Spielbeobachtung standbild
Bild: Privat

„Public Viewing kann jeder – hier steigt die beste Fußballshow Deutschlands!“ Da lehnt sich aber jemand ganz schön weit aus dem Fenster, mag man bei solch markigen Worten denken. Entsprungen sind sie dem Mund von Heribert Fassbier, seines Zeichens einer der Initiatoren der „Spielbeobachtung“ im 603 qm, wo sämtliche Begegnungen der Fußball-Europameisterschaft vom 7. bis 29. Juni live übertragen werden. Doch wird jeder diese Ankündigung wohl ohne Weiteres nachvollziehen können, der die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren bei der „Spielbeobachtung“ verfolgt und gefeiert hat.

Denn dort wird dem gemeinen Fußballsympathisanten weitaus mehr geboten als nur die obligatorische Leinwand. Mehr als lausige Hintergrundmusik. Mehr als bei den anderen: „Die Besucher können sich auf eigens konzipierte Spielformate mit viel Liebe zum Detail, trashigen Low-Budget-Animationen und zahlreichen Anekdoten über die Fußballhelden unserer Jugendzeit freuen“, erzählt Fassbier weiter. Die Idee zu diesem wirklich schrägen und kreativen Format entsprang ihm vor der letzten Europameisterschaft im Jahr 2004. Er wollte damals neben der reinen Fußballübertragung im 603 qm ein Sportquiz ins Leben rufen, um die Public Viewer vor dem Spiel in Stimmung zu bringen. Mit Hilfe der kongenialen Partner Werner Hanf und Wolf-Dieter Possmann erweiterte man das Konzept rund um das Quiz zu einem wahnwitzigen Mix aus Videotrailern, selbst komponierten Hymnen zum Mitsingen, Torwandschießen, vielen kleinen Gimmicks und einer perfekt angepassten Hallendekoration.

Wer stand bei der Europameisterschaft 1984 im deutschen Tor? Wer schoss Borussia Dortmund 1997 kurz nach seiner Einwechslung zum Champions-League-Sieg? Welche Höhe muss ein Fußballtor laut internationalem Reglement haben? Geht dieser Schuss ins Tor oder knapp vorbei? Solche und ähnliche Fragen werden den (Möchtegern-) Experten, die zum Fußball gucken ins 603 qm kommen, gestellt. Für jede richtige Antwort verschenken Fassbier und Co. Getränkegutscheine, die man bei subtropischen Verhältnissen in der vor allem bei Deutschland-Spielen randvoll besetzten Halle mehr als gut gebrauchen kann. Kombinationsgabe, Fachwissen und Schnelligkeit sind hier gefragt. Was macht man(n) nicht alles für ein kühles Gratisgetränk…?! Doch sind es nicht nur männliche Fans, die den Weg zur „Spielbeobachtung“ finden! Das Publikum ist genauso bunt gemischt wie die Formate der einzelnen Spielereien, genauso euphorisch wie die Fans in den Stadien. Und am Ende wahrscheinlich genauso betrunken wie die DJs Fassbier, Hanf und Possmann. Ach ja, die Musik: Retorten-Hits, die pünktlich zur Europameisterschaft erscheinen, haben glücklicherweise Hausverbot. Stattdessen gehen Kulthits Hand in Hand mit Fußballklassikern à la „Notti Magiche“ (Quizfrage des Redakteurs: „Na, wer hat’s gesungen und zu welchem Turnier gehört es?“) und einer gut ausgesuchten und absolut partytauglichen Mixtur aus Rock, Funk, Indie und allem, was sonst noch so dazu gehört.

Bei allem Drumherum liegt der Fokus letztendlich schon noch auf der Übertragung des Fußballspiels, doch gerade die Mischung aus feucht-fröhlicher Party, unkonventionellem Rahmenprogramm, verschiedensten Menschen und (hoffentlich) spannenden Fußball­spielen hat jetzt schon den Europameister-Titel sicher. Es bleibt zu hoffen, dass sich Poldi, Schweini, Miro und der ganze Rest der Bande davon eine gehörige Scheibe abschneiden.

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