Grafik: André Liegl

Liebe Leser, liebe Darmstädter!

Ob ich für Euch mal etwas zeichnen möchte, wurde ich gefragt. Möchte ich, mach‘ ich aber nicht. Dahingehend bin ich nämlich zielsicher talentfrei, deswegen hier mal ein Loch, aus dem die Wahrheit pfeift: Ich kann nicht zeichnen, kenne aber jemanden, der das kann. Nur so am Rande und falls mal Bedarf bestünde. Ob ich denn vielleicht etwas Lustiges schreiben wolle. Wollen ja, aber auch das kann ich nicht. Die hellen Momente, die ich in den letzten 32 Jahren hatte, wären schnell zusammengefasst, hätte ich nicht die Aufmerksamkeitsspanne eines Frettchens. Wie Ihr, liebe Leser und Darmstädter wisst, sind das Pi mal Daumen 23 Sekunden. Klingt zunächst ausreichend, ist aber viel komplexer, als man denkt. Bei Twitter hat man für helle Momente 140 Zeichen zur Verfügung. 20 weniger als in einer SMS. Eine SMS ist wie WhatsApp oder Messenger, nur voll retro. Würde eine SMS als Stofftasche daherkommen, würde sie jeden zweiten Hipster kleiden. Ich bin kein Hipster, habe aber einen Stoffbeutel-Sammel-Tick. Dies aber auch nur am Rande, wegen eventueller Zuwendungsabsichten.

So. Also. Was Lustiges. Die vier Probleme der Deutschen Bahn: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Haha. Ich mag Wetter und Reisen. Daher reise ich oft. Nicht aus beruflichen Gründen, sondern weil ich gerne leide … Weil ich leidenschaftlich gerne meinen Senf bei Twitter und Facebook zum Besten gebe. Und welches andere Unternehmen könnte ein zuverlässigerer Kumpel dafür sein? Mit „Bahn-Ansagen“ habe ich einen dankbaren Abnehmer für meine Anekdoten gefunden. Wer über die Bahn schimpft, hat ziemlich sicher sehr schnell viele Verbündete, Freunde und Likes. Ich reise ja nur deswegen so viel durch die Bundesrepublik, um Anderen meine schönen Stoffbeutel zeigen zu können. Und weil ich den Kaffee im Bord-Bistro so gerne mag. Ich bin auch immer freundlich zu den Mitarbeitern, selbst dann, wenn ich sie wegen ihres Dialekts nicht verstehe. Was zumeist in Bayern geschieht. Manchmal aber auch in Baden-Württemberg. An die Hessen habe ich mich mittlerweile gut gewöhnt. Ein „Gude“ geht immer.

Ehrlich gesagt schleime ich mich eigentlich nur ein. Warum? Weil ich hoffe, dass irgendwann mal meine heimlichen Gebete erhört werden und man mir eine Bahn-Card 100 in die Hand drückt. Nicht etwa, weil ich keine Tickets mehr kaufen möchte – das würde ich selbstredend weiterhin tun. Mein eigentlicher Wunsch ist es, in jeder DB-Lounge in Deutschland so viel Kaffee trinken zu können wie ich mag. Gerne auch Bier, wenn es denn irgendwann mal kein Bitburger mehr ist. Und während ich dann loung’sche, lese ich die „Bahn mobil“, die wahrlich das Beste ist, was aus Papier werden kann. Informativ, lustig und mit Bildern. Geile Sache. Für „Deutschlands beliebtestes Reise- und Mobilitätsportal“ zu schreiben wäre mir wahrlich ein inneres Blumenpflücken. Ein inneres Kalenderabreißen. Ein innerer ZDF-Fernsehgarten. Die Redakteure des Magazins müssen die glücklichsten Menschen der Welt sein. Weil: Im Heft finden sich „spannende Interviews, aufregende Reportagen, außergewöhnliche Reisetipps und imposante Fotostrecken“, schreibt die Bahn auf ihrer Homepage, wo man sogleich auch das PDF herunterladen kann. Als alte Vollzeitspaßkanone wäre ich dort sicher gut aufgehoben. Ich hätte ihnen so viel zu geben, träume ich regelmäßig vor mich hin, während ich an Bahnhöfen herumlungere und auf Züge warte, die dieses kostenlose Heftchen durch die Republik fahren. Man stelle sich vor … oder vielleicht doch lieber nicht.

Wer will schon meine langweiligen Bahngeschichten lesen? Wenngleich die eine mit dem Kind recht lustig war. Haha. Oder die mit der umgekehrten Wagenreihung, als der Zug dann von einem anderen Gleis abfahren sollte, und nachdem die Reisenden durch den halben Bahnhof gehetzt waren, dann doch vom ursprünglichen Gleis abgefahren ist. Pünktlich. Knaller! Und erst die, als der Zug in Fulda …! Köstlich. Mein Stichwort. Heute gibt es ausnahmsweise mal nichts zu essen, weil sie das Bord-Bistro vergessen haben. Aber das macht nichts. Der Junge neben mir hat ein Brot mit Gesichtswurst. Man hat ja sonst so wenig zu lachen. Aber was erzähl ich Euch! [hier bitte beliebigen Blasorchester-Wixhausen-Witz einfügen] In diesem Sinne, liebe Leser und Darmstädter. Der nächste Halt ist Wolfsburg. Vielleicht.

Tuut, Tuut, Eure Moppel

 

Wer ist diese Moppel?

Moppel Wehnemann arbeitet in Frankfurt für das „Caricatura – Museum für Komische Kunst“, außerdem als Fotografin und Teilzeit-Bloggerin. Der Pop-Redakteur Linus Volkmann nennt sie „eine beliebte und prominente Akteurin aus der Titanic-Clique.“ Ihre Hobbys: Bier, American Football, Postkarten und Satire. Außerdem ist Moppel Initiatorin der erfolgreichen Open-Air-Reihe „Bier trinken und Joggern gute Tipps zurufen“. Künftig wird Moppel unseren Kolumnisten-Pool mit ihren Beobachtungen des Alltagswahnsinn bereichern.

www.facebook.com/moppelmett.de

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