Foto: Jan Ehlers

Mittwochabend in der „Luftpumpe“, dem legendären Proberaumkomplex im Darmstädter Johannesviertel. Das P trifft sich mit Funk-Pop-Rock-Soul-Supergroup Dirty Flamingo zum Gespräch. Immerhin acht der neun Mitglieder sind anwesend, nur Sänger Sami fehlt leider krankheitsbedingt. So stellen sich Daniel (Gitarre), Isabelle (Gesang), Felix (Keys), Martin (Bass), Henriette (Saxophon), Michael (Drums), Okan (Posaune) und Robin (Saxophon) unseren Fragen.

Ja, guten Abend und Danke für das Bier! Der Begriff Supergroup ist vielleicht etwas albern und hoch gegriffen, aber Eure Besetzung liest sich ja fast wie das Who-is-who der Darmstädter Musikszene. Was sind denn so die bekanntesten Namen, die bei Euch vertreten sind?

Daniel: Ich spiele unter anderem noch bei The Wolves und Motor Mammoth.

Robin: Gemeinsam mit Okan und Felix spiele ich noch bei What The Funk.

Felix: … und was sich sonst noch so ergibt, ich bin da für Projekte offen, das kannst du gerne bringen [allgemeines Gelächter].

 

Lasst uns doch mal ein bisschen über Eure Entstehungsgeschichte reden. Ich glaube, das ist Euer erstes Interview, da gibt es sicher ein paar interessante Details zu erzählen.

D: Es fing eigentlich mit einer spinnerten Idee an. Ich bin ja riesiger Hellacopters-Fan und deren Sänger Nick Royale hatte gemeinsam mit Scott Morgan von The Hydromatics die Band The Solution gegründet. Die machen eben Soul und Funk – das brachte mich darauf, dass ich auch Bock hatte, so etwas zu machen. Als ich dann irgendwann Sami, den ich damals noch gar nicht kannte, auf einem Jam in der Oetinger Villa singen hörte, musste ich ihn direkt ansprechen: „Mit Dir will ich eine Soul-Band machen.“ Er nahm das vielleicht nicht ganz ernst, ich habe ihn dann aber darauf festgenagelt. Dann fing die Suche nach den Bandmitgliedern an. Nachdem wir Michi für die Drums hatten, ging es mit den restlichen Bandmitgliedern Schlag auf Schlag. Zuletzt kam im August der Robin dazu.

Das sind dann mittlerweile neun Mitglieder!

D: Ja, mehr dürfen wir aber auch nicht werden, sonst passen wir nicht mehr in den Sprinter hinein. Eigentlich wollten wir ja acht bleiben, damit wir noch einen Fahrer haben. Jetzt muss halt immer einer von uns fahren. Also zumindest die, die einen Führerschein haben. Also alle außer den Sängern. [Gelächter]

 

Das gibt mir ja die perfekte Überleitung zu meiner nächsten Frage: Wie kamt Ihr darauf, sowohl männlichen als auch weiblichen Gesang zu featuren? [Just in diesem Moment schaltet sich der Sprachassistent eines Anwesenden ein: „Es tut mir leid, ich habe Ihre Frage nicht verstanden.“ Großes Gelächter]

Isabelle: Oh, Siri ist auch dabei! [Noch mehr Gelächter] Jedenfalls fragte mich Daniel ganz charmant: „Ich weiß, Du bist eigentlich zu gut für den Background-Gesang, aber hättest Du nicht Lust?“ Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen.

… und das mit dem Background hat sich ja auch relativ schnell erledigt, oder?

I: Ja, Sami singt schon noch mehr, aber es ist jetzt annähernd eine gemeinsame Sache.

D: Was auch daran liegt, dass wir die ersten Songs, die wir heute auch noch spielen, damals nur mit Sami geschrieben haben. Das sind dann eben seine Lead-Songs.

 

Wie läuft das denn überhaupt mit dem Songwriting bei Euch? Bei acht oder jetzt neun Mitgliedern stelle ich mir das gar nicht so einfach vor.

D: Die ersten vier oder fünf Songs habe ich noch zusammen mit Sami geschrieben. Mittlerweile ist es aber schon so, dass beispielsweise Felix, Martin oder ich ein Riff mitbringen und wir dann darüber jammen.

Michael: Eben gerade bei der Probe ist mir das wieder aufgefallen: Für so eine große Band geht es bei uns ziemlich liberal zu. Es werden sehr, sehr viele Ideen untereinander ausgetauscht. Egal, welches Instrument, die Bälle werden sich wirklich zugespielt. Und meistens klappt das auch, dass wir relativ schnell einen Konsens finden.

F: Wir probieren auch tatsächlich jede Idee aus, die einer anbringt.

D: Eben, und wenn diese Idee dann geil ist, dann schauen wir, dass wir weitere Teile dazu schreiben. So enstehen dann ganze Songs.

 

Kommen wir mal zur klassischen Frage aller Fragen: Woher kommt der Name „Dirty Flamingo“?

Mi: Also dazu gibt es eigentlich zwei Geschichten. Die offizielle Version lautet, dass in unserem ehemaligen Proberaum in der Bessunger Knabenschule zu der Zeit, als noch etwas mehr Bier konsumiert als Musik gespielt wurde, ein großer Fleck an der Wand war. Und da meinte eben einer von uns, dass der aussieht wie ein Flamingo. Daraus wurde dann „Dirty Flamingo“.

D: Dann haben wir das natürlich gegoogelt. Da stellte sich dann heraus, dass das ’ne Sexpraktik ist.

 

Das lassen wir die Leser dann vielleicht selbst googeln …

Mi: Gut, die Wahrheit ist, dass ich schon immer mal eine Band mit Flamingo im Namen haben wollte. Also hab ich das vorgeschlagen und dank einiger vorher konsumierter Biere waren dann auch alle direkt dafür.

I: Ganz witzig ist aber auch, dass viele Leute uns Pink Flamingo nennen, vielleicht auch wegen der pinken Krawatten, die wir tragen. [Zustimmendes Raunen: „Ja, das kenn‘ ich!“].

Man merkt zum Beispiel an Euren Outfits, dass Ihr Euch echt Gedanken um die Außendarstellung macht. Ich finde zum Beispiel Eure Grafiken und Logos spitze. Das machst Du, Daniel?

D: Ja, noch. Aber zum neuen Album haben wir das jetzt an unseren Freund Leon Schönberger abgegeben, der auch die meisten Fotos für uns macht.

 

Stimmt, da habe ich neulich einen Post gesehen, in dem Ihr ihn als zehntes Mitglied bezeichnet habt …

F: Leon ist fast von Anfang an dabei. Wir finden es schön, dass er echt Lust darauf hat und uns unterstützt, wo er kann.

Martin: Richtig, er kam auf uns zu, nicht wir auf ihn. Auch beim Album-Artwork hat er direkt angeboten, etwas für uns zu machen. Und wir sind echt zufrieden damit. Demnächst werden wir auch ein Video drehen, das Leon für uns produzieren wird.

 

Lasst uns kurz noch von Eurem ersten Album reden, das Ihr bald veröffentlichen werdet. Hat das Kind schon einen Namen?

Ma: Du wirst es nicht glauben, aber die Platte heißt … Dirty Flamingo!

D: Aufgenommen haben wir sie beim Lolo Blümler in den Ironbar Studios, gemastert hat sie René Hofmann.

 

Ich hoffe, ihr feiert die Veröffentlichung auch gebührend!

Mi: Natürlich! Am ersten Dezember gibt es eine große Release-Show im Pädagogkeller. Unterstützt werden wir dabei von unseren Freunden von Backdoorslam.

 

Wir sind leider schon fast am Ende. Eine letzte Frage noch: Ich wüsste gerne von jedem das erste Wort, was ihr oder ihm zu Dirty Flamingo einfällt. Go!

Alle: Second Family! Wicküler! Chill’n’easy! Dirty! [In breitestem Hessisch] Raddischer Vochel! Spielwiese!

 

Ich glaube, das reicht schon! Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns am ersten Dezember. Und an dieser Stelle noch viele Grüße an Sami.

 

CD-Release-Party von Dirty Flamingo

Support: Backdoorslam

Pädagogkeller | Fr, 01.12. | 20 Uhr | 6 €

www.facebook.com/DirtyFlamingoSoul

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