-Quiz, Karaoke, Sky Sports, Konzerte.

Wer geht da hin? Junges Gemüse, Junggebliebene und Alteingesessene.

Was trinkt man da? Signature Drink? Guinness, Kilkenny.

Was hört man da? Irish Folk und Rock, Queen- oder AC/DC-Coverbands. (ct)

 

PS: Wer noch kann, der trinke gerne weiter: im Red Barn, Lowbrow, Green Sheep, Café Chaos und in der Bar Malavita. Dann schließt sich der innerstädtische Kneipenkreis sogar. Wir konzentrieren uns aber erst mal auf die eingangs genannten Trinkstätten. Mehr haben wir – hicks! – auch einfach nicht gepackt.

 

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